Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die durch motorische Symptome wie Zittern, Steifheit und verlangsamte Bewegungen gekennzeichnet ist. Obwohl es keine Heilung für Parkinson gibt, können verschiedene natürliche Ansätze helfen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Dazu gehören eine zielgerichtete Ernährung, ein aktiver Lebensstil und traditionelle medizinische Systeme wie Āyurveda.
Ernährung bei Parkinson: Mehr als nur satt werden
Es gibt keine spezielle Diät, die Parkinson heilen kann, aber eine gezielte Ernährung kann die Lebensqualität der Betroffenen erheblich verbessern. Viele Parkinson-Patienten haben Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme aufgrund von Schluckstörungen, Verdauungsproblemen und einem verminderten Geruchs- und Geschmacksempfinden. Eine gesunde Ernährung ist entscheidend, um Mangelernährung vorzubeugen und den Körper mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen.
Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und tierischen Produkten liefert nicht nur die notwendige Energie, sondern schmeckt auch noch. Sie ist essenziell, um den Körper mit Energie und allen Nährstoffen zu versorgen, die für den Aufbau und Erhalt der Körperfunktionen notwendig sind. Diese Ernährung sollte an die Lebensumstände und das Alter angepasst sein.
Gewichtskontrolle und Energiebedarf
Häufig verlieren Parkinson-Patienten an Körpergewicht aufgrund von Appetitlosigkeit und Schwierigkeiten beim Essen. Die Ausprägung der Erkrankung kann mit einer verminderten Kalorienaufnahme einhergehen, insbesondere bei Steifigkeit und Unbeweglichkeit. Patienten mit starkem Zittern haben oft einen erhöhten Stoffwechselumsatz und verlieren durch die ständige Muskelaktivität an Gewicht. Daher ist eine regelmäßige Gewichtskontrolle wichtig, um einer Mangelernährung vorzubeugen.
Ballaststoffe für eine gesunde Verdauung
Ballaststoffe sind wichtig, um Verstopfung entgegenzuwirken, einem häufigen Frühsymptom bei Parkinson. Sie werden vom Körper nicht verdaut, nehmen aber im Darm durch Wasseraufnahme an Volumen zu und erhöhen den Druck auf die Darmwände, was die Verdauung beschleunigt. Faserreiche pflanzliche Nahrungsmittel wie Gemüse, Getreide und Obst sind besonders empfehlenswert.
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Flüssigkeitszufuhr
Ausreichende Trinkmengen sind entscheidend, da Ballaststoffe ihre Wirkung nur in Verbindung mit Wasser entfalten können. Als Grundregel gilt die Aufnahme von 2,5 Litern Flüssigkeit am Tag. Im Alter nimmt das Durstgefühl oft ab, daher ist es wichtig, bewusst auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten.
Vitamine und Mineralstoffe für starke Knochen
Eine gesunde Ernährung dient auch der Vermeidung von Begleiterkrankungen wie Osteoporose, die durch körperliche Inaktivität begünstigt werden kann. Die Aufnahme von Vitamin D, K, Kalzium und Magnesium ist daher wichtig. Calcium spielt eine Schlüsselrolle für die Knochengesundheit. Im Schnitt verliert ein Mensch 300 mg Calcium täglich, bei Parkinson-Patienten kann diese Menge durch vermehrte Schweißbildung erhöht sein. Milch und Joghurt sind gute Calciumquellen. Vitamin D wird vor allem bei Sonneneinstrahlung über die Haut produziert, aber oft ist eine zusätzliche Einnahme über Tabletten oder Tropfen notwendig.
Mediterrane Ernährung als Vorbild
Eine gute Basis für eine ausgewogene Ernährung bietet die mediterrane Küche. Diese zeichnet sich durch einen hohen Anteil an pflanzlichen Lebensmitteln, schonende Zubereitung und wenig Fleisch aus. Die positiven Auswirkungen der mediterranen Ernährung auf die Gesundheit sind vielfältig.
Einschränkung von Süßigkeiten und Milchprodukten
Süßigkeiten, Puddings und Milchprodukte sollten vermieden werden, da sie für dicken, zähen und schleimigen Speichel sorgen können, was Schluckbeschwerden verstärken kann.
