Demenz ist ein komplexes Krankheitsbild, das durch den kontinuierlichen Verlust von Gehirnfunktionen gekennzeichnet ist. Dies betrifft insbesondere das Gedächtnis, die Fähigkeit zur Orientierung, das Erlernen neuer Informationen und die Anpassung an unbekannte Situationen. Eine der größten Herausforderungen für Menschen mit Demenz ist der Verlust der Orientierung, der sich räumlich, zeitlich, situativ und personell äußern kann. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Orientierungshilfen, die Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen helfen können, den Alltag besser zu bewältigen.
Ursachen und Auswirkungen von Orientierungslosigkeit bei Demenz
Die Desorientierung gehört zu den häufigsten Symptomen bei Demenz, insbesondere bei der Alzheimer-Krankheit. Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt, aber es gibt Hinweise auf spezifische Bereiche im Gehirn, die betroffen sind.
- Hippocampus: Dieser Bereich speichert und ruft Informationen über Straßen, Gebäude und andere Orientierungspunkte ab. Er hilft auch bei Entscheidungen, wohin man als Nächstes geht. Eine Schädigung des Hippocampus beeinträchtigt das Zeitgefühl und die räumliche Orientierung.
- Parietaler Kortex (Scheitellappen): Dieser Bereich verarbeitet Sinneseindrücke wie Sehen, Hören und Fühlen und ermöglicht es uns, Räume und Objekte darin zu erfassen. Schäden in diesem Bereich erschweren die räumliche Orientierung.
Wie stark Orientierungsprobleme auftreten, hängt von der Demenzform und dem Krankheitsstadium ab. Menschen mit Demenz verlieren allmählich ihren "inneren Anker", der ihnen hilft, sich in ihrer Umgebung und in der Zeit zurechtzufinden.
Die Orientierungslosigkeit kann sich in verschiedenen Formen äußern:
- Räumlich: Erkrankte Menschen verirren sich in ihrer Umgebung, selbst an Orten, die ihnen vertraut waren. Sie erkennen bekannte Wege nicht mehr oder wissen nicht, wie sie von einem Raum in den anderen gelangen.
- Zeitlich: Termine werden vergessen, der Tag und die Uhrzeit sind nicht mehr klar, und Handlungen wie das Zähneputzen werden mehrfach wiederholt. Die Fähigkeit, Ereignisse in die richtige Reihenfolge zu bringen, geht verloren.
- Situativ: In neuen oder ungewohnten Situationen sind die Erkrankten zunehmend überfordert. Schon einfache Probleme, wie beim Kochen eine gewohnte Zutat durch eine andere zu ersetzen, können Verwirrung und Stress auslösen.
- Personell: Im fortgeschrittenen Stadium verlieren Menschen mit Demenz den Bezug zu ihrer eigenen Biografie. Sie wissen nicht mehr, welchen Beruf sie ausgeübt oder wie viele Kinder sie haben.
Grundregeln für eine demenzgerechte Raumgestaltung
Die oberste Grundregel bei der Raumgestaltung für Demenzerkrankte ist die übersichtliche und einfache Einrichtung des Wohnraums. Zu viele Sinneseindrücke überfordern Betroffene und erschweren eine Orientierung im Raum.
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- Übersichtlichkeit und Einfachheit: Reduzieren Sie die Anzahl der Gegenstände und schaffen Sie eine klare Struktur. Vermeiden Sie überladene Dekorationen, da diese Demenzerkrankte überfordern können.
- Offene Türen: Türen können die räumliche Orientierung von demenzerkrankten Menschen beeinflussen und stellen damit eine Barriere dar. Offene Türen sind hingegen klar als Durchgänge erkennbar und jeder kann sehen, was draußen stattfindet. An einigen Stellen muss natürlich eine Tür bleiben, wie zum Beispiel beim Badezimmer. Für eine leichte Orientierung sollten Sie solche Türen mit Schildern kennzeichnen.
- Fenster: Fenster bieten ebenfalls die Möglichkeit zur groben räumlichen Orientierung, wenn draußen markante Gebäude oder Landschaftsmerkmale zu sehen sind.
