Technische Geräte und digitale Helfer sind heute ein selbstverständlicher Teil unseres Alltags. Richtig eingesetzt, können sie auch Menschen mit Demenz dabei helfen, länger selbstbestimmt zu leben und gleichzeitig die dafür notwendige Sicherheit erhöhen. Demenzielle Erkrankungen gehen oft mit Orientierungsproblemen einher. Mit ein paar einfachen Maßnahmen kann man Menschen mit Demenz die Orientierung erleichtern.
Einleitung
Eine Demenzerkrankung bringt viele Herausforderungen mit sich, sowohl für die Betroffenen als auch für ihre Angehörigen. Orientierungsstörungen, Vergesslichkeit und veränderte Wahrnehmung können den Alltag erheblich erschweren. Umso wichtiger ist es, eine sichere und unterstützende Umgebung zu schaffen, die den Bedürfnissen von Menschen mit Demenz gerecht wird. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Orientierungshilfen und technische Unterstützungsmöglichkeiten im Altenheim, um den Alltag von Menschen mit Demenz zu erleichtern und ihre Lebensqualität zu verbessern.
Technische Hilfsmittel für mehr Sicherheit im Alltag
Technische und digitale Hilfen können an vielen Stellen zum Einsatz kommen. Sie können den Alltag sicherer machen und Angehörige entlasten.
Herdsicherungen und Kochfeldüberwachung
Ein angeschalteter Herd, der vergessen wurde, auszuschalten, kann schnell zur Gefahr werden. Besonders bei Menschen mit Demenz ist das Risiko erhöht, dass sie den Herd versehentlich anlassen oder ohne Grund anschalten. Herdsicherungen schalten einen Elektroherd entweder nach einer voreingestellten Zeit oder bei Überhitzung der Kochfelder automatisch ab. Moderne Herde verfügen häufig schon über eingebaute Herdsicherungssysteme. Sollten Sie sich einen neuen Herd kaufen wollen, achten Sie darauf, dass der Herd über eine solche Abschaltautomatik verfügt. Für Gasherde ist uns bisher kein geeignetes Sicherungssystem bekannt. Im Zweifelsfall sollte ein Gasherd daher abgeklemmt bzw. durch einen Elektroherd ersetzt werden.
Rauchmelder und Brandprävention
Auch wenn Rauchmelder in Mietwohnungen gesetzlich vorgeschrieben sind, sind sie in vielen Wohnungen nicht vorhanden oder nicht funktionsfähig. Dabei sind sie eine einfache, aber lebensrettende Sicherheitsmaßnahme, die besonders in Haushalten mit Demenzerkrankten unverzichtbar ist. Allerdings können Demenzerkrankte in der Regel nicht adäquat auf den Alarm reagieren. Es muss also sichergestellt sein, dass jemand im Haus über einen Schlüssel für die Wohnung verfügt und bei einem Alarm reagieren kann.
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Vermeidung von Verbrühungen und Wasserschäden
- Mischbatterie mit Temperaturbegrenzer: Einbau einer Mischbatterie mit Temperaturbegrenzer, um Verbrühungen zu vermeiden.
- Unterbrechung der Wasserzufuhr: Montage eines Wasserflussreglers am Wasserhahn (es wird ein Stab in den Wasserhahn eingesetzt, der nur Wasser freigibt, solange dagegen gedrückt wird).
Hausnotruf und Sturzdetektoren
Hausnotrufgeräte bestehen aus einem Basisgerät und einem Funksender, der als Armband, Kette oder Clip getragen wird. Durch Drücken eines Knopfes am Sender wird ein Notruf ausgelöst. Der Notruf geht je nach Voreinstellung bei einer Notrufzentrale oder bei Angehörigen bzw. dem Pflegedienst ein. Viele Wohlfahrtsverbände bieten den Hausnotruf mit Notrufzentrale an. Das Hausnotrufgerät kann dort gemietet werden. Auch die Hinterlegung eines Schlüssels ist möglich, damit die Helfenden im Notfall problemlos in die Wohnung gelangen können. Bei Vorliegen einer Pflegestufe übernimmt die Pflegekasse einen Teil der monatlichen Mietkosten. Wer keine Service-Zentrale benötigt, kann das Hausnotrufgerät auch kaufen und auf die entsprechenden Nummern von Angehörigen programmieren. Bei einigen Hausnotrufsystemen wird der Anschluss eines Sturz- oder Falldetektors angeboten, der bei Stürzen selbstständig Alarm auslöst.
