Die Polyneuropathie, eine Erkrankung, die mehrere periphere Nerven betrifft, manifestiert sich häufig durch Kribbeln, brennende Schmerzen, Taubheitsgefühle und andere Missempfindungen, insbesondere in den Füßen. Die Suche nach wirksamen Behandlungsmethoden ist für Betroffene von großer Bedeutung. In diesem Artikel wird die Blutegeltherapie als eine mögliche ergänzende Behandlungsoption bei Polyneuropathie umfassend beleuchtet.
Was ist Polyneuropathie?
Der Begriff Polyneuropathie stammt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt „Erkrankung mehrerer Nerven“. Die Polyneuropathie ist eine Erkrankung der peripheren Nerven, d.h. also nicht des Gehirns oder des Rückenmarks. Sie entsteht indem entweder der innere Strang des Nervs oder seine Umhüllung erkranken. Nerven arbeiten wie elektrische Leitungen. Vergleicht man den Nerv mit einem Kupferkabel, so können Störungen entweder durch eine Unterbrechung der Kupferleitung in der Mitte oder der umhüllenden Isolierung entstehen. Je länger ein Nerv ist umso eher erkrankt er an Polyneuropathie, weshalb die Erkrankung häufig an den Zehen und Füßen beginnt.
Bei den meisten Menschen beginnt die Polyneuropathie mit Reizerscheinungen im Sinne von Kribbelgefühlen, brennenden Missempfindungen bis hin zu heftigen Schmerzen und Taubheitsgefühlen an den Füßen. Häufig beschrieben wird ein Schwellungsgefühl, unangenehmer Druck, Gefühl wie auf Watte zu gehen, ein Elektrisieren oder Stechen. Meistens sind zunächst nur die Zehen und der Fußballen bds. betroffen. Im Verlauf von mehreren Monaten bis Jahren kommt es zur Ausweitung der Symptome auf die Füße und Unterschenkel mit Socken-förmiger oder Kniestrumpf-förmiger Begrenzung. Die Oberschenkel können im Verlauf einer weiteren Verschlechterung oder bei einigen Patienten auch primär betroffen sein. Auch das Temperaturempfinden leidet, so dass beispielsweise die Badewassertemperatur in der Badewanne an den Füßen nicht mehr richtig eingeschätzt werden kann. Zumeist erst im Verlauf der Erkrankung können zusätzlich die Fingerspitzen und Hände mit Handschuh-förmiger Begrenzung der Taubheitsgefühle betroffen sein. Parallel dazu kann es zunehmend zu Lähmungen, beispielsweise der Fußheber oder Zehenheber oder Fußsenker kommen, so dass Muskelschwund und Gangstörungen entstehen. Alle Symptome entstehen zumeist symmetrisch und nur seltener asymmetrisch mit Betonung auf einer Seite. Krämpfe, insbesondere nachts oder bei Belastungen, sind nicht selten. Viele Patienten klagen über kalte Füße. Auch das Lageempfinden wird zunehmend gestört, so dass die akkurate Aufrechterhaltung des Standes leidet. Dies führt zu Schwanken, Schwindel und Gangstörungen. Das Schmerzempfinden wird allmählich herabgesetzt, so dass Verletzungen am Fuß nicht oder nur zu spät wahrgenommen werden. Dies kann, z.B. beim Diabetes mellitus, zur Entstehung von Druckgeschwüren führen. Letztlich können auch die inneren Organe im Sinne einer autonomen Polyneuropathie betroffen sein. Dies führt beispielsweise zur Blasenlähmung, Darmträgheit oder zur mangelnden Regulation des Herzschlages bei Anstrengung.
Die Polyneuropathie ist eine häufige neurologische Erkrankung, die sowohl Männer als auch Frauen in gleichem Maße betrifft und im Alter an Häufigkeit zunimmt. Etwa jeder 3. Diabetiker ist davon betroffen.