- Beleuchtung: Kaltweißes Licht ist für ältere Menschen besser zu sehen als warmweißes. Darauf sollten Sie beim Kauf von Leuchtmitteln achten. Beim nächtlichen Toilettengang helfen LED-Nachtlichter mit Bewegungsmelder, sich in der Dunkelheit zu orientieren und Stürze zu vermeiden. Eine andere Möglichkeit sind Lichtbänder mit integrierten Bewegungs- und Helligkeitssensoren. In jedem Fall sollte die Beleuchtung ausreichend und schattenfrei sein - auch nachts. Dann sind eventuell auch Bewegungsmelder sinnvoll, die angehen, sobald jemand unterwegs ist.
- Vermeidung von Lichtreflektionen: Spiegelndes Licht, zum Beispiel auf einem Boden mit glatter Oberfläche, sollten Sie vermeiden. Solche Lichtreflektionen können unter Umständen von den Betroffenen ganz anders wahrgenommen werden und führen dann zu einem verwirrenden Eindruck von der Umwelt.
- Farbgestaltung: Helle und freundliche Farben sind angenehm für Demenzerkrankte. Setzen Sie Farbakzente behutsam und gezielt ein. Dunkle Töne sollten Sie eher vermeiden, da sie negative Gefühle auslösen können. Eine dunkle Fußmatte oder ein dunkler Teppich zum Beispiel können im fortgeschrittenen Stadium der Demenz als nicht überwindbares Loch im Boden gedeutet werden. Kontraste hingegen sind sehr wichtig, denn sie helfen Demenzerkrankten, Details schnell wahrzunehmen. Ein Tisch ist zum Beispiel besser erkennbar, wenn der Rand eine kontrastierende Farbe zur Tischfläche hat. Bewährt hat sich die Farbe Rot. Sie ist die Hinweis- oder Warnfarbe schlechthin, regt an und stimuliert. Das wird deshalb bei der Gestaltung von Wohnbereichen für Menschen mit einer Demenz bewusst genutzt.
- Muster: Großflächige Muster sind sehr problematisch für Menschen mit Demenz, weil sie bei der Betrachtung sehr anstrengend wirken. Nein, starke Muster an Wänden, Böden oder Möbeln wirken verwirrend oder sogar beängstigend auf Menschen mit Demenz.
- Möbel: Runde oder abgerundete Tische sind für diese Personen leichter optisch zu erfassen als eckige Möbel.
- Türen tarnen: Die „Angst“ vor dunklen Farben können Sie gezielt bei der Wohnraumgestaltung von Demenzkranken verwenden. Wenn Sie „verbotene“ oder verschlossene Türen mit einem dunklen Vorhang verhängen, verlieren sie für Personen mit Demenz ihren Aufforderungscharakter und damit mindert sich das Interesse, durch die Tür gehen zu wollen.
- Sturzprophylaxe: Für die Sturzprophylaxe sollten Sie Stolperfallen wie lose Kabel und Teppiche entfernen. Auch eine gute Beleuchtung ist dabei wichtig. Hilfreich sind dagegen oft Anti-Rutsch-Matten oder Haltegriffe.
- Innere Unruhe: Oft hilft deshalb einfach ein offenes Regal mit Dingen, die nach Belieben hin- und hergeräumt werden können. Umgekehrt können Sie Schubladen mit wichtigen Sachen mit einem Schubladenschutz versehen.
- Ablenkung von der Haustür: Eine Möglichkeit, dem Hinlaufen (früher auch „Weglaufen“) vorzubeugen, ist das bereits erwähnte Ablenken des Interesses von der Haustür durch dunkle Farben oder schwache Kontraste. Wenn möglich, können Sie Rundwege innerhalb der Wohnung, des Gebäudes oder des Grundstücks schaffen, auf denen die Person gefahrlos herumlaufen kann. Oder Sie versehen die Ausgänge mit Klingeln, die einen Ton erzeugen, wenn eine Person hinausgeht.
