Novalgin, dessen Wirkstoff Metamizol ist, ist ein häufig eingesetztes Medikament zur Schmerzlinderung, Fiebersenkung und Krampflösung. Es findet Anwendung bei starken Schmerzen nach Verletzungen oder Operationen, Koliken, Tumorschmerzen, hohem Fieber und anderen Beschwerden. Trotz seiner Wirksamkeit ist Metamizol nicht ohne Risiken. Insbesondere im Zusammenhang mit Migräne ist ein sorgfältiger Umgang mit diesem Medikament geboten.
Was ist Novalgin (Metamizol)?
Metamizol, der Wirkstoff in Novalgin, wirkt schmerzstillend, fiebersenkend und entspannend auf die Muskulatur. Es unterbindet im Gehirn und Rückenmark die Produktion von Gewebshormonen (Prostaglandine), die für Schmerz, Blutgerinnung und Entzündungen verantwortlich sind. Die fiebersenkende Wirkung beruht auf der Beeinflussung des Temperatur-Regulationszentrums im Gehirn. Zusätzlich besitzt Metamizol eine krampflösende Wirkung.
Anwendungsgebiete von Novalgin
Novalgin wird nach Fachinformation für Kinder und Erwachsene bei folgenden Indikationen eingesetzt:
- Akute starke Schmerzen nach Verletzungen oder Operationen
- Koliken
- Tumorschmerzen
- Sonstige akute oder chronische starke Schmerzen, soweit andere therapeutische Maßnahmen nicht indiziert sind
- Hohes Fieber, das auf andere Maßnahmen nicht anspricht
Es ist wichtig zu beachten, dass Metamizol nicht bei Kopf-, Zahn- oder Rückenschmerzen indiziert ist, es sei denn, andere therapeutische Maßnahmen sind nicht ausreichend.
Mögliche Nebenwirkungen von Novalgin
Wie jedes Medikament kann auch Novalgin Nebenwirkungen verursachen. Zu den wichtigsten gehören:
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Agranulozytose
Eine der schwerwiegendsten Nebenwirkungen von Metamizol ist die Agranulozytose. Dabei kommt es zu einer plötzlichen und starken Abnahme von Granulozyten (neutrophile Granulozyten unter 500/µl Blut), was schwere oder tödliche Infektionen zur Folge haben kann. Die Agranulozytose ist nicht dosisabhängig und kann während oder kurz nach der Behandlung auftreten, auch bei Patienten, die den Wirkstoff zuvor ohne Komplikationen angewendet haben.
Frühsymptome einer Agranulozytose sind:
- Fieber
- Schüttelfrost
- Halsschmerzen
- Schmerzhafte Schleimhautveränderungen, insbesondere im Mund, in der Nase und im Rachen oder im Genital- oder Analbereich
Bei Hinweisen auf eine Agranulozytose muss die Anwendung von Metamizol sofort abgebrochen und das Blutbild kontrolliert werden.
Leberschäden
Seit 2020 wird offiziell vor der möglichen Gefahr einer Leberschädigung durch Metamizol gewarnt. Eine veröffentlichte Kohortenstudie hat das Risiko für einen Leberschaden bei Anwendung von Metamizol mit dem von Paracetamol verglichen. Dabei soll sich unter Metamizol ein höheres Risiko als unter Paracetamol gezeigt haben. Es wird ein immun-allergischer Mechanismus vermutet.
Symptome eines Leberschadens können sein:
- Gelbfärbung der Haut und der Augen (Gelbsucht)
- Müdigkeit
- Übelkeit
- Schwäche
Auch hier gilt, dass Metamizol sofort abgesetzt werden muss, wenn entsprechende Symptome auftreten.
Weitere Nebenwirkungen
Weitere, gelegentlich auftretende Nebenwirkungen von Novalgin sind blasiger Hautausschlag und Blutdruckabfall. Seltener kann es zu allergischen Reaktionen kommen, die sich durch Hautrötung, Niesen, Naselaufen und Schwellungen im Gesicht äußern.
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Novalgin bei Migräne: Was ist zu beachten?
Obwohl Metamizol nicht primär zur Behandlung von Migräne indiziert ist, wird es in manchen Fällen dennoch eingesetzt, wenn andere Schmerzmittel nicht ausreichend wirken. Dies sollte jedoch nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken durch einen Arzt erfolgen.
Fälle aus der Praxis
Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) erhält regelmäßig Meldungen über Agranulozytosen unter Metamizol, die teilweise tödlich enden. In einigen Fällen wurde die Agranulozytose trotz typischer Symptome erst nach Tagen diagnostiziert und die Therapie verzögert begonnen. Häufig liegt dabei ein indikationsübergreifender Einsatz oder „Selbstmedikation“ vor.
Beispiele:
- Eine 20-jährige Patientin bekam Metamizol zur Migränebehandlung und entwickelte nach einigen Tagen erste aphthöse Veränderungen im Mund sowie Fieber und Nachtschweiß. Trotzdem wurde Metamizol weiter eingenommen, was zu einer Agranulozytose führte, die stationär behandelt werden musste.
