Die Diagnose Parkinson muss nicht das Ende eines aktiven und selbstbestimmten Lebens bedeuten. Regelmäßige Bewegung, insbesondere in Form von gezielter Gymnastik, kann den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen und die Lebensqualität von Betroffenen erheblich verbessern. In Kassel gibt es vielfältige Angebote, die speziell auf die Bedürfnisse von Parkinson-Patienten zugeschnitten sind.
Bedeutung von Bewegung bei Parkinson
Bewegung ist ein entscheidender Bestandteil der Parkinson-Therapie. Sie hilft nicht nur, die Beweglichkeit zu erhalten oder zu verbessern, sondern wirkt sich auch positiv auf Stimmung, Konzentration und Selbstvertrauen aus. Studien haben gezeigt, dass regelmäßige körperliche Aktivität und ein gesunder Schlaf wesentlich zur Lebensqualität von Betroffenen beitragen. Prof. Dr. Claudia Trenkwalder, eine renommierte Parkinson-Expertin, betont, dass Bewegung und Sport bisher die einzigen Strategien sind, um das Fortschreiten der neurodegenerativen Erkrankung abzumildern.
Eine Meta-Studie aus dem Jahr 2023, die 156 Bewegungs- und Sportstudien auswertete, kam zu dem Ergebnis, dass Bewegungstherapie sowohl die Motorik als auch die Lebensqualität verbessert. Eine dänische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 hob hervor, dass hochintensives Training motorische Symptome stärker verbessern kann als moderate Bewegung und dass körperliche Aktivität das Risiko senken kann, überhaupt an Parkinson zu erkranken.
Angebote in Kassel und Umgebung
Paracelsus Elena Klinik Kassel
Die Paracelsus Elena Klinik in Kassel ist eine Fachklinik für Parkinson-Kranke und bietet ein breites Spektrum an Therapieangeboten, darunter spezielle Krankengymnastik. In Zusammenarbeit mit führenden Expertinnen und Experten der Klinik wurden Parkinson-Übungsvideos entwickelt, die leicht umsetzbare Übungen für den Alltag zeigen. Diese Videos umfassen aktivierende Sitzübungen, stabilisierende Balance- und Kraftübungen sowie praktische Tipps für mehr Selbstständigkeit.
Die Klinik bietet auch spezielle Krankengymnastik für Parkinsonerkrankte mit wechselnden Fachkräften an, die donnerstags von 13.15 bis 14 Uhr stattfindet. Voraussetzung für die Teilnahme ist Geh- und Stehfähigkeit sowie die Mitgliedschaft in der Deutschen Parkinson-Vereinigung aus versicherungstechnischen Gründen. Im Anschluss an die Gymnastik gibt es ein "Teestündchen" in der Cafeteria.
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Zusätzlich werden spezielle Krankengymnastik für Parkinsonerkrankte nach der HORA-Methode in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitszentrum Baunatal angeboten. Diese findet mittwochs von 10.30 bis 12 Uhr und freitags von 13 bis 14.30 Uhr statt und ist kostenpflichtig. Patienten können auch an den Patientenfortbildungen der Paracelsus-Elena-Klinik täglich von 13.30 bis 14.30 Uhr im Vortragssaal teilnehmen.
Für Angehörige gibt es nach Absprache und Anmeldung am 4. Donnerstag im Monat um 13.15 Uhr in der Paracelsus-Elena-Klinik eine Pflegeanleitung und Rückenschule.
Weitere Angebote in Kassel und Umgebung
- Parkinson-Selbsthilfegruppen: Diese Gruppen bieten Gruppentreffen mit Erfahrungsaustausch für Belange im täglichen häuslichen Leben, Geselligkeit, Busfahrten und Hausbesuche. Es werden auch Arztvorträge in Verbindung mit der Fachklinik für Parkinson-Kranke und deren Psychologen angeboten.
- Dienstag- und Donnerstagabend: Tanz in der Paracelsus-Elena-Klinik (Uhrzeit bitte erfragen).
- Parkinson-Tanzkurs: Tanzschule "Für-Sie", Mittwoch 16-17.30 Uhr, kostenpflichtig.
- Tanztheaterworkshop: Eine Woche im Jahr Workshop mit abschließender Bühnenaufführung (weitere Aktivitäten jeweils nach Absprache).
- Reha-Sport-Verordnung: Kostenfreie Angebote für Vereinsmitglieder mit gültiger Reha-Sport-Verordnung bei neurologischen Erkrankungen wie Parkinson. Die qualifizierten Trainer sind auf neurologische Erkrankungen spezialisiert und begleiten die Teilnehmer professionell und sicher durch ein individuell angepasstes Rehabilitationsprogramm.
