Die Parkinson-Krankheit, auch bekannt als Paralysis agitans oder Schüttellähmung, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem durch den Verlust dopaminerger Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Dieser Verlust führt zu den typischen Symptomen wie Bewegungsarmut (Hypokinese), Muskelsteifheit (Rigor) und Zittern (Tremor). Neben diesen Kardinalsymptomen können auch Begleiterscheinungen wie Blasen- und Verdauungsstörungen, Sprachstörungen, Depressionen und Schlafstörungen auftreten.
Die medikamentöse Therapie der Parkinson-Krankheit zielt darauf ab, den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen und die Symptome zu lindern. Während die orale Dopamin-Substitutionstherapie mit L-Dopa-Präparaten lange Zeit als "Goldstandard" galt, rücken intravenöse Therapieansätze zunehmend in den Fokus, insbesondere bei fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung oder bei Komplikationen der oralen Therapie.
Historischer Hintergrund und Namensgebung
Die Parkinson-Krankheit wurde nach James Parkinson (1755-1824) benannt, der sie 1817 in seinem Essay "An essay on the shaking palsy" beschrieb. Die umfassende Beschreibung und die ersten Therapieversuche mit Belladonnaextrakten gehen auf Jean-Martin Charcot zurück. Erste Beschreibungen der Symptome finden sich jedoch bereits im 3. Jahrhundert v. Chr. bei Eristratos und im 2. Jahrhundert n. Chr. bei Galen von Pergamon.
Symptome und Diagnose
Die Parkinson-Krankheit manifestiert sich meist zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr, wobei etwa 30 % der Patienten vor dem 50. Lebensjahr erkranken. Die Diagnose stützt sich auf die klinische Untersuchung und die Erhebung der Krankengeschichte. Zu den wichtigsten diagnostischen Kriterien gehören:
- Kardinalsymptome:
- Hypokinese (Bewegungsarmut)
- Rigor (Muskelsteifheit)
- Tremor (Zittern, meist Ruhetremor)
- Weitere Symptome:
- Nackenrigor
- Hyposmie (verminderter Geruchssinn)
- Dysarthrophonie (Sprachstörung)
- Dysphagie (Schluckstörung, Speichelfluss)
- Vertikale Blickparese
- Hypomimie (verminderte Mimik)
- Salbengesicht (glänzende, fettige Haut im Gesicht)
- Dropped-head Syndrom (INEM, Isolated Neck Extensor Myopathy)
- Haltungsinstabilität
Zur Diagnose werden verschiedene Tests und Untersuchungen eingesetzt, darunter:
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- Rigor-Tests: Schulterschütteltest, passive Bewegungen der Handgelenke, Ellenbogen und Beine, Froment-Manöver
- Hypokinese-Tests: Aufstehen aus dem Liegen/Stuhl, Gangbildanalyse, Drehen, Feinmotoriktests (Mikrographie, Spiralen zeichnen, Diadochokinese)
- Haltungsinstabilität-Tests: Stellreflexe, Stoßversuche
- L-Dopa-Test: Gabe von Levodopa zur Überprüfung des Ansprechens
- Apomorphin-Test: Injektion von Apomorphin zur Überprüfung des Ansprechens
- MRT-Kopf: Zum Ausschluss anderer Ursachen
- DAT-SCAN: Darstellung Dopamin freisetzender Neurone
- MIBG-Szintigraphie des Herzens: Zum Nachweis eines Noradrenergen Defizits
Intravenöse Therapieoptionen
Neben der oralen Medikation stehen verschiedene intravenöse Therapieoptionen zur Verfügung, die insbesondere bei fortgeschrittener Parkinson-Krankheit oder bei Komplikationen der oralen Therapie eingesetzt werden können.
1. Duodopa®-Pumpentherapie (Levodopa/Carbidopa-Infusion)
Die Duodopa®-Pumpentherapie ist eine etablierte Methode zur Behandlung des Komplikationsstadiums des idiopathischen Parkinson-Syndroms. Dabei wird eine Sonde (PEJ-Sonde) in den Dünndarm (Duodenum oder Jejunum) eingelegt, über die kontinuierlich ein Gel mit Levodopa und Carbidopa infundiert wird.
Wirkweise und Vorteile
Ziel der Duodopa®-Pumpentherapie ist es, stabile Levodopa-Spiegel im Plasma zu erreichen und somit eine kontinuierliche Stimulation der Dopamin-Rezeptoren im Gehirn zu gewährleisten. Dies führt zu einer Reduktion der motorischen Fluktuationen ("On-Off"-Phänomene) und Dyskinesien. Studien haben gezeigt, dass die Duodopa®-Pumpentherapie die "Off"-Zeiten deutlich reduzieren und die "On"-Zeiten verlängern kann. Zudem wurden positive Effekte auf nicht-motorische Symptome wie gastrointestinale und urologische Probleme, Schlafstörungen und Erschöpfungszustände beobachtet.
