Parkinson-Diagnose mittels MRT: Ein umfassender Überblick

Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft. In Deutschland sind schätzungsweise 400.000 bis 500.000 Menschen von Parkinson betroffen. Die Diagnose kann eine Herausforderung darstellen, da die Symptome vielfältig sind und sich langsam entwickeln. Die Magnetresonanztomographie (MRT) spielt eine wichtige Rolle bei der Diagnose und Überwachung von Parkinson, obwohl sie nicht die primäre Methode zur Diagnose darstellt.

Frühe Anzeichen und Symptome von Parkinson

Oftmals beginnt Parkinson schleichend, und erste Anzeichen werden nicht sofort als solche erkannt. Alfons P. beispielsweise bemerkte grundlose Stimmungsschwankungen, unruhigen Schlaf, eine Abnahme des Geruchssinns, undeutliche Schrift und nachlassende Geschicklichkeit. Dr. Victor Collado Seidel, Oberarzt und Spezialist für Parkinson, erklärt, dass frühe Zeichen auch Riech- und Schlafstörungen, Verstopfung oder Depressionen sein können. Es ist wichtig zu beachten, dass diese Symptome auch andere Ursachen haben können.

Die typischen motorischen Symptome umfassen:

  • Bewegungsverlangsamung und -verarmung (Bradykinese)
  • Steifigkeit (Rigor)
  • Zittern (Tremor)
  • Verminderte Standfestigkeit

Die Rolle der MRT in der Parkinson-Diagnostik

Die MRT des Kopfes ist in der Parkinsondiagnostik hauptsächlich dazu notwendig, andere Erkrankungen des Gehirns auszuschließen, die ähnliche Symptome verursachen können. Dazu gehören beispielsweise Schlaganfälle, Tumore oder andere neurodegenerative Erkrankungen.

Was die MRT leisten kann:

  • Ausschluss anderer Erkrankungen: Die MRT hilft, andere Ursachen für die Symptome zu identifizieren oder auszuschließen.
  • Beurteilung von Begleiterkrankungen: Die MRT kann zur Diagnose oder Überwachung von Begleiterkrankungen eingesetzt werden, unter denen Parkinson-Patienten leiden können.
  • Unterstützung bei der Therapieplanung: Bei Patienten, die eine tiefe Hirnstimulation erhalten, kann die MRT zur Planung und Überwachung des Eingriffs verwendet werden.

Was die MRT nicht leisten kann:

  • Direkter Nachweis von Parkinson: Die MRT kann Parkinson in der Regel nicht direkt nachweisen, da die Veränderungen im Gehirn, insbesondere in den frühen Stadien der Erkrankung, oft subtil sind.
  • Frühe Diagnose: Obwohl Fortschritte in der MRT-Technologie vielversprechend sind, ist die frühe Diagnose von Parkinson allein durch MRT-Befunde weiterhin eine Herausforderung.

Alternative und ergänzende Diagnoseverfahren

Neben der MRT gibt es weitere Diagnoseverfahren, die bei Verdacht auf Parkinson eingesetzt werden:

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  • Körperliche neurologische Untersuchung: Eine eingehende körperliche Untersuchung durch einen Neurologen ist entscheidend für die Diagnose.
  • Verlaufsbeurteilung und Ansprechen auf Therapie: Die Beobachtung des Krankheitsverlaufs und die Reaktion auf Medikamente wie Levodopa sind wichtige Diagnosebausteine.
  • Computertomographie (CT): Ähnlich wie die MRT dient die CT dazu, andere Erkrankungen auszuschließen.
  • Nuklearmedizinische Untersuchungen (DAT-SPECT): Diese Untersuchungen können die Funktion bestimmter Nervenverbindungen im Gehirn darstellen und helfen, Parkinson von anderen Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen zu unterscheiden. Ein DaTSCAN ist eine nuklearmedizinische Untersuchung, um die Funktionsfähigkeit bestimmter Nervenverbindungen im Gehirn (sogenannte Dopamin-Transporter) zu überprüfen und bildlich darszustellen. Ein DatScan wird in der Diagnostik des krankhaften Tremors (Zittern) eingesetzt, z.B. zur Abgrenzung von organischen Störungen bei bestimmten Parkinsonsyndromen (z.B. Morbus Parkinson - im Volksmund auch Schüttellähmung genannt - oder MSA ) vom essentiellen Tremor.
  • Tremoranalysen: Diese Analysen können helfen, die Art des Tremors zu bestimmen und andere Ursachen auszuschließen.
  • Schlaflabor: Eine Untersuchung im Schlaflabor kann Schlafstörungen erkennen, die frühe Anzeichen von Parkinson sein können.
  • Hirnstammsonographie: Durch die spezielle Hirnstammsonographie können früh Veränderungen im Hirnstamm erkannt werden. Nur der sehr aufwendige Dat-Scan eine nuklearmedizinische Untersuchung mit radioaktiven Medikament ist vergleichbar genau mit dem Ultraschall des Hirnstammes. Als Screeningverfahren in der Vorsorge biete sich die Ultraschalluntersuchung. Insbesondere wenn in der Familie Parkinson bekannt ist, kann mit Ultraschall eine regelmäßige Vorsorgediagnostik erfolgen. Parkinson tritt gehäuft im Alter auf, kann aber schon mit dem 50. Lebensjahr oder früher beginnen. Somit können in jüngeren Jahren die Abstände der Ultraschalluntersuchungen größer sein, als im fortgeschrittenen Alter.

