Novalgin®, auch bekannt unter dem Wirkstoffnamen Metamizol oder Novaminsulfon, ist ein nicht-opioides Schmerzmittel mit schmerzlindernden, fiebersenkenden und leicht entzündungshemmenden Eigenschaften. Es wird häufig als Reservemittel eingesetzt, wenn andere Schmerzmittel nicht ausreichend wirken. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung von Novalgin® nach einem Schlaganfall, wobei Risiken, Wechselwirkungen und alternative Behandlungsmöglichkeiten berücksichtigt werden.
Wirkungsweise und Anwendungsgebiete von Novalgin®
Im Gegensatz zu opioiden Schmerzmitteln wirkt Novalgin® nicht an den Opioidrezeptoren. Der genaue Wirkmechanismus ist noch nicht vollständig geklärt, es wird jedoch vermutet, dass Novalgin® die Bildung von Prostaglandinen hemmt, einer Gruppe von Gewebshormonen, die an der Entstehung von Schmerzen und Entzündungen beteiligt sind.
Novalgin® wird zur Behandlung folgender Beschwerden eingesetzt:
- Starke Schmerzen (akute und chronische)
- Tumorschmerzen
- Schmerzen nach Operationen oder Verletzungen
- Hohes Fieber (wenn andere Medikamente nicht wirken)
- Krampfartige Schmerzen (Koliken) der Gallenwege oder Harnwege
Novalgin® ist in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich, darunter Tropfen, Tabletten, Zäpfchen und Injektionslösungen. Die Dosierung ist individuell anzupassen und sollte immer in Absprache mit einem Arzt erfolgen.
Novalgin® und Schlaganfall: Besondere Überlegungen
Bei Patienten, die einen Schlaganfall erlitten haben, sind besondere Vorsichtsmassnahmen bei der Anwendung von Novalgin® geboten. Dies liegt vor allem an möglichen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, die zur Sekundärprävention von Schlaganfällen eingesetzt werden, sowie an den potenziellen Nebenwirkungen von Novalgin® selbst.
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Wechselwirkungen mit ASS und anderen Thrombozytenaggregationshemmern
Ein wichtiger Aspekt ist die mögliche Wechselwirkung zwischen Novalgin® und Acetylsalicylsäure (ASS), die häufig zur Vorbeugung weiterer Schlaganfälle eingesetzt wird. ASS hemmt irreversibel die Cyclooxygenase-1 (COX-1) in Thrombozyten und verhindert so die Bildung von Thromboxan A2, einem Stoff, der die Thrombozytenaggregation fördert.
Einige Studien deuten darauf hin, dass Novalgin® die Wirkung von niedrig dosierter ASS auf die Thrombozytenaggregation beeinträchtigen kann. In-vitro-Untersuchungen haben gezeigt, dass Metamizol bzw. seine aktiven Metabolite die hemmende Wirkung von ASS aufheben können. Eine Beobachtungsstudie an Patienten mit koronarer Herzkrankheit (KHK) ergab, dass bei gleichzeitiger Einnahme von ASS und Metamizol bei einem Teil der Patienten wieder Thromboxan A2 gebildet wurde und die Thrombozytenaggregation ähnlich ausgeprägt war wie bei Patienten, die kein ASS erhielten. Eine weitere Studie an Patienten nach einem ischämischen Schlaganfall zeigte, dass ein Teil der Patienten, die ASS und Metamizol einnahmen, eine gestörte Reaktion auf ASS aufwies.
Allerdings gibt es auch Studien, die keine Wechselwirkung zwischen ASS und Metamizol feststellen konnten. Die Datenlage ist also nicht eindeutig.
Empfehlungen zur Minimierung des Risikos von Wechselwirkungen:
- Indikation kritisch prüfen: Die Indikation für Novalgin® sollte bei Patienten, die ASS einnehmen, besonders kritisch geprüft werden.
- Niedrigste wirksame Dosis: Es sollte die niedrigste wirksame Dosis von Novalgin® für den kürzest möglichen Zeitraum verordnet werden.
- Zeitlicher Abstand: Um die hemmende Wirkung auf die Thrombozytenaggregation voll entfalten zu können, sollte ASS 100 mindestens 30 Minuten vor der Einnahme von Novalgin® eingenommen werden. Ob dieses Vorgehen potenzielle Interaktionen bei einer längerfristigen Einnahme verhindern kann, ist jedoch unklar.
