Orfiril Long Spiegel 70: Krampfanfalltherapie im Fokus

Die Behandlung von Krampfanfällen, insbesondere im Rahmen von Epilepsie und bipolaren Störungen, erfordert eine sorgfältige Auswahl und Überwachung der Medikation. Orfiril long, das den Wirkstoff Valproinsäure enthält, ist ein Antiepileptikum, das in verschiedenen Darreichungsformen zur Verfügung steht. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung, den Wirkmechanismus, die Pharmakokinetik, Dosierungsempfehlungen und potenziellen Nebenwirkungen von Valproinsäure, um ein umfassendes Bild dieser Therapieoption zu vermitteln. Darüber hinaus werden alternative Therapieansätze und spezielle Patientengruppen berücksichtigt.

Grundlagen von Levetiracetam und Brivaracetam

Levetiracetam ist in verschiedenen Formen erhältlich, darunter Filmtabletten (250, 500, 750, 1000 mg), Lösung zum Einnehmen (100 mg/mL) und Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung (100 mg/mL). Die Filmtabletten sollten mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen und als Ganzes geschluckt werden, unabhängig von den Mahlzeiten. Für Patienten, die Schwierigkeiten beim Schlucken ganzer Tabletten haben oder eine präzise Dosierung benötigen, ist die Lösung zum Einnehmen eine geeignete Alternative. Es ist zu beachten, dass Levetiracetam nach der Einnahme einen bitteren Geschmack haben kann.

Levetiracetam und sein Analogon Brivaracetam wirken antikonvulsiv, indem sie an das synaptische Vesikelprotein 2A (SV2A) binden. Dieses Glykoprotein spielt im zentralen Nervensystem eine wichtige Rolle bei der Regulation der Neurotransmitterfreisetzung. In-vitro-Daten deuten darauf hin, dass Levetiracetam auch die intraneuronalen Ca2+-Spiegel beeinflusst, indem es den durch N-Typ-Kanäle vermittelten Ca2+-Strom partiell inhibiert und die Freisetzung von Ca2+ aus intraneuronalen Speichern vermindert. Nach oraler Einnahme werden maximale Plasmakonzentrationen von etwa 31 bzw. 43 μg/mL nach einer Einmalgabe von 1000 mg erreicht. Die Ausscheidung erfolgt hauptsächlich renal, wobei die kumulierte renale Ausscheidung von Levetiracetam und seinem primären Metaboliten innerhalb der ersten 48 Stunden bei 66% bzw. 24% liegt. Die renale Clearance von Levetiracetam und ucb L057 beträgt 0,6 bzw. 0,42 mL/min/kg.

Valproinsäure: Ein umfassender Überblick

Valproinsäure ist ein Antiepileptikum, das zur Behandlung verschiedener Anfallsformen bei Epilepsie sowie zur Behandlung manischer Episoden bei bipolaren Störungen eingesetzt wird.

Anwendungsgebiete von Valproinsäure

Valproinsäure ist indiziert zur Behandlung von:

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  • Generalisierten Anfällen (Absencen, myoklonische und tonisch-klonische Anfälle)
  • Fokalen und sekundär generalisierten Anfällen
  • Anderen Anfallsformen, wenn diese auf übliche antiepileptische Behandlungen nicht ansprechen (als Kombinationsbehandlung)
  • Manischen Episoden bei einer bipolaren Störung, wenn Lithium kontraindiziert ist oder nicht vertragen wird.

Bei Kleinkindern sollte Valproinsäure nur in Ausnahmefällen und nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung als Monotherapie angewendet werden. Valproinsäure kann auch off-label zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden.

Darreichungsformen und Anwendung

Valproinsäure ist in verschiedenen Formulierungen erhältlich, darunter:

  • Magensaftresistente Filmtabletten, Kapseln und Dragees
  • Lösung und Tropfen zum Einnehmen
  • Retardtabletten und Hartkapseln retardiert
  • Injektionslösung und Pulver für Injektionslösungen

Magensaftresistente und retardierte Formulierungen sollten möglichst eine Stunde vor den Mahlzeiten unzerkaut mit reichlich Flüssigkeit eingenommen werden. Die Lösung zum Einnehmen sollte zu den Mahlzeiten eingenommen werden. Bei Umstellung auf Retardformulierungen ist auf ausreichende Serumspiegel von Valproinsäure zu achten. Die Anwendungsdauer ist patientenindividuell und wird vom Arzt festgelegt. Eine antikonvulsive Therapie ist in der Regel eine Langzeittherapie. Über die Behandlungsdauer und das Absetzen von Valproinsäure sollte ein Facharzt entscheiden. Generell ist eine Dosisreduktion und ein Absetzen der Medikation frühestens nach zwei- bis dreijähriger Anfallsfreiheit zu erwägen. Das Absetzen muss dabei in schrittweiser Dosisreduktion über ein bis zwei Jahre erfolgen, wobei sich der EEG-Befund nicht verschlechtern sollte.

