Die Parkinson-Krankheit, auch Morbus Parkinson genannt, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die hauptsächlich durch einen Mangel an Dopamin im Gehirn gekennzeichnet ist. Dieser Dopaminmangel führt zu einer Vielzahl von motorischen und nicht-motorischen Symptomen, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Weltweit sind etwa 6,1 Millionen Menschen von Parkinson betroffen, allein in Deutschland sind es rund 400.000. Die Erkrankung manifestiert sich meist zwischen dem 55. und 60. Lebensjahr, wobei in etwa jedem zehnten Fall die Diagnose bereits vor dem 40. Lebensjahr gestellt wird.
Ursachen und Entstehung der Parkinson-Krankheit
Bis heute ist die genaue Ursache der Parkinson-Krankheit nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren zum Ausbruch der Erkrankung beiträgt. Im Wesentlichen besteht die Möglichkeit, dass es mehrere Auslöser gibt.
Dopaminmangel im Gehirn
Das Hauptmerkmal der Parkinson-Krankheit ist der Verlust von Nervenzellen (Neuronen) in einem bestimmten Bereich des Gehirns, der Substantia nigra (schwarze Substanz) genannt wird. Diese Neuronen sind für die Produktion des Neurotransmitters Dopamin verantwortlich. Dopamin spielt eine entscheidende Rolle bei der Steuerung von Bewegungen, aber auch bei der Regulierung von Emotionen, Motivation und Belohnungsempfinden.
Wenn etwa 60 bis 70 % der Dopamin-produzierenden Neuronen abgestorben sind, gerät das empfindliche Gleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn aus dem Gleichgewicht. Der Körper kann diesen Verlust nicht mehr kompensieren, was zu einem Dopaminmangel und einem Überschuss anderer Neurotransmitter wie Acetylcholin und Glutamat führt. Diese Ungleichgewichte beeinträchtigen die Kommunikation zwischen den Neuronen und führen letztendlich zu den charakteristischen Symptomen der Parkinson-Krankheit.
Genetische Faktoren
Obwohl die Parkinson-Erkrankung in den meisten Fällen nicht genetisch bedingt ist, spielen genetische Faktoren eine Rolle bei der Krankheitsentstehung. Rein erbliche Formen machen nur etwa 5 bis 10 % aller Fälle aus. Es gibt jedoch bestimmte Gene, die das Risiko für die Entwicklung von Parkinson erhöhen können.
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Eines der identifizierten „Parkinson-Gene“ (PARK1) ist für die Herstellung von Alpha-Synuclein verantwortlich. Dieses Protein reguliert unter anderem die Dopamin-Ausschüttung. Liegt beispielsweise eine Genmutation vor, ist auch das Alpha-Synuclein defekt. Das „unbrauchbare“ Protein lagert sich als sogenannte „Lewy-Körperchen“ in den Zellen ab, wodurch diese nicht mehr richtig arbeiten können und schließlich absterben.
Umweltfaktoren und Lebensstil
Neben genetischen Faktoren werden auch Umweltfaktoren und der Lebensstil als mögliche Risikofaktoren für die Parkinson-Krankheit diskutiert. Dazu gehören:
- Pestizide, Lösungsmittel und polychlorierte Biphenyle (PCB): Diese Substanzen werden z. B. in der Landwirtschaft und Industrie eingesetzt und könnten die Entstehung von Parkinson begünstigen.
- Häufige Kopftraumata: Wiederholte Verletzungen oder Gehirnerschütterungen, wie sie beispielsweise bei Boxern, Fußballern oder Handballern auftreten können, erhöhen das Parkinson-Risiko.
- Oxidativer Stress: Ein Ungleichgewicht zwischen Oxidantien und Antioxidantien im Körper kann zu Zellschäden führen, insbesondere in den Dopamin-produzierenden Neuronen.
- Gestörte Darmflora: Eine veränderte Zusammensetzung der Darmbakterien und eine durchlässigere Darmschleimhaut könnten Entzündungen fördern und die Entstehung von Parkinson begünstigen.
Aszensionshypothese
Eine interessante Hypothese zur Entstehung von Parkinson ist die sogenannte Aszensionshypothese. Diese besagt, dass die Erkrankung zumindest teilweise im Verdauungstrakt beginnt und sich über Nervenbahnen ins Gehirn ausbreitet.
Diese Hypothese wird durch die Beobachtung gestützt, dass bei Parkinson-Patienten häufig Ablagerungen von Alpha-Synuclein im Nervensystem des Magens und Darms gefunden werden. Diese Ablagerungen könnten durch den Einfluss von Umweltgiften oder Bakterien entstehen und über den Vagusnerv ins Gehirn „klettern“.
