Parkinson-Medikamente: Behandlung von Müdigkeit und anderen Begleiterscheinungen

Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die durch den Verlust von Dopamin produzierenden Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Obwohl es derzeit keine Heilung gibt, ermöglichen es wirksame Behandlungsmethoden, die Symptome über Jahre oder sogar Jahrzehnte gut zu kontrollieren und die Lebensqualität der Betroffenen deutlich zu verbessern.

Dopamin-Ersatztherapie

Die medikamentöse Behandlung von Morbus Parkinson zielt hauptsächlich darauf ab, das Ungleichgewicht der Neurotransmitter im Gehirn wiederherzustellen, insbesondere den Dopaminmangel. Eine gängige Methode ist die Dopamin-Ersatztherapie mit Medikamenten wie Levodopa (L-Dopa). Im Gehirn wird L-Dopa in Dopamin umgewandelt und gleicht so den Mangel aus.

Levodopa (L-Dopa)

L-Dopa ist eine Aminosäure, die in der Regel in Tablettenform eingenommen wird. Nach der Einnahme gelangt es durch den Magen in den Zwölffingerdarm, wo es in die Blutbahn aufgenommen und ins Gehirn transportiert wird. Auf diesem Weg muss L-Dopa zwei "Hindernisse" überwinden: die Darm-Blut-Schranke und die Blut-Hirn-Schranke. Um eine optimale Aufnahme zu gewährleisten, sollten L-Dopa-Präparate idealerweise 30 Minuten vor oder 90 Minuten nach eiweißreichen Mahlzeiten eingenommen werden, da Aminosäuren (Eiweißstoffe) aus der Nahrung die Aufnahme von L-Dopa vermindern können.

Decarboxylasehemmer

Die auf dem Markt erhältlichen L-Dopa-Präparate enthalten neben L-Dopa auch einen Decarboxylasehemmer. Dieser blockiert außerhalb des Gehirns bestimmte körpereigene Enzyme, sogenannte Decarboxylasen, die L-Dopa zu Dopamin umwandeln würden, bevor es das Gehirn erreicht. Auf diese Weise verhindern Decarboxylasehemmer, dass L-Dopa bereits im Darm oder in der Blutbahn zu Dopamin umgewandelt wird, was die Wirkung des Medikaments deutlich verringern oder zu unerwünschten Nebenwirkungen führen würde.

Wirkungsfluktuationen

Mit zunehmender Erkrankungsdauer kann die Wirkung von Tabletten oder Kapseln jedoch immer später einsetzen und nicht mehr so lange anhalten. Dadurch kann es zu Wirkschwankungen (Fluktuationen) kommen. Zu anderen Zeiten kann es dagegen zu unwillkürlichen Überbewegungen (Dyskinesien) kommen. In solchen Fällen ist es wichtig, mit dem behandelnden Arzt zu sprechen, um gemeinsam eine Lösung zu finden.

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Nicht-orale Folgetherapien

Wenn sich Parkinson-Symptome mit oral eingenommenen Medikamenten nicht mehr zufriedenstellend ausgleichen lassen, können nicht-orale Folgetherapien in Betracht gezogen werden. Dazu gehören:

  • Apomorphin-Dauerinfusion: Der Wirkstoff Apomorphin ahmt die Wirkung des körpereigenen Dopamins nach (Dopamin-Agonist). Über eine Dauerinfusion in das Fettgewebe unter der Haut (subkutan) lässt sich der Wirkstoff kontinuierlich zuführen.
  • Levodopa-Dauerinfusion in den Dünndarm: Hierbei wird eine Sonde durch die Bauchdecke gelegt, über die der Wirkstoff Levodopa kontinuierlich in den Dünndarm abgegeben wird.
  • Tiefe Hirnstimulation: Bei diesem operativen Eingriff werden Elektroden millimetergenau in bestimmte Hirnbereiche eingesetzt, die für die Bewegungssteuerung zuständig sind. Die Elektroden sind mit einem Gerät verbunden, das im Bereich des Schlüsselbeins implantiert wird.

Behandlung von nicht-motorischen Symptomen

Neben den motorischen Symptomen können bei Parkinson auch zahlreiche nicht-motorische Beschwerden auftreten, die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können. Dazu gehören Müdigkeit, Antriebsmangel, Gedächtnisprobleme, Schlafstörungen und Verstopfung. Es ist wichtig, diese Symptome mit dem Arzt zu besprechen, um geeignete Behandlungsstrategien zu entwickeln.

