Parkinson, auch bekannt als Morbus Parkinson oder Schüttellähmung, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem die willkürlichen und unwillkürlichen Bewegungsabläufe beeinträchtigt. Ein charakteristisches Symptom ist der kleinschrittige Gang, der oft mit einer nach vorn gebeugten Haltung einhergeht. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten des Parkinson-Gangs.
Einführung
Bei einer Gangstörung ist der automatisierte, reibungslose und harmonische Ablauf von Gehbewegungen beeinträchtigt. Dabei kann entweder das Gangmuster oder die Ganggeschwindigkeit oder beides gleichzeitig betroffen sein. Die Ausprägungen reichen von leicht bis stark eingeschränkter Bewegungsfähigkeit; aber auch völlige Immobilität ist möglich. Eine Beeinträchtigung von Gehbewegungen kann sich auf vielerlei Arten äußern. Durch die Einschränkungen können sich zusätzlich Schonhaltungen entwickeln, wie das Hochziehen und Anspannen der Schultern, das Verdrehen oder Beugen des Oberkörpers.
Ursachen des Parkinson-Gangs
Für Gangstörungen gibt es sehr viele Ursachen. Grundsätzlich lassen sich die meisten Gangstörungen aber auf zwei hauptsächliche Ursachen zurückführen: Auf eine Störung des Gleichgewichtsinns oder auf eine Störung des Bewegungsapparates. Sicherlich überlappen sich diese Bereiche gegenseitig recht häufig, sodass beispielsweise eine Gangstörung nicht nur einer, sondern oft mehreren dieser drei Kategorien zugeordnet werden kann.
Neurologische Ursachen
In dieser Kategorie finden sich in erster Linie Erkrankungen des Gehirns und des Nervensystems, bei denen eine Gangstörung auftreten kann:
- Morbus Parkinson: Typisch sind ein kleinschrittiger, nach vorn gebeugter Gang, verlangsamte Bewegungen (Bradykinese), Muskelsteifheit (Rigor) und Zittern (Tremor). Kennzeichnend für die Parkinson-Krankheit ist das Absterben der Dopamin-produzierenden Nervenzellen im Mittelhirn. Dieser Mangel an dem Botenstoff Dopamin führt letztlich zu einer Verminderung seiner aktivierenden Wirkung und verursacht im späteren Verlauf der Erkrankung die typischen Symptome, wie Zittern in Ruhe oder mangelnde Stabilität der aufrechten Körperhaltung.
- Multiple Sklerose: Vor allem Gleichgewichtsstörungen treten auf, die zu einem unsicheren Gangbild führen.
- Polyneuropathie: Hierbei handelt es sich um eine Schädigung der peripheren Nerven, zum Beispiel durch Diabetes mellitus, Alkohol oder Medikamente. Typisch ist ein Gangbild, bei dem die Fußspitzen beim Gehen nach unten absinken und die Füße daher besonders angehoben werden müssen (Storchengang/Steppergang).
- Innenohrschädigung: Schäden an einem der beiden Gleichgewichtsorgane im Innenohr, zum Beispiel durch Medikamente, Entzündungen oder Erkrankungen wie Morbus Menière, führen zu Gleichgewichtsstörungen und Schwindel.
- Vitaminmangel: Beispielsweise kann durch einen Mangel an Vitamin B12 eine funikuläre Myelose entstehen, bei der neben Missempfindungen in Armen und Beinen auch Gangstörungen auftreten.
- Schlaganfall: Eine Schädigung des Gehirns kann zu verschiedenen Ausprägungen einer Gangstörung führen, je nachdem, welches Gehirnareal betroffen ist.
- Medikamenten-Nebenwirkungen: Besonders Medikamente, die auf das Gehirn wirken, wie Neuroleptika, Antiepileptika und Benzodiazepine können Ursache einer Gangstörung sein.
- Gehirntumor/Rückenmarktumor: Je nach Lokalisation des Tumors sind Sensorik und/oder Motorik gestört.
- Entzündliche Erkrankungen: Beispielsweise bei Borreliose im zentralen Nervensystem (Neuroborreliose) sind Störungen der Bewegungen wie Gangstörungen möglich.
- Erweiterung der Gehirnventrikel durch erhöhten Liquordruck: Erkrankungen, bei denen das Nervenwasser auf die Nervenzellen im Gehirn drückt und sie dadurch schädigt, können Gangstörungen verursachen („Hakim Trias“). Beispiele sind der sogenannte Pseudotumor cerebri oder Normaldruckhydrozephalus.
- Alkoholismus: Chronischer Alkoholkonsum führt zu einer Schädigung des Gehirns (Wernicke-Korsakow-Syndrom).
