Noradrenalin und Dopamin: Unterschiede, Funktionen und Auswirkungen auf den Körper

Noradrenalin und Dopamin sind beides wichtige Neurotransmitter und Hormone, die eine entscheidende Rolle in verschiedenen Körperfunktionen spielen. Obwohl sie beide zu den Katecholaminen gehören und ähnliche chemische Strukturen aufweisen, haben sie unterschiedliche Wirkungen und Funktionen. Dieser Artikel beleuchtet die Unterschiede zwischen Noradrenalin und Dopamin, ihre jeweiligen Funktionen und Auswirkungen auf den Körper, um ein umfassendes Verständnis dieser beiden wichtigen Botenstoffe zu ermöglichen.

Einführung

Neurotransmitter sind Botenstoffe, die Nachrichten zwischen Nervenzellen oder zwischen Nerven und Endorganen, wie dem Herzen, vermitteln. Sie sind essenziell für die Kommunikation im Gehirn und beeinflussen eine Vielzahl von Prozessen, von Emotionen und Verhalten bis hin zu Herz-Kreislauf-Funktionen. Noradrenalin und Dopamin sind zwei solche Neurotransmitter, die eine bedeutende Rolle in der menschlichen Physiologie spielen.

Synthese von Noradrenalin und Dopamin

Die Synthese von Dopamin, Adrenalin und Noradrenalin, den Katecholaminen, erfolgt im Nebennierenmark, in Nervenzellen und in Zellen neuralen Ursprungs. Die Ausgangssubstanz für diese Synthese ist die Aminosäure Tyrosin. Tyrosin wird über verschiedene Reaktionsschritte zu Dopamin, Noradrenalin und schließlich Adrenalin synthetisiert.

Ein Mangel an den beteiligten Enzymen oder Cofaktoren, wie Vitamin B6, Magnesium und Kupfer, kann zu einer gestörten Biosynthese der Stresshormone führen und sich negativ auf den Organismus auswirken. Jedes Katecholamin hat seine individuelle Wirkung: Adrenalin steigert Blutdruck und Herzfrequenz, während Noradrenalin die weitere Ausschüttung von Adrenalin hemmt und hauptsächlich den Blutdruck beeinflusst, ohne die Herzfrequenz zu erhöhen. Dopamin hingegen fördert die Kontraktionskraft und Erregbarkeit des Herzens.

Noradrenalin entsteht durch die Umwandlung der Aminosäure Tyrosin, die über den Blutkreislauf in das zentrale Nervensystem gelangt. Tyrosin wird durch drei Enzyme nach und nach zu Noradrenalin verarbeitet, wobei das erste und wichtigste Enzym die Tyrosinhydroxylase (TOH) ist. Dopamin selbst ist ein Neurotransmitter, der durch das Enzym Dopamin-Beta-Hydroxylase (DBA) in Noradrenalin umgewandelt wird.

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Dopamin: Funktionen und Auswirkungen

Dopamin ist ein lebenswichtiges Hormon und Botenstoff im Nervensystem, der Motivation, Vorfreude und Antrieb steigert. Es wird oft als "Glückshormon" bezeichnet. Als Botenstoff überträgt Dopamin elektrische Impulse vom Gehirn zu den Muskeln und steuert so beispielsweise Bewegungen. Dopamin wird im Nervensystem und im Nebennierenmark gebildet.

Dopaminmangel

Ein Dopaminmangel kann vielfältige Auswirkungen auf die psychische und körperliche Gesundheit haben. Die Symptome eines Dopaminmangels können auch vorliegen, wenn die Bildung des Dopamins aus den Aminosäuren L-Tyrosin bzw. L-Phenylalanin im Nebennierenmark und im Zentralen Nervensystem ungestört stattfindet. Auch eine dauerhaft zu hohe Konzentration der Noradrenalin-Vorstufe Dopamin bei gleichzeitigem Serotoninmangel hat umfangreiche negative Auswirkungen auf den Organismus.