Innovative MRT-Techniken und Forschung

Obwohl die konventionelle MRT in der Parkinson-Diagnostik begrenzt ist, gibt es vielversprechende Fortschritte in der MRT-Technologie, die in Zukunft eine größere Rolle spielen könnten:

  • Hochauflösende MRT: Diese Technik ermöglicht eine detailliertere Darstellung von Hirnstrukturen und könnte helfen, subtile Veränderungen im Zusammenhang mit Parkinson zu erkennen.
  • Neuinterpretation des Schwalbenschwanz-Zeichens: Neurophysiker/-innen um Malte Brammerloh vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI CBS) haben herausgefunden, dass die Identifikation von einem Magnetresonanztomografie-Zeichen zur Parkinsondiagnose als eine bestimmte anatomische Region im Gehirn zwar weit verbreitet, aber gar nicht korrekt ist. Brammerloh ist sich sicher: „Wir glauben, dass man mit diesem neuen Wissen besser versteht, wie Anatomie und MRT-Kontraste zusammenhängen und wie neue MRT-Marker für die frühe Diagnose von Parkinson entwickelt werden können.“
  • MRT-Mikroskopie eisenreicher Neurone: Neurophysiker/-innen um Malte Brammerloh vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI CBS) haben herausgefunden, dass die Identifikation von einem Magnetresonanztomografie-Zeichen zur Parkinsondiagnose als eine bestimmte anatomische Region im Gehirn zwar weit verbreitet, aber gar nicht korrekt ist. „Jenes MRT-Zeichen, das sogenannte Schwalbenschwanz-Zeichen, schließt zwar einen Teil der anatomischen Region ‚Nigrosom 1‘ ein, sieht aber ganz anders aus“, erklärt der Erstautor der Studie, die nun veröffentlicht wurde. „Das ist für den klinischen Bereich relevant, weil die Identifikation ‚Schwalbenschwanz Zeichen entspricht Nigrosom 1‘ zur Lehrmeinung geworden ist und revidiert werden sollte“, so Malte Brammerloh weiter.

Behandlungsmöglichkeiten bei Parkinson

Obwohl Parkinson nicht heilbar ist, gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die die Symptome lindern und die Lebensqualität verbessern können:

  • Medikamentöse Therapie: Im Mittelpunkt steht der Ausgleich des Dopaminmangels im Gehirn. Medikamente wie Levodopa und Dopaminagonisten können die Beweglichkeit verbessern und das Zittern reduzieren. Um die Wirkung von Levodopa zu verlängern, stehen Medikamente zur Verfügung, die den Abbau von Levodopa verzögern. Dazu gehören sogenannte MAO-BHemmer und COMT-Hemmer.
  • Tiefe Hirnstimulation: Bei Patienten, die unter starken Wirkungsschwankungen leiden und durch die orale medikamentöse Therapie nicht mehr zufriedenstellend behandelt werden können, kann eine tiefe Hirnstimulation in Erwägung gezogen werden. Dabei wird eine kleine Stimulationssonde im Bereich der betroffenen Hirnstrukturen eingebracht.
  • Pumpensysteme: Apomorphin oder Levodopa können über Pumpensysteme kontinuierlich zugeführt werden, um eine gleichmäßige Stimulation der Nervenzellen zu gewährleisten.
  • Physiotherapie, Logopädie und Ergotherapie: Diese Therapieformen können die Beweglichkeit verbessern, die Sprache fördern und die Selbstständigkeit im Alltag erhalten.
  • Psychologische Betreuung: Eine psychologische Betreuung kann Patienten und Angehörigen helfen, mit der Erkrankung umzugehen und Depressionen oder Angststörungen zu behandeln.

Leben mit Parkinson: Wichtige Aspekte

Die Diagnose Parkinson kann viele Fragen und Herausforderungen aufwerfen. Es ist wichtig, sich umfassend zu informieren und sich Unterstützung zu suchen.

  • Kommunikation: Sprechen Sie mit Ihrer Familie und Ihrem Partner über Ihre Erkrankung.
  • Sport und Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann den Krankheitsverlauf verlangsamen.
  • Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung.
  • Soziale Kontakte: Pflegen Sie soziale Kontakte und nehmen Sie am gesellschaftlichen Leben teil.

Fazit

Die MRT ist ein wichtiges Instrument in der Parkinson-Diagnostik, vor allem um andere Erkrankungen auszuschließen. Innovative MRT-Techniken und Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die MRT in Zukunft eine größere Rolle bei der Früherkennung und Diagnose von Parkinson spielen könnte. Eine frühzeitige Diagnose und eine umfassende Behandlung können die Lebensqualität von Parkinson-Patienten erheblich verbessern.

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