Orthopädische Ursachen
In dieser Kategorie finden sich in erster Linie Erkrankungen des Bewegungsapparates, bei denen eine Gangstörung auftreten kann:
Lesen Sie auch: Parkinson-Medikamente: Was Sie beachten müssen
- Gelenkverschleiß (Arthrose): Eine Arthrose kann die Beweglichkeit eines Gelenks stark einschränken und dadurch zu Gangstörungen führen - insbesondere, wenn Knie, Hüft- oder Sprunggelenke betroffen sind. Sie verursacht durch jahrelange Überlastung von Knochen und Knorpeln eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung und bei starker Ausprägung auch eine Deformierung der Gelenke.
- Spinalkanalstenose: Wenn der Rückenmarkskanal durch die knöchernen Strukturen eingeengt wird, treten starke Schmerzen beim Gehen (vor allem bergab) auf.
- Rheumatische Erkrankungen: Erkrankungen aus dem sogenannten rheumatischen Formenkreis können durch Gelenkszerstörung und chronische Schmerzen einen normalen Gang unmöglich machen.
- Muskelschwäche: Vor allem vererbte Erkrankungen mit Muskelschwäche (Muskeldystrophie, Myotone Muskeldystrophie, etc.) sind verantwortlich für Gangstörungen. Sarkopenie beschreibt den Verlust an Muskelmasse und Kraft im höheren Lebensalter. Es kommt zu einer deutlichen Verlangsamung des Gangbildes, breitbeinigem und kleinschrittigen Gangbild und erhöhter Sturzneigung.
- Bandscheibenvorfall: Ein Bandscheibenvorfall (Diskusprolaps) bedeutet häufig starke Schmerzen für die Betroffenen, die dadurch auch Gangstörungen entwickeln können.
- Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK): Keine orthopädische Erkrankung im engeren Sinne: Durch Durchblutungsstörungen treten in den Beinen Schmerzen auf, wodurch die Betroffenen nur kurze Distanzen gehen können.
- Spastik der Muskulatur: Eine Erhöhung der Muskelspannung (Muskeltonus) kann durch Schädigungen im Gehirn entstehen und ein normales Gehen erschweren.
- Verletzungen: Beispielsweise ist ein Oberschenkelhalsbruch im höheren Lebensalter sehr häufig ein Grund für eine Gehstörung.
Psychische Ursachen (Psychogene Gangstörung)
Neben den bisher genannten körperlichen Gründen für eine Gangstörung können auch seelische Probleme für einen gestörten Gang verantwortlich sein. Die zugrunde liegenden seelischen Erkrankungen sind sehr vielfältig. Alle haben jedoch gemeinsam, dass sie primär nicht durch eine Fehlfunktion des Nervensystems oder des Bewegungsapparates zustande kommen, sondern tatsächlich vor allem psychischer Natur sind.
Häufig kann der Schweregrad der Gangstörung bei psychogenen Gangstörungen sehr stark schwanken (Fluktuation). So kann es passieren, dass an manchen Tagen ein normaler Gang gar nicht möglich ist, während wenige Tage später das Gangbild kaum oder gar nicht beeinträchtigt ist. Psychogene Gehstörungen sind bisher noch nicht ausreichend erforscht, so dass die Therapie oft schwierig ist. Teilweise kann eine Besserung durch eine stationäre Behandlung mit Physiotherapie und verhaltenstherapeutischen Ansätzen erreicht werden.
Weitere Faktoren
- Gestörter Gleichgewichtssinn: Für einen normalen Gleichgewichtssinn ist es wichtig, dass die Gleichgewichtsorgane beider Seiten intakt sind. Fällt eines von beiden aus, kommt es zu widersprüchlichen Informationen. Das kann den Gleichgewichtssinn sehr stören und Schwindel auslösen.
- Störung des Bewegungsapparates: Damit ein Mensch normal gehen kann, ist er neben dem Gleichgewichtssinn auch auf einen funktionierenden Bewegungsapparat angewiesen. Damit ist gemeint, dass seine Muskelkraft ausreichend ist und die Beweglichkeit durch eine normale Gelenkfunktion nicht eingeschränkt ist. Bei zu geringer Muskelkraft ist eine normale Bewegung nur eingeschränkt möglich.
Diagnose des Parkinson-Gangs
Die Diagnose eines Parkinson-Syndroms bzw. einer Parkinson-Erkrankung kann verschiedene Untersuchungen und Tests umfassen. Der Arzt wird detaillierte Fragen zur medizinischen Vorgeschichte und den Symptomen stellen. Der Arzt führt eine umfassende Untersuchung durch, um typische Parkinson-Symptome zu erkennen.
