Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem durch motorische Symptome wie Zittern, Muskelsteifheit, Bewegungsverlangsamung und Haltungsinstabilität gekennzeichnet ist. Doch neben diesen Kardinalsymptomen können auch zahlreiche nicht-motorische Symptome auftreten, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Dazu gehören unter anderem Schlafstörungen, Depressionen, kognitive Beeinträchtigungen, Verdauungsprobleme und autonome Funktionsstörungen. Ein weniger bekanntes, aber dennoch relevantes Symptom, das im Zusammenhang mit Parkinson auftreten kann, sind kalte Füße.
Ursachen kalter Füße bei Parkinson
Kalte Füße bei Parkinson können verschiedene Ursachen haben. Eine wichtige Rolle spielen autonome Funktionsstörungen, die bei vielen Parkinson-Patienten auftreten. Das autonome Nervensystem steuert unwillkürliche Körperfunktionen wie Herzfrequenz, Blutdruck, Atmung, Verdauung und Temperaturregulation. Bei Parkinson kann es zu einer Fehlfunktion dieses Systems kommen, was sich unter anderem in einer gestörten Durchblutung der Extremitäten äußern kann. Eine verminderte Durchblutung führt dazu, dass die Füße nicht ausreichend mit warmem Blut versorgt werden und sich kalt anfühlen.
Weitere mögliche Ursachen für kalte Füße bei Parkinson sind:
- Polyneuropathie: Eine Polyneuropathie ist eine Erkrankung, die mehrere periphere Nerven betrifft. Sie kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, darunter Diabetes mellitus, Vitaminmangel, Alkoholkonsum oder bestimmte Medikamente. Bei Parkinson-Patienten kann eine Polyneuropathie die Sensibilität in den Füßen beeinträchtigen und zu einem Gefühl von Kälte, Taubheit oder Kribbeln führen.
- Restless-Legs-Syndrom (RLS): Das Restless-Legs-Syndrom ist eine neurologische Erkrankung, die durch einen unkontrollierbaren Bewegungsdrang in den Beinen gekennzeichnet ist. Die Symptome treten vor allem in Ruhe auf, insbesondere abends oder nachts, und können mit Missempfindungen wie Kribbeln, Ziehen oder Schmerzen verbunden sein. Einige Betroffene empfinden auch kalte Füße als Begleiterscheinung des RLS.
- Medikamente: Einige Medikamente, die zur Behandlung der Parkinson-Krankheit eingesetzt werden, können als Nebenwirkung kalte Füße verursachen. Dazu gehören beispielsweise bestimmte Dopaminagonisten oder Anticholinergika.
- Weitere Erkrankungen: Kalte Füße können auch ein Symptom anderer Erkrankungen sein, die unabhängig von Parkinson auftreten. Dazu gehören beispielsweise Gefäßerkrankungen, Schilddrüsenunterfunktion oder das Raynaud-Syndrom.
Differenzialdiagnose und atypische Parkinson-Syndrome
Es ist wichtig zu beachten, dass kalte Füße auch im Rahmen von atypischen Parkinson-Syndromen auftreten können. Atypische Parkinson-Syndrome sind degenerative Erkrankungen des Nervensystems, die ähnliche Symptome wie die Parkinson-Krankheit aufweisen, aberAdditional symptoms and a faster disease progression. Zu diesen Erkrankungen gehören die Multisystematrophie (MSA), die progressive supranukleäre Paralyse (PSP) und die kortikobasale Degeneration (CBD).
Multisystematrophie (MSA)
Die Multisystematrophie (MSA) ist eine seltene, fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die durch eine Kombination von parkinsonähnlichen Symptomen, zerebellärer Ataxie und autonomen Funktionsstörungen gekennzeichnet ist. Die MSA wird in zwei Haupttypen unterteilt: MSA-P, bei der Parkinson-Symptome im Vordergrund stehen, und MSA-C, bei der zerebelläre Ataxie dominiert.
