Einführung
Die Welt der Kunst, die Herausforderungen von Parkinson und die reiche Kultur Schottlands scheinen auf den ersten Blick wenig gemeinsam zu haben. Doch bei näherer Betrachtung lassen sich faszinierende Verbindungen entdecken, die von der kreativen Auseinandersetzung mit der Krankheit bis hin zu schottischen Persönlichkeiten reichen, die von Parkinson betroffen sind oder sich auf andere Weise mit dem Thema auseinandersetzen. Dieser Artikel beleuchtet diese vielfältigen Verknüpfungen und zeigt, wie Kunst und Kultur dazu beitragen können, das Verständnis für Parkinson zu fördern und Betroffenen eine Stimme zu geben.
Künstlerische Darstellungen und Parkinson
Die Vulkanmetapher
Epilepsie-Betroffene, die ihre Anfälle beschreiben oder künstlerisch umsetzen wollen, nutzen oft das Bild eines Vulkans oder einer Explosion. Tom Schneider nahm mit einer Fotocollage, die dieses Feuerwerk in seinem Kopf bildlich darstellen sollte, an einem Wettbewerb des Sächsischen Epilepsiezentrums Radeberg teil. Das Foto zeigt den Betroffenen selbst nach einer Hirnentzündung, die zu epileptischen Anfällen führte. Auf der Tafel hinter ihm sind Begriffe notiert, die seine Situation kennzeichnen: "Außer Kontrolle", "epileptisch, gefangen, verwirrt, Regentag", aber auch "guter Tag, übermütig". Die zusätzlichen Zeichnungen zeigen u.a. Explosionen, radioaktive Strahlen, Regenwolken, ein Käfig, Musiknoten und Herzen.
Cook und seine Künstler
Auf seinen Expeditionen in die Südsee wurde James Cook von Künstlern begleitet, die die unbekannte Welt für das Publikum zu Hause festhalten sollten. In den Jahren 1768 bis 1779/80 unternahm James Cook drei Expeditionsreisen in den Pazifik und erschloss damit diesen Teil der Erde im wissbegierigen Zeitalter der Aufklärung für Europa. Auf Cooks Schiffen waren stets Wissenschaftler und Maler mit an Bord. Letztere trugen mit einer beeindruckenden Fülle bildlicher Darstellungen zum publizistischen Erfolg der Reisen bei. Auf der ersten Reise wurde Cook von dem wissenschaftlichen Zeichner Sydney Parkinson und dem Landschaftsmaler Alexander Buchan begleitet. Buchan verstarb schon früh auf der Reise; Parkinson musste daraufhin auch das Zeichnen von Szenen, Landschaften und Porträts - etwa die berühmten Darstellungen tätowierter Maori aus Neuseeland - übernehmen. Auf der Reise über Tahiti, Neuseeland und die Ostküste Australiens fertigte er darüber hinaus eine Fülle von Zeichnungen von Pflanzen und Tieren für die Naturwissenschaftler Daniel Carl Solander, einen Schüler des Systematikers Carl von Linné, und Joseph Banks an; Letzterer war Mitglied der Royal Society in London und hatte die Expedition Cooks mitfinanziert. Parkinson starb auf der Rückreise nach England im Alter von 26 Jahren; bis dahin hatte er 280 naturwissenschaftliche Aquarelle sowie 900 Zeichnungen angefertigt, die Banks in England kolorieren ließ. Für die zweite Forschungsreise wurden erneut zwei junge Maler verpflichtet: Georg Forster, der wissenschaftliche Zeichnungen für seinen Vater, den Natur‧gelehrten Reinhold Forster, anfer‧tigte (siehe DAMALS 12-2006), und William Hodges, der Landschaftsdarstellungen und Porträts ausführte. Hodges war stark der klassischen Bildtradition verpflichtet. Mit vielen seiner Werke trug er dazu bei, das Bild eines polynesischen „Gartens Eden“ zu befördern, das der französische Weltumsegler Louis Antoine de Bougainville kurz zuvor aufgebracht hatte: In Erinnerung an Kythera, die Insel der antiken Liebesgöttin Aphrodite, hatte Bougainville Tahiti als nouvelle Cythère bezeichnet und auf diese Weise mit Jean-Jacques Rousseaus Vorstellung vom „Edlen Wilden“ in Verbindung gebracht. Auch viele Arbeiten von Hodges zeigen die Südsee als idyllische und idealisierte Welt, doch suchte der Künstler diesen Eindruck selbst zu korrigieren, indem er eine monumentale Darstellung auslaufender Kriegskanus schuf. Nach der Rückkehr nach England 1775 bereitete der Maler das zeichnerische Werk für den Expeditionsbericht vor. Für seine dritte Reise engagierte Cook den jungen Maler John Webber. Dieser verstand sich jedoch nicht nur als künstlerischer Begleiter, sondern fast als Reisejournalisten für ein zunehmend interessiertes Publikum. Wie andere Begleiter Cooks sammelte er darüber hinaus Ethnographika. Diese „Kunstsachen aus der Südsee“ waren als Kuriositäten in Europa äußerst begehrt. Heute sind in Museen und Privatsammlungen weltweit etwa 2 000 Artefakte bekannt, die auf den Reisen Cooks gesammelt worden sind. Dazu gehören auch ein Trauergewand aus Tahiti, eine mit Ahnendarstellungen verzierte Keule aus Tonga, eine Flöte aus Neuseeland und ein Federmantel aus Hawaii. Diese Objekte, die John Webber auf der dritten Expedition Cooks sammelte, befinden sich zusammen mit weiteren 100 Gegenständen von dieser Expe‧dition seit 220 Jahren in Bern. Dass die Sammlung durch John Webber in die Schweiz gelangt ist, mag zunächst erstaunen. Hinter dem englischen Namen des Malers verbirgt sich jedoch eine Schweizer Abstammung. John Webbers Vater, Abraham Wäber, war als Bildhauer von Bern nach London ausgewandert, wo er sich fortan Webber nannte.
