Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Viele Betroffene suchen nach wirksamen Strategien zur Vorbeugung von Migräneattacken. In diesem Artikel wird die Rolle von Opipramol bei der Migräneprophylaxe untersucht, wobei auch alternative Behandlungsansätze und wichtige Aspekte für Betroffene beleuchtet werden.
Wieso und wann überhaupt Migräneprophylaxe?
Die Migräneprophylaxe zielt darauf ab, die Häufigkeit, Intensität und Dauer von Migräneattacken zu reduzieren. Sie wird in Betracht gezogen, wenn:
- Mindestens drei Migräneattacken pro Monat auftreten.
- Akutmedikationen nicht ausreichend wirken oder nicht tolerierbare Nebenwirkungen verursachen.
- Ein Medikamentenübergebrauch droht, der zu einem Medikamenten-induzierten Kopfschmerz führen kann.
Dr. David Dodick, ein führender Migräne-Experte, betonte, dass viele Patienten mit chronischer Migräne nicht ausreichend von den vorhandenen Prophylaxe-Medikamenten profitieren und nicht an spezialisierte Schmerzzentren angeschlossen sind.
Wie lange sollte man Prophylaxe-Medikamente einnehmen?
Eine medikamentöse Migräneprophylaxe ist in der Regel eine Dauertherapie. Es kann 2 bis 8 Wochen dauern, bis eine merkliche Abnahme der Migränehäufigkeit eintritt. Eine kurze Einnahme über wenige Wochen führt meist nicht zu einer anhaltenden Wirkung. Viele Betroffene brechen die Behandlung vorzeitig ab, weil sie nicht wissen, dass die Wirksamkeit erst nach etwa drei Monaten verlässlich beurteilt werden kann.
Die Dosis der Medikamente wird normalerweise nach der Faustregel „Start low and go slow“ vorsichtig und langsam erhöht, um Nebenwirkungen zu minimieren. Eine ausreichende Dosierung ist daher eventuell nicht von Anfang an gewährleistet und das Medikament muss daher evtl. wesentlich länger als drei Monate genommen werden.
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Bei schweren Nebenwirkungen sollte die Einnahme immer mit dem behandelnden Neurologen besprochen und gegebenenfalls pausiert werden.
Wann wird Migräneprophylaxe als erfolgreich angesehen?
Eine Migräneprophylaxe wird als erfolgreich angesehen, wenn:
- Die Attackenfrequenz um mindestens 50 % verringert wird.
- Die Intensität der Anfälle nachlässt und diese besser mit Akutmedikation behandelt werden können.
- Die Nebenwirkungen erträglich sind.
Es ist wichtig zu beachten, dass eine erfolgreiche Prophylaxe nicht unbedingt zu völliger Migränefreiheit führt, sondern lediglich die Pausen zwischen den Attacken verlängert.
Migräneprophylaxe-Medikamente im Überblick
Zur Migräneprophylaxe werden verschiedene Medikamente eingesetzt, die ursprünglich für andere Erkrankungen entwickelt wurden. Dazu gehören:
- Betablocker: Metoprolol, Propranolol, Bisoprolol
- Antidepressiva: Amitriptylin, Opipramol, Venlafaxin
- Antiepileptika: Valproinsäure, Topiramat
- Kalziumkanalblocker: Flunarizin
- Botulinumtoxin Typ A (Botox): Bei chronischer Migräne
- Monoklonale Antikörper: Erenumab, Galcanezumab, Fremanezumab, Eptinezumab
Migräneprophylaxe-Medikamente der ersten Wahl
Als Prophylaxe-Mittel der ersten Wahl gelten Betablocker, Antidepressiva (insbesondere Amitriptylin), Antiepileptika, Kalziumkanal-Antagonisten und Botox (bei chronischer Migräne). Auch die monoklonalen Antikörper haben sich als vielversprechend erwiesen.
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Die Wirksamkeit dieser Medikamente wurde in mehreren wissenschaftlichen Studien nachgewiesen. Laut einer Studie von Evers et al. sprechen auf diese Medikamente bis zu 70 % aller Betroffenen an.
Betarezeptoren-Blocker
Betablocker wie Metoprolol, Propranolol oder Bisoprolol werden erfolgreich in der Migräneprophylaxe eingesetzt. Propranolol konnte beispielsweise in einer Studie eine Reduzierung der Migräneaktivität von 44 % nachweisen.