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Klinische Merkmale der MSA:
- Parkinson-Syndrom mit Akinese, Rigidität und posturaler Instabilität
- Zerebelläre Ataxie mit Gang-, Gliedmaßen- und Sprachstörungen
- Autonome Dysfunktion mit orthostatischer Hypotonie, Blasen- und Darmfunktionsstörungen, sexueller Dysfunktion und Störungen der Schweißsekretion
- Warnsymptome ("Red Flags") wie subakute axiale Dystonie, Stridor, inspiratorische Seufzer, Schlafapnoe und disproportionierter Antecollis
Diagnostik der MSA:
Die Diagnose der MSA basiert auf klinischen Kriterien, die durch apparative Zusatzuntersuchungen wie autonome Funktionstests, Sphinkter-EMG und bildgebende Verfahren unterstützt werden können. Im MRT des Gehirns können typische Veränderungen wie eine Hypointensität des Putamens, ein hyperintenser Randsaum und pontozerebelläre Hyperintensitäten ("Kreuzzeichen") sichtbar sein.
Progressive supranukleäre Paralyse (PSP)
Die progressive supranukleäre Paralyse (PSP) ist eine weitere atypische Parkinson-Erkrankung, die durch eine Kombination von Parkinson-Symptomen,Gangstörungen, Blickparesen und kognitiven Beeinträchtigungen gekennzeichnet ist.
Klinische Merkmale der PSP:
- Parkinson-Syndrom mit Akinese,Rigidität und posturaler Instabilität
- Frühe und häufige Stürze aufgrund von Gleichgewichtsstörungen
- Vertikale Blickparese, insbesondere Schwierigkeiten beim Blick nach unten
- Kognitive Beeinträchtigungen mit Verhaltensänderungen, Antriebslosigkeit undFrontalhirnsymptomen
- Dysarthrie und Dysphagie
Diagnostik der PSP:
Die Diagnose der PSP basiert auf klinischen Kriterien, die durch bildgebende Verfahren unterstützt werden können. Im MRT des Gehirns können eine Atrophie des Mittelhirns ("Hummingbird-Zeichen") und eine Erweiterung des dritten Ventrikels sichtbar sein.
Kortikobasale Degeneration (CBD)
Die kortikobasale Degeneration (CBD) ist eine seltene, fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die durch eine Kombination von Parkinson-Symptomen, kortikalen Funktionsstörungen und asymmetrischen neurologischen Zeichen gekennzeichnet ist.
Klinische Merkmale der CBD:
- Parkinson-Syndrom mit Akinese, Rigidität und Dystonie
- Kortikale Funktionsstörungen wie Apraxie, kortikale Sensibilitätsstörungen undAlien-Limb-Phänomen
- Asymmetrische neurologische Zeichen, d. h. die Symptome sind auf einer Körperseite stärker ausgeprägt
- Kognitive Beeinträchtigungen mit Verhaltensänderungen undFrontalhirnsymptomen
Diagnostik der CBD:
Die Diagnose der CBD basiert auf klinischen Kriterien, die durch bildgebende Verfahren unterstützt werden können. Im MRT des Gehirns können eine Atrophie des Kortex und der Basalganglien sichtbar sein, insbesondere in den frontoparietalen Regionen.
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Diagnostik und Abklärung
Bei Patienten mit Parkinson und kalten Füßen ist eine sorgfältige Anamnese und körperliche Untersuchung erforderlich, um die zugrunde liegende Ursache zu identifizieren. Dabei sollten folgende Aspekte berücksichtigt werden:
- Schilderung der Symptome: Wie lange bestehen die kalten Füße schon? Treten sie dauerhaft oder nur zeitweise auf? Sind sie mit anderen Symptomen wie Taubheit, Kribbeln oder Schmerzen verbunden?