- Erinnerungsstücke: Oft sind es Bilder, aber auch ganz andere Dinge können wertvolle Anker für lebendige Erinnerungen sein. Versuchen Sie, solche Gegenstände zu identifizieren und zu bewahren. Gerne wählen Sie als Aufbewahrungsort eine besonders ruhige Ecke aus, in der die Person mit Demenz ohne Ablenkung und Störung in Erinnerungen schwelgen kann. Da schon früh das Orientierungsvermögen eingeschränkt ist, benötigen Menschen mit einer Demenz eine übersichtliche und klar strukturierte Umgebung. Dabei sollte die Auswahl an Gegenständen, die an die Vergangenheit erinnern, begrenzt werden. Manchmal meinen Angehörige, möglichst viele Erinnerungsstücke präsentieren zu müssen, nach dem Prinzip „Viel hilft viel“. Doch oft ist weniger mehr. Viel Zeit verbringen demenziell erkrankte Menschen mit Suchen. Deshalb sollten ihre persönlichen Dinge wie Kleidung, Haustürschlüssel, Handtasche und Geldbeutel, Bücher, aber auch Zahnbürste, Kamm an ihrem gewohnten Platz zu finden sein, damit sie immer wieder an Gewohntem anknüpfen können. Gleiches gilt auch für den Lieblingssessel am Fenster oder den Platz am Esstisch.
- Behutsame Veränderungen: Gewisse Veränderungen am Wohnraum sind nach der Diagnose notwendig, doch jede Veränderung kann eine Person mit Demenz stören und verwirren. Gehen Sie deshalb bei der Umgestaltung behutsam vor und lassen Sie die betroffene Person an den Veränderungsprozessen teilhaben. Denn Sie dürfen nie vergessen, dass die Person mit Demenz ein Individuum mit speziellen Vorlieben und Abneigungen ist. Dabei gibt es viele Dinge zu beachten, doch nicht alles muss gleich zu Beginn passieren. Wichtig ist zunächst erst einmal, die Zahl der Gegenstände zu reduzieren, für viel Licht zu sorgen und Gefahrenquellen möglichst zu beseitigen. Zu viel Veränderung auf einmal bedeutet jedoch unnötigen Stress für die demenzerkrankte Person.
Hilfsmittel zur zeitlichen Orientierung
Auch die zeitliche Orientierung des Betroffenen können Sie mit einfachen Hilfsmitteln für eine demenzgerechte Raumgestaltung stärken.
- Kalender: Ein Kalender mit extra großen Zahlen und ausgeschriebenem Monat und Jahr sowie einem Symbol für die jeweilige Jahreszeit erleichtert Demenzerkrankten, sich zeitlich zu orientieren. Ein großer und einfacher Kalender, der sichtbar in der Wohnung hängt, hilft bei der zeitlichen Orientierung. Wichtig ist, dass Wochentage und Daten ausgeschrieben sind. Kleben Sie ein Foto der Person, die zu Besuch kommt, an den entsprechenden Tag im Kalender.
- Fenster: Auch Fenster, die einen Blick in die Natur bieten, können einen ähnlichen Effekt haben, wie Kalender und Uhren.
- Uhr: Eine große, gut sichtbare Wanduhr mit klaren Ziffern und Zeigern hilft dabei, den Tagesverlauf besser zu verstehen. Achten Sie darauf, dass die Uhr gut sichtbar ist und keine ablenkenden Muster oder Details enthält. Sprechende Uhren geben auf Knopfdruck die Uhrzeit, das Datum und den Wochentag an. Achten Sie darauf, dass die Uhr deutlich zwischen Tag und Nacht unterscheidet, um den Tag-/Nacht-Rhythmus zu unterstützen.
- Wochenplan: Ein Wochenplan gibt sowohl Demenzerkrankten als auch pflegenden Angehörigen eine klare Übersicht über den Tagesablauf. Verwenden Sie einen großen, leicht verständlichen Wochenplan, in dem Sie Termine, Mahlzeiten oder Besuche eintragen. Hängen Sie den Plan an einem gut sichtbaren Ort auf, damit er täglich genutzt werden kann.
- Feste Routinen: Regelmäßige Tagesabläufe, wie feste Mahlzeiten oder Aktivitäten, bieten Halt und geben Orientierung.
- Emotionale Verbindungen: Abstrakte Begriffe wie "Düsseldorf" oder "Oktober" werden von Menschen mit Demenz zunehmend schlechter verstanden. Oft erleichtern emotionale Verbindungen das Verständnis, wie "die Stadt, in der deine Tochter wohnt" oder "der Monat nach deinem Geburtstag".
Sicherheitsmaßnahmen und technische Hilfsmittel
Zunehmende Desorientierung und Vergesslichkeit bei einer Demenzerkrankung bringen viele Risiken im Alltag mit sich. Alltägliche Dinge wie ein Herd oder Putzmittel werden mit einem Mal zu potenziellen Gefahren. Um das Risiko von Unfällen zu minimieren, können gezielte Sicherheitsmaßnahmen und technische Hilfsmittel eingesetzt werden.