Müdigkeit und Antriebsmangel

Müdigkeit und Antriebsmangel sind häufige Begleiterscheinungen von Parkinson. Hier können verschiedene Maßnahmen helfen, wie z.B.:

  • Anpassung der Medikation: In manchen Fällen kann eine Anpassung der Parkinson-Medikamente die Müdigkeit reduzieren.
  • Körperliche Aktivität: Regelmäßige Bewegung kann die Energie steigern und die Müdigkeit verringern.
  • Schlafhygiene: Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus und eine angenehme Schlafumgebung.
  • Psychologische Unterstützung: Bei starker psychischer Belastung kann eine psychologische Beratung hilfreich sein.

Schlafstörungen

Schlafstörungen sind bei Parkinson-Patienten sehr häufig. Es gibt verschiedene Arten von Schlafstörungen, wie z.B.:

  • Ein- und Durchschlafstörungen: Hier können einfache Hausmittel wie warme Fußbäder oder Entspannungstechniken helfen. Auch eine vorübergehende Einnahme milder Schlafmittel ist möglich.
  • Restless-Legs-Syndrom: Missempfindungen in den Beinen, die sich erst beim Bewegen bessern, können auf das Restless-Legs-Syndrom hinweisen. Hier kann die abendliche Einnahme zusätzlicher Parkinson-Medikamente helfen.
  • Nächtliche Unbeweglichkeit: Durch das Absinken des Medikamentenspiegels kann es zu starker Unbeweglichkeit kommen, die das Drehen im Bett erschwert. Hier kann die Einnahme eines lang wirksamen Parkinson-Medikaments vor dem Einschlafen Linderung verschaffen.
  • Lebhafte Träume und nächtliche Unruhezustände: Diese können durch eine zu starke Medikamentenwirkung verursacht werden. In diesem Fall ist eine Veränderung der Medikamenteneinstellung notwendig.

Depressionen

Depressionen sind ein weiteres häufiges Problem bei Parkinson. Sie können als direkte Folge der Erkrankung auftreten oder als Reaktion auf die Diagnose und die damit verbundenen Einschränkungen. Eine Depression sollte unbedingt von einem Arzt diagnostiziert und behandelt werden.

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Verstopfung

Verstopfung ist eine häufige Begleiterscheinung von Parkinson. Hier können ballaststoffreiche Ernährung, ausreichend Flüssigkeit und regelmäßige Bewegung helfen. Bei Bedarf können auch Medikamente zur Stuhlregulierung eingesetzt werden.

Medikamentenwechselwirkungen

Bei der Einnahme von Parkinson-Medikamenten ist es wichtig, mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder Nahrungsmitteln zu beachten. So kann beispielsweise die gleichzeitige Einnahme von L-Dopa und Eisenpräparaten die Wirkung von L-Dopa beeinträchtigen. Auch bestimmte Nahrungsmittel wie Milchprodukte können die Aufnahme von L-Dopa hemmen. Es ist daher ratsam, den Arzt über alle eingenommenen Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel zu informieren.

Verhaltensauffälligkeiten und Persönlichkeitsveränderungen

Im Verlauf der Parkinson-Erkrankung können Verhaltensauffälligkeiten und Persönlichkeitsveränderungen auftreten. Dazu gehören:

  • Mangelnde Impulskontrolle: Dies kann sich in Form von Spielsucht, exzessivem Essen oder Hypersexualität äußern.
  • Punding: Hierbei kommt es zu komplexen, sich wiederholenden Tätigkeiten, die nicht zielgerichtet sind.
  • Dopaminerges Dysregulationssyndrom: Dieses ist durch eine stetige Zunahme der Dopamin-Dosis gekennzeichnet, die über das zur Kontrolle der motorischen Symptome erforderliche Maß hinausgeht.

Es ist wichtig, diese Verhaltensänderungen frühzeitig zu erkennen und mit dem Arzt zu besprechen. In manchen Fällen kann eine Anpassung der Medikation oder eine zusätzliche psychologische Behandlung helfen.

Umgang mit der Diagnose und den Folgen der Erkrankung

Die Diagnose Parkinson kann zunächst ein Schock sein. Es ist jedoch wichtig, sich ausführlich über die Erkrankung zu informieren und eine gute ärztliche Begleitung zu suchen. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann sehr wertvoll sein.

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Viele Menschen mit Parkinson führen trotz der Erkrankung ein aktives und selbstständiges Leben. Es ist wichtig, sich realistische Ziele zu setzen und die eigenen Grenzen zu akzeptieren. Auch Sport und Bewegung können sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken.

Mit dem Fortschreiten der Erkrankung können bestimmte Aktivitäten schwerer fallen oder irgendwann gar nicht mehr möglich sein. Es ist wichtig, sich frühzeitig mit den möglichen Folgen der Erkrankung auseinanderzusetzen und gegebenenfalls eine Patientenverfügung oder eine Vorsorgevollmacht zu erstellen.

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