Wirkmechanismus von Valproinsäure

Die Wirkung von Valproinsäure wird über multiple pharmakologische Mechanismen vermittelt, die zum breiten Wirkspektrum beitragen. Zu diesen Mechanismen gehören:

  • Verstärkung der GABAergen Neurotransmission durch Erhöhung der GABA-Konzentration
  • Hemmung spannungsabhängiger Ionenkanäle (Natrium- und Calciumkanäle)
  • Inhibition von Histondeacetylasen (HDACs)

Primäres Ziel einer antikonvulsiven Therapie ist die Reduktion bzw. Unterdrückung epileptischer Anfälle. Valproinsäure inhibiert spannungsabhängige Ionenkanäle und verstärkt die GABAerge Neurotransmission, was ihre Wirksamkeit bei verschiedenen Anfallsformen erklärt.

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Pharmakokinetik von Valproinsäure

Nach oraler Gabe werden Valproinsäure und ihr Natriumsalz im Gastrointestinaltrakt schnell und nahezu vollständig resorbiert. Der Zeitpunkt der maximalen Serumkonzentration hängt von der galenischen Darreichungsform ab. Der mittlere therapeutische Bereich der Serumkonzentration wird mit 50-100 μg/mL angegeben. Steady-State-Serumspiegel werden in der Regel innerhalb von 3-4 Tagen erreicht. Valproinsäure wird zu 90-95% an Plasmaproteine gebunden. Die Biotransformation erfolgt über Glukuronidierung sowie β-(Beta-), ω-(Omega-) und ω-1-(Omega-1-)Oxidation. Die Plasmahalbwertszeit von Valproinsäure liegt bei gesunden Probanden bei 17,26 ± 1,72 Stunden. Bei Kombination mit anderen Arzneimitteln kann sie sinken. Bei Leberkranken ist die Halbwertszeit verlängert.

Dosierungsempfehlungen für Epilepsie und bipolare Störungen

Die Dosierung ist individuell vom Arzt zu bestimmen und zu kontrollieren, wobei eine Anfallsfreiheit bei minimaler Dosierung angestrebt werden sollte. Die optimale Dosierung sollte im Wesentlichen anhand des klinischen Ansprechens festgelegt werden. Die Bestimmung des Valproinsäureserumspiegels kann zusätzlich zur klinischen Überwachung in Betracht gezogen werden. Der Wirkungsbereich liegt im Allgemeinen zwischen 40-100 mg/L (300-700 μmol/L). Es empfiehlt sich ein stufenweiser Aufbau der Dosierung bis zur optimal wirksamen Dosis.

  • Monotherapie: Empfohlene Initialdosis: 5-10 mg Valproinsäure/kg Körpergewicht mit schrittweiser Erhöhung alle 4-7 Tage um etwa 5 mg Valproinsäure/kg Körpergewicht. Die mittlere Tagesdosis beträgt für Erwachsene und ältere Patienten im Allgemeinen 20 mg Valproinsäure/kg Körpergewicht, für Jugendliche 25 mg Valproinsäure/kg Körpergewicht und für Kinder 30 mg Valproinsäure/kg Körpergewicht.
  • Kombinationstherapie: Bei Kombination oder Substitutionstherapie muss die Dosis der bis dahin eingenommenen Antiepileptika unverzüglich vermindert werden.
  • Manische Episoden bei bipolaren Störungen: Empfohlene Initialdosis: 750 mg täglich. Die Dosis sollte so schnell wie möglich gesteigert werden, um die niedrigste therapeutische Dosis zu erreichen. Die durchschnittliche tägliche Dosis beträgt üblicherweise zwischen 1000 und 2000 mg Natriumvalproat.

Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter sollten Valproat nur dann anwenden, wenn andere Behandlungen nicht wirksam sind oder nicht vertragen werden. Valproat wird entsprechend dem Valproat-Schwangerschaftsverhütungsprogramms verschrieben und abgegeben und sollte vorzugsweise als Monotherapie sowie in der niedrigsten wirksamen Dosis verschrieben werden.