Es gibt über 300 bekannte Ursachen von Polyneuropathie. Ca. 35 % der Polyneuropathien sind in Deutschland auf den Diabetes mellitus (Zuckererkrankung) zurückzuführen und etwa 20 % auf Alkoholkonsum. Die Ursache von etwa 1/4 aller Polyneuropathien bleibt auch nach ausführlicher Abklärung ungeklärt.
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Die Blutegeltherapie: Ein traditionelles Verfahren
Die Blutegeltherapie ist ein bewährtes Verfahren der Naturheilkunde, das seit über 3000 Jahren bekannt ist. Blutegel werden seit Jahrtausenden eingesetzt und sind in medizinischen Therapiesystemen weltweit bekannt. Schriftliche Zeugnisse zum Blutegel bei Griechen und Römern finden wir ab 150 vor Christus. Auf der anderen Seite des Globus ist der Blutegel seit 3000 Jahren wichtiger Bestandteil der ayurvedischen Medizin. Lange Zeit wurde der Egel als „lokaler Aderlass“ genutzt, heute wissen wir, dass seine Heilwirkung weit darüber hinaus und seine Wirkung viel tiefer geht als der Hautbereich der Bissstelle.
Blutegel haben heute den Status eines Arzneimittels. In Deutschland ist der Blutegel rechtlich seit 2005 ein „zulassungs- und apothekenpflichtiges Human-Fertigarzneimittel“ (§ 4 Abs. 1 AMG). Damit gelten in Deutschland bestimmte Vorschriften und Regeln. Der Egel wird als Arzneimittel immer mit einer Packungsbeilage abgegeben. Heilpraktiker, Ärzte und Tierärzte können nach Vorlage ihrer Bestallungs- oder Approbationsurkunde Egel direkt beim Arzneimittelhersteller erwerben (§47 AMG), ansonsten ist der Erwerb nur über Apotheken möglich. Professionelle Egeltherapie ist Heilpraktikern und Ärzten vorbehalten oder kann in deren Behandlungsauftrag erfolgen.
Der Medizinische Blutegel (Hirudo medicinalis) ist der bekannteste Vertreter der Egel. Er wird seit Jahrhunderten zur Behandlung verschiedener Krankheiten verwendet. Wie die meisten Egel kommt er im Süßwasser vor. Sein natürliches Verbreitungsgebiet ist Europa, Nordafrika und Kleinasien. Außerhalb des Wassers bewegt er sich mithilfe von zwei Saugnäpfen an den Körperenden fort. Erwachsene Tiere werden bis zu 15 Zentimeter lang. Blutegel sind langlebig: Sie werden erst mit drei Jahren geschlechtsreif und über 30 Jahre alt.
Wirkungsweise der Blutegeltherapie
Während jahrhundertelang allein die ausleitende Wirkung des Egelbisses im Sinne des lokalen Aderlasses als Therapeutikum gesehen wurde, wissen wir heute, dass der Egelspeichel weitaus reichhaltiger und breiter wirkt. Nach derzeitigem Kenntnisstand werden mit dem Biss und während des Saugvorgangs mehr als 100 Substanzen in die Wunde abgegeben, (von denen bisher nur ein Teil charakterisiert ist) dies entspricht etwa 1,2mg Fremdeiweiß. Einzelne dieser Substanzen werden in der Medizin mittlerweile isoliert rekombinant produziert und sind als Arzneimittel in Anwendung. In der Kombination wirkt der Egelspeichel zum Beispiel lysierend bei Gewebeverklebungen (wie bei chronischen Entzündungen) durch Hyaluronidase und Kollagenase. Der Speichel wirkt entzündungshemmend und analgetisch (u. a. durch Antistasin und Leech-derived-Tryptase Inhibitor) und das jeweils lokal am Ort der Beschwerden und im Bereich der Mikrozirkulation. Die Zusammensetzung des Blutegelspeichels ist primär Schutzmechanismus und Optimierung der Futteraufnahme für den Egel.