Eine Studie schwedischer Forscher hat gezeigt, dass eine Vagotomie, bei der der Vagusnerv ganz oder teilweise getrennt wird, das Parkinson-Risiko senken kann.
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Weitere mögliche Ursachen
Weitere mögliche Ursachen oder Risikofaktoren für die Parkinson-Krankheit sind:
- Autoimmunreaktionen: Das Immunsystem greift fälschlicherweise das Protein Alpha-Synuclein an.
- Medikamente: Bestimmte Medikamente, insbesondere Neuroleptika (Psychopharmaka), können Parkinson-ähnliche Symptome auslösen (medikamenteninduziertes Parkinson-Syndrom).
- Andere Erkrankungen: Durchblutungsstörungen oder Verletzungen des Gehirns können ebenfalls Parkinson-Symptome verursachen (sekundäres Parkinson-Syndrom).
Symptome der Parkinson-Krankheit
Die Symptome der Parkinson-Krankheit entwickeln sich in der Regel schleichend und können von Patient zu Patient unterschiedlich sein. Zu den typischen motorischen Symptomen gehören:
- Tremor (Zittern): Meist ein Ruhetremor, der vor allem in den Händen auftritt.
- Rigor (Muskelsteifigkeit): Erhöhter Muskeltonus, der zu einer Steifigkeit der Gliedmaßen und des Rumpfes führt.
- Bradykinese (Bewegungsverlangsamung): Verlangsamung von willkürlichen Bewegungen, die sich beispielsweise in einer starren Mimik, einem verkleinerten Schriftbild oder Schwierigkeiten bei der Feinmotorik äußern kann.
- Posturale Instabilität (Gleichgewichtsstörungen): Schwierigkeiten, das Gleichgewicht zu halten, was zu Stürzen führen kann.
Neben den motorischen Symptomen können auch eine Reihe von nicht-motorischen Symptomen auftreten, darunter:
- Riechstörungen: Verminderte oder fehlende Fähigkeit, Gerüche wahrzunehmen.
- Schlafstörungen: Ein- und Durchschlafprobleme, unruhige Beine (Restless-Legs-Syndrom).
- Verstopfung: Verdauungsprobleme aufgrund von Muskelsteifigkeit im Darm.
- Blasenstörungen: Häufiger Harndrang.
- Kognitive Einschränkungen: Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme.
- Depressionen und Angststörungen: Psychische Begleiterkrankungen, die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können.
Diagnose der Parkinson-Krankheit
Die Diagnose der Parkinson-Krankheit wird in der Regel von einem Neurologen gestellt. Dieser führt eine gründliche körperliche Untersuchung durch und achtet dabei auf die typischen Parkinson-Symptome.
Zusätzliche Untersuchungen können durchgeführt werden, um andere Erkrankungen auszuschließen und die Diagnose zu sichern. Dazu gehören beispielsweise:
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- Riechtest: Überprüfung der Fähigkeit, Gerüche zu erkennen.
- Ultraschalluntersuchung der Substantia nigra: Darstellung der Hirnregion, die bei Parkinson betroffen ist.
- MRT (Magnetresonanztomographie): Bildgebung des Gehirns, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen.
- L-Dopa-Test: Überprüfung, ob sich die Symptome durch die Einnahme von L-Dopa, einem Medikament zur Behandlung von Parkinson, verbessern.
Behandlung der Parkinson-Krankheit
Die Parkinson-Krankheit ist derzeit nicht heilbar. Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Therapie ist ein wichtiger Bestandteil der Parkinson-Behandlung. Ziel ist es, den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen oder die Wirkung von Dopamin zu verstärken. Folgende Medikamente werden häufig eingesetzt:
- Levodopa (L-Dopa): Wird im Gehirn zu Dopamin umgewandelt und gleicht so den Dopaminmangel aus.
- Dopaminagonisten: Ahmen die Wirkung von Dopamin im Gehirn nach.
- MAO-B-Hemmer: Verhindern den Abbau von Dopamin im Gehirn und erhöhen so die Dopaminkonzentration.
- COMT-Inhibitoren: Verlängern die Wirkung von Levodopa.
- Anticholinergika: Können Tremor und Muskelsteifigkeit reduzieren.
- NMDA-Antagonisten: Können Dyskinesien (unwillkürliche Bewegungen) reduzieren, die als Nebenwirkung von Levodopa auftreten können.
Die medikamentöse Therapie muss individuell an den Patienten angepasst werden, da die Wirkung der Medikamente und das Auftreten von Nebenwirkungen von verschiedenen Faktoren abhängen, wie z. B. dem Alter, dem Stadium der Erkrankung und anderen bestehenden Erkrankungen.