Anamnese und körperliche Untersuchung
Die Abklärung umfasst ein ausführliches Gespräch über Beginn, Verlauf und Begleitsymptome sowie eine gründliche neurologische Untersuchung. Dabei achten wir besonders auf Beweglichkeit, Muskeltonus, Gleichgewicht und Feinmotorik.
L-Dopa-Test
In vielen Fällen kann der Arzt die Diagnose Parkinson bestätigen, wenn die Symptome auf die Behandlung mit Parkinson-spezifischen Medikamenten, insbesondere Levodopa, ansprechen. Der sogenannte L-Dopa-Test kann beispielsweise im Rahmen der Diagnostik eines Parkinson-Syndroms eingesetzt werden. Hierfür wird zunächst die Symptomschwere erfasst. Dann wird eine schnell wirksame Form von L-Dopa verabreicht und die Symptome werden erneut erfasst. Wenn sich die Symptome um mindestens 30 Prozent verbessert haben, deutet dies auf ein idiopathisches Parkinson-Syndrom hin. Wichtig ist allerdings, dass das alleinige Testergebnis noch keine gesicherte Parkinson-Diagnose bedeutet.
Lesen Sie auch: Die Stadien der Parkinson-Krankheit erklärt
Bildgebende Verfahren
Ergänzend können bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomographie, Laboruntersuchungen oder in speziellen Fällen nuklearmedizinische Verfahren notwendig sein, um die Ursache einzugrenzen. Die DAT-Scan Untersuchung, auch bekannt als Dopamintransporter-Scan, ist eine spezielle bildgebende Untersuchung, die in der Diagnose von Parkinson und anderen Bewegungsstörungen verwendet wird. Ein DAT-Scan wird typischerweise durchgeführt, um die Diagnose von Parkinson zu bestätigen. Da es keine spezifischen Tests gibt, die einen direkten Nachweis für Parkinson geben können, schließt der Arzt andere mögliche Ursachen für die Symptome aus, wie zum Beispiel einen Schlaganfall, Medikamentennebenwirkungen oder andere neurodegenerative Erkrankungen.
Differenzialdiagnose
Es ist wichtig, andere Ursachen für Parkinson-ähnliche Symptome auszuschließen. Der Begriff „Parkinsonoid“ bezieht sich auf einen Zustand oder eine Gruppe von Symptomen, die denen der Parkinson-Krankheit ähneln, aber durch andere Ursachen bedingt sind. Einige Beispiele sind:
- Essentieller Tremor: häufigste neurologische Ursache des Halte- und Aktionstremors. Der Essentielle Tremor betrifft normalerweise symmetrisch beide Hände und Arme und tritt auf, wenn die Arme ausgestreckt gehalten werden oder wenn sie Aktivitäten ausführen.
- Demenz mit Lewy-Körperchen: Schwerwiegende neurokognitive Störungen mit visuellen Halluzinationen, schwankender Wahrnehmung, REM-Schlafstörungen und Parkinsonismus.
- Kortikobasale Degeneration: charakteristische Form des Parkinsonismus, bei der es sich um eine fortschreitende asymmetrische Bewegungsstörung handelt.
- Progressive supranukleäre Parese: Klinisch stellt sich eine Haltungsinstabilität mit mehreren Stürzen in der Anamnese dar. Die progressive supranukleäre Parese ist die häufigste degenerative Form des Parkinsonismus.
- Multisystematrophie (MSA): Gruppe seltener, tödlich verlaufender neurodegenerativer Symptome.
Behandlung des Parkinson-Gangs
Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Bei Morbus Parkinson stehen wirksame Medikamente zur Verfügung, die Beweglichkeit und Gangsicherheit deutlich verbessern können. Ergänzend sind Physiotherapie, Gang- und Gleichgewichtstraining sowie Hilfsmittelversorgung wichtige Bestandteile. Bei vaskulären oder anderen Ursachen ist eine gezielte Behandlung der Grunderkrankung erforderlich.
Medikamentöse Therapie
Die bei Parkinson eingesetzten Medikamente sollen den Dopaminmangel im Gehirn ausgleichen. Sie reduzieren die Symptome, können aber bereits entstandene Schädigungen im Gehirn nicht rückgängig machen. Auch das Fortschreiten der Erkrankung lässt sich damit nicht aufhalten. Mit Voranschreiten der Parkinson-Krankheit werden auch die Symptome immer ausgeprägter. Aus diesem Grund ist eine stetige Anpassung der Medikamente notwendig. Das gestaltet sich nicht immer einfach. Schließlich nehmen Parkinson-Patienten, insbesondere im fortgeschrittenen Stadium, viele Medikamente ein.