Kalziumkanal-Antagonisten
Flunarizin ist der einzige Kalziumkanal-Blocker, der laut Leitfaden eine signifikante Wirkung in der Migräneprophylaxe zeigen konnte. Es ist besonders für Migräne-Patienten mit Schwindel, Schlafstörungen oder Untergewicht geeignet.
Antiepileptika
Antiepileptika wie Valproinsäure und Topiramat werden eigentlich zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt, sind jedoch auch in der Migränetherapie wirksam. Aufgrund des Nebenwirkungsprofils eignen sie sich eher für Migräne-Patienten, die zusätzlich unter Übergewicht, Epilepsie oder Manie leiden. Valproinsäure sollte nicht von Frauen in der Schwangerschaft oder mit Kinderwunsch verwendet werden.
Botulinumtoxin Typ A (Botox)
Botox kann einen positiven Einfluss auf Migräne haben, jedoch scheint die Wirkung nach einigen Monaten nachzulassen. Um einen anhaltenden Effekt zu erzielen, werden die Injektionen meistens alle drei Monate wiederholt. Wenn nach der dritten Injektion keine Besserung eingetreten ist, wird die Behandlung in der Regel beendet.
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Trizyklische Antidepressiva
Das am besten wirksame Antidepressivum bei Migräne ist laut dem Leitfaden des DGN Amitriptylin. Aber auch die Wirksamkeit von Opipramol und Venlaflaxin wurden in dort erwähnten Studien belegt. Antidepressiva sind oft besonders geeignet für Migräne-Betroffene, die zusätzlich unter Stress, Depressionen, Schlaflosigkeit, Untergewicht oder anderen Schmerzerkrankungen leiden.
Migräneprophylaxe-Mittel der zweiten Wahl: Magnesium, Vitamin B2 & Co
Mittel der zweiten Wahl werden eingesetzt, wenn die Mittel der ersten Wahl nicht wirksam waren oder Kontraindikationen vorliegen. Zu diesen Substanzen wurden weniger randomisierte kontrollierte Studien durchgeführt, und ihre Wirksamkeit ist nicht ausreichend belegt.
Acetylsalicylsäure
Acetylsalicylsäure (ASS, z.B. Aspirin®) hat in niedriger Dosierung eine geringe migräneprophylaktische Wirkung. Sie wird wegen ihrer blutverdünnenden Eigenschaft häufig bei Schlaganfall- oder Herzinfarkt-Patienten mit Migräne eingesetzt.
Magnesium
Besonders bei leichten Formen von Migräne kann die tägliche Einnahme von Magnesium prophylaktisch Abhilfe schaffen. Es gibt verschiedene Formen von Magnesium, wobei Magnesiumcitrat gut vom Körper aufgenommen werden soll.
Riboflavin (Vitamin B2)
Es gibt Studien, die eine gute Wirksamkeit von Vitamin B2 zur Vorbeugung von Migräneattacken vermuten lassen. Es hat ein günstiges Nebenwirkungsprofil und kann auch zusätzlich zur Prophylaxe mit Beta-Blockern oder in Kombination mit anderen Mikronährstoffen wie Coenzym Q10 und Magnesium genommen werden.
Coenzym Q10
Auch das Coenzym Q10 kann wirksam in der Prophylaxe von Migräne sein, besonders in Kombination mit Magnesium und Vitamin B2 sowie mit Omega-3-Fettsäuren.
Mutterkraut (Tanacetum parthenium)
Mutterkraut wurde schon in der Antike zur Linderung von Geburtsschmerzen eingesetzt. Es steht im Verdacht, Migräneanfällen vorzubeugen; wissenschaftlich nachgewiesen ist der Effekt jedoch noch nicht.
ACE-Hemmer und Sartane
Lisinopril und Telmisartan zeigten in kleinen placebo-kontrollierten Studien eine signifikante Reduktion der Attackenfrequenz bei Migräne; jedoch fehlen große Studien.
Opipramol bei Migräne
Opipramol ist ein trizyklisches Antidepressivum, das in Deutschland häufig verordnet wird. Es wirkt angstlösend, beruhigend, dämpfend und schwach antidepressiv. Obwohl es strukturell zu den trizyklischen Antidepressiva gehört, unterscheidet sich sein Wirkmechanismus von anderen Vertretern dieser Gruppe. Opipramol bindet an Sigma-Rezeptoren im Gehirn und im zentralen Nervensystem und wirkt dadurch im NMDA-System.
