Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft. Die Symptome sind vielfältig und können Muskelzittern, Muskelsteifheit, Bewegungseinschränkungen, Gleichgewichtsstörungen und Sprachstörungen umfassen. Obwohl Parkinson nicht heilbar ist, gibt es verschiedene Therapieansätze, die den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern können. Dazu gehören neben der medikamentösen Behandlung auch Sport, Prävention und Rehabilitation.
Bedeutung von Bewegung und Sport bei Parkinson
Regelmäßige Bewegung und Sport sind für Parkinson-Patienten von großer Bedeutung. Sie fördern nicht nur das körperliche Wohlbefinden, sondern geben den Betroffenen auch Sicherheit im eigenen Tun. Sportliche Aktivität kann dazu beitragen, die motorischen Fähigkeiten zu verbessern, die Muskelkraft zu stärken, die Ausdauer zu erhöhen und die Muskelsteifheit zu reduzieren. Darüber hinaus wirkt sich Sport positiv auf die Stimmung, die Konzentration und das Selbstvertrauen aus.
Wie wichtig Bewegung und Sport für Parkinson-Patienten sind, ist längst kein Geheimnis mehr. André Inthorn, Sportwissenschaftler, und Marc Hohmann, Physiotherapeut, arbeiten seit Langem auf diesem Gebiet und entwickeln modellhafte Trainingsprogramme. Sie betonen, dass es nie zu spät ist, um mit Sport zu beginnen, und dass jede Übung an den persönlichen Leistungsstand angepasst werden kann.
Rehabilitationssport als anerkannte Therapieform
Parkinson-Gruppen, die von qualifizierten Sportwissenschaftlern geleitet werden, sind von den gesetzlichen Krankenkassen als neurologische Rehabilitationssportgruppen anerkannt. Dies ermöglicht es den Patienten, nach ärztlicher Verordnung Leistungen bei ihrer Krankenkasse zu beantragen. Die Krankenkassen unterstützen jede aktive Teilnahme am Rehabilitationssport mit einem bestimmten Betrag, begrenzt auf eine bestimmte Anzahl von Übungseinheiten in einem bestimmten Zeitraum.
Sportliche Aktivitäten für Parkinson-Patienten
Es gibt eine Vielzahl von Sportarten, die für Parkinson-Patienten geeignet sind. Die Wahl der Sportart sollte sich nach den individuellen Vorlieben, Fähigkeiten und dem Krankheitsstadium richten. Einige Beispiele für geeignete Sportarten sind:
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- Gymnastik: Zielgerichtete Gymnastik verbessert die Gangsicherheit, das Gleichgewicht, den Bewegungsrhythmus, die Kraft und die Beweglichkeit.
- Nordic Walking: Nordic Walking verbessert das Wohlbefinden, das Gleichgewicht, die Haltungsstabilität und die Laufgeschwindigkeit.
- Wandern: Wandern trainiert große Schritte und den Armschwung.
- Tanzen: Tanzen regt zur Bewegung an, fördert die Kreativität und die Geselligkeit. Besonders geeignet sind klassische Tänze wie Tango, Walzer oder Foxtrott.
- Tai Chi und Qi Gong: Sanfte Bewegungsformen wie Tai Chi und Qi Gong fördern Haltung, Gleichgewicht und Beweglichkeit. Qi Gong kann auch im Sitzen durchgeführt werden und ist daher auch für Betroffene geeignet, die weniger sicher stehen.
- Tischtennis: Tischtennis löst Bewegungsblockaden und verbessert die Koordination.
- Boxen: Boxen verbindet Motorik mit Kognition und fordert das Gehirn heraus.
- Pferdegestützte Therapie: Pferdegestützte Therapie kann sich positiv auf die Symptomatik auswirken und das Ganggefühl verbessern.
Individuelle Anpassung des Trainings
Es ist wichtig, das Training individuell an die Bedürfnisse und Fähigkeiten des Patienten anzupassen. Im frühen Stadium der Erkrankung gibt es kaum Einschränkungen bei der Wahl der Sportart. In fortgeschrittenen Stadien sollte jedoch die Sturzgefahr minimiert werden. Gymnastikübungen im Stand sollten nur mit Hilfestellung durchgeführt werden. Weniger risikoreich sind Übungen im Liegen oder Sitzen.
