Nitrospray und seine Wirkung auf Migräne und Kopfschmerzen

Nitrospray, oft auch als Nitroglyzerin-Spray bekannt, wird hauptsächlich zur Behandlung von Angina Pectoris eingesetzt, kann aber auch im Zusammenhang mit Migräne und anderen Kopfschmerzarten eine Rolle spielen. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkungsweise von Nitrospray, seine Anwendung in der Forschung und seine potenziellen Auswirkungen auf verschiedene Kopfschmerztypen.

Einführung

Nitrospray enthält Nitroglyzerin, einen Wirkstoff, der zur Gruppe der organischen Nitrate gehört. Es wirkt gefäßerweiternd und wird daher in der Kardiologie zur Behandlung von Angina Pectoris eingesetzt. In der Kopfschmerzforschung wird Nitroglyzerin genutzt, um experimentell Kopfschmerzattacken auszulösen und die zugrunde liegenden Mechanismen besser zu verstehen.

Nitroglyzerin-Provokationstest

Der Nitroglyzerin-Provokationstest ist eine Methode, bei der Nitroglyzerin verabreicht wird, um bei anfälligen Personen, insbesondere Clusterkopfschmerz-Patienten, eine Kopfschmerzattacke auszulösen. Dieser Test war früher ein gängiges Verfahren, um Clusterkopfschmerzen zu diagnostizieren.

Durchführung und Bedingungen

Für einen erfolgreichen Nitroglyzerin-Provokationstest müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein:

  • Innerhalb der letzten acht Stunden darf keine Attacke aufgetreten sein.
  • Innerhalb der letzten 24 Stunden dürfen keine gefäßverengenden Substanzen eingenommen worden sein.
  • Es darf keine medikamentöse Prophylaxe betrieben werden.

Nach der sublingualen Gabe von 1 mg Nitroglyzerin kann bei einem Teil der Patienten innerhalb von 30 bis 60 Minuten eine Attacke ausgelöst werden. Der Test gilt als positiv, wenn die ausgelöste Attacke den klinisch spontanen Clusterattacken entspricht. Es ist wichtig zu beachten, dass der Test in Remissionsphasen nicht einsetzbar ist und auch Migräneattacken auslösen kann.

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Historische Anwendung und aktuelle Leitlinien

In einer Studie von 1953 führte Peters Versuche mit Nitroglyzerin (GTN) und Histamin durch, um Kopfschmerzattacken auszulösen. GTN (1,3 mg sublingual) löste bei 78,6 % der Cluster-Patienten eine Attacke aus, während Histamin (0,35 mg subkutan) bei 75 % der getesteten Clusterkopfschmerz-Patienten wirksam war. Allerdings lässt sich aus dem Bericht von Peters nicht entnehmen, ob die Patienten an der chronischen oder episodischen Verlaufsform erkrankt waren.

Heutzutage wird der Nitroglyzerin-Provokationstest in den aktuellen Leitlinien der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der European Federation of Neurological Societies (EFNS) nicht mehr erwähnt.

Forschungsergebnisse zur Auslösung von Kopfschmerzen

Mehrere Studien haben die Wirksamkeit von Nitroglyzerin bei der Auslösung von Kopfschmerzattacken untersucht.

  • Drummond und Anthony berichteten 1985, dass 64 % der Cluster-Patienten auf 0,9 mg GTN sublingual reagierten.
  • Andrzej Bogucki berichtete 1989 über die erfolgreiche Provokation von Clusterkopfschmerzattacken mit GTN (1 mg sublingual) und Histamin bei Patienten mit der episodischen Verlaufsform.
  • Arne May und sein Team verwendeten 1998/9 Nitroglyzerin-Spray zur Auslösung von Attacken, um die Vorgänge im Gehirn mittels bildgebender Verfahren zu untersuchen.
  • Eine Studie von Grazia Sances, Cristina Tassorelli und dem Team von Prof. G. Nappi zeigte, dass bei 42,9 % der Cluster-Kopfschmerzpatienten eine Cluster-Attacke innerhalb der ersten Stunde nach der Gabe von 0,9 mg GTN sublingual auftrat.