Der Blutegel gibt bei der Behandlung die Inhaltsstoffe seiner Speicheldrüse in die Wunde ab, die bei Menschen entzündungshemmend, schmerzstillend, gerinnungshemmend und durchblutungsfördernd wirken. Dabei enthält der Speichel eines Blutegels entzündungshemmende Stoffe, wie Hirudin, die schmerzlindernd wirken.
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"Wenn sonst nichts hilft, helfen oft Blutegel", meinte Professor Gustav J. Dobos von der Universität Duisburg-Essen. Die Wirksamkeit des Verfahrens zeigte sich in mehreren kleineren Studien. So bessert sich bei Patienten mit Kniegelenkarthrose der Wert in der 100-teiligen WOMAC-Skala von 50 auf 20 Punkte und bei Patienten mit Daumensattelgelenkarthrose von 80 auf 40 Punkte. Damit wirkte die einmalige Anwendung der Blutegeltherapie in beiden Studien signifikant besser als die Vergleichstherapie mit Diclofenac. Ähnliche Ergebnisse wurden auch für Patienten mit Tennisarm ermittelt. "Die Wirkung der Blutegeltherapie setzt nach etwa drei Tagen ein und hält zwei bis drei Monate lang an, das haben auch die Studiendaten bestätigt", so Dobos. Der Effekt könne erklärt werden durch Stoffe im Speichel der Egel, unter anderem Gerinnungshemmer, Vasodilatatoren und eine Morphin-ähnliche Substanz. Denkbar seien aber auch eine Kontra-Irritation oder Hemmung nozizeptiver Afferenzen sowie eine lokale Entstauung und Lymphdrainage, dazu ein gewisser Placeboeffekt.
Anwendungsbereiche der Blutegeltherapie
Die Blutegeltherapie ist speziell sehr hilfreich bei Gelenkschmerzen, -entzündungen und Varizen, außerdem kommt sie zur Anwendung bei Sehnenscheidenentzündung, Zerrungen, Prellungen, Hämatomen oder Tennisarm. Die Blutegeltherapie hat sich in den letzten Jahrzehnten wieder zunehmend in vielen Praxen etabliert und bietet eine gute Ergänzung oder Alternative bei der Behandlung verschiedener Beschwerdebilder des Bewegungsapparates.
Eingesetzt werden die Blutsauger bei Rückenschmerzen, Schulter-Nacken-Beschwerden, um Verkrampfungen zu lösen und eine bessere Durchblutung zu fördern oder bei Arthrose im Knie.
Blutegeltherapie bei Polyneuropathie: Ein möglicher Therapieansatz
Neuropathische Schmerzsyndrome wie zum Beispiel die Polyneuropathie oder die Post-Zoster-Neuralgie sind konventionell oftmals nicht zufriedenstellend zu behandeln. Die Naturheilkunde und Komplementärmedizin hat einige Verfahren, die sich, sowohl in der ärztlichen Erfahrung als auch in wissenschaftlichen Studien, als wirksam oder vielversprechend erwiesen haben. So hat sich die Blutegeltherapie vor allem beim Herpes zoster und der Post-Zoster-Neuralgie bewährt.
Die Blutegeltherapie kann bei Polyneuropathie als ergänzende Behandlungsmethode in Betracht gezogen werden, um Schmerzen zu lindern, Entzündungen zu reduzieren und die Durchblutung zu fördern. Es ist wichtig zu beachten, dass die Blutegeltherapie nicht die Ursache der Polyneuropathie behandelt, sondern lediglich die Symptome lindert.
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Ablauf einer Blutegeltherapie-Sitzung
Bevor der Behandlungstermin festgelegt wird, erhalten Sie ein ausführliches Vorgespräch. Neben einer gründlichen Anamnese und einer gründlichen Untersuchung wird Ihnen hier der Ablauf erklärt. Sie werden persönlich über Wirkung, möglichen Nebenwirkungen sowie über die Kosten informiert. Zwischen diesem Gespräch und dem Behandlungstermin sollten mindestens 2 Tage liegen, damit Sie genügend Zeit haben, sich für oder gegen die Behandlung entscheiden zu können.