- Herd: Eine große Gefahr im Haushalt stellen auch elektronische Geräte für Personen mit Demenz dar. Daher können am Herd sogenannte Herdschutzknöpfe oder auch Schutzknöpfe installiert werden, die das Einschalten des Herds erschweren. Ein angeschalteter Herd, der vergessen wurde, auszuschalten, kann schnell zur Gefahr werden. Besonders bei Menschen mit Demenz ist das Risiko erhöht, dass sie den Herd versehentlich anlassen oder ohne Grund anschalten. Eine Herdsicherung sorgt dafür, dass der Herd nach einer voreingestellten Zeit automatisch abschaltet und somit Brände verhindert werden. Moderne Herde verfügen häufig schon über eine Abschaltautomatik. Auch wenn Rauchmelder in Mietwohnungen gesetzlich vorgeschrieben sind, sind sie in vielen Wohnungen nicht vorhanden oder nicht funktionsfähig. Dabei sind sie eine einfache, aber lebensrettende Sicherheitsmaßnahme, die besonders in Haushalten mit Demenzerkrankten unverzichtbar ist.
- Reinigungsmittel und gefährliche Gegenstände: Reinigungsmittel, Messer, Kerzen, Feuerzeuge und Medikamentenvorräte können für Demenzerkrankte eine ernsthafte Gefahr darstellen. Um Unfälle zu vermeiden, sollten diese Gegenstände sicher und außer Reichweite gelagert werden. Schubladensicherungen verhindern zusätzlich ungewollten Zugriff auf gefährliche Utensilien.
- Schlösser: Wenn der Betroffene gestürzt ist, kann es notwendig sein, dass Sie eine verschlossene Tür von außen öffnen. Hilfreich sind dann Schlösser mit einer Not- und Gefahrenfunktion. Insbesondere in die Eingangstür sollte ein Universalschloss eingebaut werden, damit die Tür auch dann von außen geöffnet werden kann, wenn der Schlüssel innen steckt. Auch an der Badezimmertür sollte, wenn diese verschließbar sein soll, ein von außen zu öffnendes Schloss eingebaut werden.
- Badezimmer: Das Badezimmer ist ein typischer Ort zum Ausrutschen - auch für Menschen, die nicht an Demenz leiden. Hilfreich sind dagegen oft Anti-Rutsch-Matten oder Haltegriffe. Häufig stellt das Benutzen der Badewanne im Laufe der Zeit ein Problem dar, und auch der Einstieg in das Duschbecken kann schwierig werden. Sinnvoll ist es deshalb frühzeitig zu überlegen, ob die Möglichkeit zum Einbau einer ebenerdigen Dusche besteht, wenn der oder die Erkranke sich duschen lässt. Es gibt auch Badewannen und Sitzbadewannen mit Tür zum leichteren Einstieg.
- Hinlauftendenz (Weglauftendenz): Manche Menschen mit Demenz entwickeln im Verlauf der Krankheit eine sogenannte Hinlauftendenz (früher als Weglauftendenz bezeichnet). Betroffene verspüren den Drang, einen bestimmten Ort aufzusuchen, der in ihrer Wahrnehmung wichtig erscheint, oft ohne Rücksicht auf die Sicherheit oder Verkehrsregeln. Dies kann gefährlich werden, insbesondere im Straßenverkehr.
- Kontaktmatten: Kontaktmatten werden häufig vor dem Bett oder der Haustür platziert. Sobald die Matte betreten wird, sendet sie ein Funksignal an die Pflegeperson und löst einen Alarm aus.
- Lichtschranken: Sie arbeiten mit Infrarotlicht und können über dem Bett oder an anderen kritischen Stellen installiert werden. Sobald der Lichtstrahl unterbrochen wird - etwa wenn der Betroffene aufsteht - wird ein Signal an die Pflegeperson gesendet.
- Notfalluhr: Ist eine praktische Alternative zum GPS-Tracker. Der Demenzerkrankte kann bei Bedarf einen Notruf an eine vorprogrammierte Nummer senden.
- Haustüralarm: Für Menschen mit Demenz kann es gefährlich werden, wenn sie die Wohnung unbemerkt verlassen. Ein Haustüralarm verhindert dies, indem er sofort Alarm schlägt, sobald die Tür geöffnet wird.