Elisabeth Schilling und die Schuhtänze
Elisabeth Schilling ist eine Tänzerin und Choreografin, die international tätig ist. Ihre Projekte sind oft interdisziplinär und verbinden Tanz mit anderen Kunstformen wie Design oder Bildender Kunst. Die Idee der Schuhtänze entstand während der Corona-Pandemie aufgrund der notwendigen Isolation. Schilling lud Menschen ein, ihre Lieblingsschuhe anzuziehen, mit ihnen zu tanzen und diesen Tanz zu filmen. Als die Sperren in fast ganz Europa verordnet wurden, verloren viele ihrer Freunde ihre Arbeit. An einem Freitagmorgen postete sie einen von ihr kreierten Schuhtanz in ihrer Instastory und ermutigte die Zuschauer, im Gegenzug auch ein paar Schuhtänze zu kreieren und sie an sie zurückzuschicken. Die Resonanz wuchs und wuchs. Schuhtänze sind nicht ausdrücklich ein künstlerisches Projekt, sondern eher ein Projekt der Solidarität und hoffentlich der Freude. Das Projekt entwickelte sich durch die Menschen, die daran teilnahmen: die Schuhtänze erreichten Schilling aus unterschiedlichsten Ländern der ganzen Welt. Das Projekt entsteht und entwickelt sich durch alle Beiträge, die sie erhalten hat, und nicht durch sie als Künstlerin im Sinne von Choreografin. Die Resonanz war absolut faszinierend. Sie hat viele sehr unterschiedliche Schuhtänze aus der ganzen Welt erhalten, sowohl von Frauen als auch von Männern, von Menschen jeden Alters, von mobilen oder weniger beweglichen Menschen, von Künstlern und Laien. Schuhtänze erreichten sie aus Australien, von einem Balkon in Italien, einem Strand auf den Malediven oder sogar aus New York. Es nahmen professionelle Tänzerinnen und Tänzer teil, etablierte Choreografen, renommierte Professionelle aus der Kunstszene, sowie Kleinkinder, Kinder, Menschen aus allen Berufen. Alle Beiträge bleiben anonym. Nur sie weiß, wer wirklich teilgenommen hat, aber sie hält das geheim.
Naturfotografie und Naturschutz
Der Wettbewerb „Europäischer Naturfotograf des Jahres“ ist einer der renommiertesten Wettbewerbe für moderne Naturfotografie. Die Jury, die hohen Standards bei der Vorauswahl und der Anspruch, keine digitalen Manipulationen zuzulassen, haben viel zum Renommee dieses Wettbewerbs beigetragen. Neben der Tierfotografie gibt es weitere Naturthemen und Sujets: von Pflanzen und Pilzen über Landschafts- und Unterwasserfotografie bis zur Kategorie Atelier Natur, die einen künstlerischen Schwerpunkt legt. In jedem Bereich wählt die international besetzte Jury die zehn besten Bilder preisgekrönter Fotografen aus dem In- und Ausland aus den 18.000 Bewerbungen aus und nominiert davon eines zum Siegerbild. Mit ästhetisch ansprechenden Motiven möchte die GDT ein besseres Verständnis für die Natur wecken und so für die Belange des Naturschutzes eintreten. David Pattyn, Preisträger der Naturfotografen des Jahres der GDT 2021, arbeitet eng mit der Naturschutzorganisation Brabants Landschap zusammen und hat die Erlaubnis, mit seinem schwimmenden Tarnzelt in einem von dieser Organisation betreuten Schutzgebiet zu arbeiten.
