Ursachen und Behandlung von Taubheitsgefühlen im Ohr

Ein plötzlich auftretendes Taubheitsgefühl im Ohr kann beunruhigend sein. Es fühlt sich an, als ob Watte oder ein Ohrstöpsel im Ohr steckt, begleitet von einem Gefühl verminderter Hörfähigkeit. Oftmals treten zusätzlich Ohrgeräusche wie Tinnitus und Schwindel auf, und viele Betroffene verspüren einen leichten Druck im Ohr. Diese Symptome können auf verschiedene Ursachen hinweisen, wobei ein Hörsturz eine mögliche Erklärung darstellt.

Was ist ein Hörsturz?

Ein Hörsturz ist definiert als eine akute, meist einseitige Hörminderung, für die keine äußere Ursache erkennbar ist. Bis zu 300.000 Deutsche erkranken pro Jahr daran, wobei die meisten Betroffenen zwischen 40 und 50 Jahre alt sind. Allerdings können auch jüngere Menschen und sogar Kinder betroffen sein.

Symptome eines Hörsturzes

  • Plötzliche Schwerhörigkeit oder Taubheit, meist auf einem Ohr
  • Gefühl von Druck oder Watte im Ohr
  • Ohrgeräusche (Tinnitus)
  • Schwindel (selten)

Ursachen eines Hörsturzes

Die genauen Ursachen eines Hörsturzes sind bis heute nicht vollständig geklärt. Früher wurde Stress als wesentlicher Auslöser angesehen, doch scheint dieser weniger bedeutend zu sein als vermutet. Stattdessen werden Durchblutungsstörungen oder Entzündungen im Innenohr, Autoimmunerkrankungen oder Virusinfektionen als mögliche Ursachen diskutiert. Auch Probleme mit der Halswirbelsäule, Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes, erhöhte Cholesterinwerte und Rauchen stehen unter Verdacht, einen Hörsturz zu begünstigen.

Behandlung eines Hörsturzes

Ein Hörsturz ist nicht unbedingt ein medizinischer Notfall, dennoch sollte man zeitnah einen Arzt aufsuchen, um andere Ursachen für den Hörverlust auszuschließen. Oft heilt ein Hörsturz von selbst aus. Wenn eine Therapie erforderlich ist, kommen meist entzündungshemmende Medikamente wie Kortison zum Einsatz. Welche Therapie am besten wirkt, ist noch nicht endgültig geklärt.

Andere Ursachen für Taubheitsgefühle im Ohr

Neben einem Hörsturz gibt es eine Vielzahl weiterer Ursachen für Taubheitsgefühle im Ohr. Grundsätzlich kann die Ursache sowohl im Ohr selbst, insbesondere an der Schallempfindung im Innenohr, als auch an den weiteren Stationen der Hörbahn im Gehirn liegen. Auch eine Kombination mehrerer Ursachen ist möglich.

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Schallleitungsstörungen

Eine Schallleitungsstörung liegt vor, wenn der Schall nicht normal über das Mittelohr zum Innenohr weitergeleitet wird. Ursache dafür ist meist eine Schädigung der schallverstärkenden Gehörknöchelchen im Mittelohr. Eine solche Störung kann angeboren sein oder im Laufe des Lebens entstehen.

Schallempfindungsstörungen

Bei einer Schallempfindungsstörung ist die Schallweiterleitung bis zum Innenohr intakt. Dort werden die ankommenden akustischen Signale jedoch nicht registriert (sensorische Hörstörung). In selteneren Fällen werden die Signale zwar im Innenohr registriert, aber dann nicht an das Gehirn weitergeleitet und dort wahrgenommen - entweder aufgrund einer Störung des Hörnervs (neurale Hörstörung) oder der zentralen Hörbahn (zentrale Hörstörung). Auch eine Schallempfindungsstörung kann angeboren oder erworben sein.