Sturzprävention und Hilfsmittel
Demenzerkrankte wissen es häufig nicht mehr, wenn sie zum Beispiel Hilfe beim Aufstehen aus dem Bett benötigen, und können sich beim selbstständigen Aufstehen verletzen. Hier kann eine einfache vor dem Bett platzierte Matratze helfen, einen Sturz abzufangen und Verletzungen zu vermeiden. Wenn Menschen mit Demenz gangunsicher sind oder zu Stürzen neigen, sind Slips mit eingearbeiteten Hüftprotektoren empfehlenswert. Sie helfen dabei Hüft- und Oberschenkelhals-Frakturen zu vermeiden. Da die Hüftprotektoren nicht in das Hilfsmittelverzeichnis der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aufgenommen sind, sind die Krankenkassen jedoch nicht zur Kostenübernahme verpflichtet. Handläufe und Haltegriffe bieten besseren Halt als Wände und Stuhllehnen und können so zur Vermeidung von Stürzen beitragen. Lose Teppiche oder Kabel erhöhen das Sturzrisiko und sollten entfernt bzw. fixiert werden (Kabel evtl. in Kabelschienen verlegen). Schwellen und Stufen in der Wohnung sollten ebenfalls beseitigt werden.
Personenortungssysteme und Notfalluhren
Systeme zur Personenortung bedienen sich in der Regel der Möglichkeit einer satellitengestützten Positionsbestimmung ähnlich wie Navigationsgeräte. Sie können helfen Menschen mit Demenz, die alleine unterwegs sind und den Weg nach Hause nicht mehr wissen, in möglichst kurzer Zeit zu finden. Notwendig ist es in jeden Fall, dass die oder der Erkrankte einen Sender bei sich trägt. Dieser kann in ein Handy integriert sein, als Armband, ähnlich wie eine Uhr, oder am Gürtel getragen werden. Teilweise ist ein Notrufknopf integriert, über den die betreffende Person selbst Hilfe rufen kann, soweit sie dazu in der Lage ist. Auch Geräte mit Freisprecheinrichtung gibt es, über die die Helfenden direkt in Kontakt mit den Vermissten treten können. Die Ortung kann über eine Notrufzentrale erfolgen, in den meisten Fällen können aber Angehörige selbst den Sender über den privaten PC oder ein Smartphone überwachen und orten. Außerdem wird häufig die Möglichkeit angeboten, bestimmte „Sicherheitsgebiete“ festzulegen, bei deren Verlassen ein Alarm ausgelöst wird. Bei der Auswahl eines Personenortungssystems ist besonders die Genauigkeit der Standortbestimmung zu beachten, die erreicht werden kann. Demenz-Uhren, die Betroffene als Armbanduhr verwenden können, sind oft mit einem Ortungssystem ausgestattet. Der Träger kann einerseits einen „Notfallknopf“ drücken. Andererseits können Angehörige ihn orten. Notfallsysteme werden von der Pflegekasse bezuschusst. Prüfen Sie, ob Ihre Pflegekasse sich an den Anschaffungskosten beteiligt.
