Langes Arbeiten am Schreibtisch, Knien am Boden oder einseitig belastende Sportarten können die Gelenke reizen. Wenn es zu unangenehmen Schwellungen und Bewegungseinschränkungen kommt, könnte eine Schleimbeutelentzündung (Bursitis) dahinterstecken. Diese entsteht meist durch Überlastung und sorgt in der Regel für starke Schmerzen. Schleimbeutel sind mit Flüssigkeit gefüllte Bindegewebstaschen. Im menschlichen Körper gibt es über 100 Stück davon. Meist befinden sie sich in der Nähe von Gelenken, welche in der Regel einer hohen mechanischen Belastung durch Reibung oder Druck unterliegen. Daher sind an solchen Körperstellen Schleimbeutel zwischen Knochen und Sehnen oder Muskeln positioniert und sorgen für eine optimale Polsterung.
Was ist eine Schleimbeutelentzündung (Bursitis)?
Eine Schleimbeutelentzündung ist eine Entzündung der Schleimbeutel (Bursae), die als „Gelenk-Polster“ zwischen Knochen, Sehnen und Muskeln fungieren. Diese kleinen, flüssigkeitsgefüllten Polster sitzen an stark beanspruchten Stellen im Körper, etwa an Gelenken.
Ursachen einer Schleimbeutelentzündung am Ellenbogen (Bursitis olecrani)
Eine Schleimbeutelentzündung am Ellenbogen (Bursitis olecrani) entsteht meist durch übermäßige Belastung. Häufiges Aufstützen auf den Ellenbogen kann den Schleimbeutel reizen und zur Überlastung führen. Da der Schleimbeutel am Ellenbogen unmittelbar unter der Haut liegt, kann dieser sich leicht entzünden. In den meisten Fällen ist also eine mechanische Reizung für die Schleimbeutelentzündung im Ellenbogen verantwortlich. Aber auch bakterielle Infektionen oder Verletzungen sind mögliche Ursachen für eine Bursitis olecrani.
Weitere Ursachen für eine Schleimbeutelentzündung am Ellenbogen können ein Knochenbruch, eine Prellung (Kontusion) oder Traumata (Verletzungen) sein. Dringen Keime bis zum Schleimbeutel vor, können diese ebenfalls eine Schleimbeutelentzündung am Ellenbogen hervorrufen. Diese geht meist mit einer Eiterbildung einher und sollte frühzeitig gezielt behandelt werden, um eine Blutvergiftung zu verhindern.
Anfällig für solche Beschwerden sind insbesondere Sportler oder generell Personen, die einseitige Bewegungen ausüben (zum Beispiel Bedienung einer Computermaus). Pro Jahr hat mindestens 1 von 10.000 Menschen eine Bursitis an Knien oder Ellenbogen. Rund ein Drittel der Schleimbeutelentzündungen wird von Bakterien ausgelöst. Während sich die akute Bursitis innerhalb weniger Stunden oder Tage entwickelt, entsteht eine chronische Schleimbeutelentzündung durch wiederkehrende oder andauernde Entzündungsschübe. Eine berufsbedingte chronische Schleimbeutelentzündung kann möglicherweise als Berufskrankheit eingestuft werden.
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Eine Schleimbeutelentzündung entsteht selten „einfach so“. Joggen Sie viel? ständiges Knien (z. B. im Garten) oder stundenlang am Schreibtisch sitzen und sich regelmäßig auf den Ellenbogen stützen. Oder durch monotone Bewegungen, wie sie z. B. bei der Bedienung einer Computermaus entstehen. Mit anderen Worten: Nicht nur Sportler:innen oder körperlich Arbeitende sind betroffen.
Risikofaktoren
- Überlastung: Übermäßige Beanspruchung durch repetitive Bewegungen und Belastung, die bei bestimmten Sportarten oder beruflichen Tätigkeiten auftreten, kann zu Überlastungssyndromen der Sehnenansätze führen.
- Sportverletzungen: Eine Bursitis entsteht möglicherweise aufgrund einer Sportverletzung (zum Beispiel Handball, Volleyball oder Ringen).
- Vorerkrankungen: Manchmal sind Entzündungen im Ellenbogen-Gelenk die Ursache für eine Schleimbeutelentzündung am Ellenbogen. Solche Entzündungen in den Gelenken treten oft im Rahmen einer anderen Krankheit wie Rheuma oder Gicht auf. Besonders bei immer wieder kehrenden Schleimbeutelentzündungen am Ellenbogen steckt mitunter eine solche Ursache dahinter.
