Einführung
Otto Waalkes, der ostfriesische Komiker, ist seit den 1970er Jahren eine feste Größe in der deutschen Comedy-Szene. Bekannt für seine unbändige Energie, sein schnelles Tempo und seinen anarchischen Humor, hat er mit Figuren wie Harry Hirsch und dem Ottifanten Generationen von Zuschauern begeistert. Doch wie hat sich sein Humor im Laufe der Zeit entwickelt, und welche Rolle spielt dabei die berühmte "Kleinhirn an Großhirn"-Szene?
Die frühen Jahre: Anarchie und satirischer Biss
In seinen frühen Bühnenshows und Plattenaufnahmen zeichnete sich Otto durch eine unbändige Energie, ein hohes Tempo und sogar einen gewissen anarchischen, satirischen Biss aus. Sketche wie "Der menschliche Körper" mit der legendären Zeile "Großhirn an Faust: ballen!" sind bis heute Kult. Auch seine Wortakrobatik und seine Beobachtungsgabe für menschliche Eigenschaften, die er potenziert und humoristisch verarbeitet, trugen zu seinem Erfolg bei.
Ein Beispiel für seinen frühen satirischen Biss ist der Reim auf Franz Josef Strauß: "Der Weiher trüb, die Luft ist rein - Franz Josef muss ertrunken sein." Solche politisch-ketzerischen Elemente sind in seinem späteren Werk jedoch weitgehend verschwunden.
"Großhirn an Kleinhirn": Eine ikonische Szene
Die Szene "Großhirn an Kleinhirn" aus dem Sketch "Der menschliche Körper" ist beispielhaft für Ottos frühen Humor. Sie zeigt auf humorvolle Weise die vermeintliche Kommunikation zwischen verschiedenen Organen des Körpers und die daraus resultierenden Missverständnisse. Das Großhirn, das für die Steuerung von bewussten Handlungen zuständig ist, gibt Befehle, während das Kleinhirn, das für die Koordination von Bewegungen zuständig ist, versucht, die Situation zu beruhigen.
Diese Szene ist nicht nur witzig, sondern auch clever. Sie spielt mit der Vorstellung, dass unser Körper eine Art chaotischer Mikrokosmos ist, in dem verschiedene Instanzen miteinander konkurrieren und kommunizieren. Sie ist ein Beispiel für Ottos Fähigkeit, komplexe Sachverhalte auf einfache und humorvolle Weise darzustellen.
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Der Wandel des Humors: Von anarchisch zu angepasst?
Im Laufe der Jahre hat sich Ottos Humor jedoch verändert. Während er in seinen frühen Jahren für seine anarchische und respektlose Art bekannt war, ist sein späteres Werk oft als angepasst und wiederholend kritisiert worden. Einige Kritiker werfen ihm vor, sich zu wiederholen und immer wieder die gleichen Gags zu präsentieren.
Ein Beispiel für diese Entwicklung ist seine Kinokarriere. Sein Debütfilm "Otto - Der Film" (1985) war ein großer Erfolg und lockte über 14 Millionen Zuschauer ins Kino. Die Fortsetzungen konnten jedoch nicht an diesen Erfolg anknüpfen und wurden zunehmend als fade Aufwärmung der bekannten Zutaten wahrgenommen.
Die ewige Pubertät: Otto als Marke
Ein Grund für den Wandel seines Humors könnte darin liegen, dass Otto zur ewigen Pubertät verdammt scheint. Während sein Publikum älter geworden ist, ist er seinem kindlichen Humor treu geblieben. Dies hat dazu geführt, dass er von einigen als unauthentisch und aufgesetzt wahrgenommen wird.
Ein weiterer Faktor ist die Vermarktung seines selbstgezeichneten Wappentiers, des "Ottifanten". Da materielle Not als Motiv ausgeschlossen werden kann, scheint es ein zweifelhafter sportlicher Ehrgeiz zu sein, der Otto dazu treibt, die Vermarktungsmaschinerie für den Ottifanten so lange wie möglich am Laufen zu halten.
Otto im Fernsehen: RTL als neue Heimat
Inzwischen ist Otto fernsehmäßig vor allem bei RTL zu Hause. Für die Saison 2008/09 hat der Sender die Ausstrahlung von Otto-Bühnenprogrammen und des zweiten Zwerge-Films angekündigt. "Happy Otto!" hieß der Abend, den RTL bereits vor sechs Wochen zu Ehren des Komikers ausrichtete - dem Titel zum Trotz eine eher traurige Veranstaltung, bei der Epigonen wie Christian Tramitz, Atze Schröder und Mario Barth sich an den Sketchen ihres Vorbilds vergingen.
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Kritik und Anerkennung: Ein ambivalentes Verhältnis
Trotz der Kritik an seinem späteren Werk bleibt Otto Waalkes eine wichtige Figur in der deutschen Comedy-Szene. Er hat den Humor hierzulande geprägt wie nur wenige andere und seine Sprüche sind in den täglichen Sprachgebrauch eingegangen. Auch seine Fähigkeit, komplexe Sachverhalte auf einfache und humorvolle Weise darzustellen, wird weiterhin geschätzt.
Der Carlsen Verlag würdigte ihn in dem Jubiläumsband "Otto - Das Werk" als jemanden, der nach 1968 den "neuartigen, anarchischen, respektlosen Unernst" der "Neuen Frankfurter Schule" populär gemacht habe.
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