Die orthomolekulare Medizin (OM) ist ein Ansatz zur Erhaltung guter Gesundheit und zur Behandlung von Krankheiten durch die Veränderung der Konzentrationen von Substanzen im menschlichen Körper, die normalerweise im Körper vorhanden und für eine gute Gesundheit erforderlich sind. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung der orthomolekularen Medizin bei Epilepsie, basierend auf aktuellen Studien und Erkenntnissen.
Grundlagen der Orthomolekularen Medizin
Der Begriff "orthomolekular" bedeutet übersetzt "die richtigen Teilchen". Gemeint sind damit die richtigen Mikronährstoffe in naturnaher Form, Menge und Konzentration. Linus Pauling, der zweifache Nobelpreisträger und "Vater" der Orthomolekularen Medizin, definierte OM als die Erhaltung guter Gesundheit und die Behandlung von Krankheiten durch Veränderungen der Konzentrationen von Substanzen im menschlichen Körper, die normalerweise im Körper vorhanden und für eine gute Gesundheit erforderlich sind.
Die OM setzt auf Substanzen, die nicht körperfremd sind, also keine chemisch-synthetischen Wirkstoffe, sondern beispielsweise Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Aminosäuren und Fettsäuren.
GABA und Epilepsie
GABA (Gamma-Aminobuttersäure) ist der wichtigste hemmende Neurotransmitter im Gehirn von Menschen und anderen Säugetieren. Wenn GABA an eine Nervenzelle bindet, kann diese vorübergehend keine Impulse weiterleiten oder empfangen. GABA hat auch einen Gegenspieler, den Neurotransmitter Glutamat, welcher die Weitergabe von Nervenimpulsen fördert.
Hemmende Neurotransmitter sind für unseren Körper lebensnotwendig: Gibt es zu wenig davon, beginnen Nervenzellen im Gehirn unkontrolliert zu feuern. Eine mögliche Folge sind Krampfanfälle. In der Medizin kennt man eine Reihe von Medikamenten, die Einfluss auf den GABA-Spiegel nehmen. Ein Beispiel sind bestimmte Epilepsie-Medikamente: Sie aktivieren Enzyme (Eiweißstoffe), die an der Produktion des Botenstoffs beteiligt sind. Dadurch steigt der GABA-Spiegel im Gehirn, was Krampfanfällen vorbeugt.
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GABA-Ergänzungen: Wirkung und Kontroversen
Es gibt zwar eine Handvoll Studien, die angeblich positive Erfahrungen mit GABA bei Angst oder Stress belegen, jedoch ist die Wirkung von GABA-Ergänzungen umstritten, da GABA die Blut-Gehirn-Schranke nicht passieren kann - oder zumindest nicht in ausreichender Menge, um im Gehirn eine Wirkung zu erzielen. Eine zweite mögliche Erklärung haben Forscher, die sich mit unserem Darm beschäftigen, kürzlich ins Spiel gebracht: Wir haben nicht nur im Gehirn, sondern auch im Darm GABA-Rezeptoren. Möglicherweise wirken GABA-Präparate auf die Psyche, auch ohne dass sie ins Gehirn gelangen - einfach indem sie im Darm an die entsprechenden Rezeptoren andocken.
Taurin und seine Rolle
Taurin ist eine Aminosäure, die in der Leber aus L-Methionin oder L-Cystein unter Beteiligung von Vitamin B6 gebildet wird. Es kommt in freier, ungebundener Form im Organismus vor und ist eine konzentrierte Aminosäure im Pool freier Aminosäuren und in der Zellflüssigkeit. Für Frühgeborene und Kleinkinder ist Taurin essenziell. Taurin wird unter anderem eingesetzt, da es vielfältige Funktionen im Körper erfüllt.
Glucosamin und seine potenzielle Wirkung bei Epilepsie
Glucosamin wird vor allem bei älteren Menschen mit Gelenkbeschwerden eingesetzt. Eine neue Studie fügt dem ein überraschendes neues Indikationsgebiet hinzu: Beruhigung des Gehirns. Auf diese Weise könnte vielleicht das Risiko eines epileptischen Anfalls verringert werden. Glucosaminsulfat ist das wichtigste Substrat für die Biosynthese von Proteoglykanen. Beim Älterwerden verringert sich die körpereigene Produktion von Glucosamin.
Studienlage zu Glucosamin bei Epilepsie
In vitro wurde gezeigt, dass eine Erhöhung der Konzentration von N-Acetylglucosamin die Intensität der epilepsietypischen elektrischen Spitzenwerte verringerte. In vivo wurden vergleichbare Ergebnisse bei Mäusen erzielt. Auch bei ihnen traten weniger Epilepsiespitzen in der Gehirnaktivität auf, wenn die Konzentration von N-Acetylglucosamin erhöht wurde. Die Maximalwerte während eines epileptischen Anfalls lagen bei mit N-Acetylglucosamin behandelten Mäusen niedriger als bei der Kontrollgruppe.
Die Ergebnisse dieser Forschung stützen die Schlussfolgerung, dass die neuronale Erregbarkeit durch die Anwendung von N-Acetylglucosamin reguliert werden kann. Daher stellt es ein vielversprechendes Ziel für die weitere Forschung nach Therapeutika bei Epilepsie dar.
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Weitere Mikronährstoffe und ihre Bedeutung
Neben GABA, Taurin und Glucosamin spielen auch andere Mikronährstoffe eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Epilepsie. Dazu gehören:
- Vitamin D: Mittel gegen Epilepsie können Vitamin D förmlich „verbrennen“ lassen. Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D ist daher wichtig.
- Folsäure und Vitamin B12: Depressive Patienten haben häufig eine schlechte Versorgung mit Folsäure und Vitamin B12. Studien zeigen einen positiven Effekt auf die Wirkung von Antidepressiva, wenn zusätzlich Folsäure und B12 gegeben wird.
- Magnesium: Ein Magnesiummangel kann die Krampfschwelle senken.
- Omega-3-Fettsäuren: Diese Fettsäuren haben entzündungshemmende Eigenschaften und können die neuronale Funktion verbessern.
Individuelle Anwendung der Orthomolekularen Medizin
Die Frage nach der Therapiedauer kann nicht pauschal, sondern nur individuell beantwortet werden. Das Vorgehen hängt von der Ernährung, dem körperlichen Zustand, Nahrungsmittelunverträglichkeiten usw. des Betroffenen ab. Es gibt sehr wichtige Wechselwirkungen innerhalb der Vitalstoff-Gruppen bzw. mit Medikamenten. Daher sollte orthomolekulare Medizin gerade bei Erkrankungen niemals ohne einen Fachmann eingesetzt werden, der sowohl "normale" Medikamente als auch Mikronährstoffe fundiert beurteilen kann.
Kritik und wissenschaftliche Evidenz
Kritiker bezweifeln die These der Orthomolekularen Medizin, dass Krankheiten in erster Linie auf einem biochemischen Ungleichgewicht im Körper beruhen. Es gibt weltweit zur Genüge saubere Studien, die die Wirksamkeit der OM belegen. Sehen Sie sich bitte auch die Ergebnisse der Nationale Verzehrstudie der DGE im Internet an. Dort können Sie nachlesen was großen Teilen der Bevölkerung fehlt.
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