Die Parkinson-Krankheit ist eine der häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen, die durch den Verlust von Hirnzellen und eine Störung der Motorik gekennzeichnet ist. Neben den motorischen Symptomen können im Verlauf der Krankheit auch nicht-motorische Symptome auftreten, darunter psychische Beeinträchtigungen wie Depressionen, Angststörungen und in seltenen Fällen auch Manie. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze von Manie im Zusammenhang mit der Parkinson-Behandlung, insbesondere durch Medikamente ausgelöste Manie.
Was ist Manie?
Die Manie, auch manische Episode genannt, zeichnet sich durch eine gehobene oder gereizte Stimmung aus, die der Situation unangemessen ist und über mindestens eine Woche anhält. Dies beeinträchtigt die Lebensführung der betroffenen Personen erheblich. Eine mildere Form der Manie ist die Hypomanie, bei der die leicht gehobene Stimmung mindestens vier Tage lang anhält, ohne die Berufstätigkeit oder soziale Beziehungen zu beeinträchtigen.
Symptome der Manie
Zu den Symptomen einer Manie, die mindestens eine Woche andauern müssen, gehören:
- Erhöhte Erregung, die sich zu aggressiver Erregung steigern kann.
- Antriebssteigerung (Zunahme an Energie, Initiative und Interesse).
- Rededrang (gesteigerte Gesprächigkeit).
- Ideenflucht (Einfälle, die nicht zielgerichtet sind und/oder ständig wechseln/vergessen werden).
- Herabgesetzte Hemmung bzgl. sozialer Kontakte, dadurch unangemessenes Verhalten gegenüber Mitmenschen.
- Überhöhte Selbsteinschätzung.
- Vermindertes Schlafbedürfnis.
- Ablenkbarkeit und Konzentrationsschwierigkeiten.
- Risikantes Verhalten ohne Einsicht (z. B. Geldverschwendung, verkehrsgefährdendes Verhalten, Rücksichtslosigkeit).
- Erhöhter Sexualtrieb, sexuelle Taktlosigkeit.
- Das Gefühl, eine besonders geschärfte Wahrnehmung zu haben (z. B. Farben sehen, besonders gut hören).
In schwereren Fällen kann eine Manie mit psychotischen Symptomen auftreten, wie z. B.:
- Wahn, meist Größenwahn: Die Betroffenen sind der festen Überzeugung, dass sie ihren Mitmenschen in verschiedenen Bereichen (z. B. Intelligenz, Schönheit) überlegen sind.
- Halluzinationen (meist Hören von Stimmen, die unmittelbar zur betroffenen Person sprechen).
- Erregung und ausgeprägte körperliche Aktivität.
- Ideenflucht (keinen Gedanken zielführend zum Ende bringen, dabei immer wieder von dazwischenkommenden Einfällen abgelenkt werden).
Symptome der Hypomanie
Bei einer hypomanischen Episode sind die Symptome weniger stark ausgeprägt und dauern kürzer an (mindestens 4 Tage). Zu den Symptomen gehören:
Lesen Sie auch: Parkinson-Medikamente: Was Sie beachten müssen
- Leicht gehobene Stimmung.
- Antrieb und Aktivität gesteigert.
- Auffallendes Gefühl von Wohlbefinden, körperlicher und seelischer Leistungsfähigkeit.
- Gesteigerte Geselligkeit.
- Erhöhte Gesprächigkeit.
- Übermäßige Vertraulichkeit.
- Erhöhtes Bedürfnis nach Sexualität.
- Vermindertes Schlafbedürfnis.
Die Symptome führen nicht zu einem Abbruch der Berufstätigkeit oder Ablehnung durch Mitmenschen. Anstelle der häufigen euphorischen Geselligkeit können auch Reizbarkeit, eingebildetes Auftreten und flegelhaftes Verhalten dominieren. Es kann zu einer Minderung von Konzentration und Aufmerksamkeit sowie zu einer mangelnden Fähigkeit kommen, sich der Arbeit zu widmen, sich zu entspannen und zu erholen. Interesse an unangemessenen Unternehmungen und Aktivitäten oder Geldausgaben kann ebenfalls auftreten.