Psychogene Hörstörungen

In seltenen Fällen können psychiatrische Erkrankungen zu einer Taubheit führen. Psychische Belastungen stören bei manchen Menschen die Hörempfindung - auch ohne nachweisbare Schäden der Ohren.

Weitere mögliche Ursachen

  • Erkältung: Eine Verstopfung der Nase und der Nebenhöhlen kann zu einer mangelhaften Belüftung des Mittelohrs führen.
  • Ohrenschmalzpfropf: Eine Ansammlung von Ohrenschmalz kann den Gehörgang verstopfen und ein Taubheitsgefühl verursachen.
  • Mittelohrentzündung (Otitis media): Eine durch Viren oder Bakterien verursachte Infektion im Mittelohr kann zu einer Verstopfung mit Schleim und Flüssigkeit führen.
  • Eustachische Röhren-Verstopfung: Eine Verengung oder ein Verschluss der Eustachischen Röhre kann zu einer Mittelohrentzündung führen.
  • Migräne: Bestimmte Migräne-Formen können mit Taubheitsgefühlen an der Wange oder am Ohr einhergehen.
  • Gehörgangsexostose (Surferohr): Eine Entzündung des äußeren Gehörgangs kann Schmerzen, Rötungen und Taubheitsgefühle verursachen.
  • Durchblutungsstörungen im Ohr: Eine mangelhafte Durchblutung der feinen Blutgefäße im Ohr kann zu einem dumpfen Gefühl und Taubheit führen.
  • Ohrinfarkt (Hörsturz): Eine plötzliche Innenohrschwerhörigkeit kann mit einem dumpfen, pelzigen Gefühl im Ohr einhergehen.
  • Infektionen: Längere Infektionen des Ohres oder Infektionen der Hirnhäute (Meningitis) oder des Gehirns (Enzephalitis) können Taubheit nach sich ziehen.
  • Medikamente: Einige Medikamente, wie bestimmte Krebs-Medikamente (Chemo-Therapeutika), Entwässerungsmittel (Diuretika) und Antibiotika, können eine ohrschädigende Wirkung haben.
  • Tumore: Tumore können auf den Hörnerv drücken und Taubheit verursachen.
  • Lärmschäden: Längere Exposition gegenüber Lärm kann das Gehör schädigen und zu Taubheit führen.
  • Chronische Erkrankungen des Ohres: Erkrankungen wie die Otosklerose können Taubheit verursachen.
  • Industrie-Schadstoffe: Kohlenmonoxid kann das Gehör schädigen.
  • Verletzungen: Verletzungen des Ohres oder des Kopfes können zu Taubheit führen.

Diagnose von Taubheit

Der Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde (HNO) ist der richtige Ansprechpartner, um Taubheit zu diagnostizieren.

Anamnese

Im Gespräch zur Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) wird der Arzt nach dem Grund für den Verdacht auf Taubheit, nach Risikofaktoren für Hörstörungen und bisherigen Auffälligkeiten fragen. Bei Kindern sind folgende Auffälligkeiten ernst zu nehmen:

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  • Das Kind reagiert oft nicht auf Ansprache oder auf Rufen.
  • Anweisungen werden nicht korrekt befolgt.
  • Oft wird mit “Wie?” oder “Was?” nachgefragt.
  • Die Sprachentwicklung ist nicht altersgemäß.
  • Die Verständlichkeit der Sprache ist durch eine schlechte Artikulation erschwert.
  • Beim Fernsehen oder Musik hören stellt das Kind besonders hohe Lautstärken ein.

Untersuchungen und Tests

Nach der Anamnese folgen verschiedene Untersuchungen und Tests, um den Verdacht auf Taubheit abzuklären.