Durchführung und Risiken
Die Anlage der PEJ-Sonde erfolgt im Rahmen einer perkutanen endoskopischen Gastrostomie/Gastrojejunostomie (PEG/PEJ). Die Pumpe und das Sondensystem müssen vom Patienten oder einem Pflegedienst bedient werden. Zu den möglichen Komplikationen gehören peri- und postoperative Komplikationen im Zusammenhang mit dem Eingriff, technische Probleme mit der Pumpe oder Sonde, Polyneuropathien (insbesondere bei hohen Levodopa-Dosen) und Mangel an Vitamin B6 und B12.
Indikation und Kontraindikation
Die Duodopa®-Pumpentherapie eignet sich insbesondere für Patienten im Komplikationsstadium, die trotz eines generell guten Ansprechens auf Levodopa nicht mehr von einer oralen Therapie profitieren oder bei denen Dyskinesien und "On-Off"-Fluktuationen die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Kontraindikationen sind unter anderem ausgeprägte Demenz und Erkrankungen, die Operationen im Bereich des oberen Gastrointestinaltrakts verbieten.
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2. Apomorphin-Pumpentherapie
Apomorphin ist ein stark wirksamer Dopaminagonist, der subkutan verabreicht wird. Bei der Apomorphin-Pumpentherapie wird eine kleine Pumpe verwendet, um Apomorphin kontinuierlich unter die Haut zu infundieren.
Wirkweise und Vorteile
Apomorphin stimuliert direkt die Dopamin-Rezeptoren im Gehirn und kann somit die Symptome der Parkinson-Krankheit schnell und effektiv lindern. Die kontinuierliche Infusion ermöglicht eine gleichmäßige Wirkstoffversorgung und reduziert somit motorische Fluktuationen.
Durchführung und Risiken
Die Apomorphin-Pumpentherapie erfordert eine sorgfältige Einstellung der Dosis und eine Schulung des Patienten im Umgang mit der Pumpe. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, Halluzinationen, Dyskinesien und Reaktionen an der Injektionsstelle.
Indikation und Kontraindikation
Die Apomorphin-Pumpentherapie kann bei Patienten mit fortgeschrittener Parkinson-Krankheit eingesetzt werden, die unter motorischen Fluktuationen leiden und auf orale Medikamente nicht mehr ausreichend ansprechen. Kontraindikationen sind unter anderem Psychosen, Demenz und schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
3. PK-Merz Infusion (Amantadin)
Amantadin ist ein weiteres Medikament, das intravenös verabreicht werden kann, insbesondere bei akuter Verschlechterung der Parkinsonsymptomatik im Sinne einer akinetischen Krise.
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Wirkweise und Vorteile
Amantadin wirkt als indirekter Agonist am striatalen Dopaminrezeptor, verstärkt die Dopaminausschüttung und blockiert gleichzeitig die Rückaufnahme des Neurotransmitters in die präsynaptischen Neuronen. Darüber hinaus inhibiert Amantadin die durch NMDA-Rezeptoren vermittelte Acetylcholinfreisetzung, was zu anticholinergen Effekten führt. Es kann auch bei Vigilanzminderung bei postkomatösen Zuständen eingesetzt werden.
Durchführung und Risiken
Die Infusion von Amantadin sollte langsam erfolgen. Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion ist eine Dosisanpassung erforderlich. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören Herzrhythmusstörungen, Verwirrtheitszustände, Halluzinationen und Krampfanfälle.
Indikation und Kontraindikation
Amantadin wird bei Parkinson zur Linderung von Symptomen wie Rigor, Tremor und Hypokinese eingesetzt. Es findet auch Anwendung bei Vigilanzminderungen verschiedener Genese sowie als Prophylaxe und Behandlung von Influenza-A-Infektionen. Kontraindikationen sind unter anderem schwere Herzinsuffizienz, bestimmte Herzerkrankungen, Überleitungsstörungen des Herzens und schwere Niereninsuffizienz.
4. Produodopa® (Foslevodopa/Foscarbidopa)
Produodopa® ist eine neue Therapieoption für Parkinson-Patienten als subkutane 24-Stunden-Infusion ohne operativen Eingriff.
Wirkweise und Vorteile
Die enthaltene Prodrug-Kombination von Foslevodopa und Foscarbidopa zeigt eine bessere Löslichkeit als ihre Metabolite Levodopa und Carbidopa. Deshalb kann eine subkutane Applikation des Arzneimittels ohne operativen Eingriff für den Patienten ermöglicht werden. Durch die kontinuierliche 24 Stunden Infusion können motorische Fluktuationen und Hyper- oder Dyskinesien reduziert werden, da die Plasmakonzentration von Levodopa auf einem gleichmäßigen Niveau gehalten wird. Foslevodopa/Foscarbidopa werden im Körper zu Levodopa/Carbidopa umgewandelt. Levodopa lindert die Parkinson-Symptomatik, nachdem es im Gehirn zu Dopamin decarboxyliert wurde. Carbidopa, ein Decarboxylasehemmer, verhindert, dass Levodopa in der Peripherie zu Dopamin gespalten wird, somit steht eine größere Menge Levodopa für den Transport in das Gehirn zu Verfügung.