Ursachen von Manie im Zusammenhang mit Parkinson
Die Ursachen für die Entstehung einer Manie bzw. Hypomanie sind nicht vollständig geklärt. Es wird ein Wechselspiel aus genetischen Faktoren und bestimmten Lebensumständen (z. B. Stress, Verlust von Angehörigen oder der Arbeit) diskutiert. Zudem können verschiedene Erkrankungen bzw. Medikamente/Drogen zu ähnlichen Krankheitssymptomen führen.
Medikamente als Auslöser
Hochstimmung und manieähnliche Zustände können auch durch verschiedene Medikamente ausgelöst werden, darunter:
- Kortison
- Schilddrüsenhormone und andere Hormone
- Medikamente zur Behandlung von Parkinson oder Epilepsie
- Hustenstiller
- Medikamente gegen Bluthochdruck
- Antidepressiva
Insbesondere Medikamente, die in den Dopaminstoffwechsel eingreifen, wie Levodopa und Dopaminagonisten, können in seltenen Fällen zu manischen Symptomen führen.
Diagnose von Manie
Eine ausgeprägte Hochstimmung und Manie sollten von Ärztinnen untersucht werden, um zu vermeiden, dass Sie sich selbst gefährden und/oder in unangenehme Situationen bringen. Hinweise für eine Hochstimmung oder Manie können von Ärztinnen durch ein ausführliches Gespräch mit den betroffenen Personen erfasst werden. Um ein möglichst genaues Bild der Erkrankung zu erhalten, beziehen sich weitere Fragen z. B. auf:
Lesen Sie auch: Die Stadien der Parkinson-Krankheit erklärt
- Die aktuelle Grundstimmung
- Die Orientierung in Bezug auf Zeit, Ort und Person
- Energie, Initiative und Interessen
- Art und Geschwindigkeit der Gedanken
- Das Vorhandensein von Halluzinationen
- Das Schlafbedürfnis und ggf. Schlafstörungen
- Die aktuellen Lebensumstände und der Lebensstil
- Soziale und/oder berufliche Probleme
- Konsum von Drogen
- Einnahme von Medikamenten
- Die bisherige Entwicklung der Erkrankung
- Familiäre Belastungen mit affektiven Erkrankungen (Depression, Manie, beides im Wechsel)
- Weitere psychische und/oder körperliche Erkrankungen
- Körperliche Beschwerden
- Das Vorhandensein von Suizidgedanken bzw. -absichten
Das Gespräch sollte mit dem Befragen von Angehörigen und speziellen Fragebögen ergänzt werden, da in einer akuten Phase der Erkrankung die Kommunikation mit der erkrankten Person und die Einsicht, krank zu sein, erschwert sein können.
Körperliche Untersuchung
Zum Ausschluss von körperlichen Ursachen können zusätzlich zur körperlichen-neurologischen Untersuchung ein EKG sowie Blut- und Urinuntersuchungen (z. B. Blutbild, Blutzucker, Leber- und Nierenwerte, Schilddrüsenhormone, Drogen) durchgeführt werden. Weitere Untersuchungen bei Spezialistinnen können ebenfalls sinnvoll sein. Bei Verdacht auf Manie werden Sie in der Regel an Spezialistinnen für Psychiatrie und Psychotherapie überwiesen.
Zum Ausschluss einer Erkrankung des Gehirns kann eine Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) des Kopfes durchgeführt werden. Zusätzlich können die Hirnströme in einem Elektroenzephalogramm (EEG) gemessen werden.