Die Blutegelbehandlungstermine legen wir hauptsächlich auf den Vormittag, damit wir am Nachmittag noch einmal die Möglichkeit haben, die Wunden zu kontrollieren und auch neu zu verbinden, damit Sie gut versorgt in die Nachtruhe gehen können. Vor der Behandlung sollten Sie weder Seife, Deos oder andere pflegende Substanzen auf die zu behandelnde Region auftragen. Denn der Egel ist sehr empfindlich. Es kann sein, dass er dann nicht beißen möchte.
Je nach zu behandelnder Region werden Sie bequem gelagert. Das kann liegend aber auch sitzend sein. Wichtig dabei ist, dass Sie sich während der Behandlung nur wenig bewegen müssen. Denn wenn der Muskel, an welchem der Egel hängt, zu stark bewegt wird, lässt dieser zu früh los. Deshalb schicken wir Sie vor der Behandlung noch einmal zum Wasserlassen. Denn auch das ist während der Behandlung nicht möglich.
Für eine Behandlung werden meist 2-5 Blutegel gleichzeitig auf die betroffene Region gesetzt. Sofern der Egel gebissen hat gibt er über seinen Speichel verschiedene Sekrete ab, die schmerzlindernd, durchblutungsfördernd und anti-entzündlich sind. Sie merken an der Bissstelle ein leichtes Brennen (ähnlich einer Brennnessel) oder einen kleinen Nadelstich. Manche merken gar nichts. Der eigentliche Saugvorgang dauert zwischen 20 und 60 Minuten. Manchmal auch deutlich länger. In dieser Zeit können Sie entspannt lesen oder sich einfach Ihren Träumen hingeben. Wir passen auf Sie auf. Ist der Egel satt, lässt er sich fallen. Nun werden die Bissstellen genau kontrolliert und steril verbunden.
Die Bisswunden bluten nun für 6-12 Stunden, teils auch bis zu 24 Stunden, was völlig normal ist. Jeder Mensch hat seine individuelle Wundheilungszeit. Aber spätestens nach 24 Stunden endet die Blutung, die Wunden verkrusten. Wir kontrollieren und verbinden die Bissstellen am nächsten Tag noch einmal. Das Auftreten von Juckreiz nach Blutungsstopp ist möglich und normal. Dies gilt als Heilreaktion Ihres Immunsystems. Diesen sollten Sie möglichst unterdrücken, denn jedes Kratzen kann die Wunden wieder aufreißen und hiermit Keime einschleppen, die unter oder an den Fingernägeln haften. Auch andere Heilreaktionen können auftreten. U.a. Rötung, Schwellung und Hitze im behandelten Gebiet. Dies ist nicht sofort ein Anzeichen einer möglichen üblichen Entzündung, sondern eine Immunantwort Ihres Körpers. In diesem Fall stehen wir mit begleitenden Behandlungsmaßnahmen zur Verfügung.
Damit wir die Behandlung auch zu späteren Zeitpunkten nachvollziehen können, dokumentieren wir diese mit Fotos. Sie werden gemacht, wenn die Blutegel gebissen haben, wenn sie abgefallen sind und am Tag nach der Behandlung.
Ist der Biss schmerzhaft?