Alltagshilfen zur Förderung der Selbstständigkeit
Im Alltag kann Vergesslichkeit zur großen Herausforderung werden: Schlüssel verlegen, Termine vergessen oder sich in der eigenen Wohnung nicht mehr zurechtfinden - das sind Situationen, mit denen Menschen, die an Demenz erkrankt sind, nur allzu vertraut sind. Das ist jedoch kein Grund, sich davon einschränken zu lassen. Alltagshilfen sind das ideale Mittel, um das Leben strukturierter und sicherer zu gestalten. Beziehen Sie die demenzerkrankte Person in die Auswahl der Hilfsmittel mit ein, um deren Akzeptanz und Interesse zu fördern. So wird die Alltagshilfe nicht nur angeschafft, sondern auch wirklich genutzt. Erinnerungshilfen sind speziell entwickelte Hilfsmittel, die Demenzerkrankten dabei helfen, ihren Alltag besser zu organisieren und an wichtige Aufgaben oder Termine zuverlässig erinnert zu werden.
Sprechende Uhren und Kalender
Sprechende Uhren: Auf Knopfdruck erfolgt die Ansage der Uhrzeit, teilweise auch von Datum und Wochentag. Wichtig ist es darauf zu achten, dass auf der Uhr deutlich zwischen Tag und Nacht unterschieden wird, um den Tag-/Nacht-Rhythmus zu unterstützen. Kalender, auf denen der jeweilige Tag deutlich markiert werden kann und die Platz für die Eintragung wichtiger Termine bieten, unterstützen bei der zeitlichen Orientierung. Digitale Kalender zeigen immer das richtige Datum an und können in der Regel nicht selbstständig verstellt werden. Allerdings können dort meist keine Termine notiert werden. Nicht immer werden solche Geräte als Kalender erkannt. Bei der Nutzung von digitalen Uhren sollten Sie darauf achten, ob der oder die Erkrankte eine analoge oder eine digitale Zeitanzeige besser ablesen kann. Inzwischen gibt es verschiedene, teils kostenpflichtige Apps, die vor allem für die Verwendung auf einem Tablet geeignet sind. Sie bieten ebenfalls die Darstellung von Kalender und Uhrzeit, ergänzt durch Angaben zu Jahres- oder Tageszeit.
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Telefone mit großen Tasten und Kurzwahl
Menschen mit Demenz können Schwierigkeiten haben, Festnetztelefone oder Handys zu bedienen. Gründe für diese Schwierigkeiten sind zu kleine Bedientasten, ein unübersichtliches Menü sowie eine Vielzahl von Funktionen. Telefone mit großen Tasten schaffen hier Abhilfe. Wichtige Rufnummern werden als Kurzwahlnummern eingespeichert. Beim Betätigen einer Taste wird die hinterlegte Nummer angewählt. Bei einigen Telefonmodellen können die Tasten zusätzlich mit Bildern versehen werden. Die Bilder zeigen dann die Person, deren Nummer eingespeichert ist. Sogenannte Seniorenhandys verfügen in der Regel nur über die zum Telefonieren wichtigen Funktionen. Es gibt Telefone, die nur über drei oder sogar nur über eine Taste verfügen. Auf diese Tasten können feste Nummern programmiert werden. Über diese Nummern sollte im Notfall immer jemand erreichbar sein.
Schlüsselfinder und andere Ortungssysteme
Schlüsselfinder und Ortungssysteme: Diese Geräte helfen, verlegte Schlüssel oder andere Gegenstände schnell wiederzufinden.
Demenz-Geschirr und Esshilfen
Speziell entwickeltes Geschirr in klaren Formen und leuchtenden Signalfarben hilft, die Speisen besser zu erkennen und zu erfassen. Teller mit einem erhöhten Rand und einem geneigten Boden erleichtern das Aufnehmen von Essen. Eine Demenzerkrankung bedeutet nicht immer, dass die Person nicht in der Lage ist, eigenständig zu essen. Wenn sie nicht mehr weiß, wie sie das Besteck verwenden soll, kann man Finger Food zubereiten. Dann können sie entspannt ohne Messer und Gabel essen. Ansonsten hilft es schon, das passende Besteck bereitzulegen. Zum Beispiel liegt nur ein Löffel auf dem Tisch, wenn es eine Suppe gibt.
Tablettenspender und Medikamentenmanagement
Medikamente können in spezielle Tablettenspender vorsortiert werden, die zu voreingestellten Zeiten an die Tabletteneinnahme erinnern.