Behandlung von Manie
Die Behandlung der Hypomanie bzw. Manie richtet sich nach dem Schweregrad und der Beeinträchtigung betroffener Personen oder des Umfeldes. Folgende Maßnahmen haben sich bei Behandlungsbedarf als sinnvoll erwiesen:
- Möglichst reizarme Umgebung
- Ggf. schlaffördernde Maßnahmen (siehe auch Schlaflosigkeit).
Medikamentöse Behandlung
Falls eine sog. bipolare Störung vorliegt, ist es wichtig, die Medikamente dauerhaft einzunehmen, um einer akuten Manie oder Depression vorzubeugen. Falls Sie zum ersten Mal an einer Manie leiden oder bei Ihnen eine akute Phase einer Manie vorliegt, können folgende Medikamente zum Einsatz kommen:
Lesen Sie auch: Überblick zur Dopamin-Erhöhung bei Parkinson
- Lithium
- Medikamente zur Behandlung einer Epilepsie, sog. Antikonvulsiva (z. B. Carbamazepin oder Valproat)
- Medikamente zur Behandlung von Schizophrenie und Psychosen, sog. Antipsychotika oder Neuroleptika (z. B. Olanzapin, Quetiapin)
- Benzodiazepine sind zwar wirksam, aber wegen des Abhängigkeitsrisikos sollen sie nur sehr kurz eingesetzt werden.
Bei Parkinson-Patienten, bei denen die Manie durch Parkinson-Medikamente ausgelöst wurde, kann eine Anpassung der Parkinson-Medikation erforderlich sein. Dies sollte jedoch nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen, um eine Verschlechterung der motorischen Symptome zu vermeiden.
Psychotherapie
Kann bei leichten Manien und Hypomanien eingesetzt werden, z. B. kognitive Verhaltenstherapie, Psychoedukation und familienfokussierte Therapie. In schweren manischen Phasen ist eine Psychotherapie im engeren Sinn kaum durchführbar. Das Bewahren und Stabilisieren der therapeutischen Beziehung ist dann oft die wichtigste psychotherapeutische Maßnahme.
Elektrokrampftherapie
Falls eine schwere Form der Manie vorliegt, die o. g. Maßnahmen keine Besserung bringen oder akuter Handlungsbedarf besteht, kann eine Elektrokrampftherapie (EKT) durchgeführt werden. Wenn diese bei Ihnen eingesetzt werden soll, erfolgt zunächst eine sorgfältige Aufklärung über den zu erwartenden Nutzen sowie das Risiko von Komplikationen und Nebenwirkungen. Bei der Elektrokrampftherapie selbst wird das Gehirn in Kurznarkose durch Elektroden am Kopf einer Reihe von schnellen Stromimpulsen ausgesetzt. Dies sorgt für die Auslösung eines epilepsieähnlichen Zustandes und kann anschließend die Symptome einer Manie verbessern. Oft sind mehrere EKT-Sitzungen nötig, um dauerhaft eine Verbesserung zu erreichen.
Selbsthilfestrategien
- Schützen Sie sich selbst vor unbedachten Handlungen und lassen Sie sich dabei ggf. von Familienmitgliedern und Freund*innen unterstützen.
- Treffen Sie keine finanziellen oder sonstigen wichtigen Entscheidungen, solange die Episode andauert.
- Es ist sehr wichtig, ausreichend und regelmäßig zu schlafen. Bedenken Sie dabei, dass Schlaflosigkeit ein Risikofaktor für das Bleiben einer hypomanischen oder manischen Episode ist.
- Nehmen Sie Ihre ärztlich verordneten Medikamente regelmäßig ein, auch nach Verschwinden der akuten Symptome. Stellen Sie sich darauf ein, dass diese Medikamente eine gewisse Tagesmüdigkeit verursachen können.
- Übermäßiger Alkohol- oder Drogenkonsum muss eingestellt werden, ggf. im Rahmen einer Entzugsbehandlung.
tags: #parkinson #medikamente #gegen #manie