Tiefe Hirnstimulation (THS)
Die tiefe Hirnstimulation ist ein neurochirurgisches Verfahren, bei dem Elektroden in bestimmte Bereiche des Gehirns implantiert werden. Diese Elektroden geben elektrische Impulse ab, die die Aktivität der Hirnregionen beeinflussen und so die Parkinson-Symptome lindern können.
Die THS kommt vor allem für Patienten infrage, bei denen die medikamentöse Therapie nicht mehr ausreichend wirkt oder zu starken Nebenwirkungen führt.
Weitere Therapien
Neben der medikamentösen Therapie und der THS können auch andere Therapien eingesetzt werden, um die Symptome der Parkinson-Krankheit zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Dazu gehören:
- Physiotherapie: Übungen zur Verbesserung der Beweglichkeit, Kraft und Koordination.
- Ergotherapie: Training von Alltagsaktivitäten, um die Selbstständigkeit zu erhalten.
- Logopädie: Behandlung von Sprach- und Schluckstörungen.
- Psychotherapie: Unterstützung bei der Bewältigung der psychischen Belastungen durch die Erkrankung.
- Ernährungstherapie: Anpassung der Ernährung, um Verstopfung und andere Verdauungsprobleme zu lindern.
Was Patienten selbst tun können
Neben den ärztlichen und therapeutischen Maßnahmen können Patienten auch selbst aktiv dazu beitragen, den Verlauf der Parkinson-Krankheit positiv zu beeinflussen:
- Regelmäßige Bewegung: Sportliche Aktivität und körperliches Training können die Beweglichkeit verbessern und den Krankheitsverlauf verlangsamen.
- Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Ballaststoffen kann Verstopfung und anderen Verdauungsproblemen entgegenwirken.
- Stressreduktion: Entspannungstechniken wie Meditation, Yoga oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen und die Dopaminproduktion positiv zu beeinflussen.
- Soziale Kontakte: Regelmäßige Treffen mit Freunden und Familie können die Stimmung verbessern und der Entwicklung einer Depression entgegenwirken.
- Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen kann helfen, mit der Erkrankung umzugehen und neue Strategien zur Bewältigung der Symptome zu entwickeln.
Medikamenteninduziertes Parkinson-Syndrom
Es ist wichtig zu beachten, dass Parkinson-ähnliche Symptome auch durch bestimmte Medikamente ausgelöst werden können. Dieses sogenannte medikamenteninduzierte Parkinson-Syndrom wird häufig durch Neuroleptika (Antipsychotika) verursacht, die zur Behandlung von Psychosen eingesetzt werden. Aber auch andere Medikamente, wie z.B. Mittel gegen Übelkeit (Metoclopramid) oder Schwindel, können in seltenen Fällen Parkinson-Symptome auslösen.
Da die Dopamin-Rezeptoren im Gehirn durch diese Medikamente nicht zerstört, sondern nur blockiert werden, klingt die Parkinson-Symptomatik nach dem Absetzen der Medikamente in der Regel vollständig ab. Dies kann jedoch bis zu sechs Monate dauern.
Atypisches Parkinson-Syndrom
Neben der idiopathischen Parkinson-Krankheit und dem medikamenteninduzierten Parkinson-Syndrom gibt es auch das sogenannte atypische Parkinson-Syndrom. Dabei handelt es sich um verschiedene neurodegenerative Erkrankungen, bei denen ebenfalls Hirnzellen absterben, die Dopamin produzieren. Allerdings sind beim atypischen Parkinson-Syndrom nicht nur Neuronen in der Substantia nigra betroffen, sondern auch in anderen Hirnregionen.
Forschung und Ausblick
Die Parkinson-Forschung hat in den vergangenen Jahrzehnten große Fortschritte gemacht. Es wurden neue Medikamente und Therapien entwickelt, die die Symptome der Erkrankung lindern und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern können.
In Deutschland und international werden intensiv neue Therapieansätze erforscht, die an der Ursache der Erkrankung ansetzen. Dazu gehören beispielsweise:
- Gentherapie: Ziel ist es, defekte Gene zu reparieren oder zu ersetzen, die an der Entstehung von Parkinson beteiligt sind.
- Neuroimmunologie: Erforschung der Rolle des Immunsystems bei der Parkinson-Krankheit und Entwicklung von Immuntherapien.
- Stammzelltherapie: Transplantation von Stammzellen ins Gehirn, um die abgestorbenen Dopamin-produzierenden Neuronen zu ersetzen.
Die Parkinson-Forschung ist ein dynamisches Feld, das kontinuierlich neue Erkenntnisse liefert. Es besteht die Hoffnung, dass in Zukunft neue Therapien entwickelt werden, die die Parkinson-Krankheit heilen oder zumindest ihren Verlauf deutlich verlangsamen können.