Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem das zentrale Nervensystem betrifft. Obwohl die Krankheit hauptsächlich mit motorischen Symptomen wie Zittern, Steifheit und verlangsamten Bewegungen in Verbindung gebracht wird, können auch nicht-motorische Symptome wie Kreislaufprobleme, Schlafstörungen und psychische Veränderungen auftreten. Dieser Artikel untersucht den Zusammenhang zwischen Parkinson, Herz und Gefühl und beleuchtet die verschiedenen Aspekte dieser komplexen Beziehung.
Das WPW-Syndrom und seine Auswirkungen auf das Herz
Das Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW) ist eine angeborene Anomalie des Reizleitungssystems des Herzens. Bei Menschen mit WPW-Syndrom existiert eine zusätzliche Leitungsbahn zwischen den Vorhöfen und den Kammern des Herzens, das sogenannte Kent-Bündel. Diese zusätzliche Leitungsbahn kann zu einer kreisenden Erregung führen, bei der elektrische Signale zwischen Vorhöfen und Kammern hin und her wandern, was zu einem stark beschleunigten Herzschlag (Tachykardie) führt.
Symptome des WPW-Syndroms
Typisch für das WPW-Syndrom ist ein plötzliches Herzrasen, das oft aus völliger Ruhe heraus auftritt und nur kurz anhält. Manchmal können Schwindel und in seltenen Fällen auch Ohnmachtsanfälle auftreten. Viele Patienten empfinden während des Herzrasens ein unangenehmes Pochen im Halsbereich. Der Puls kann bei jungen Menschen bis zu 220 Schläge pro Minute betragen. Viele Patienten können durch Pressen in den Bauch oder durch Trinken eines kalten Glases Wassers den schnellen Puls selbst beenden.
Ursachen des WPW-Syndroms
Die Ursachen des WPW-Syndroms sind angeborene Veränderungen, bei denen eine zusätzliche Leitungsbahn für die Weiterleitung von elektrischen Impulsen von den Vorhöfen zu den Hauptkammern existiert. Der elektrische Impuls kann unter bestimmten Umständen über die normale Leitungsbahn (AV-Knoten) vom Vorhof zu der Herzkammer und über die eigentlich überflüssige zusätzliche Leitungsbahn von der Kammer zurück zum Vorhof fließen. Hierdurch dreht sich der elektrische Impuls wie in einem großen Kreisverkehr und führt dadurch zu einem stark beschleunigten Puls.
Diagnose und Behandlung des WPW-Syndroms
Manchmal bleiben die Rhythmusstörungen lange Zeit unentdeckt, da im beschwerdefreien Intervall im EKG nichts Auffälliges zu sehen ist. Bei einem Teil der Patienten finden sich jedoch im EKG sogenannte Delta-Wellen, die zur richtigen Diagnose führen. Um einen rasenden Puls akut zu beenden, können sogenannte Valsalvamanöver versucht werden. Hierfür kann man stark in den Bauch pressen, gelegentlich hilft auch die Massage an der Halsschlagader im Kehlkopfbereich. Sollten diese Manöver nicht helfen, wird ein Medikament (Adenosin) injiziert. In fast allen Fällen wird der schnelle Puls hierdurch beendet. Eine Behandlung des WPW-Syndroms sollte wegen der potentiellen Gefährlichkeit des Krankheitsbildes frühzeitig erfolgen. Da Medikamente in der Dauerbehandlung wirkungslos sind, ist die elektrophysiologische Untersuchung mit Verödung der zusätzlichen Leitungsbahn die Therapie der Wahl.
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Kreislaufprobleme bei Parkinson
Kreislaufprobleme wie Schwindel oder ein „Schwarzwerden vor Augen“ kommen in weiten Teilen der Bevölkerung vor. Bei Parkinson-Patienten können diese Probleme jedoch häufiger auftreten und stärker ausgeprägt sein.
Symptome von Kreislaufstörungen
Mögliche Symptome bei Störungen der Kreislaufregulation sind zum Beispiel „Schwindel“, „Schummerigkeit“, „Abgeschlagenheit“ oder „Drieseligkeit“. Ein häufiges Problem ist die orthostatische Hypotonie, bei der der Blutdruck beim Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen plötzlich abfällt. Dies kann zu Schwindel, Benommenheit und sogar Ohnmacht führen.