  • Ohrspiegelung (Otoskopie): Der Arzt untersucht das Ohr mit einem Otoskop, um das Trommelfell zu beurteilen und mögliche äußere Ursachen zu erkennen.
  • Weber- und Rinne-Test: Diese Tests geben Hinweise auf die Art und den Ort der Hörschädigung.
  • Hör-Tests (Audiometrie):
    • Tonschwellen-Audiometrie: Hierbei wird die Hörbarkeit von Tönen über Kopfhörer oder Knochenleitungskopfhörer zur Bestimmung der frequenzabhängigen Hörschwelle genutzt.
    • Sprach-Audiometrie: Statt Tönen werden den Patienten Wörter oder Laute vorgespielt, die sie erkennen und nachsprechen müssen.
  • Tympanometrie (Impedanz-Audiometrie): Diese Untersuchung gibt Aufschlüsse über die Funktionalität des Mittelohrs.
  • Messung des Stapedius-Reflexes: Diese Messung dient zur Feststellung, ob die Gehörknöchelchen im Mittelohr normal beweglich sind.
  • Neugeborenen-Screening: Seit 2009 werden alle Neugeborenen auf Taubheit untersucht.
    • Messung der otoakustischen Emissionen: Ein schmerzloses Verfahren zur Funktionsprüfung der Hörschnecke.
    • Hirnstamm-Audiometrie (BERA): Sie untersucht die Nerven- und Gehirn-Bereiche, die für das Hören verantwortlich sind.
  • Bildgebende Verfahren (MRT, CT): Diese kommen zum Einsatz, wenn der Patient ein Cochlea-Implantat erhält oder aber der Verdacht auf eine Krebserkrankung oder eine Fehlbildung als Ursache für die Taubheit besteht.
  • Blut-Untersuchungen: Sie sind nur in bestimmten Fällen hilfreich, etwa zur Abklärung von Infektionen oder bei Hinweisen auf eine Stoffwechsel-Erkrankung.
  • Weitere Untersuchungen: Eventuell sind weitere Untersuchungen erforderlich, etwa Untersuchungen beim Augenarzt oder Neurologen. In bestimmten Fällen wird eine humangenetische Beratung durchgeführt.

Behandlung von Taubheit

Die Behandlung von Taubheit hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab.

  • Hörsturz: Meist kommen entzündungshemmende Medikamente wie Kortison zum Einsatz.
  • Schallleitungsstörungen: Je nach Ursache können Medikamente, Hörgeräte oder operative Eingriffe helfen.
  • Schallempfindungsstörungen: Hörgeräte oder Cochlea-Implantate können das Hörvermögen verbessern.
  • Psychogene Hörstörungen: Psychotherapie kann helfen, die psychischen Belastungen zu reduzieren.
  • Ohrenschmalzpfropf: Der Pfropf kann von einem Arzt entfernt werden.
  • Mittelohrentzündung: Antibiotika können bei bakteriellen Infektionen helfen.
  • Eustachische Röhren-Verstopfung: Abschwellende Nasensprays oder Medikamente können helfen, die Verstopfung zu lösen.
  • Lärmschäden: Gehörschutz kann helfen, weitere Schäden zu vermeiden.
  • Medikamente: Wenn Medikamente die Ursache sind, sollte die Medikation nach Möglichkeit umgestellt werden.

Was Sie selbst tun können

  • Ruhe bewahren: Stress kann die Symptome verschlimmern.
  • Lärm meiden: In den ersten Tagen sollte man Stille wie auch Lärm meiden.
  • Stress abbauen: Langfristig sollte man Stress abbauen.
  • Gehör schützen: Lärm bedeutet Stress für das Sinnesorgan Ohr.
  • Medikation überprüfen: Bei der Einnahme von ototoxischen Medikamenten sollte die Hörleistung regelmäßig kontrolliert werden.
  • Bei Unsicherheit zum Arzt gehen: Wenn Sie sich grundsätzlich nicht gut fühlen, die Situation mit Ihren Ohren Sie beunruhigt und Sie die Beschwerden mit keinem direkten Auslöser verbinden können, dann vereinbaren Sie einen Termin bei einem HNO-Arzt.

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