Umgang mit Schluckbeschwerden (Dysphagie)
Schluckprobleme sind ein weit verbreitetes Symptom bei Parkinson. Eine spezielle Dysphagie- oder Breikost kann empfohlen werden, ebenso wie die Vermeidung großer Essensstücke. Feste Nahrung kann manchmal besser geschluckt werden als flüssige. Ungünstig sind meist Speisen von körniger, trockener, faseriger oder harter Konsistenz sowie Mischkonsistenzen wie klare Suppe mit Einlagen.
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Verzögerte Magenentleerung
Häufig klagen Parkinson-Patienten über Sodbrennen oder Völlegefühl, was meist auf eine verzögerte Magenentleerung zurückzuführen ist. Frischen Sie Ihren Ernährungsplan mit Fisch, Obst und Gemüse auf.
Verminderter Geruchs- und Geschmackssinn
Parkinson-Patienten leiden oft unter einem verminderten Geruchs- und Geschmackssinn, was den Appetit und den Genuss am Essen schmälert. Gewürze und Kräuter in einem Mörser fein zermahlen regen den Geruchssinn an. Ein kleiner Schuss Olivenöl zu zerkleinerten oder pürierten Speisen kann ebenfalls helfen.
Energiereiche Ernährung bei Gewichtsverlust
Bei Gewichtsverlust und Mangelernährung sollte die Ernährung energiereich sein, um die Kräfte und Fähigkeiten weitestgehend zu erhalten. Auch Süßes ist hier durchaus erlaubt, zumindest in Maßen. Wichtig ist, dass es zu einer Versorgung mit Energie kommt und ggf. eine Gewichtszunahme erfolgt. Setzen Sie auf Abwechslung: Einen Tag kommt Fleisch auf den Teller, am nächsten Fisch, Geflügel, Eier oder vegane Speisen.
Eiweiß und L-Dopa: Wechselwirkungen beachten
Bei der Einnahme des Parkinson-Medikaments L-Dopa ist Vorsicht beim Verzehr von Eiweiß geboten. Eiweiß kann die Wirkung von L-Dopa beeinträchtigen, da es seine Aufnahme hemmt. L-Dopa wird durch die Darmwand transportiert und konkurriert dabei mit anderen Aminosäuren aus der Nahrung. Eine eiweißreiche Ernährung hat daher einen negativen Effekt auf die Aufnahme von L-Dopa.
Tipps zur Einnahme von L-Dopa
Es wird empfohlen, L-Dopa auf leeren Magen einzunehmen, idealerweise eine halbe Stunde vor oder eine Stunde nach dem Essen. Die notwendige Eiweißmenge sollte in kleinen Portionen über den Tag verteilt aufgenommen werden und nicht in einer großen Mahlzeit. Auch L-Dopa sollte nicht mit eiweißhaltigen Getränken eingenommen werden.
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Weitere Ernährungstipps
- Ausreichend Ballaststoffe und dazu ausreichend trinken (2 bis 2 1/2 Liter pro Tag).
- Gerne täglich Kartoffeln.
- Vollkornbrot und Vollkornnudeln, unpolierter Reis, Vollkornhaferflocken bieten sich ebenso an.
- Fünf kleine Portionen Obst & Gemüse: Süßes nur in Maßen konsumieren, stattdessen lieber fünf gesunde Portionen Obst & Gemüse pro Tag.
- Sowohl zu jeder Hauptmahlzeit und zweimal als Snack zwischendurch, z.B. rote Beeren, Tomaten oder Gurken.
- Am besten frisch, möglichst unverarbeitet und ggf. nur kurz gegart. Auch Säfte sind zu empfehlen.
- Spinat enthält ein wenig Protein und zusätzlich jede Menge wichtige Nährstoffe wie Flavonoide, Mineralstoffe, Vitamin C, Vitamin K, Eisen, Folsäure und Calcium.
- Fleisch, Eier, Wurst und Fisch nur ein bis zwei Mal pro Woche (300 - 600 g).
- Täglich Milchprodukte, um ausreichend Calcium aufzunehmen. Hier aber auf fettarme und ungesüßte Varianten zurückgreifen, also z.B. fettarmen Naturjoghurt oder fettarme Milch.