- GPS-Tracker: Hilfreich für Sie als Angehörigen sind auch Ortungssysteme für Demenzerkrankte wie GPS-Sender, die unter anderem in der Schuhsohle, als Kette und an der Kleidung getragen oder - für Hundebesitzer besonders geeignet - an die Hundeleine installiert werden können.
- Technische Geräte: Es gibt viele moderne Haushaltsgeräte, die über eine Abschaltautomatik verfügen. Wird zum Beispiel ein Bügeleisen längere Zeit nicht bewegt, schaltet es sich automatisch ab. Achten Sie auf eine solche integrierte Abschaltautomatik, wenn Sie sich ein neues Gerät kaufen wollen.
- Telefone: Menschen mit Demenz können Schwierigkeiten haben, Festnetztelefone oder Handys zu bedienen. Gründe für diese Schwierigkeiten sind zu kleine Bedientasten, ein unübersichtliches Menü sowie eine Vielzahl von Funktionen. Telefone mit großen Tasten schaffen hier Abhilfe. Wichtige Rufnummern werden als Kurzwahlnummern eingespeichert. Beim Betätigen einer Taste wird die hinterlegte Nummer angewählt. Bei einigen Telefonmodellen können die Tasten zusätzlich mit Bildern versehen werden. Die Bilder zeigen dann die Person, deren Nummer eingespeichert ist. Sogenannte Seniorenhandys verfügen in der Regel nur über die zum Telefonieren wichtigen Funktionen. Es gibt Telefone, die nur über drei oder sogar nur über eine Taste verfügen. Auf diese Tasten können feste Nummern programmiert werden. Über diese Nummern sollte im Notfall immer jemand erreichbar sein.
- Personenortungssysteme: Eine Demenzerkrankung geht zumeist mit Orientierungsstörungen einher. Diese können dazu führen, dass der Weg nach Hause nicht mehr jederzeit gefunden wird. Systeme zur Personenortung sorgen hier für mehr Sicherheit. Diese funktionieren ähnlich wie Navigationsgeräte. Notwendig ist es in jedem Fall, dass Sie als Nutzer einen Sender bei sich tragen. Es gibt diese Sender als Handy, als Armband oder Uhr oder als kleines Gerät, das am Gürtel oder in der Tasche getragen werden kann. Teilweise ist hier ein Notrufknopf integriert. Über diesen Notrufknopf kann der Nutzer selbst Hilfe rufen, soweit er dazu in der Lage ist. Es gibt auch Geräte mit einer Freisprecheinrichtung, über die die Helfer direkt in Kontakt mit dem Vermissten treten können. Die Ortung kann über eine Notrufzentrale erfolgen.
- Hausnotruf: Hausnotrufgeräte bestehen aus einem Basisgerät und einem Funksender, der als Armband, Kette oder Clip getragen wird. Durch Drücken eines Knopfes am Sender wird ein Notruf ausgelöst. Der Notruf geht je nach Voreinstellung bei einer Notrufzentrale oder bei Angehörigen bzw. dem Pflegedienst ein. Viele Wohlfahrtsverbände bieten den Hausnotruf mit Notrufzentrale an. Das Hausnotrufgerät kann dort gemietet werden. Auch die Hinterlegung eines Schlüssels ist möglich, damit die Helfenden im Notfall problemlos in die Wohnung gelangen können. Bei Vorliegen einer Pflegestufe übernimmt die Pflegekasse einen Teil der monatlichen Mietkosten. Wer keine Service-Zentrale benötigt, kann das Hausnotrufgerät auch kaufen und auf die entsprechenden Nummern von Angehörigen programmieren.
- Sturzdetektor: Bei einigen Hausnotrufsystemen wird der Anschluss eines Sturz- oder Falldetektors angeboten, der bei Stürzen selbstständig Alarm auslöst. Demenzerkrankte wissen es häufig nicht mehr, wenn sie zum Beispiel Hilfe beim Aufstehen aus dem Bett benötigen, und können sich beim selbstständigen Aufstehen verletzen. Hier kann eine einfache vor dem Bett platzierte Matratze helfen, einen Sturz abzufangen und Verletzungen zu vermeiden.