- Weitere Sportmöglichkeiten: UNIfit, Damaschkestr. 25, Di. 12-13, Sa. Guxhagen, Donnerstag 18.30 - 19.15 Uhr, Poststr. Gudensberg, Dienstag 11.00-12.00 und Mittwoch 17.00-17.45 Uhr, IQ Vital, Besser Str.
Übungsvideos für zu Hause
Die in Zusammenarbeit mit der Paracelsus Elena Klinik entwickelten Übungsvideos bieten eine hervorragende Möglichkeit, auch zu Hause aktiv zu werden. Bewegungstherapeut Christoph Klein führt durch verschiedene Übungen, die auf unterschiedliche Bedürfnisse zugeschnitten sind:
- Sitzübungen: Leichte Übungen, die bequem im Sitzen auf einem Stuhl, Hocker oder im Rollstuhl ausgeführt werden können.
- Gleichgewichtsübungen: Übungen im Stehen, die das Gleichgewicht trainieren und die Standfestigkeit verbessern. Bei Bedarf kann man sich zur Unterstützung an einer Wand oder Stuhllehne abstützen.
- Kraftübungen: Intensivere Kraftübungen im Stehen und Sitzen, die die Muskulatur stärken und für mehr Kraft, Stabilität und Sicherheit im Alltag sorgen.
- Gehübungen: Gezielte Übungen, die das Gehen stabiler und sicherer machen. Diese Übungen trainieren Bewegungsabläufe, die im Alltag helfen, mobil und aktiv zu bleiben.
- Beweglichkeits- und Geschicklichkeitsübungen: Einfache, gezielte Übungen, die die Beweglichkeit, Geschicklichkeit und Sprechmotorik verbessern. Für diese Übungen benötigt man einen Stuhl oder Hocker, ein Tuch sowie einen Schaumstoffball.
Tipps für ein erfolgreiches Bewegungstraining
- Ärztliche Beratung: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Aktivitäten zu Ihrer körperlichen Belastbarkeit passen und mögliche gesundheitliche Einschränkungen berücksichtigen.
- Regelmäßigkeit: Planen Sie regelmäßig Zeit für Bewegung ein - am besten zwei- bis dreimal pro Woche für etwa 15 bis 60 Minuten.
- Freude an der Bewegung: Wählen Sie Übungen oder Sportarten, die Ihnen Freude machen und die Sie regelmäßig durchführen können. Ob Gymnastik, Yoga, Nordic Walking oder Tanzen - wichtig ist, dass Sie Spaß daran haben.
- Langsam beginnen: Wenn Bewegung oder Sport bisher keine große Rolle in Ihrem Alltag gespielt haben, beginnen Sie mit einfachen Übungen, zum Beispiel zur Verbesserung Ihrer Körperhaltung, oder machen Sie regelmäßig Spaziergänge.
- Überforderung vermeiden: Hören Sie auf Ihren Körper und bleiben Sie zu Beginn lieber etwas unter Ihrer persönlichen Belastungsgrenze. Steigern Sie sich langsam und vermeiden Sie Überforderung.
- Auf den Körper hören: Treten während des Trainings Schmerzen, Schwindel oder andere Beschwerden auf, beenden Sie die Übung und sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber.
- Unterstützung suchen: Nutzen Sie die Angebote von Parkinson-Sportgruppen oder Selbsthilfegruppen in Ihrer Nähe.
- Hilfsmittel nutzen: Wenn Sie sich unsicher auf den Beinen fühlen, führen Sie die Übungen im Sitzen durch oder stützen Sie sich an einer Wand oder einem Stuhl ab.
- Atmung beachten: Atmen Sie ruhig und gleichmäßig und halten Sie die Luft nicht an.
- Geeignete Kleidung und Unterlage: Tragen Sie feste, rutschfeste Schuhe oder üben Sie barfuß auf einer rutschfesten Unterlage.
Weitere Aspekte der Parkinson-Therapie
Neben Bewegung und Sport sind auch andere Faktoren wichtig für die Lebensqualität von Parkinson-Patienten:
- Medikamente: Medikamente können viele Symptome lindern, doch manche Beschwerden lassen sich vor allem durch eine gezielte Bewegungstherapie verbessern.
- Schlaf: Ein erholsamer Schlaf ist für die neurobiologische Regeneration des Gehirns entscheidend. Achten Sie auf eine gute Schlafhygiene und besprechen Sie Schlafprobleme mit Ihrem Arzt.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann ebenfalls zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen.
- Psychische Gesundheit: Parkinson kann auch psychische Belastungen mit sich bringen. Scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn Sie unter Depressionen, Angstzuständen oder anderen psychischen Problemen leiden.
- Unterstützung im Alltag: Viele alltägliche Bewegungen können mit Parkinson herausfordernd sein. Nutzen Sie Hilfsmittel und suchen Sie Unterstützung bei Angehörigen, Freunden oder professionellen Pflegekräften.
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