Präventive Maßnahmen bei Parkinson
Obwohl die Ursachen der Parkinson-Krankheit noch nicht vollständig geklärt sind, gibt es einige präventive Maßnahmen, die das Risiko einer Erkrankung möglicherweise verringern können. Dazu gehören:
- Regelmäßige körperliche Aktivität: Körperliche Aktivität kann die Progredienz von Parkinson verlangsamen.
- Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse undBallaststoffen kann das Nervensystem schützen.
- Vermeidung von Umweltgiften: Der Kontakt mit bestimmten Umweltgiften, wie Pestiziden, kann das Risiko einer Parkinson-Erkrankung erhöhen.
Rehabilitation bei Parkinson
Die Rehabilitation spielt eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Parkinson. Ziel der Rehabilitation ist es, die Selbstständigkeit und Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten oder wiederherzustellen. Die Rehabilitation umfasst in der Regel ein multidisziplinäres Team aus Ärzten, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und Psychologen.
Ambulante Therapieansätze
In der ambulanten Therapie werden verschiedene Therapieansätze eingesetzt, um die individuellen Bedürfnisse des Patienten zu erfüllen. Dazu gehören:
- Physiotherapie: Die Physiotherapie zielt darauf ab, die Körperhaltung, die Atmung, die Koordination und das Gangbild zu verbessern. Durch gezieltes Dehnen verkürzter Muskeln und Kräftigen vernachlässigter Muskelgruppen kann die Körperhaltung positiv beeinflusst werden.
- Ergotherapie: Die Ergotherapie setzt am Medium Handeln an, um verlorene Fähigkeiten zu fördern sowie Defizite durch Umlernen zu verbessern oder zu kompensieren. Sie unterstützt die Patienten bei der Verbesserung/Erhalt der Selbstständigkeit, der Berufserhaltung, der Zurückgewinnung bzw. Aufrechterhaltung der Individualschrift, der Verbesserung/Erhalt der Grob- und Feinmotorik, sowie des Gleichgewichts und der Koordination, der Aufrechterhaltung von Freizeitaktivitäten und der Verbesserung/Erhalt der kognitiven Leistungen.
- Logopädie: In der Logopädie wird an der Verbesserung der Verständlichkeit, der Atmung, der Artikulation und des Sprechausdrucks gearbeitet. Eine Methode, die speziell für Parkinson-Patienten entwickelt wurde, ist das Lee Silverman Voice Treatment (LSVT).
- Lee Silverman Voice Treatment (LSVT LOUD & LSVT BIG): Hierbei handelt es sich um ein vierwöchiges Intensivtraining, dessen Wirksamkeit durch wissenschaftliche Studien belegt ist.
Hilfsmittel und Anpassungen im Alltag
Die Ergotherapeuten erläutern dem Patienten zudem die Möglichkeiten im Umgang mit diversen Hilfsmitteln, deren Nutzung und Einsatz sowie das Wissen um einen ergonomisch eingerichteten Arbeitsplatz. Ein weiterer wichtiger Teil der ambulanten Ergotherapie ist die Angehörigenberatung und -anleitung, Beratung über barrierefreie Wohnungen sowie Sturzprophylaxe.
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Die Rolle der Angehörigen
Die Angehörigen spielen eine wichtige Rolle bei der Unterstützung von Parkinson-Patienten. Sie können den Betroffenen helfen, aktiv zu bleiben, ihre Therapien einzuhalten und ihre Lebensqualität zu erhalten. Die Angehörigenberatung ist ein wichtiger Teil der ambulanten Therapie.
Forschung und zukünftige Entwicklungen
Die Forschung im Bereich Parkinson ist sehr aktiv. Es werden ständig neue Erkenntnisse über die Ursachen, die Prävention und die Behandlung der Krankheit gewonnen. Zukünftige Studien sollten sich auf prospektive Untersuchungen konzentrieren, die den Mobilitätsgrad der Erkrankten zum Krankheitsbeginn und im Verlauf untersuchen. Angesichts des beträchtlichen Ausscheidens der Patienten über die Jahre, sollten zukünftige Studien zudem auf eine frühzeitige Studieninklusion achten. Dies könnte dabei helfen, die Unterschiede zwischen ausscheidenden und weiterhin mobilen Patienten noch differenzierter herauszuarbeiten.
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