Es ist wichtig zu beachten, dass die verfügbaren Studien zur klinischen Relevanz dieser Interaktion auf kleinen Patientenzahlen beruhen und methodische Schwächen aufweisen. Weitere Forschung ist erforderlich, um die klinische Relevanz besser einschätzen zu können.
Auch von einigen nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen, Indometacin und Naproxen ist bekannt, dass sie die ASS-Wirkung auf die Thrombozytenaggregation behindern können, da sie mit ASS um die Bindung an die Cyclooxygenase-1 (COX-1) konkurrieren.
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Weitere Wechselwirkungen
Novalgin® kann Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten eingehen, darunter:
- Medikamente, die die Wirkstoffe Efavirenz, Bupropion, Methadon, Valproat, Tacrolimus oder Ciclosporin enthalten (Novalgin® kann den Blutserumspiegel dieser Wirkstoffe absenken)
- Diuretika (Novalgin® kann die Wirksamkeit von Diuretika abschwächen)
- Lithium
- Blutdrucksenkende Arzneimittel (z.B. Captopril)
- Chlorpromazin (gleichzeitige Anwendung kann zu einem deutlichen Abfall der Körpertemperatur führen)
Es ist wichtig, den Arzt über alle eingenommenen Medikamente zu informieren, um mögliche Wechselwirkungen zu vermeiden.
Nebenwirkungen von Novalgin®
Novalgin® kann verschiedene Nebenwirkungen haben, darunter:
- Agranulozytose: Eine seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkung ist die Agranulozytose, eine Störung der Blutbildung, bei der die Anzahl der weißen Blutkörperchen (Granulozyten) stark abnimmt. Dies kann zu einem erhöhten Infektionsrisiko führen. Erste Anzeichen sind unspezifisch und ähneln einem grippalen Infekt. Betroffene sollten bei Verdacht sofort einen Arzt aufsuchen.
- Allergische Reaktionen: Novalgin® kann allergische Reaktionen auslösen, die von Hautausschlägen bis hin zu einem anaphylaktischen Schock reichen können.
- Hypotonie: Insbesondere bei parenteraler Anwendung (Injektion) kann es zu einem starken Blutdruckabfall kommen.
- Leberschäden: In seltenen Fällen kann Novalgin® Leberschäden verursachen. Symptome können Müdigkeit, Übelkeit, Gelbsucht und erhöhte Leberenzymwerte sein.
- Weitere mögliche Nebenwirkungen: Übelkeit, Erbrechen, Magenbeschwerden, Kopfschmerzen, Schwindel.
Kontraindikationen
Novalgin® sollte nicht eingenommen werden bei:
- Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff
- Störung der Produktion des roten Blutfarbstoffes
- Akute hepatische Porphyrie (Stoffwechselstörung)
- Mangel an dem Enzym Glucose-6-phosphat-Dehydrogenase
- Störungen des hämatopoetischen Systems (Bluterkrankungen)
- Schwangerschaft und Stillzeit
- Säuglingen unter drei Monaten
Kinder unter zehn Jahren sollten Novalgin® nur in ärztlicher Absprache und in Form von Zäpfchen erhalten.
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Alternativen zu Novalgin®
Bei Patienten nach einem Schlaganfall, die Schmerzen oder Fieber haben, sollten zunächst alternative Schmerzmittel in Betracht gezogen werden, insbesondere wenn ein erhöhtes Risiko für Wechselwirkungen mit ASS oder andere Bedenken bestehen.
Paracetamol: Paracetamol wirkt schmerzlindernd und fiebersenkend, hat aber keine entzündungshemmende Wirkung. Es gilt als relativ sicher, sollte aber in der Tagesdosis von maximal 3 g nicht überschritten werden, um Leberschäden zu vermeiden.
Ibuprofen: Ibuprofen wirkt schmerzlindernd, entzündungshemmend und fiebersenkend. Es kann jedoch das Risiko für Magengeschwüre, Blutdruckerhöhungen und Nierenschäden erhöhen. Zudem kann es die Wirkung von ASS beeinträchtigen. "Coxibe" wie Etoricoxib erhöhen das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.
Opioide: Opioide sind starke Schmerzmittel, die jedoch das Risiko von Abhängigkeit und Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Verstopfung bergen. Sie sollten nur bei starken Schmerzen eingesetzt werden, wenn andere Schmerzmittel nicht ausreichend wirken.
Nicht-medikamentöse Therapien: Bei chronischen Schmerzen sollten nicht-medikamentöse Therapien wie Physiotherapie, Akupunktur, Entspannungsübungen und psychologische Interventionen in Betracht gezogen werden.
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