Die Wirksamkeit von Opipramol bei Migräne ist in einigen Studien belegt, insbesondere bei Patienten, die zusätzlich unter Stress, Depressionen oder Schlafstörungen leiden. Es gehört zu den Medikamenten "zweiter Wahl" in der Migräneprophylaxe, was bedeutet, dass es in der Regel eingesetzt wird, wenn andere Medikamente nicht ausreichend wirksam sind oder nicht vertragen werden.
Dosierung und Anwendung von Opipramol
Opipramol wird in der Regel dreimal täglich eingenommen - morgens und mittags je 50 mg, abends 100 mg. Aufgrund seiner sedierenden Wirkung ist es sinnvoll, die höhere Dosis am Abend einzunehmen. Die Wirkung von Opipramol tritt allmählich ein, und eine regelmäßige Einnahme über etwa zwei Wochen ist erforderlich, um festzustellen, ob das Medikament die Symptome verringert.
Mögliche Nebenwirkungen und Risiken von Opipramol
Gerade zu Beginn der Therapie kann Opipramol stark sedierend wirken. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind unter anderem:
- Benommenheit
- Schwindel
- Doppelbilder
- Kopf- und Nackenschmerzen
- Übelkeit
- Unruhe
In seltenen Fällen kann es im Zusammenhang mit der Einnahme von Opipramol zu Blutbildveränderungen oder Suizidversuchen kommen. Ältere Patienten hatten in Studien unter Opipramol ein höheres Risiko für Knochenbrüche.
Opipramol kann die Wirkung von Alkohol verstärken und die Verkehrstüchtigkeit beeinträchtigen.
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Die gleichzeitige Einnahme von Opipramol mit anderen Medikamenten kann zu Veränderungen der Plasmakonzentrationen aller Wirkstoffe führen. Gegebenenfalls ist eine Anpassung der Dosierung erforderlich.
Opipramol in der Schwangerschaft
Da keine ausreichenden Daten vorliegen, sollte auf eine Einnahme von Opipramol während der Schwangerschaft möglichst verzichtet werden.
Absetzen von Opipramol
Wenn Opipramol abgesetzt wird, ist ein langsames Ausschleichen der Therapie ratsam, um Entzugserscheinungen zu vermeiden.
Wie findet man das passende Prophylaxe-Medikament?
Die individuelle Auswahl eines Medikaments zur Migräneprophylaxe sollte sich an den Bedürfnissen des Patienten orientieren. Faktoren, die bei der Entscheidung berücksichtigt werden sollten, sind:
- Begleiterkrankungen (z.B. Depressionen, Schlafstörungen, Übergewicht)
- Nebenwirkungsprofil der Medikamente
- Wirksamkeit der Medikamente in Bezug auf die individuellen Migränesymptome
- Präferenzen des Patienten
Es ist wichtig, jede medikamentöse Therapieform mit den behandelnden Ärzt:innen abzustimmen und gut informiert in den Dialog zu treten.
Migräneprophylaxe mit der sinCephalea App
Die sinCephalea App ist eine digitale Gesundheitsanwendung (DiGA), die von Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen verschrieben werden kann. Sie bietet eine effektive Migräneprophylaxe, deren Kosten von der Krankenkasse übernommen werden.
Die App beinhaltet unter anderem die Möglichkeit, die Reaktion des Blutzuckers auf bestimmte Mahlzeiten und Lebensmittel zu testen und individuell zugeschnittene Ernährungsempfehlungen zu erhalten. Eine Ernährung, die den Blutzucker eher niedrig und stabil hält, kann erfolgreich Migräneanfällen vorbeugen.
Weitere Aspekte der Migränebehandlung
Neben der medikamentösen Prophylaxe gibt es weitere wichtige Aspekte der Migränebehandlung:
- Akutmedikation: Schmerzmittel, Triptane, Lasmiditan und Rimegepant können bei akuten Migräneattacken eingesetzt werden.
- Nicht-medikamentöse Maßnahmen: Regelmäßiger aerober Ausdauersport, Entspannungsmethoden, psychologische Schmerztherapie und eine niedrig-glykämische Ernährung können ebenfalls zur Migräneprophylaxe beitragen.
- Kopfschmerztagebuch: Das Führen eines Kopfschmerztagebuchs kann helfen, die Wirksamkeit der Behandlung zu beurteilen und mögliche Auslöser zu identifizieren.