- Medikamentenanamnese: Welche Medikamente nimmt der Patient ein? Gibt es Hinweise auf mögliche Nebenwirkungen?
- Vorerkrankungen: Liegen andere Erkrankungen vor, die kalte Füße verursachen könnten, wie z. B. Diabetes mellitus, Gefäßerkrankungen oder Schilddrüsenunterfunktion?
- Neurologische Untersuchung: Gibt es Anzeichen für eine Polyneuropathie oder andere neurologische Erkrankungen?
- Untersuchung der peripheren Durchblutung: Sind die Fußpulse tastbar? Gibt es Hinweise auf eine periphere arterielle Verschlusskrankheit?
Je nach den Ergebnissen der Anamnese und körperlichen Untersuchung können weitere diagnostische Maßnahmen erforderlich sein, wie z. B.:
- Blutuntersuchungen: Zur Abklärung von Diabetes mellitus, Schilddrüsenunterfunktion, Vitaminmangel oder anderen Stoffwechselstörungen
- Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG): Zur Diagnose einer Polyneuropathie
- Doppler-Sonographie der Beinarterien: Zur Beurteilung der peripheren Durchblutung
- Autonome Funktionstests: Zur Beurteilung der Funktion des autonomen Nervensystems
- MRT des Gehirns: Zum Ausschluss anderer neurologischer Erkrankungen, insbesondere atypischer Parkinson-Syndrome
Therapie und Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung kalter Füße bei Parkinson richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Einige allgemeine Maßnahmen, die helfen können, die Beschwerden zu lindern, sind:
- Warme Kleidung: Tragen Sie warme Socken und Schuhe, um die Füße warm zu halten.
- Fußbäder: Regelmäßige warme Fußbäder können die Durchblutung fördern und die Füße wärmen.
- Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann die Durchblutung verbessern und die Füße warm halten.
- Massagen: Massagen der Füße und Beine können die Durchblutung anregen und Verspannungen lösen.
- Vermeidung von Kälte: Schützen Sie Ihre Füße vor Kälte, indem Sie beispielsweise im Winter gefütterte Schuhe tragen.
Zusätzlich zu diesen allgemeinen Maßnahmen können je nach Ursache der kalten Füße spezifische Behandlungen erforderlich sein:
- Polyneuropathie: Die Behandlung einer Polyneuropathie richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Bei Diabetes mellitus ist eine gute Blutzuckereinstellung wichtig. Bei Vitaminmangel kann die Einnahme von Vitaminpräparaten helfen. In einigen Fällen können auch Medikamente zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
- Restless-Legs-Syndrom (RLS): Die Behandlung des RLS umfasst in der Regel Medikamente, die die Dopamin-Aktivität im Gehirn erhöhen. AuchEisenpräparate können hilfreich sein, wenn ein Eisenmangel vorliegt.
- Medikamente: Wenn Medikamente als Nebenwirkung kalte Füße verursachen, kann der Arzt möglicherweise die Dosis anpassen oder auf ein anderes Medikament umstellen.
- Weitere Erkrankungen: Die Behandlung anderer Erkrankungen, die kalte Füße verursachen können, richtet sich nach der jeweiligen Diagnose.
Bei MSA-Patienten mit orthostatischer Hypotonie kann die Erhöhung des intravasalen Volumens und die Reduktion des venösen Pooling unter Orthostase helfen. Nicht-pharmakologische Optionen beinhalten genügende Flüssigkeitsaufnahme, salzreiche Diät, häufige aber kleine Mahlzeiten tagsüber und Stützmieder. Das nächtliche Hochstellen des Bettkopfendes reduziert nicht nur den zerebralen Perfusionsdruck, sondern erhöht auch das intravasale Volumen innerhalb einer Woche bis zu einem Liter. Pharmakologisch können Sympathomimetika wie Ephedrin oder der direkt wirkende Alpha-Agonist Midodrin (Gutron®) eingesetzt werden.
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