Ursachen von Kreislaufstörungen bei Parkinson
Leider ist die automatische Gegenregulation des Kreislaufsystems bei der Parkinson-Krankheit oft gestört. Neben der Parkinson-Krankheit können sich auch viele andere Aspekte negativ auf den Kreislauf auswirken. Alle Medikamente, die zur Behandlung der Parkinson-Krankheit eingesetzt werden, können theoretisch zu Kreislaufproblemen führen. Tendenziell treten Kreislaufprobleme bei Präparaten aus der Gruppe der Dopaminagonisten (dazu zählen die Wirkstoffe Pramipexol, Ropinirol, Piribedil, Rotigotin und Apomorphin) häufiger auf bei Medikamenten mit dem Wirkstoff L-Dopa (auch Levodopa). Viele Menschen nehmen blutdrucksenkende Medikamente ein. Häufig wird die Dosierung dieser Tabletten nicht reduziert, wenn nach der Diagnose einer Parkinson-Krankheit auch Medikamente zur Parkinson-Behandlung begonnen werden.
Diagnose und Behandlung von Kreislaufstörungen
Die Diagnose einer orthostatischen Hypotonie kann man sehr einfach stellen: mit regelmäßigen Blutdruckmessungen. Insbesondere wenn eines der oben genannten Symptome auftritt oder man sich auch scheinbar grundlos „nicht wohl fühlt“, ergibt eine Messung von Blutdruck und Puls Sinn. Falls erforderlich, kann zur weiteren Sicherung der Diagnose ein „Schellong-Test“ durchgeführt werden. Oft lassen sich Kreislaufprobleme schon durch kleine Veränderungen im Alltag bessern. Die folgenden Vorschläge können gleichzeitig und auch vorbeugend eingesetzt werden:
- Trinken, Trinken, Trinken: Ausreichend viel zu trinken ist die Basis eines gut funktionierenden Kreislaufsystems. Sofern keine anderen Erkrankungen vorliegen, die dagegensprechen, sollte die tägliche Flüssigkeitszufuhr mindestens 1,5 bis 2 Liter pro Tag betragen.
- Salz: Achten Sie auf eine ausreichende Salzzufuhr.
- Mahlzeiten: Vermeiden Sie große fett- und kohlenhydratreiche Mahlzeiten. Alternativ können mehrere kleinere und leichtere Mahlzeiten über den Tag verteilt sinnvoll sein.
- Bauchbinde: Eine elastische Bauchbinde hilft, das „Versacken“ des Bluts in der unteren Körperhälfte nach dem Aufstehen zu reduzieren.
- Hitze: Halten Sie sich bei großer Hitze vorzugsweise in kühlen Innenräumen auf. Vermeiden Sie heiße Vollbäder oder Saunagänge.
- Nachtschlaf: Schlafen Sie mit leicht erhöhtem Oberkörper (ca. 10 - 20 Grad).
- Langsam aufstehen: Stehen Sie langsam aus dem Liegen oder Sitzen auf.
Emotionale Auswirkungen von Parkinson
Die Parkinson-Krankheit kann nicht nur körperliche, sondern auch erhebliche emotionale Auswirkungen haben. Viele Menschen mit Parkinson leiden unter Depressionen, Angstzuständen und anderen psychischen Problemen.
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Depressionen bei Parkinson
Depressionen sind eine häufige Begleiterscheinung der Parkinson-Krankheit. Sie können durch die Veränderungen im Gehirn verursacht werden, die mit der Krankheit einhergehen, aber auch durch die Belastung, mit einer chronischen Krankheit leben zu müssen. Symptome von Depressionen können Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Interessenverlust, Müdigkeit und Schlafstörungen sein.
Angstzustände bei Parkinson
Angstzustände sind ebenfalls häufig bei Menschen mit Parkinson. Sie können durch die Unsicherheit über den Krankheitsverlauf, die Angst vor Stürzen oder die Sorge um die Zukunft verursacht werden. Symptome von Angstzuständen können Nervosität, Unruhe, Herzrasen, Schwitzen und Atembeschwerden sein.
Weitere psychische Veränderungen
Neben Depressionen und Angstzuständen können auch andere psychische Veränderungen bei Parkinson auftreten, wie z. B. Reizbarkeit, Aggression, Impulsivität und Halluzinationen. Diese Veränderungen können durch die Krankheit selbst, aber auch durch die Medikamente verursacht werden, die zur Behandlung der Krankheit eingesetzt werden.
Umgang mit emotionalen Herausforderungen
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit den emotionalen Herausforderungen der Parkinson-Krankheit umzugehen. Dazu gehören:
- Medikamente: Antidepressiva und angstlösende Medikamente können helfen, Depressionen und Angstzustände zu lindern.
- Psychotherapie: Eine Psychotherapie kann helfen, die emotionalen Herausforderungen der Krankheit zu bewältigen und Strategien zur Stressbewältigung zu entwickeln.
- Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann hilfreich sein, um sich verstanden zu fühlen und Unterstützung zu erhalten.
- Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation und progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen und das Wohlbefinden zu verbessern.
Parkinson und Herzinfarkt: Eine unterschiedliche Wahrnehmung in der Gesellschaft
Herzinfarkt und Parkinson sind zwei schwere Erkrankungen, die das Leben der Betroffenen erheblich beeinflussen. Doch während der Herzinfarkt in der Gesellschaft oft als dramatische und heldenhafte Krankheit angesehen wird, bleibt Parkinson meist im Schatten. Warum wird der Herzinfarkt öffentlich anerkannt und gefeiert, während Parkinson als Tabuthema behandelt wird?
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Der Herzinfarkt: Eine anerkannte Krankheit
Der Herzinfarkt ist in unserer Gesellschaft eine gut verstandene und anerkannte Krankheit. Er tritt oft plötzlich auf, erfordert sofortiges Handeln und ist eine der häufigsten Todesursachen weltweit. Viele Menschen, die einen Herzinfarkt überleben, werden als „Kämpfer“ betrachtet, die gegen eine akute Bedrohung angegangen sind. Es gibt klare Botschaften, die mit einem Herzinfarkt verbunden sind: Er kann durch Stress, Rauchen oder ungesunde Lebensweise ausgelöst werden, und wer ihn überlebt, wird ermutigt, sein Leben grundlegend zu ändern. Ein Herzinfarkt ist wie ein „Warnschuss“ des Körpers, der zu einem Wendepunkt führt. Diese klare Linie - Krankheit, Behandlung, Genesung - lässt sich in der Gesellschaft gut verarbeiten.
Parkinson: Eine schleichende Krankheit im Schatten
Parkinson hingegen hat in der Gesellschaft ein ganz anderes Image. Im Gegensatz zum plötzlichen Auftreten eines Herzinfarkts ist Parkinson eine schleichende, chronische Krankheit, die das Leben der Betroffenen über viele Jahre hinweg verändert. Die Symptome - Zittern, Muskelsteifheit, verlangsamte Bewegungen - entwickeln sich langsam und führen nach und nach zu einer zunehmenden Einschränkung der Lebensqualität. Parkinson ist schwer zu greifen, sowohl für die Betroffenen als auch für die Gesellschaft. Während der Herzinfarkt eine akute Bedrohung darstellt, ist Parkinson eine Krankheit, die oft mit einem Gefühl des Kontrollverlustes verbunden wird. Die Menschen scheuen sich, offen über Parkinson zu sprechen, und oft wird die Krankheit tabuisiert.
Die unterschiedliche Reaktion des Umfelds
Wenn ein geliebter Mensch einen Herzinfarkt erleidet, ist die Reaktion des Umfelds meist eindeutig: Sofortige Besorgnis, Unterstützung und schnelle Maßnahmen stehen im Vordergrund. Herzinfarkte sind für Freunde und Familie eine greifbare Bedrohung, die direkte Hilfe erfordert. Doch wie sieht es bei Parkinson aus, einer Krankheit, die langsam voranschreitet und nicht den gleichen dramatischen „Notfallcharakter“ hat? Ein Herzinfarkt trifft plötzlich und unerwartet auf, was oft sofortige Alarmbereitschaft im Umfeld auslöst. Die Familie fährt den Betroffenen in die Notaufnahme, Freunde schicken aufmunternde Nachrichten oder kommen zu Besuch. Nach einem Herzinfarkt ändert sich häufig der Alltag des Betroffenen, und Freunde und Familie mobilisieren sich, um bei der Umstellung zu helfen. Dabei liegt der Fokus oft auf sichtbaren, praktischen Maßnahmen: Hilfe bei der Umstellung der Ernährung, Begleitung zum Sport oder bei der Physiotherapie, oder auch Ermutigung, das Leben nach der Krankheit aktiver zu gestalten.
Das Tabu brechen
Es ist an der Zeit, die ungleiche Wahrnehmung von Herzinfarkt und Parkinson zu ändern. Indem wir offen über Parkinson sprechen und die Herausforderungen der Betroffenen ernst nehmen, können wir dazu beitragen, das Tabu zu brechen. Wie immer spricht eine frühzeitige Diagnose für einen besseren Behandlungserfolg. Für beide Erkrankungen gibt es entsprechende Möglichkeiten, diese zu erkennen und zu behandeln. Doch neben der Behandlung spielt der Umgang des Umfelds mit den körperlichen und mentalen Herausforderungen eine große Rolle. Es ist an der Zeit, dass wir als Gesellschaft Parkinson genauso ernst nehmen und öffentlich darüber sprechen, wie wir es bei Herzinfarkten tun.
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