- Hüftprotektoren: Wenn Menschen mit Demenz gangunsicher sind oder zu Stürzen neigen, sind Slips mit eingearbeiteten Hüftprotektoren empfehlenswert. Sie helfen dabei Hüft- und Oberschenkelhals-Frakturen zu vermeiden.
- Handläufe und Haltegriffe: Sie bieten besseren Halt als Wände und Stuhllehnen und können so zur Vermeidung von Stürzen beitragen.
- Stolperfallen: Lose Teppiche oder Kabel erhöhen das Sturzrisiko und sollten entfernt bzw. fixiert werden (Kabel evtl. in Kabelschienen verlegen). Schwellen und Stufen in der Wohnung bzw.
- Vermeidung von Verbrühungen: Mischbatterie mit Temperaturbegrenzer einbauen.
- Unterbrechung der Wasserzufuhr: Möglich ist zum einen die Montage eines Wasserflussreglers am Wasserhahn (es wird ein Stab in den Wasserhahn eingesetzt, der nur Wasser frei gibt, solange dagegen gedrückt wird).
- Nicht benutzte Steckdosen: Diese sollten abgedeckt oder mit einer „Kindersicherung“ versehen werden.
- Fenster: In den oberen Stockwerken können Fenster mit Sicherungen versehen werden, damit sie nur noch ein kleines Stück geöffnet werden können.
- Kaffeemaschine: Kaffeemaschine mit Zeitschaltuhr versehen, Maschine mit Thermoskanne verwenden.
- Bügeleisen: Es gibt Modelle, die sich automatisch abschalten, wenn sie nicht bewegt werden.
- Nachtlichter: Nachtlichter können in der Toilette oder auch in anderen Zimmern, die in der Nacht oft aufgesucht werden, angebracht werden. Eventuell mit Bewegungsmelder versehene Nachtlichter verwenden oder mit Leuchtdioden versehene Lichtschläuche entlang der wichtigsten Wege legen.
- Tabletten: Medikamente können in spezielle Tablettenspender vorsortiert werden, die zu voreingestellten Zeiten an die Tabletteneinnahme erinnern.
Alltagshilfen für Demenzerkrankte
Hand in Hand mit der Wohnraumgestaltung geht die Verwendung von Alltags- und Orientierungshilfen für Demenzerkrankte. Denn es gibt zahlreiche weitere Dinge, die den Alltag und den Umgang mit der Krankheit Demenz enorm erleichtern. Die Vielfalt an Alltagshilfen für Demenzerkrankte ist sehr groß. Sie sollen Betroffenen helfen, sich in ihrem Alltag zurechtzufinden. So gibt es Ess- und Trinkhilfen, smarte Küchenhelfer und Medikamentenboxen genauso wie Telefone mit extragroßen Tasten. Welche Alltagshilfe tatsächlich sinnvoll ist, muss immer individuell entschieden werden.
- Erinnerungshilfen: Erinnerungshilfen sind speziell entwickelte Hilfsmittel, die Demenzerkrankten dabei helfen, ihren Alltag besser zu organisieren und an wichtige Aufgaben oder Termine zuverlässig erinnert zu werden. Sprechende Zeitplaner helfen Demenzerkrankten, ihren Tagesablauf besser zu strukturieren.
- Technische Hilfsmittel: Technische Hilfsmittel sind die Lösung für mehr Sicherheit und Übersicht im Alltag von Menschen mit Demenz. Schlüsselfinder und Ortungssysteme helfen, verlegte Schlüssel oder andere Gegenstände schnell wiederzufinden. GPS-Tracker und Notfalluhren ermöglichen es, den Standort von Demenzerkrankten im Notfall nachzuverfolgen. Spezielle Telefone mit großen Tasten und vorprogrammierten Nummern erleichtern das Telefonieren.
- Demenz-Geschirr: Speziell entwickeltes Geschirr in klaren Formen und leuchtenden Signalfarben hilft, die Speisen besser zu erkennen und zu erfassen. Teller mit einem erhöhten Rand und einem geneigten Boden erleichtern das Aufnehmen von Essen. Eine Demenzerkrankung bedeutet nicht immer, dass die Person nicht in der Lage ist, eigenständig zu essen. Wenn sie nicht mehr weiß, wie sie das Besteck verwenden soll, kann man Finger Food zubereiten. Dann können sie entspannt ohne Messer und Gabel essen. Ansonsten hilft es schon, das passende Besteck bereitzulegen. Zum Beispiel liegt nur ein Löffel auf dem Tisch, wenn es eine Suppe gibt. Mit kräftigen Farben und intensiven Gerüchen werden die Sinne und der Appetit angeregt.