Wohnraumgestaltung zur Förderung der Orientierung
Viele Menschen mit Demenz möchten so lange wie möglich in ihrem vertrauten Zuhause leben. Doch mit fortschreitender Demenz können sich ihre Orientierung und Wahrnehmung verändern und die einst vertraute Umgebung wird zum Hindernisparcours. Eine übersichtliche und aufgeräumte Wohnumgebung hilft Demenzerkrankten, sich besser zu orientieren und reduziert das Risiko von Verwirrung oder Stress. Vermeiden Sie überladene Dekorationen, da diese Demenzerkrankte überfordern können.
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Klare Strukturen und Beschilderung
Ein gleichbleibender, überschaubarer Tagesablauf, helles Licht und die Beleuchtung wichtiger Wege in der Nacht erleichtern es den Kranken, sich zurecht zu finden. Auch Hinweisschilder in der Wohnung können hilfreich sein. Manchmal hilft es schon, wenn an der Küche auch “Küche” dran steht und an der Toilette “Toilette”. Bei manchen Menschen mit Demenz helfen auch Bilder und Symbole.
Farbliche Gestaltung und Kontraste
Bei einer Demenzerkrankung verändert und reduziert sich die Seh- und Wahrnehmungserkennung. Setzen Sie also farbliche Kontraste. Das Gleiche gilt für Essgeschirr. Kontraste können von demenzerkrankten Personen weniger wahrgenommen werden. Die Ränder von Treppenstufen mit farblichen Klebe-/Tape-Streifen kennzeichnen. An Glastüren farbliche Merkmale anbringen, sodass sich nicht an der Tür gestoßen wird, weil sie nicht gesehen oder erkannt wird. Helle und freundliche Farben sind angenehm für Demenzerkrankte. Nein, starke Muster an Wänden, Böden oder Möbeln wirken verwirrend oder sogar beängstigend auf Menschen mit Demenz. Dunkle Töne sollten Sie eher vermeiden, da sie negative Gefühle auslösen können. Eine dunkle Fußmatte oder ein dunkler Teppich zum Beispiel können im fortgeschrittenen Stadium der Demenz als nicht überwindbares Loch im Boden gedeutet werden.
Beleuchtung und Lichtverhältnisse
Ältere Menschen, insbesondere ältere Menschen mit Demenz, benötigen viel mehr Licht im Wohnbereich als jüngere und gesunde Menschen. Kaltweißes Licht ist für ältere Menschen besser zu sehen als warmweißes. Beim nächtlichen Toilettengang helfen LED-Nachtlichter mit Bewegungsmelder, sich in der Dunkelheit zu orientieren und Stürze zu vermeiden. Eine andere Möglichkeit sind Lichtbänder mit integrierten Bewegungs- und Helligkeitssensoren.
Vermeidung von Stolperfallen und Gefahrenquellen
Stolperfallen: Lose Teppiche oder Kabel erhöhen das Sturzrisiko und sollten entfernt bzw. fixiert werden (Kabel evtl. in Kabelschienen verlegen). Nicht benutzte Steckdosen sollten abgedeckt oder mit einer „Kindersicherung“ versehen werden. In den oberen Stockwerken können Fenster mit Sicherungen versehen werden, damit sie nur noch ein kleines Stück geöffnet werden können. Verdeckt man Türen mit Hilfe von schweren Vorhängen, kann ihnen der Aufforderungscharakter genommen werden.
Persönliche Gegenstände und Erinnerungsstücke
Besonders in stationären Einrichtungen der Altenhilfe ist es schön, wenn Menschen mit Demenz persönliche Gegenstände und Möbelstücke mitbringen können. Vertraute Erinnerungsgegenstände und die gewohnte Ordnung helfen ihnen, sich zu orientieren, und vermitteln ein Gefühl von Sicherheit. Veränderungen in der Wohnung können hingegen als verwirrend und beängstigend erlebt werden.