Symptome einer Schleimbeutelentzündung am Ellenbogen
Bei der Schleimbeutelentzündung am Ellenbogen ist das Gelenk häufig geschwollen, es schmerzt und ist gerötet. Eine Schleimbeutelentzündung am Ellenbogen (Bursitis olecrani) geht meist mit einer Schwellung des Schleimbeutels einher, der sich beim Abtasten dick und prall elastisch anfühlt. Der Betroffene verspürt durch die vermehrte Flüssigkeitseinlagerung (Ödem) ein Spannungsgefühl über dem Ellenbogen und Schmerzen beim Bewegen. Auch Druckschmerzhaftigkeit, Rötung und Überwärmung sind typische Beschwerden, die auf eine Bursitis olecrani hinweisen.
Die typischen Entzündungsorte befinden sich meist in Gelenknähe von Ellenbogen, Knie, Schulter, Hüfte und Ferse.
Unterscheidung von anderen Erkrankungen
Es ist wichtig, eine Schleimbeutelentzündung von anderen Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen zu unterscheiden:
- Schleimbeutelentzündung oder Tennisarm? Bei einem Tennisarm handelt es sich um eine Sehnenscheidenentzündung am Ellenbogen. Die Risikogruppe ist dabei ähnlich wie die der Bursitis olecrani: Betroffen sind meist Handwerker und Personen, die viel am Schreibtisch arbeiten oder bestimmte Sportarten ausüben (neben Tennis beispielsweise auch Rudern). Die Symptome ähneln sich zum Teil, jedoch erstrecken sich die Schmerzen beim Tennisarm vor allem auf der Außenseite des Ellenbogens bis ins Handgelenk. Bei einer Bursitis werden die Beschwerden hauptsächlich direkt über dem Ellenbogen wahrgenommen.
- Abgrenzung zum Impingement-Syndrom: In manchen Fällen kann es schwierig zu trennen sein, ob der Schmerz von der Schulter oder von einem eingeklemmten Nerv im Nacken verursacht wird.
Diagnose einer Schleimbeutelentzündung am Ellenbogen
Der Tastbefund und die klinische Untersuchung geben dem Orthopäden meist einen Hinweis auf eine Schleimbeutelentzündung am Ellenbogen (Bursitis olecrani). Liegt eine Schleimbeutelentzündung am Ellenbogen vor, kann diese bereits durch die Anamnese (Krankengeschichte) und körperliche Untersuchung relativ sicher vom Arzt diagnostiziert werden. Ein Grund dafür ist unter anderem der typische Tastbefund und die Beschwerden des Patienten. Weitere Hinweise bekommt der Orthopäde durch eine Ultraschalluntersuchung des betroffenen Ellenbogens. In der Bildgebung zeigt sich der Schleimbeutel (Bursa) als eine mit Flüssigkeit gefüllte Höhle.
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Bei Verdacht auf eine bakterielle Ursache kann der Arzt mithilfe einer Hohlnadel Flüssigkeit aus dem Schleimbeutel gewinnen und zur weiteren Untersuchung ins Labor einschicken.
Bildgebende Verfahren
- Sonographie (Ultraschalluntersuchung): Bei einer tiefliegenden Bursitis ist die klinische Feststellung nicht immer möglich, weshalb eine Sonographie (Ultraschalluntersuchung) erforderlich sein kann. In der Bildgebung zeigt sich der Schleimbeutel (Bursa) als eine mit Flüssigkeit gefüllte Höhle.
- Röntgenaufnahmen: Röntgenaufnahmen gehören zur Erstdiagnostik, um Knochensporne, Kalkeinlagerungen oder ein abnorm geformtes Schulterdach zu finden.
- Ultraschalluntersuchungen und/oder Kernspintomografien: Bei dem Verdacht auf eine Ruptur der Rotatorenmanschette können Ultraschalluntersuchungen und/oder Kernspintomografien notwendig werden, um den Zustand der Weichteile beurteilen zu können.
- Computertomographie (CT): Ein Computer errechnet hier Schnittbilder aus den Absorptionswerten der durch den Körper tretenden Röntgenstrahlen. Die Auflösung der einzelnen Bilder ist sehr hoch und veranschaulicht vor allem knöcherne Strukturen. Der Nachteil liegt in der relativ hohen Strahlenbelastung für den Patienten, so dass die Indikation jeweils kritisch gestellt werden muss.
- Kernspintomographie (MRT): Die Kernspintomographie wird vor allem herangezogen, wenn es darum geht, komplexe Weichteil-und Knochenveränderungen nachzuweisen.
Behandlung einer Schleimbeutelentzündung am Ellenbogen
Eine Schleimbeutelentzündung behandelt man in aller Regel konservativ. Dazu gehören an erster Stelle das Ruhigstellen und Schonen des Gelenkes. Betroffene sollten den Ellenbogen kühlen und hochlagern. Bei einer sehr starken Schwellung des Schleimbeutels erfolgt eine Punktion. Diese Maßnahme nimmt den Druck vom Gelenk. Gleichzeitig kann der Arzt die abgezogene Flüssigkeit auf Krankheitserreger untersuchen. Zudem können bei der Punktion entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente in den Schleimbeutel gespritzt werden.