- Mit Kräutern und Gewürzen arbeiten, aber nur mit wenig Salz.
Bewegung und Sport bei Parkinson
Neben Medikamenten sind Bewegungsübungen und Sport wichtige Bestandteile einer Parkinson-Behandlung. Regelmäßige körperliche Aktivität kann helfen, Bewegungseinschränkungen und Muskelsteife vorzubeugen oder wieder etwas beweglicher zu werden. Studien zeigen, dass Bewegungsübungen helfen können, wieder beweglicher zu werden und schneller zu gehen. Zudem stärken sie die Koordination und das Gleichgewichtsgefühl. Es kommt dann seltener zu Stürzen. Bewegungsübungen können auch dazu beitragen, Alltagsaktivitäten wie Einkaufen besser zu bewältigen.
Vielfalt an Bewegungsformen
Es kommt weniger auf die Art der Bewegung an, sondern mehr darauf, dass man sie langfristig betreibt. Möglich sind zum Beispiel:
- Dehnübungen (Stretching)
- Ausdauertraining
- Muskelaktivierung und -entspannung
- Krafttraining
- Gleichgewichtstraining
- Tanzen
- Musiktherapie
- Tai Chi
- Qigong
- Yoga
- Geh- und Lauftraining
Ergotherapie und Physiotherapie
Es ist möglich, sich von Physio- oder Ergotherapeuten begleiten zu lassen. Sie können Bewegungsübungen anleiten und zeigen, wie man sie eigenständig durchführen kann. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse. Eine Ergotherapie soll helfen, solange wie möglich eigenständig den Alltag zu gestalten und für sich selbst zu sorgen. Dazu kann gehören, die Wohnung und die Arbeitsumgebung an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Zusammen mit den Therapeuten werden Möglichkeiten erarbeitet, besser mit den Beschwerden zurechtzukommen. Ergotherapeutische Übungen können auch die Grob- und Feinmotorik fördern. Es wird beispielsweise geübt, sich anzuziehen, Essen zuzubereiten und mit Hilfsmitteln (wie Rollatoren oder speziellem Besteck) umzugehen. Auch handwerkliche und kreative Übungen wie Basteln oder Malen können Teil einer Ergotherapie sein.
Sprachtherapie bei Parkinson
Viele Menschen denken bei der Parkinson-Krankheit vor allem an Bewegungsstörungen. Dabei sind besonders die zunehmenden Schwierigkeiten beim Sprechen oft sehr belastend. Da die Muskeln im Kehlkopf, in der Zunge und im Gesicht unbeweglicher werden, wird die Stimme mit der Zeit verwaschener, monotoner und leiser. Hinzu können Wortfindungsstörungen kommen und es kann schwerer werden, andere Menschen zu verstehen. Bei der Sprachtherapie wird geübt, wieder klarer, lauter und deutlicher zu sprechen. Mit verschiedenen Lockerungs- und Sprechübungen oder Singen wird auch die Beweglichkeit der Gesichtsmuskulatur, die Mimik und Atmung trainiert. Welche Form der Sprachtherapie eingesetzt wird, hängt von den jeweiligen Beschwerden und persönlichen Vorlieben ab. Viele Menschen vermeiden es aus Unsicherheit und Scham zunehmend, mit anderen zu sprechen. Deshalb geht es auch darum, wieder mehr Selbstbewusstsein bei Gesprächen zu entwickeln und sich besser ausdrücken zu können.
Psychologische Unterstützung bei Parkinson
Die Parkinson-Krankheit kann besonders im fortgeschrittenen Stadium mit starken psychischen Belastungen einhergehen. Manche Menschen entwickeln im Verlauf der Erkrankung depressive Beschwerden bis hin zu behandlungsbedürftigen Depressionen. Doch auch zu Anfang fällt es oft schwer, mit der Diagnose zurechtzukommen - und dem Wissen, dass die Symptome mit den Jahren deutlich zunehmen. Eine psychologische Unterstützung und Begleitung kann deshalb sinnvoll sein. Auch für Angehörige stehen verschiedene psychologische Beratungsangebote zur Verfügung.