Nicht-medikamentöse Therapie
- Physiotherapie: Die Physiotherapie fördert die Beweglichkeit, die Reaktionsfähigkeit und die Körperstabilität.
- Ergotherapie: Ergotherapie und Physiotherapie unterstützen den Patienten, seinen Alltag zu meistern und trotz bestehender Einschränkungen sich so viel wie möglich an Selbstständigkeit zu erhalten.
- Logopädie: Die Logopädie ist eine wichtige Therapiemaßnahme zur Behandlung einer parkinsonbedingten Sprechstörung.
- Bewegungstherapie: Regelmäßige Bewegung ist ein wichtiger Bestandteil der Therapie. Tai Chi trainiert die Beweglichkeit und das Gleichgewicht.
- Komplementäre Behandlungen: Parkinson-Patienten können von alternativmedizinischen Behandlungen profitieren. Darunter fallen verschiedene Entspannungsübungen, Meditation und Bewegungstechniken wie Qigong, Yoga oder Taijiquan.
Tiefe Hirnstimulation
Treten im Krankheitsverlauf starke Wirkschwankungen oder motorischen Komplikationen auf, unter denen die Lebensqualität erheblich leidet, kann ein operativer Eingriff infrage kommen. Hierbei werden Elektroden in die erkrankten Gehirnregionen eingesetzt und mit einem unter dem Schlüsselbein implantierten Stimulator („Hirnschrittmacher“) verbunden. Die davon ausgesandten schwachen Stromstöße bewirken eine elektrische Reizung der betroffenen Regionen und beeinflussen deren gestörte Aktivität positiv.
Lesen Sie auch: Überblick zur Dopamin-Erhöhung bei Parkinson
Rehabilitation
Die Reha orientiert sich ebenfalls an der auslösenden Erkrankung.
Umgang mit der Erkrankung
Der Patient wird über die Hintergründe seiner Erkrankung und deren Symptome informiert. Er lernt, mit der Krankheit umzugehen, und erfährt, wie er selbst seine Gesundheit stärken kann.
Prognose
Die Prognose ist von der Ursache der Gangstörung abhängig. Ist die Ursache gut behandelbar, wie beim Vitaminmangel, normalisiert sich auch das Gangbild recht schnell. Bei Erkrankungen, die nicht heilbar sind, wie Morbus Parkinson oder Multiple Sklerose, kann sich die medikamentöse Linderung der Symptome auch positiv auf das Gangbild ausüben.
Leben mit Parkinson
Parkinson ist eine Diagnose, die weitreichende Folgen für die Betroffenen haben kann. Bis zum heutigen Zeitpunkt konnte weder eine genaue Ursache eruiert noch ein Heilmittel gefunden werden. Trotz alledem gibt es zahlreiche Behandlungsmöglichkeiten und viele davon sind nicht nur erprobt, sondern auch sehr ausgereift. Das gilt beispielsweise für eine Therapie mit L-Dopa. Parkinson-Kranke sollten also in keinem Fall vor dem Kampf gegen die Nervenkrankheit zurückschrecken. Ganz im Gegenteil, bei rechtzeitiger Erkenntnis, regelmäßigen Arztbesuchen und einer strikten Einnahme der Medikamente, können die Symptome des Parkinson-Syndroms für eine sehr lange Zeit stark verbessert werden. Auch eine komplette Unterdrückung ist möglich.
Selbsthilfe und Unterstützung
Wichtig ist es für Parkinson-Patient:innen, ihre Erkenntnisse aus der Komplexbehandlung auch zu Hause weiter zu verfolgen. „Betroffene können in der Regel selbst vieles tun, um ihren Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass körperliche und auch geistige Aktivitäten sehr förderlich dafür sind“, erklärt Dr.
Pflege
Wenn Sie Parkinson haben, sind Sie nicht automatisch pflegebedürftig. In frühen Stadien kann es sein, dass Sie entweder kaum oder gar nicht auf die Hilfe anderer angewiesen sind. Ob Sie zukünftig im Alltag unterstützt werden müssen, hängt unter anderem davon ab, um welche Parkinson-Form es sich handelt. Die Pflege leistet einen wichtigen Beitrag mit Blick auf die Versorgung Parkinson-Erkrankter. Je nach Stadium kann Hilfe bei der Essensaufnahme, Haushaltsführung oder Körperpflege nötig sein. Ein Medikamentenplan kann ebenfalls durch die Unterstützung von Pflegekräften umgesetzt werden.
tags: #parkinson #kleinschrittiger #trippelgang