Spezielle Sicherheitsmaßnahmen
Mit zunehmender Demenz steigt die Gefahr, dass räumliche Desorientierung und Vergesslichkeit zu gefährlichen Situationen im Alltag führen. Um das Risiko von Unfällen zu minimieren, können gezielte Sicherheitsmaßnahmen und technische Hilfsmittel eingesetzt werden.
Schlösser und Türsicherungen
Insbesondere in die Eingangstür sollte ein Universalschloss eingebaut werden, damit die Tür auch dann von außen geöffnet werden kann, wenn der Schlüssel innen steckt. Auch an der Badezimmertür sollte, wenn diese verschließbar sein soll, ein von außen zu öffnendes Schloss eingebaut werden. Für Menschen mit Demenz kann es gefährlich werden, wenn sie die Wohnung unbemerkt verlassen. Ein Haustüralarm verhindert dies, indem er sofort Alarm schlägt, sobald die Tür geöffnet wird.
Schutz vor gefährlichen Gegenständen
Reinigungsmittel, Messer, Kerzen, Feuerzeuge und Medikamentenvorräte können für Demenzerkrankte eine ernsthafte Gefahr darstellen. Um Unfälle zu vermeiden, sollten diese Gegenstände sicher und außer Reichweite gelagert werden. Schubladensicherungen verhindern zusätzlich ungewollten Zugriff auf gefährliche Utensilien.
Realitätsorientierungstraining (ROT)
Mit einem Realitätsorientierungstraining (ROT) können Sie helfen, dass sich Pflegebedürftige im Alltag besser orientieren können. Realitätsorientierungstraining ist in vielen stationären und teilstationären Pflegeeinrichtungen ein Baustein im therapeutischen Konzept. Damit soll die Lebensqualität von Demenzerkrankten verbessert werden. Auch in der ambulanten Pflege wird es angewendet. Der Therapeut vermittelt dabei verwirrten Menschen mit Demenz wieder Informationen zu Zeit, Person und Raum. Für die Rehabilitation werden verschiedene Hilfsmittel wie Listen, Uhren, Kalender und Schilder genutzt.
Das 24-Stunden-Programm
Das 24-Stunden-Programm ist das Kernelement des Realitätsorientierungstrainings. Als entsprechende Maßnahmen sind zum Beispiel Orientierungshilfen geeignet (Symbole, die eine Funktion erklären wie ein Kochtopf auf einem Herd). Hilfreich sind auch Abbildungen von Alltagsgegenständen oder Bilder von Tieren und Pflanzen. Die Pflegebedürftigen sollten regelmäßig auf diese Bilder aufmerksam gemacht werden: „Sehen Sie diese Blume? Das ist eine Rose. Zur verbalen Orientierung: Die Dementen sollten regelmäßig über Ort, Zeit und Person informiert werden („Guten Tag, Herr Müller, heute ist Dienstag, der 8. November. Draußen regnet es…„). Genauso wichtig ist eine klare Struktur des Tages. Deshalb sollten Sie den zeitlichen Ablauf grundsätzlich einhalten.
Gruppensitzungen
Sie können sogenannte Gruppensitzungen anbieten - auch als Ergänzung zum 24-Stunden-Programm. Dazu versammeln Sie vier bis acht Bewohner für täglich etwa 30 bis 60 Minuten. Mit einer Realitätsorientierungstafel als Hilfsmittel üben Sie mit den Teilnehmern zeitliche, räumliche und situative Orientierung. Dabei sollten Sie nicht nur Fragen stellen und diese beantworten lassen: Wichtig ist hier Abwechslung, die auch gern spielerisch umgesetzt werden kann. Sie können auch gemeinsam singen und basteln.