- Mahlzeitenstrukturierung: Damit Demenzerkrankte Frühstück, Mittag- und Abendessen nicht vergessen, können Sie die Zeiten in einer Art Stundenplan für den Betroffenen eintragen. Das Lieblingsessen ist immer mit schönen Gefühlen verbunden. Daher kann es ein besonderes Erlebnis sein, wenn alte Lieblingsgerichte aus der Kindheit der Betroffenen zubereitet werden. Noch besser wäre es, wenn das Essen gemeinsam geplant und gekocht werden kann, um einen persönlicheren Bezug zum Essen herzustellen.
Sprachassistenzsysteme
Sprachassistenzsysteme sind in unserem Alltag mittlerweile fast allgegenwärtig. Sie sind integriert in unseren Smartphones, im Auto, in sogenannten „schlauen Lautsprechern“ (Smart-Speakern) oder „smarten Displays“ (schlauen Bildschirmen). Ob Alexa von Amazon, Google Assistant oder Siri von Apple, sie folgen alle dem gleichen Bedienmuster: Sie hören auf ein Aktivierungswort, wie „Alexa“ oder „Okay Google“, und nehmen daraufhin die gesprochene Anfrage entgegen.
Sprachassistenzsysteme haben vielfältige Anwendungsmöglichkeiten:
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- Sie können auf digitale Kalender oder Aufgabenlisten zugreifen. Dabei können Termineinträge oder Einkaufslisten sogar gemeinsam durch den Menschen mit Demenz und seine Angehörigen verwaltet werden. Es kann hilfreich sein, an anstehende Treffen oder die Medikamenteneinnahmen zu erinnern.
- Sprachassistenzsysteme können Wissen abrufen sowie Musik oder Radioprogramme abspielen.
- Ebenso können Angehörige Text-, Sprach- oder Videonachrichten direkt an das System schicken, welches es dem Menschen mit Demenz (automatisch) abspielt. Ferner vereinfachen solche Systeme auch die Videotelefonie und damit das Kontakt-Halten über Distanz.
- Auch sogenannte Smart-Home-Geräte werden von immer mehr Menschen genutzt: Gemeint sind beispielsweise steuerbare Lampen, spezielle Rauchmelder oder Wassersensoren, Heizkörperthermostate oder (fern)steuerbare Türschlösser, die mit einem Sprachassistenzsystem auf dem Smart-Speaker oder Smart-Display verbunden werden können. So kann etwa das Licht per Sprachbefehl an- und ausgeschaltet werden; oder es kann so eingestellt werden, dass es sich abhängig von der Tageszeit automatisch ein- oder ausschaltet. Eine weitere Möglichkeit ist, das Licht mit einem Bewegungsmelder im Raum zu kombinieren. Wenn vergessen wurde, die Lampen auszuschalten, lässt sich dies ebenfalls aus der Ferne steuern. Durch smarte Rauch-, CO2- oder Wassermelder werden nicht nur Menschen mit Demenz in ihrem Zuhause gewarnt, sondern auch die Angehörigen erhalten den Hinweis auf ihr Smartphone und können reagieren.
So können Sprachassistenzsysteme die Selbstständigkeit von Menschen mit Demenz unterstützen, ihre Teilhabemöglichkeiten erhöhen und zur Unterhaltung beitragen - und damit Erkrankten ebenso wie pflegenden Angehörigen ein größeres Sicherheitsgefühl geben. Zu bedenken ist aber, dass nicht alles, was möglich ist, auch wünschenswert, notwendig oder hilfreich ist: Es ist wichtig, die genauen Bedarfe und Wünsche der Beteiligten vorab abzufragen. Der mögliche Nutzen (mehr Selbstständigkeit, bessere Teilhabe, größere Sicherheit etc.) sollte abgewogen werden gegen die Risiken oder Nachteile (Fragen der Datensicherheit und des Datenschutzes, ethische Überlegungen zu einer möglichen Rundum-Überwachung durch solche Systeme und möglicherweise Gefährdung von Selbstständigkeit und Teilhabe).
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