- Ein 37-jähriger Patient nahm ohne ärztliche Verordnung Metamizol gegen Rückenschmerzen ein und entwickelte einige Tage später Halsschmerzen und starke Schluckbeschwerden. Es wurde eine Agranulozytose festgestellt, die eine mehrwöchige stationäre Behandlung mit Intubation erforderlich machte.
Diese Fälle verdeutlichen die Notwendigkeit einer strengen Indikationsstellung und einer umfassenden Aufklärung der Patienten über die Risiken von Metamizol.
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Im Dezember 2024 wurde ein Rote-Hand-Brief zu metamizolhaltigen Arzneimitteln veröffentlicht, der folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen hervorhebt:
- Überwachung von Nebenwirkungen: Patienten sind über die Risiken einer Agranulozytose aufzuklären und müssen unverzüglich medizinische Hilfe suchen bei Symptomen wie Fieber, Halsschmerzen, schmerzhaften Schleimhautveränderungen oder anderen Anzeichen einer Infektion.
- Kontraindikationen: Metamizol darf nicht bei Patienten angewendet werden, die bereits eine Agranulozytose aufgrund von Metamizol, Pyrazolonen oder Pyrazolidinen erlebt haben sowie bei Vorliegen von Blutbildungsstörungen oder Knochenmarksdefekten.
- Symptomüberwachung: Besonders bei der Anwendung gegen Fieber ist Vorsicht geboten, da typische Symptome der Agranulozytose maskiert werden können.
- Therapieabbruch und Tests: Bei Verdacht auf Agranulozytose soll die Behandlung sofort beendet und ein Blutbild inklusive Differenzialblutbild erstellt werden.
- Meldung von Nebenwirkungen: Gesundheitsfachkräfte sind angehalten, alle Verdachtsfälle von Nebenwirkungen zu melden, um das Nutzen-Risiko-Verhältnis kontinuierlich zu bewerten.
Alternativen zu Novalgin bei Migräne
Angesichts der potenziellen Risiken von Metamizol ist es wichtig, alternative Behandlungsmöglichkeiten für Migräne in Betracht zu ziehen. Dazu gehören:
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- Andere Schmerzmittel: Paracetamol und NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) wie Ibuprofen oder Diclofenac können bei leichten bis mittelschweren Migräneattacken helfen. Allerdings haben auch diese Medikamente potenzielle Nebenwirkungen, insbesondere bei längerer Anwendung.
- Triptane: Triptane sind spezifische Migränemittel, die bei mittelschweren bis schweren Attacken eingesetzt werden können. Sie wirken, indem sie die Blutgefäße im Gehirn verengen und die Freisetzung von Entzündungsstoffen reduzieren.
- Medikamentöse Prophylaxe: Bei häufigen Migräneattacken kann eine medikamentöse Prophylaxe sinnvoll sein. Hierbei werden Medikamente wie Betablocker, Antidepressiva oder Antiepileptika eingesetzt, um die Attackenhäufigkeit zu reduzieren.
- Nicht-medikamentöse Therapien: Entspannungstechniken, Ausdauersport, Akupunktur und andere nicht-medikamentöse Therapien können ebenfalls zur Migräneprophylaxe beitragen.
Medikamenteninduzierter Kopfschmerz (MOH)
Ein wichtiger Aspekt bei der Behandlung von Kopfschmerzen und Migräne ist der medikamenteninduzierte Kopfschmerz (MOH). Dieser entsteht durch einen übermäßigen Gebrauch von Schmerz- oder Migränemitteln.
Risikofaktoren für MOH:
- Kopfschmerzen an mehr als 15 Tagen im Monat
- Einnahme von Triptanen an mehr als 10 Tagen im Monat
- Einnahme von einfachen Analgetika an mehr als 15 Tagen im Monat
Symptome von MOH:
- Dauerkopfschmerz, der morgens beim Aufstehen anfängt und über den ganzen Tag präsent bleibt
- Häufigere Migräne- und Kopfschmerzanfälle als früher
- Kein klarer Kopf mehr auch außerhalb der Migräneattacken
- Einnahme von immer mehr Schmerzmitteln wegen der Chronifizierung der Schmerzen
Behandlung von MOH:
Eine Schmerzmittelpause von zwei Wochen gilt als wirksames Mittel, um den Teufelskreis von Kopfschmerzen und Schmerzmitteln zu durchbrechen.
Individuelle Erfahrungen mit Novalgin
Viele Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) berichten von positiven Erfahrungen mit Novalgin bei starken Schmerzen, da es im Vergleich zu anderen Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Diclofenac weniger den Magen angreift. Einige Anwender nehmen Novalgin auch bei Kopfschmerzen, die sich ähnlich wie Migräne äußern, und empfinden es als hilfreich. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass diese Erfahrungen individuell sind und nicht bedeuten, dass Novalgin für jeden Migränepatienten geeignet ist.
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