Tipps für die Umsetzung
Wenn Sie das Realitätsorientierungstraining in Ihrer Einrichtung anwenden, ist es sinnvoll, eine tagesbegleitende Therapie einzuführen. Während des Tages können Sie und das Pflegepersonal in Gesprächen mit den Bewohnern zum Beispiel immer wieder auf Dinge wie Tageszeit, Datum und Jahreszeit zu sprechen kommen. Dabei gilt: Fördern, nicht überfordern. Stellen Sie sicher, dass Ihre Kunden keinesfalls überfordert werden oder sich bevormundet fühlen. Entwickeln Sie auch ein Gespür für die Fragen Ihrer Bewohner. Eine ständige Realitätskorrektur kann sich hier negativ auf das Selbstbewusstsein und Wohlbefinden auswirken.
Umgang mit herausfordernden Verhaltensweisen
Viele Verhaltensweisen von Menschen mit Demenz, die Pflegende vor Herausforderung stellen, sind Reaktionen, die man aus der Krankheit heraus verstehen und nachvollziehen kann: Rat- und Orientierungslosigkeit können zu Ängstlichkeit, Anhänglichkeit und zum ständigen Wiederholen von Fragen führen. Aggressivität und Wutausbrüche können aus Frustration oder Überforderung entstehen, Depression und Rückzug aus einem Mangel an Aktivität und Ermunterung. Wichtig ist es, solche Faktoren zu erkennen und möglichst zu beseitigen.
Aggressivität
Angst, Wut, Unruhe, Enttäuschung und Nervosität können zu aggressivem Verhalten führen. Bemühen Sie sich herauszufinden, was der Auslöser für das aggressive Verhalten war, um solche Situationen in Zukunft möglichst zu vermeiden. Versuchen Sie gelassen zu bleiben und die Vorwürfe oder das Verhalten der erkrankten Person nicht auf sich zu beziehen. Dieses Verhalten wird durch die Krankheit ausgelöst. Versuchen Sie in der akuten Situation die bzw. den Kranken abzulenken, wechseln Sie das Thema. Wenn Sie sich durch das Verhalten bedroht fühlen, sollten Sie aber auch an Ihre eigene Sicherheit denken. Verlassen Sie den Raum und holen Sie sich im Notfall Hilfe.
Unruhe
Menschen mit Demenz sind oft unruhig und laufen immer wieder die gleiche Strecke auf und ab. Daran sollte man sie nicht hindern. Sie können aber versuchen herauszufinden, was dieses Verhalten verursacht: Vielleicht tut der bzw. dem Kranken etwas weh oder ihn beschäftigt gerade etwas. Demenzerkrankte leben in einer anderen Welt. So kann es sein, dass eine 85-Jährige das Gefühl hat, schnell nach Hause zu müssen, weil die Mutter mit dem Essen wartet. Die Antwort, dass die Mutter doch schon lange tot ist und dass Sie auch gerade gegessen haben, hilft in einer solchen Situation nicht weiter. Günstiger ist es, dann ein Gespräch darüber anzufangen („Was macht deine Mutter denn, wenn du zu spät kommst?“ oder „Deine Mutter kocht wohl sehr gut?“). Unruhe kann auch Ausdruck von Ängstlichkeit oder Unbehagen sein, denen Sie mit folgenden Maßnahmen begegnen können: Gestalten Sie die Umgebung ruhig. Bleiben Sie ruhig und sprechen Sie sanft. Beruhigen Sie die erkrankte Person, halten Sie Körperkontakt und reagieren Sie auf die Gefühle, die sie ausdrückt. Schaffen Sie eine entspannte Atmosphäre. Gut beleuchtete Ecken verhindern Angst erzeugende Schatten. Schaffen Sie Zeiten der Ruhe und Entspannung. Menschen mit Demenz mögen meistens Körperkontakt. Eine Massage der Hände mit einem wohlriechenden Lieblingsöl beruhigt.
Sprachassistenzsysteme
Sprachassistenzsysteme sind in unserem Alltag mittlerweile fast allgegenwärtig. Sie sind integriert in unseren Smartphones, im Auto, in sogenannten „schlauen Lautsprechern“ (Smart-Speakern) oder „smarten Displays“ (schlauen Bildschirmen). Ob Alexa von Amazon, Google Assistant oder Siri von Apple, sie folgen alle dem gleichen Bedienmuster: Sie hören auf ein Aktivierungswort, wie „Alexa“ oder „Okay Google“, und nehmen daraufhin die gesprochene Anfrage entgegen - beispielsweise: „Wie wird das Wetter heute?“. Dazu holen sie sich Informationen über das Internet und geben die Antwort als gesprochene Sprache aus.
