Ein Fieberkrampf ist ein Anfall, der bei Kindern im Zusammenhang mit Fieber auftritt. Es handelt sich um eine häufige, aber oft beängstigende Erfahrung für Eltern. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Ursachen, Diagnose und Behandlung von Fieberkrämpfen.
Was ist ein Fieberkrampf?
Ein Krampfanfall, auch epileptischer Anfall genannt, ist eine vorübergehende Störung der Gehirnfunktion, die zu unkontrollierten Muskelbewegungen, Bewusstseinsverlust oder Veränderungen der Sinneswahrnehmung führen kann. Ein epileptischer Anfall entsteht, wenn sich Nervenzellen im Gehirn unkontrolliert und plötzlich elektrisch entladen. Die Folge ist ein Anfall mit Krämpfen einzelner oder vieler Muskelgruppen. Auch Änderungen von Sinneswahrnehmungen und Bewusstsein sind möglich.
Ein Fieberkrampf ist ein Anfall, der bei Kleinkindern im Alter von etwa 6 Monaten bis 5 Jahren in Verbindung mit Fieber auftritt. Es handelt sich um einen altersabhängigen epileptischen Anfall, der in Verbindung mit Fieber auftritt ohne eine gleichzeitige Infektion des ZNS oder vorhergegangene afebrile Krämpfe. Das Fieber setzt dabei die Krampfschwelle herab und erhöht das Risiko für einen Krampfanfall erheblich.
Ursachen von Fieberkrämpfen
Die genaue Ursache für das Auftreten von Fieberkrämpfen in Verbindung mit einem Infekt ist noch nicht geklärt. Man geht jedoch davon aus, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und der Reaktion des kindlichen Gehirns auf Fieber eine Rolle spielt. Jede Schädigung von Hirngewebe kann zu einer spontanen Entladung von Nervenzellen und damit zu einem Krampf führen.
Fieberkrämpfe ereignen sich meist zu Beginn der fieberhaften Erkrankung, häufig im Fieberanstieg. Sie treten gehäuft in den Abendstunden zwischen 18:00 und 22:00 Uhr auf. Als auslösender Faktor des Fieberkrampfes wirken fieberhafte Erkrankungen (Infekte), die meist durch ein Virus ausgelöst werden. Die häufigsten Erkrankungen sind hierbei die Mittelohrentzündung (Otitis Media), das Drei-Tage-Fieber (Exanthema subitum), ein Harnwegsinfekt beim Baby, die Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis) oder ein einfacher Infekt der oberen Luftwege (z.B. Erkältung). Vor allem nach Kombinationsimpfungen kann es gelegentlich zu einem leichten Anstieg der Körpertemperatur kommen. Dies ist bei der MMR-Impfung (Mumps-Masern-Röteln) und der fünffach Impfung gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Polio und Haemophilus influenzae Typ b (DTaP-IPV-Hib) der Fall.
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Arten von Fieberkrämpfen
Grundsätzlich wird zwischen fokalen und generalisierten Anfällen unterschieden. Beim fokalen Anfall befindet sich die Störung in einem kleinen Bereich in einer der beiden Hirnhälften. Generalisierte Krampfanfälle können im Erscheinungsbild sehr unterschiedlich sein. Teilweise handelt es sich um kurze „Aussetzer“ (sogenannte Absencen oder Bewusstseinsstörungen). Die betroffene Person kann auch länger ohnmächtig werden und stürzen. Es folgt eine Verkrampfung am ganzen Körper mit Zuckungen der Arme und der Beine. Am häufigsten ist ein tonisch-klonischer Anfall. Durch die Anspannung aller Muskeln wird der Körper plötzlich steif (tonische Phase). Es folgt ein Bewusstseinsverlust - und danach kommt die klonische Phase. Dabei zucken die Muskeln krampfartig durch abwechselndes An- und Entspannen. Beim tonisch-klonischen epileptischen Anfall kommt es manchmal zu Zungen- oder Wangenbiss und Einnässen.
Fieberkrämpfe werden in zwei Haupttypen unterteilt:
- Einfache Fieberkrämpfe: Diese dauern in der Regel weniger als 15 Minuten, sind generalisiert (betreffen den ganzen Körper) und treten nur einmal innerhalb von 24 Stunden auf. Sie sind die häufigste Form von Fieberkrämpfen.