Āyurveda bei Parkinson
Der Āyurveda ist ein umfassendes medizinisches System, das seit mindestens zweitausend Jahren im indischen Kulturbereich entwickelt und praktiziert wird. Im Āyurveda wird der Mensch ganzheitlich betrachtet, wobei Körper, Geist und Seele eine Einheit bilden.
Āyurvedische Sichtweise auf Parkinson
Entgegen einer häufig anzutreffenden Behauptung wird ein solches Krankheitsbild in der historischen āyurvedischen Literatur nicht direkt beschrieben! Erst in einem relativ späten Lehrbuch des 17. Jahrhunderts, dem sogenannten Basavarājīyam („Werk des Basavarāja“) wird eine Erkrankung erwähnt, welche dem idiopathischen Parkinson-Syndrom nahekommt. Unter der Bezeichnung Kampavāta wird dort nämlich ein Krankheitsbild beschrieben, das durch Tremor der Extremitäten und Schwierigkeiten bei der Körperbewegung kombiniert mit Schlafstörung und demenzieller Symptomatik gekennzeichnet ist.
In der heutigen āyurvedischen Praxis empfiehlt es sich daher, die jeweilige Symptomatik nach āyurvedischen Kriterien differenziert und individuell zu betrachten und nicht vorschnell einem einzelnen āyurvedischen Krankheitsbild zuzuordnen. Auf dieser Basis kann dann eine umfassende āyurvedische Therapie erfolgen.
Die drei Doshas: Vata, Pitta und Kapha
Dem Āyurveda liegt eine eigene Systematik zugrunde, die sich sowohl in einem eigenen Verständnis von Bau und Funktion des menschlichen Organismus als auch im diagnostischen Vorgehen niederschlägt. So unterscheidet man, vereinfacht ausgedrückt, zwei Anteile im menschlichen Organismus: Auf der einen Seite kennt man strukturelle Anteile des menschlichen Organismus wie etwa verschiedene Gewebe (Muskelgewebe, Fettgewebe etc.) und Organsysteme. Auf der anderen Seite wirken im Organismus auch funktionelle Komponenten. Zu diesen funktionellen Komponenten zählt der sogenannte Agni, die „Verdauungs- und Stoffwechselkraft“, welche die intestinale Verdauung und den gesamten Stoffwechsel reguliert. Wenn der Agni normal ausgeprägt ist, sind nicht nur Appetit und Stuhlgang gleichmäßig, sondern auch die einzelnen Gewebe angemessen ausgeprägt und die Sinne können ihre normalen Funktionen erfüllen. Bei einem geschwächten Agni werden einerseits die Gewebe nicht angemessen genährt und andererseits entstehen Ablagerungen auf unterschiedlichen Ebenen.
Außer dem Agni zählen zu den funktionellen Komponenten des menschlichen Organismus vor allem die sogenannten drei Doṣa-s (sprich: Dohscha) Vāta, Pitta und Kapha. Diese stellt man sich vor wie Kräfte, die im Menschen wirksam sind und sich in unterschiedlicher Hinsicht im Menschen auswirken. Die drei Doṣa-s regulieren physiologische Funktionen.
So ist Vāta, der erste Doṣa, im Menschen für Prozesse der Bewegung und Beweglichkeit verantwortlich. Dazu zählen Atembewegung, Muskelbewegung und Darmmotilität ebenso wie geistige Beweglichkeit und Begeisterungsfähigkeit.
Pitta reguliert Prozesse der Umwandlung und Verwertung wie etwa den Verdauungsprozess, aber auch Lernprozesse und Durchsetzungskraft.
Kapha, der dritte Doṣa, ist verantwortlich für Struktur und Stabilität, also einen festen Körperbau, geschmeidige Haut und Schleimhäute ebenso wie geistige Stabilität und Geduld.
Āyurvedische Therapieansätze bei Parkinson
Da beim idiopathischen Parkinson-Syndrom vor allem eine Störung des Vāta und eine Schwächung der Stoffwechselkraft bestehen, gilt es allgemein, den Doṣa Vāta zu regulieren und den Agni zu stärken.