Der Biss eines Blutegels ist nicht schmerzhaft. Ob zur Schmerzlinderung ein Anästhetikum im Speichel enthalten ist, ist umstritten. Die Bisse werden wie "Brennnesselstiche", "Mückenstiche", "ein leichtes Ziehen" oder "Einstiche von Injektionsnadeln" oder sogar als völlig schmerzfrei beschrieben. Ein im folgenden Verlauf mögliches, leichtes Jucken - ähnlich wie bei einem Mückenstich - geht auf histaminähnliche Substanzen zurück. Der Biss ist auch durch die Biss"technik" wenig schmerzhaft: 3 sternförmig angeordnete Sägeleisten mit jeweils ca. 80 Kalkzähnchen schneiden sich vorsichtig durch die Haut, um zum Ziel der Wünsche - dem Blut - zu gelangen. Zwischen den Kalkzähnchen sind Öffnungen, durch die die SALIVA, der Blutegelspeichel, abgegeben wird.
Mögliche Nebenwirkungen und Kontraindikationen
An möglichen unerwünschten Wirkungen nannte Professor Gustav J. Dobos Juckreiz und verzögerte Wundheilung, lokale Infektionen und Allergien. Vom Menschen kennen wir als Nebenwirkungen leichten Juckreiz und Rötung der Haut an der Bissstelle, Tiere dagegen scheint der Blutegelbiss nicht einmal zu jucken - im wahren Wortsinn. Insgesamt steht uns mit dem Blutegel ein extrem verträgliches Mittel mit nachgewiesener und langanhaltender Wirkung zur Verfügung.
Bei Ihnen wurde die Indikation zu einer Behandlung mit „Blutegeln“ gestellt. Über eventuelle Nebenwirkungen und Kontraindikationen wurden sie von ihrem behandelnden Arzt bereits aufgeklärt. Nach Anlage der Blutegel über der ausgewählten Region wird ein steriler Verband („Druck-Saug-Verband“) angelegt und bis zum nächsten Tag belassen. Sollte es zu einer stärkeren Nachblutung kommen, geben wir Ihnen zusätzliches Verbandsmaterial mit, welches Sie im Bedarfsfall über den bereits bestehenden Verband anwickeln können. In machen Fällen kann es zu einer juckenden Rötung um die Bissstellen kommen. Dies ist in der Regel nicht bedrohlich und vermutlich Teil der Wirkung. Diese Symptome lassen sich meist mit einfachen Mitteln (z. B. Quarkauflagen, Kälteauflagen, Homöopathie (z. B. Hirudo comp. Globuli), Salbe gegen Insektenstiche (z. B. Fenistil®, Combuduron® Gel, etc.) gut behandeln.
Nach einer Blutegelbehandlung dürfen vier Wochen lang keine lokalen oder systemischen Wärmetherapien durchgeführt werden (Fango, Sauna, Thermalbäder, Hyperthermie, Hyperämisierende Salben, Moxibustion etc.). bei Ihnen ist eine Blutegelbehandlung geplant. Falls Nebenwirkungen auftreten sollten, werden ggf. Gegenmaßnahmen erforderlich (z. B. bei Blutungen: Kompressionsverband, bei Infektion: Antibiotikum).
Kontraindikationen für eine Blutegeltherapie sind:
- Blutgerinnungsstörungen: z. B. (Hämophilie)
- Verminderte Blutplättchen (Thrombozytopenie)
- Schwere chronische Erkrankungen (z. B. fortgeschrittene Krebserkrankungen, langjährige Dialyse)
- Ausgeprägte Wundheilungsstörungen (z. B. bei schlecht eingestelltem Diabetes mellitus, erheblichem Übergewicht)
Wichtiger Hinweis
Es ist wichtig zu betonen, dass die Blutegeltherapie eine ergänzende Behandlungsmethode darstellt und nicht die schulmedizinische Behandlung der Polyneuropathie ersetzen kann. Vor Beginn einer Blutegeltherapie sollte immer ein Arzt oder Heilpraktiker konsultiert werden, um die individuellen Risiken und Nutzen abzuwägen.