- Komplizierte Fieberkrämpfe: Diese dauern länger als 15 Minuten, sind fokal (betreffen nur einen Teil des Körpers) oder treten mehr als einmal innerhalb von 24 Stunden auf. Sie können auch mit vorübergehenden neurologischen Defiziten (z. B. Lähmungen) nach dem Anfall verbunden sein.
Die mit Abstand häufigsten provozierten Anfälle sind die praktisch ausschließlich im Kindesalter auftretenden Fieberkrämpfe, im jungen Erwachsenenalter ist Alkoholentzug die häufigste Ursache für provozierte Anfälle, im höheren Lebensalter überwiegen akute zerebrovaskuläre Prozesse als Ursache. Unter Fieberkrämpfen sind epileptische Anfälle zu verstehen, die in der Kindheit zwischen dem 3. Lebensmonat und dem 5. Lebensjahr meist zu Beginn akuter fieberhafter Erkrankungen mit einem Temperaturanstieg auf mindestens 38,5 °C auftreten. Dabei sind differenzialdiagnostisch akute entzündliche Erkrankungen des ZNS als Ursache des Anfalls abzugrenzen, was gerade bei Säuglingen ggf. nur mittels Lumbalpunktion möglich ist. Man unterscheidet zwischen einfachen und komplizierten Fieberkrämpfen, die sich in Bezug auf Manifestationsalter, Klinik, EEG und Prognose voneinander unterscheiden. Obwohl Fieberkrämpfe selten nach dem 5.
Symptome eines Fieberkrampfs
Ein Fieberkrampf kann sich durch folgende Symptome äußern:
- Plötzlicher Bewusstseinsverlust
- Versteifung des Körpers
- Zuckungen der Arme und Beine
- Verdrehen der Augen
- Bläuliche Verfärbung der Haut (Zyanose)
- Speichelfluss
- Einnässen oder Stuhlabgang
Nach einem Fieberkrampf ist das Kind meist schläfrig und erschöpft.
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Diagnose von Fieberkrämpfen
Die Diagnose eines Fieberkrampfs basiert in erster Linie auf der Anamnese (Krankengeschichte) und der Beobachtung des Anfalls. Eine möglichst genaue Beschreibung über Ablauf und Dauer des Krampfes ist entscheidend für die Einordnung und weitere Therapie. Der Arzt wird das Kind gründlich untersuchen, um die Ursache des Fiebers zu finden und andere mögliche Ursachen für den Anfall auszuschließen.
Für die Diagnose wird die Patientin oder der Patient ausführlich befragt und körperlich untersucht. Das Elektroenzephalogramm (EEG) misst die Hirnströme. Die Hirnstromkurve zeigt an, ob eine Neigung zu epileptischen Anfällen besteht. Weitere neurologische Veränderungen im Gehirn lassen sich zum Beispiel mittels der Computertomografie (CT) oder der Magnetresonanztomografie (MRT) darstellen. Auch die Blutuntersuchung kann dabei helfen, mögliche Ursachen für einen Krampfanfall oder eine Epilepsieerkrankung aufzuspüren. Manchmal wird eine genetische Testung veranlasst.
Weitere Untersuchungen können erforderlich sein, um andere Ursachen für den Anfall auszuschließen:
- Lumbalpunktion: Bei Verdacht auf eine Hirnhautentzündung (Meningitis) oder andere Infektionen des zentralen Nervensystems kann eine Lumbalpunktion durchgeführt werden, um Hirnwasser (Liquor) zu entnehmen und zu untersuchen.
- EEG (Elektroenzephalogramm): Ein EEG misst die elektrische Aktivität des Gehirns und kann helfen, Auffälligkeiten zu erkennen, die auf eine Epilepsie hindeuten.
- MRT (Magnetresonanztomographie): Eine MRT des Gehirns kann strukturelle Veränderungen oder Schäden im Gehirn aufzeigen.
Behandlung von Fieberkrämpfen
Die meisten Fieberkrämpfe sind kurz und hören von selbst auf. In den meisten Fällen ist keine spezielle Behandlung erforderlich, außer die Senkung des Fiebers. Es ist jedoch wichtig, während eines Anfalls die folgenden Maßnahmen zu ergreifen:
- Ruhe bewahren: Versuchen Sie, ruhig zu bleiben, auch wenn es schwerfällt.