Symptome eines Dopaminmangels:

  • Müdigkeit
  • Antriebslosigkeit
  • Nervosität, Unruhe
  • Schlafstörungen
  • Interessen- und Motivationsmangel
  • Bewegungsstörungen (z.B. Zittern bei Parkinson)

Ein Mangel an Dopamin hat massive Konsequenzen für den Organismus. In Extremform zeigen sich die Auswirkungen an den Symptomen der Parkinson-Krankheit, bei der eine massive Verarmung an Dopamin und Dopamin-Rezeptoren in Hirnregionen vorliegt, die für Bewegung und Koordination wichtig sind. Viele Menschen leiden an weniger stark ausgeprägten Formen des Dopaminmangels, die sich ebenfalls durch Bewegungsstörungen, Motivationslosigkeit oder Tagesmüdigkeit äußern können.

Dopamin-Überschuss

Auch ein Dopamin-Überschuss kann negative Auswirkungen haben. Bei Schizophrenie gibt es Hinweise darauf, dass in manchen Hirnregionen ein Überschuss an Dopamin besteht, während es in anderen Hirnregionen an dem Botenstoff mangelt.

Therapeutische Anwendung von Dopamin

Eine direkte therapeutische Anwendung von Dopamin kommt nur bei ärztlich überwachten Schockbehandlungen, bei Nierenversagen oder extrem niedrigem Blutdruck zum Tragen. Bei Parkinson-Patienten wird kein Dopamin verabreicht, da dieser Neurotransmitter die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden kann und somit nicht von außen in das Zentrale Nervensystem gelangen kann. Stattdessen erhalten Betroffene oft Levodopa - eine Dopaminvorstufe, welche die Blut-Hirn-Schranke passieren kann und im Gehirn in Dopamin umgewandelt wird.

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Dopamin und Appetitregulation

Dopamin spielt auch eine wichtige Rolle bei der Appetitregulation. Bei Störungen im Essverhalten, wie Heißhungerattacken und gesundheitsgefährdendem Übergewicht, kann eine Messung des Dopamin-Spiegels im Rahmen des Profils ADIPOSITAS plus vorgenommen werden, um die Neurohormon- und Neurotransmitter-Verhältnisse zu bestimmen.

Noradrenalin: Funktionen und Auswirkungen

Noradrenalin, auch bekannt als Norepinephrin, wirkt im Körper als Hormon und Neurotransmitter. Es wird vorwiegend in sympathischen Nervenenden und in geringen Mengen im Nebennierenmark generiert. Noradrenalin beeinflusst das retikuläre Aktivierungssystem und die Impulssteuerung.

Funktionen von Noradrenalin

  • Arousal und Wachsamkeit: Noradrenalin beeinflusst Arousal, Wachsamkeit im Wachzustand und die Erkennung sensorischer Signale.
  • Verhalten und Kognition: Es spielt eine Rolle in Bezug auf Verhalten und Kognition.
  • Aufmerksamkeit: Bei ADHS hat Noradrenalin nach Dopamin den zweitgrößten Einfluss. Es spielt eine Rolle in den Aufmerksamkeitszentren des Gehirns und beeinflusst die Motivation, Stimmung und die Gedächtnisfähigkeit.
  • Stressreaktion: Noradrenalin ist ein wichtiger Mitspieler von Adrenalin und der eigentliche Neurotransmitter, der im zentralen Nervensystem gebildet wird und im Gehirn die folgende Reaktionskette auslöst.

Noradrenerge Rezeptoren

Es gibt verschiedene Arten von noradrenergen Rezeptoren, die sogenannten Adrenozeptoren: α1-, α2- und β-Rezeptoren. Diese Rezeptoren können durch Agonisten aktiviert oder Antagonisten blockiert werden.

Noradrenalintransporter

Noradrenalintransporter befinden sich stets an der Präsynapse und nehmen Neurotransmitter in die Zelle wieder auf. Der Noradrenalintransporter nimmt neben Noradrenalin auch Dopamin wieder auf.