Auswirkungen auf Migräne

Nitrate in der Nahrung können bei manchen Menschen Kopfschmerzen auslösen oder als Trigger für eine Migräneattacke wirken. Auch einige Migränepatienten kennen sie als Trigger für eine Migräneattacke. Kopfschmerzen sind zudem eine bekannte Nebenwirkung von Nitro-Präparaten.

Bakterielle Umwandlung von Nitraten

Die Nitrate in der Nahrung haben diese Wirkung erst, wenn sie durch eine chemische Reaktion in Nitrite umgewandelt werden. Die dafür notwendigen Enzyme gibt es nur in Bakterien, menschliche Zellen sind dazu nicht in der Lage. Ein Team um Rob Knight von der Universität von Kalifornien hat die Darm- und Mundflora von Migränepatienten und gesunden Vergleichspersonen ausgewertet. In den Abstrichen der Mundschleimhaut fanden die Forscher häufiger bakterielle Gene für den Abbau von Nitraten, Nitriten und Stickoxiden, wenn die Personen im Fragebogen angegeben hatten, dass sie unter Migräne leiden.

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Schlafstörungen und Migräne

Studien haben gezeigt, dass es einen Zusammenhang zwischen Schlaf und Migräne gibt. Bis zu 48 Prozent der Migränepatienten leiden auch an Schlafstörungen. Schlafentzug kann ein Triggerfaktor für eine Migräneattacke sein.

Kopfschmerzen durch Medikamente

Kopfschmerzen können als Nebenwirkung verschiedener Medikamente auftreten, zum Beispiel von Mitteln gegen Herzbeschwerden (Nitrospray) oder Erektionsstörungen (sogenannten PDE-5-Hemmern). Bei Menschen mit einer primären Kopfschmerzerkrankung wie Migräne oder Spannungskopfschmerzen können die Kopfschmerzen durch eine regelmäßige und häufige Einnahme von Schmerz- oder Migränemitteln zunehmen. Man nennt dieses Phänomen dann Kopfschmerzen durch Medikamenten-Übergebrauch.

Behandlung von Kopfschmerzen durch Medikamentenübergebrauch

Um dies festzustellen und zu behandeln, werden die Mittel für etwa 7 bis 14 Tage abgesetzt. Wenn es sich um Kopfschmerzen durch Medikamenten-Übergebrauch handelt, bessern sich die Schmerzen nach wenigen Tagen und werden seltener. Bevor sie nachlassen, können sie sich zu Beginn der Schmerzmittelpause allerdings zunächst verstärken. Außerdem kann es zu Übelkeit, Unruhe oder Schlafstörungen kommen.

Clusterkopfschmerz und biologische Rhythmen

Untersuchungen eines deutsch-britischen Teams um Dr. Arne May haben gezeigt, dass der Cluster-Kopfschmerz auf eine fehlerhafte Regulation biologischer Rhythmen zurückgeht. Mit Hilfe der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) konnte belegt werden, dass bei Cluster-Patienten während einer Attacke bestimmte Strukturen im Hypothalamus besonders aktiv sind. Diese Gehirnregion gilt als Sitz der "inneren Uhr", die unter anderem den Schlaf-Wach-Rhythmus und andere so genannte zirkadiane Rhythmen steuert. Wie die Forschergruppe herausfand, sind die verdächtigen Hypothalamus-Strukturen sowohl bei spontanen Kopfschmerz-Attacken aktiv als auch bei Anfällen, welche die Wissenschaftler durch eine Nitroglycerin-Behandlung bei Cluster-Patienten künstlich auslösten, die sich gerade in einer aktiven Phase befanden.

Therapie von Migräne

Triptane sind eine Klasse von Medikamenten, die speziell zur Behandlung von Migräne entwickelt wurden. Sie wirken nicht nur gegen den Migränekopfschmerz, sondern auch gegen Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Lärm- und Lichtempfindlichkeit. Eine entscheidende Wirkung der Triptane ist die Blockierung der Freisetzung von Nervenbotenstoffen (Neuropeptiden und Neurotransmittern), die eine lokale neurogene Entzündung an den Blutgefäßen des Gehirns auslösen können.

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