- Kind schützen: Legen Sie das Kind auf eine weiche Unterlage und entfernen Sie alle harten oder scharfen Gegenstände in der Nähe, um Verletzungen zu vermeiden.
- Nicht festhalten: Versuchen Sie nicht, das Kind festzuhalten oder die Zuckungen zu unterdrücken.
- Atemwege freihalten: Drehen Sie das Kind auf die Seite, um zu verhindern, dass Erbrochenes oder Speichel in die Atemwege gelangt.
- Arzt rufen: Rufen Sie einen Arzt oder Notarzt, insbesondere wenn der Anfall länger als 5 Minuten dauert, das Kind Schwierigkeiten beim Atmen hat oder Sie sich unsicher sind.
Die Akuttherapie mit Medikamenten ist folgendermaßen: Zur Unterbrechung des Krampfanfalls wird das krampflösende Medikament Diazepam in den Po verabreicht (Diazepam-Rectiole). Die Wirkung tritt in der Regel nach 2-3 Minuten ein. Bei einem komplizierten Fieberkrampf kann ein antiepileptisch wirksames Medikament notwendig werden (z.B. Valproat). Das Fieber kann z.B. durch Paracetamol als Saft oder Zäpfchen gesenkt werden. Da der Fieberkrampf plötzlich kommt und meist schneller vorbei ist, als man therapeutisch einwirken könnte, kommt den vorbeugenden Maßnahmen eine höhere Bedeutung zu als den Maßnahmen im akuten Anfall.
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In einigen Fällen kann eine medikamentöse Behandlung erforderlich sein:
- Krampflösende Medikamente: Wenn der Anfall länger als 5 Minuten dauert oder sich wiederholt, kann der Arzt ein krampflösendes Medikament (z. B. Diazepam) verabreichen, um den Anfall zu stoppen.
- Fiebersenkende Mittel: Um das Fieber zu senken, können fiebersenkende Mittel wie Paracetamol oder Ibuprofen gegeben werden.
Vorbeugung von Fieberkrämpfen
Da ein schneller Anstieg der Körpertemperatur oftmals einen Fieberkrampf auslösen kann, gehen viele Eltern davon aus, dass die Verwendung von fiebersenkenden Medikamenten (Antipyretika, z.B. Paracetamol) einen vorbeugenden Einfluss haben kann. Internationale klinische Studien können dafür keine Beweise aufzeigen und belegen, dass eine effektive Vorbeugung nicht möglich ist. Medikamente zur Fiebersenkung sollten demnach nicht zur Vorbeugung von erneuten Anfällen eingesetzt werden, sondern lediglich zur Linderung der durch das Fieber bedingten Beschwerden. Auch klassische Hausmittel wie Waden- oder Bauchwickel sind hilfreich, um die erhöhte Körpertemperatur zu reduzieren.
Um einem erneuten Fieberkrampf entgegenzuwirken kann man ein die Krämpfe unterdrückendes Mittel namens Diazepam einsetzen. Dies kann dem Kind gegeben werden, wenn nochmals ein Fieberkrampf auftreten sollte und die Muskelkrämpfe nicht nach wenigen Minuten Beobachtungszeit aufhören. Der tatsächliche Nutzen ist immer noch umstritten, aber man geht von einem vorbeugenden Effekt aus. Beim Einsatz dieser Medikamente muss man allerdings auch die zahlreichen Nebenwirkungen wie Verwirrtheit, Übelkeit und leichte Erregbarkeit bedenken. Deshalb sollte eine routinemäßige Prophylaxe nicht bei allen Kleinkindern, die einen Fieberkrampf hatten, erfolgen.
Prognose von Fieberkrämpfen
Die Prognose für Kinder mit Fieberkrämpfen ist in der Regel gut. Die meisten Kinder entwickeln sich normal und haben keine bleibenden Schäden. Das Risiko, nach einem Fieberkrampf eine Epilepsie zu entwickeln, ist geringfügig erhöht, insbesondere bei komplizierten Fieberkrämpfen oder wenn eine familiäre Vorbelastung für Epilepsie besteht.
Fazit
Fieberkrämpfe sind eine häufige und meist harmlose Erkrankung im Kindesalter. Es ist wichtig, die Ruhe zu bewahren, das Kind während eines Anfalls zu schützen und einen Arzt zu rufen. Die meisten Kinder erholen sich vollständig von einem Fieberkrampf und haben keine langfristigen Folgen.
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