In Bezug auf die Ernährung wird allgemein zu einer leicht verdaulichen und nahrhaften Ernährung geraten. Gewürze wie Ingwer, Knoblauch und schwarzer Pfeffer regen nach āyurvedischer Anschauung in besonderem Maße die Verdauungskraft an und regulieren den Doṣa Vāta. Je nach Konstitution und Verträglichkeit werden diese Gewürze in verschiedenen Zubereitungsformen (angedünstet, roh, als Tee etc.) und individuell angepassten Mengen empfohlen. Kreuzkümmel, Anis und Fenchel sind ebenfalls zur Regulierung des Vāta geeignet. Von besonderer Bedeutung ist der Asant (Asafoetida, „Stinkasant“), ein Gewürz, das als besonders Vāta-regulierend gilt und bei Störungen des Nervensystems allgemein empfohlen wird. Bei Obstipation, die ja ein häufiges Früh- und Begleitsymptom des idiopathischen Parkinson-Syndroms darstellt, ist Asant ebenfalls nützlich.
Zur Regulation eines gestörten Vāta und zur Stärkung der Verdauungskraft ist zu empfehlen, regelmäßige Mahlzeiten zu genießen. Abends sollte eher warm und leicht gegessen und darauf geachtet werden, dass man in angenehmer Umgebung und in Ruhe essen kann. Auch bei den Empfehlungen zur allgemeinen Lebensweise wird empfohlen, auf regelmäßige Tagesabläufe zu achten. Morgendliche Selbstölmassagen mehrmals wöchentlich werden allgemein zur Gesundheitsprophylaxe empfohlen, insbesondere auf Tremor und Rigor sollen sie einen positiven Effekt haben. Körperliche Bewegung, vor allem moderate Ausdauerbewegung, reguliert Vāta und stärkt die Verdauungskraft.
Āyurvedische Arzneimitteltherapie
Die Arzneimitteltherapie, insbesondere die außerordentlich reichhaltige Phytotherapie, stellt im heutigen Āyurveda eine wichtige Säule der Behandlung dar. Die arzneilich gebrauchten Pflanzen werden dabei sehr differenziert nach Qualitäten und Wirkungen eingeteilt sowie in spezifischen Zubereitungsarten verabreicht.
Eine typische Kombinationsarznei zur Stärkung der Verdauungskraft ist das so genannte Trikaṭu, eine Mischung von Ingwer, schwarzem Pfeffer und langem Pfeffer (Pippalī, botanisch: Piper longum) zu gleichen Teilen. Wenn Obstipation im Vordergrund steht, und auch zur allgemeinen Regulation und Stärkung, ist die Triphalā, eine Mischung aus den getrockneten und gemahlenen Früchten von Emblica officinalis, Terminalia chebula und Terminalia bellirica außerordentlich nützlich.
Von den spezifischen Arzneien sollen hier nur einige wenige beispielhaft vorgestellt werden. Die Aśvagandhā (Wurzel der Withania somnifera) genannte Pflanzenarznei wird bei vielen neurologischen Störungen empfohlen. In diesem Zusammenhang gilt sie als besonders nützlich zur Regulation der posturalen Instabilität und wenn Schlafstörungen vorliegen. Brāhmī (Bacopa monnieri, die gesamte Pflanze wird hier verwendet) ist besonders nützlich, wenn auch kognitive Störungen bestehen.
Juckbohne (Mucuna pruriens)
In den vergangenen Jahrzehnten hat im Zusammenhang mit M. Parkinson besonders eine āyurvedische Pflanzenarznei für Furore gesorgt, nämlich die Samen der sogenannten „Juckbohne“, botanisch: Mucuna pruriens (Sanskrit: Ātmaguptā, Kapikacchū). In der klassischen āyurvedischen Literatur werden diese Samen vor allem zur Stärkung bei „Gebrechen des Alters“ sowie zur allgemeinen Stärkung und Förderung der (männlichen) Fertilität gebraucht, auch gelten sie als allgemein nützlich zur Regulation des Doṣas Vāta. Schon in den 1930er-Jahren stellte man fest, dass die Juckbohne unter anderem L-Dopamin enthält. Im heutzutage meistens verwendeten Pulver aus den geschälten Samen beträgt der Anteil rund 5 %. In den 1990er-Jahren begann man die Wirkung einer standardisierten Zubereitung aus den geschälten Samen der Juckbohne auf das idiopathische Parkinson-Syndrom zu untersuchen.