Nebenwirkungen von Valproinsäure

Nebenwirkungen, die (sehr) häufig unter einer Therapie mit Valproinsäure auftreten, umfassen:

  • Anämie, Thrombozytopenie, Leukopenie
  • Hyperammonämie
  • Gewichtszunahme oder -abnahme
  • Erhöhter oder verminderter Appetit
  • Hyponatriämie
  • Verwirrtheitszustände, Halluzinationen, Aggression, Agitiertheit
  • Aufmerksamkeitsstörungen, Tremor, extrapyramidale Störungen, Stupor, Schläfrigkeit
  • Parästhesien, Konvulsionen, eingeschränktes Erinnerungsvermögen, Kopfschmerzen, Nystagmus, Schwindelgefühl, Taubheit
  • Blutungen
  • Übelkeit und Erbrechen, Zahnfleischerkrankungen, Stomatitis, Diarrhö, Oberbauchbeschwerden
  • Haarausfall, Nagel- und Nagelbetterkrankungen
  • Harninkontinenz, Dysmenorrhö

Darüber hinaus können dosisunabhängig schwerwiegende Leberschädigungen auftreten. Bei einer Langzeittherapie mit Valproat zusammen mit anderen Antiepileptika kann es zu Zeichen einer Hirnschädigung (Enzephalopathie) kommen.

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Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Enzyminduzierende Antiepileptika wie Phenobarbital, Primidon, Phenytoin und Carbamazepin können die Valproinsäure-Konzentration im Serum beeinflussen.

Therapiealternativen bei Krampfanfällen

Die medikamentösen Therapiealternativen richten sich nach dem Indikationsgebiet bzw. der Anfallsform und sind abhängig von patientenindividuellen Faktoren wie Alter, Komorbiditäten oder dem Schweregrad der Erkrankung.

Neuroleptika in der Behandlung von Psychosen

In der Behandlung von Psychosen spielen Neuroleptika eine wichtige Rolle. Die Auswahl des geeigneten Neuroleptikums ist jedoch nicht immer einfach und hängt von verschiedenen Faktoren ab.

  • Konstellation 1: Der erfolgreich vorbehandelte Patient: Wenn ein Patient bereits in einer früheren Krankheitsphase ein Neuroleptikum erhalten hat, das gut gewirkt und vertragen wurde, sollte dieses Medikament wieder empfohlen werden.
  • Konstellation 2: Der bislang unbehandelte Patient: Wenn bislang noch nie ein Neuroleptikum verordnet wurde, wird in der Regel Risperidon empfohlen, da es schnell und zuverlässig wirkt und in der Regel gut vertragen wird.
  • Konstellation 3: Risperdal hat nicht ausreichend geholfen oder wurde nicht vertragen: In diesem Fall kann Zyprexa in Betracht gezogen werden, wobei jedoch auf die Möglichkeit einer Gewichtszunahme hingewiesen werden muss.
  • Konstellation 4: Zyprexa hat nicht ausreichend geholfen oder wurde nicht vertragen: Wenn Risperdal in Stufe eins wegen mangender Wirksamkeit das Feld räumen musste, und in Stufe zwei Zyprexa nicht gut ging, dann kann Solian versucht werden.
  • Konstellation 5: Mit Risperdal, Zyprexa und Solian stellte sich kein Erfolg ein: In dieser Stufe können Abilify, Zeldox, Seroquel und Serdolect in Betracht gezogen werden.
  • Konstellation 6: Eine Monotherapie klappt nicht: In diesem Fall kann eine Kombinationstherapie aus zwei Neuroleptika in Erwägung gezogen werden.

Spezielle Situationen in der Neuroleptika-Therapie

  • Konstellation 9: Reine Rezidivprophylaxe bei asymptomatischem Patienten: Bei der Rezidivprophylaxe sind Nebenwirkungen noch weniger akzeptabel als in der Akuttherapie.
  • Konstellation 10: Behandlung akuter kokaininduzierter psychotischer Zustände: Solian ist stark und selektiv dopaminantagonistisch und kann in diesen Fällen wirksam sein.
  • Konstellation 11: Delir: Ein lebensbedrohliches Delir braucht eine wirkstarke und schnelle Neurolepsie.
  • Konstellation 12: Auswahl eines Depotpräparates: Hier kann zunächst ein Versuch mit Fluanxol unternommen werden.

Levetiracetam in der Schwangerschaft und Stillzeit

Levetiracetam wird in die Muttermilch ausgeschieden, weshalb das Stillen nicht empfohlen wird.

Verkehrstüchtigkeit und Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen

Levetiracetam hat geringe bis mäßige Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen. Aufgrund einer möglichen individuell unterschiedlichen Empfindlichkeit können insbesondere zu Behandlungsbeginn oder nach einer Dosissteigerung Somnolenz oder andere zentralnervöse Störungen auftreten.

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