Wird eine akute Schleimbeutelentzündung nicht behandelt, führt dies möglicherweise zur Entstehung einer chronischen Bursitis. Bei einer bakteriellen Schleimbeutelentzündung besteht zudem die Gefahr einer Blutvergiftung (Sepsis); eine lebensbedrohliche Komplikation, die umgehend behandelt werden muss.
Konservative Behandlung
- Ruhigstellung und Schonung: Damit diese vollständig abheilt, ist eine ausreichende Ruhigstellung und damit verbundene Sportpause notwendig. Schienen oder Gipsverbände unterstützen die Heilung während der Ruhigstellung.
- Kühlung: Kühlpacks oder kalte Umschläge helfen, Schwellung und Hitze zu reduzieren.
- Medikamente: Als Schmerzmittel und Entzündungshemmer kommen Ibuprofen oder Diclofenac zum Einsatz. Für die lokale Therapie verwenden Sie Salben und Gele mit Wirkstoffen wie Diclofenac, Ketoprofen oder Arnika.
- Physiotherapie: Physiotherapie nach Ruhigstellung bzw. zum Erhalt der Beweglichkeit und Muskelfähigkeit: Nach dem Abheilen einer Bursitis unterstützen die richtigen Übungen bei der Mobilisierung der Gelenke. Zudem werden gesundheitsschädliche Schonhaltungen vermieden.
- Bandagen und Orthesen: Unterstützen können die Heilung des Ellenbogens speziell entwickelte Bandagen und Orthesen. Sie entlasten einerseits die Muskelursprünge und erlauben andererseits einen Bewegungsspielraum, um einem Muskelabbau entgegenzuwirken.
Operative Behandlung
Führen diese Therapiemaßnahmen nicht zum gewünschten Erfolg, kehrt die Schleimbeutelentzündung am Ellenbogen immer wieder. Handelt es sich um eine eitrige, bakteriell bedingte Schleimbeutelentzündung, kann eine Operation nötig werden. Bei einem solchen Eingriff wird der Schleimbeutel meist komplett entfernt. Eine operative Entfernung des Schleimbeutels erfolgt nur selten, meist bei chronischen Entzündungen oder besonders schweren Verläufen.
Hausmittel
- Quarkwickel: Ein einfaches Hausmittel mit großer Wirkung: Quark hat eine kühlende, abschwellende und entzündungshemmende Wirkung.
- Arnika: Der altbewährte Heilkräuterauszug enthält u. a. Thymol und Salicylate. Ein traditionelles Hausmittel bei Gelenkbeschwerden, das auch bei Bursitis gelegentlich Anwendung findet.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Bei anhaltenden Schmerzen oder einer deutlich sichtbaren Schwellung an den Gelenken empfiehlt es sich, einen Arzt aufzusuchen. Wer zum ersten Mal die schmerzhaften Symptome einer Schleimbeutelentzündung erlebt, ist oft verunsichert: Ist es nur eine Überlastung? Ein eingeklemmter Nerv? Damit die richtige Behandlung erfolgt, ist eine gezielte Diagnose wichtig.
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Prävention
- Polsterungen verwenden: Für häufig auf den Knien arbeitende Personen ist das Tragen eines Knieschutzes ratsam.
- Regelmäßige Bewegung: Auch wenn Schleimbeutelentzündungen durch Sportverletzungen entstehen können, ist regelmäßige Bewegung äußerst ratsam. Denn Sport kräftig nicht nur die Muskulatur, sondern stabilisiert auch die Gelenke. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass vielfältige und keine einseitigen Aktivitäten ausgeübt werden.
- Vermeidung von Überlastung: Viele Überlastungsschäden am Ellenbogen können Sie jedoch mit gezielten Maßnahmen vorbeugen. Eine saubere Bewegungsausführung und regelmäßige Pausen reduzieren die Belastung Ihres Ellenbogens und minimieren das Risiko für Verletzungen.
- Aufwärmen: Bereiten Sie die Muskeln, Sehnen und Bänder rund um den Ellenbogen auf sportliche Belastungen vor. Vor dem Klettern, Tennisspielen oder Golfen sollten Sie sich mindestens 10 bis 15 Minuten aufwärmen.
- Kräftigung der Muskulatur: Eine starke Muskulatur schützt das Gelenk vor Überlastung. Unterstützen Sie den Muskelaufbau, indem Sie kleine Gewichte heben oder einen Softball zusammendrücken. Wichtig ist, sowohl die Beuge- als auch die Streckmuskulatur zu trainieren, um ein Gleichgewicht zu schaffen.
- Dehnen: Regelmäßiges Dehnen der Unterarmmuskulatur verbessert die Beweglichkeit des Ellenbogens und beugt Verspannungen vor.
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