Durchführung und Risiken
Die Verabreichung des Arzneimittels erfolgt subkutan über eine 24-stündige Dauerinfusion. Die Patienten müssen fähig sein, das Applikationssystem selbst oder mit Hilfe einer betreuenden Person zu bedienen und sind vor der Anwendung sorgfältig zur Handhabung des Pumpensystems zu schulen. Die subkutane Applikation von Produodopa® sollte vorzugsweise in den Bauchraum erfolgen, wobei ein Abstand von 5 cm zum Bauchnabel einzuhalten ist. Um Infektionen zu vermeiden, ist bei der Handhabung der Pumpe auf eine aseptische Technik zu achten. Die Kanüle kann bei kontinuierlicher Infusion bis zu 3 Tagen an derselben Stelle verbleiben, danach sollte sie gewechselt werden. Bei Anzeichen einer Infektion oder Reaktion der Haut sollte die Infusionsstelle sofort gewechselt bzw. nicht verwendet werden. Die häufigsten Nebenwirkungen bei der Anwendung von Produodopa® sind Ereignisse an der Infusionsstelle (z. B. Rötung und Schmerzen der Haut), Halluzinationen, Stürze, Angstzustände und Schwindel.
Indikation und Kontraindikation
Produodopa® ist dabei Patienten vorbehalten, die an einer fortgeschrittenen, auf Levodopa-reaktiven Parkinson-Krankheit mit schweren motorischen Fluktuationen und Hyperkinesie oder Dyskinesie erkrankt sind, wenn verfügbare Kombinationen von Antiparkinsonmitteln nicht die gewünschten Ergebnisse erzielt haben. Es kann als Monotherapie oder, falls erforderlich, in Kombination mit anderen Antiparkinsonmitteln eingesetzt werden. Produodopa® darf u. a. nicht angewendet werden bei Winkelblockglaukom, schwerer Herzinsuffizienz, akutem Schlaganfall, schweren Herzrhythmusstörungen und nicht zusammen mit nicht-selektiven MAO (Monoaminoxidase)- oder selektiven MAO-A-Hemmern.
Weitere Aspekte der medikamentösen Therapie
Neben den genannten intravenösen Therapieoptionen spielen auch andere Medikamente eine wichtige Rolle bei der Behandlung der Parkinson-Krankheit. Dazu gehören:
- Dopaminagonisten: Stimulieren direkt die Dopamin-Rezeptoren im Gehirn (z.B. Pramipexol, Ropinirol, Rotigotin).
- MAO-B-Hemmer: Verlangsamen den Abbau von Dopamin im Gehirn (z.B. Selegilin, Rasagilin, Safinamid).
- COMT-Hemmer: Verhindern den Abbau von Levodopa im Körper und erhöhen somit die Verfügbarkeit von Dopamin im Gehirn (z.B. Entacapon, Tolcapon).
- Anticholinergika: Können Tremor lindern, haben aber aufgrund ihres Nebenwirkungsprofils nur noch eine geringe Bedeutung (z.B. Biperiden, Bornaprin).
Wichtige Hinweise zur Medikamenteneinnahme
Um eine optimale Wirkung der Parkinson-Medikamente zu erzielen, ist es wichtig, einige Hinweise zur Einnahme zu beachten:
- Compliance: Eine regelmäßige und zeitgenaue Einnahme der Medikamente ist entscheidend.
- Wechselwirkungen: Es ist wichtig, den Arzt über alle eingenommenen Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel zu informieren, um mögliche Wechselwirkungen zu vermeiden.
- Nahrungsmittel: Die Einnahme von L-Dopa-Präparaten sollte mindestens 30 Minuten vor einer Mahlzeit erfolgen, um die Aufnahme im Dünndarm nicht zu beeinträchtigen. Eiweißreiche Mahlzeiten können die Wirkung von L-Dopa reduzieren.
- Mundtrockenheit: Bei Mundtrockenheit sollten die Medikamente mit ausreichend Flüssigkeit (mindestens 200 ml) eingenommen werden.
- Schluckstörungen: Bei Schluckstörungen können spezielle Techniken (z.B. Chin-tuck-Manöver) oder Dickungsmittel helfen. In schweren Fällen kann eine Magensonde erforderlich sein.
- Nierenfunktion: Bei eingeschränkter Nierenfunktion ist eine Dosisanpassung einiger Medikamente erforderlich.
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