Anwendungsmöglichkeiten
Sprachassistenzsysteme haben vielfältige Anwendungsmöglichkeiten: Sie können auf digitale Kalender oder Aufgabenlisten zugreifen. Dabei können Termineinträge oder Einkaufslisten sogar gemeinsam durch den Menschen mit Demenz und seine Angehörigen verwaltet werden. Es kann hilfreich sein, an anstehende Treffen oder die Medikamenteneinnahmen zu erinnern. Sprachassistenzsysteme können Wissen abrufen sowie Musik oder Radioprogramme abspielen. Ebenso können Angehörige Text-, Sprach- oder Videonachrichten direkt an das System schicken, welches es dem Menschen mit Demenz (automatisch) abspielt. Ferner vereinfachen solche Systeme auch die Videotelefonie und damit das Kontakt-Halten über Distanz. Auch sogenannte Smart-Home-Geräte werden von immer mehr Menschen genutzt: Gemeint sind beispielsweise steuerbare Lampen, spezielle Rauchmelder oder Wassersensoren, Heizkörperthermostate oder (fern)steuerbare Türschlösser, die mit einem Sprachassistenzsystem auf dem Smart-Speaker oder Smart-Display verbunden werden können. So kann etwa das Licht per Sprachbefehl an- und ausgeschaltet werden; oder es kann so eingestellt werden, dass es sich abhängig von der Tageszeit automatisch ein- oder ausschaltet. Eine weitere Möglichkeit ist, das Licht mit einem Bewegungsmelder im Raum zu kombinieren. Wenn vergessen wurde, die Lampen auszuschalten, lässt sich dies ebenfalls aus der Ferne steuern. Durch smarte Rauch-, CO2- oder Wassermelder werden nicht nur Menschen mit Demenz in ihrem Zuhause gewarnt, sondern auch die Angehörigen erhalten den Hinweis auf ihr Smartphone und können reagieren.
Vorteile und Risiken
So können Sprachassistenzsysteme die Selbstständigkeit von Menschen mit Demenz unterstützen, ihre Teilhabemöglichkeiten erhöhen und zur Unterhaltung beitragen - und damit Erkrankten ebenso wie pflegenden Angehörigen ein größeres Sicherheitsgefühl geben. Zu bedenken ist aber, dass nicht alles, was möglich ist, auch wünschenswert, notwendig oder hilfreich ist: Es ist wichtig, die genauen Bedarfe und Wünsche der Beteiligten vorab abzufragen. Der mögliche Nutzen (mehr Selbstständigkeit, bessere Teilhabe, größere Sicherheit etc.) sollte abgewogen werden gegen die Risiken oder Nachteile (Fragen der Datensicherheit und des Datenschutzes, ethische Überlegungen zu einer möglichen Rundum-Überwachung durch solche Systeme und möglicherweise Gefährdung von Selbstständigkeit und Teilhabe).
Finanzielle Unterstützung und Beratung
Die finanzielle Entlastung durch Krankenkassen ist für viele Familien ein wichtiger Schritt, um notwendige Hilfsmittel für Demenzerkrankte zu beschaffen. Im Hilfsmittelkatalog sind zahlreiche Produkte aufgeführt, die von der Pflegekasse unter bestimmten Voraussetzungen übernommen werden können. Diese Hilfsmittel helfen nicht nur bei der Orientierung und der Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten, sondern auch im Umgang mit alltäglichen Herausforderungen der Pflege. Je höher der Pflegegrad, umso mehr Leistungen gewährt die Pflegekasse. Sie sind sich unsicher, ob bei Ihren oder Ihrem Angehörigen ein Pflegegrad vorliegt oder die Pflegesituation hat sich verschlechtert?
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