Noradrenalin wird auch durch den Plasmamembran Monoamin-Transporter (PMAT) und die organischen Kationentransporter (OCT1, OCT2, OCT3) aufgenommen.

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Noradrenalin und Schlaf

Das noradrenerge System des Gehirns ist im Schlaf vollständig deaktiviert.

Unterschiede zwischen Dopamin und Noradrenalin

Obwohl Dopamin und Noradrenalin beide Katecholamine sind und ähnliche Funktionen im Körper erfüllen, gibt es wesentliche Unterschiede zwischen ihnen:

MerkmalDopaminNoradrenalin
HauptfunktionenMotivation, Belohnung, Bewegungskoordination, AppetitregulationArousal, Wachsamkeit, Aufmerksamkeit, Blutdruckregulation, Stressreaktion
SyntheseWird aus Tyrosin synthetisiert und ist eine Vorstufe von NoradrenalinWird aus Dopamin durch das Enzym Dopamin-Beta-Hydroxylase (DBA) synthetisiert
RezeptorenDopaminrezeptoren (D1-D5)Adrenozeptoren (α1-, α2- und β-Rezeptoren)
Therapeutische AnwendungBehandlung von Parkinson-Krankheit (durch Dopaminvorstufen wie Levodopa), Behandlung von Schockzuständen und niedrigem BlutdruckBehandlung von niedrigem Blutdruck, Behandlung von ADHS (durch Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer)
Auswirkungen eines MangelsMüdigkeit, Antriebslosigkeit, Bewegungsstörungen (z.B. bei Parkinson), MotivationsmangelBeeinträchtigung von Aufmerksamkeit, Wachsamkeit und Stressreaktion
Beteiligung an ErkrankungenParkinson-Krankheit, Schizophrenie, ADHS, Depressionen, SuchterkrankungenADHS, Depressionen, Angststörungen, posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
Wirkung auf HerzfrequenzFördert die Kontraktionskraft und Erregbarkeit des HerzensSteigert hauptsächlich den Blutdruck, hat aber keinen direkten Einfluss auf die Herzfrequenz (im Gegensatz zu Adrenalin)
AbbauDurch Enzyme wie COMT und MAO, Wiederaufnahme in die präsynaptische ZelleDurch Enzyme wie COMT und MAO, Wiederaufnahme in die präsynaptische Zelle
Beeinflussung durch MedikamenteDopaminagonisten, Dopaminantagonisten, MAO-B-Inhibitoren, COMT-InhibitorenNoradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, Alpha- und Beta-Blocker, MAO-Inhibitoren, COMT-Inhibitoren

Zusammenspiel mit anderen Neurotransmittern und Hormonen

Noradrenalin und Dopamin interagieren mit anderen Neurotransmittern und Hormonen, um komplexe physiologische Prozesse zu steuern. Zum Beispiel wirkt Serotonin im Zusammenspiel mit Adrenalin und Dopamin stimmungsaufhellend und motivationsfördernd. Bei Stress findet sofort eine Sekretion der Katecholamine (Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin) statt, um den Organismus kurzfristig in die Lage zu versetzen, auf die erhöhten Anforderungen der Stresssituation zu reagieren.

Auswirkungen von Stress auf Noradrenalin und Dopamin

Bei Stress werden die Katecholamine Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin ausgeschüttet, um den Körper in den "Fright-Flight-Fight"-Modus zu versetzen. Dopamin ist entscheidend für Koordination, Motorik, Gedächtnis, Lernen, Konzentration und geistige Leistungsfähigkeit. Noradrenalin bewirkt eine Steigerung von Blutdruck, Aufmerksamkeit, Wachheit, Konzentration, Leistungsbereitschaft, Motivation und Motorik. Adrenalin steigert das Atemvolumen, den Blutdruck und die Leistung des Herzens, wodurch dem Körper mehr Sauerstoff zur Verfügung gestellt und die Aufmerksamkeit sowie die geistige Aktivität und Motivation gesteigert werden.

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