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Schottische Persönlichkeiten und Parkinson
Billy Connolly
William 'Billy' Connolly wurde am 24. November 1942 als Nachfahre irischer Einwanderer im schottischen Glasgow geboren. Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung zum Schweißer und arbeitete auf den Glasgower Werften. Schließlich gab er seinen Beruf auf, um sich seinem Hobby, der Folk-Musik, zu widmen. Mit einem Freund gründete er eine Band und spielte verschiedene Musik-Instrumente auf der Bühne. Nach Auflösung der Band trat er weiterhin als Solo-Künstler und Komödiant auf. Dies verhalf ihm zu Auftritten in der TV-Show "Parkinson". 1975 landete er mit der Single "D.I.V.O.R.C.E." sogar einen Nummer-Eins-Hit in England. Daneben brachte er als Stand-Up-Comedian mit seinem schottischen Akzent und seiner unkonventionellen und meist provokanten Themenwahl das Publikum zum Lachen. Seine Popularität ermöglichte ihm ab Mitte der 70er Jahre eine weitere Karriere als Schauspieler. Zunächst in komödiantischen Rollen wie in der Sitcom "Head oft the Class" oder der eher unbekannten Komödie "Wasser - Der Film". Zunehmend wurde er auch als Charakter-Darsteller engagiert. Seine wohl prestige-trächtigste Rolle hatte er als schottischer Diener John Brown in dem Drama "Ihre Majestät: Mrs. Brown" (1997), in dem er eine Beziehung mit Königin Victoria hat, die von Judi Dench gespielt wird. Connolly erhielt für seine Darbietung Nominierungen für den BAFTA- und den Screen Actors Guild Award. Weitere nennenswerte Auftritte hatte er in Edward Zwicks "Last Samurai" (2003) mit Tom Cruise und als Pater Joe in dem Mystery-Thriller "Akte X - Jenseits der Wahrheit" (2008) an der Seite von David Duchovny und Gillian Anderson. Demnächst wird er als Zwergenanführer Dain Eisenfuß in Peter Jackson Roman-Verfilmung "Der kleine Hobbit" zu sehen sein. 2001 zeichnete die Universität Glasgow Billiy Connolly mit der Ehrendoktorwürde aus. Für sein Lebenswerk erhielt er 2003 einen BAFTA und trägt seitdem den Titel CBE (Commander of the British Empire).
PingPongParkinson: Bewegung und Gemeinschaft
Die Initiative
PingPongParkinson (PPP) ist eine Initiative, die Menschen mit Parkinson durch Tischtennisspielen unterstützt. Zahlreiche Stützpunkte in Deutschland und weltweit bieten regelmäßiges Training und Turniere an. Die Bewegung und die soziale Interaktion wirken sich positiv auf die Symptome und die Lebensqualität der Betroffenen aus.
Aktivitäten und Erfolge
PPP Deutschland e.V. ist in verschiedenen Netzwerken vertreten und arbeitet mit Kliniken und Therapeuten zusammen. Es gibt regelmäßige Stützpunktleitertreffen, Turniere und STADA-Cups. PPP nimmt an Sportveranstaltungen teil und veranstaltet eigene Events wie die Juist Open. Die Initiative hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten und wird von Sponsoren unterstützt.
Forschung und Vernetzung
PPP engagiert sich auch in der Forschung zur Parkinson-Krankheit. Verschiedene Studien zeigen, dass das GDNF-Protein das dopaminergische System stabilisiert und Parkinson-Symptome lindert. PPP fördert den Wissensaustausch und die Vernetzung von Betroffenen, Angehörigen und Experten.
Ausstellungen und Veranstaltungen
Vielfalt der Themen
In verschiedenen Ausstellungen und Veranstaltungen werden unterschiedliche Themenbereiche präsentiert, von Naturfotografie über japanische Teekeramik bis hin zu digitalen 3D-Objekten. Die Ausstellungen bieten den Besuchern die Möglichkeit, sich mit Kunst, Kultur und Natur auseinanderzusetzen und neue Perspektiven zu gewinnen.
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Kulturzentrum Sinsteden
Das Kulturzentrum Sinsteden im Rhein-Kreis Neuss ist ein wichtiger Ort für Ausstellungen und Veranstaltungen. Hier werden regelmäßig Ausstellungen zu unterschiedlichen Themen präsentiert, von Naturfotografie über japanische Teekeramik bis hin zu digitalen 3D-Objekten. Das Kulturzentrum arbeitet mit verschiedenen Partnern zusammen, um ein vielfältiges Programm anzubieten.
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