Weitere komplementärmedizinische Verfahren bei Polyneuropathie
Neben der Blutegeltherapie gibt es eine Reihe weiterer komplementärmedizinischer Verfahren, die bei Polyneuropathie eingesetzt werden können:
- Klassische Physiotherapie: Durch Mobilisierung und Muskelaufbau können Schwächen in der Muskulatur und Instabilitäten kompensiert werden. Über sensomotorische-funktionelle Einzelbehandlungen kann die Oberflächen- und Tiefensensibilität günstig moduliert werden. Hierdurch können auch Schmerzverarbeitung sowie Schmerztrigger positiv beeinflusst werden.
- Hydrothermotherapie: Kalte oder wechselwarme Güsse zur Linderung der Symptomatik, CO2-Bäder zur peripheren Stimulation des Gewebes mit Gefäßerweiterung und verbesserter Hautdurchblutung.
- Elektrotherapie: Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS-Behandlung) zur Testung der individuellen Wirksamkeit und Verträglichkeit.
- Ätherische Öle: Äußere Anwendung von Fichtennadel-, Kiefernadel-, Minz-, Pfefferminz-, oder Rosmarinöl zur Anregung der Kälterezeptoren der Haut und Verminderung der Schmerzweiterleitung.
- Johanniskrautöl: Warme Johanniskrautölauflagen bei Trigeminusneuralgie oder atypischem Gesichtsschmerz.
- Capsaicin: Lokale Anwendung von Capsaicin aus Cayennepfefferfrüchten zur Behandlung von peripheren neuropathischen Schmerzen.
- Weiße Senfsamen: Breiumschläge mit Senfmehl.
- Orthomolekulare Medizin: Hochdosierte neurotrope B Vitamine (B1, B2, B6, B12 und Nicotinamid), Vitamin E, Vitamin C, Alpha-Liponsäure und Omega-3-Fettsäuren.
- Moderate Ganzkörperhyperthermie: Passagere Erhöhung der Körperkerntemperatur zur Stoffwechselsteigerung und Anstoßung regenerativer und regulativer Prozesse.
- Neuraltherapie: Segmenttherapie.
- Akupunktur: Kann in ähnlicher Weise wie Entspannungsverfahren wirksam sein.
- Phytotherapeutische Präparate: Teufelskrallen-Präparate, Aconit-Nervenöl, Nelken-, Rosmarin- oder Minzöl, Johanniskraut-Rotöl, Einreibungen mit capsaicinhaltiger Salbe oder Cayennepfeffer.
- Bewegungstherapie und Krankengymnastik: Besserung der Ausdauer und einer möglichen Muskelschwäche, Trainingstherapie, selbstständiges Walking, Geräte- oder Ergometertraining und Bewegungsbäder.
- Vibrationstraining: Erhöhte Sicherheit und Sturzprophylaxe.
- Posturomed-Training: Gleichgewichtsschulung insbesondere bei Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen.
Ernährung und Vitamine
Ein Ziel der Ernährungsberatung ist es, extreme Diäten mit einem resultierenden Vitamin- und Mineralmangel zu vermeiden. Sinnvoll ist eine ovolaktovegetabile vollwertige Kost. Dabei werden chronische Entzündungsprozesse auch durch eine Reduktion von tierischen Produkten eingedämmt. Der Blutzucker sollte durch Ernährung und Bewegung so gut wie möglich eingestellt werden, toxische Einflüsse (Alkohol) sind zu meiden. Eine Umstellung des Stoffwechsels in Richtung einer basischen Ernährung kann sich ebenfalls positiv auswirken, z. B. sind Kartoffeln, Gemüse und Obst gute Basenlieferanten.
Häufig besteht bei einer diabetischen Polyneuropathie ein Mangel an Vitamin B1 (Thiamin), weshalb Patienten mit gesicherter Diagnose oft mit Benfotiamin behandelt werden. Nicht nur ein Vitamin-B1-, auch ein Vitamin-B12- oder Folsäuremangel sollten ausgeglichen werden. Ebenso ist die Gabe von Alpha-Liponsäure (ein Koenzym, u. a. mit antioxidativen Effekten) üblich.
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