Parkinson, eine fortschreitende neurologische Erkrankung, betrifft in Deutschland fast eine halbe Million Menschen. Die klassichen Anzeichen sind steife Muskeln, unkontrolliertes Zittern und verlangsamte Bewegungen. Obwohl Parkinson derzeit noch als unheilbar gilt, gibt es große Fortschritte in der Forschung. Die Suche nach neuen Medikamenten und Therapieansätzen, die den Krankheitsverlauf verlangsamen oder die Symptome lindern können, steht im Mittelpunkt vieler aktueller Studien. Dieser Artikel beleuchtet einige der vielversprechendsten Entwicklungen und Forschungsergebnisse im Bereich der Parkinson-Behandlung.
Parkinson: Eine weit verbreitete neurodegenerative Erkrankung
Morbus Parkinson ist nach der Alzheimer-Krankheit die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung des Nervensystems. Allein in Deutschland sind etwa 500.000 Menschen davon betroffen. Parkinson ist eine besonders hinterhältige Krankheit, da sie sich schleichend entwickelt. Tatsächlich können jedoch einige Jahre und sogar Jahrzehnte vergehen, bis erste Beschwerden auftreten und erkannt werden. Frühe Anzeichen werden oft nicht mit Parkinson in Verbindung gebracht. Zusätzliche Symptome können das "Einfrieren" von Bewegungen (Freezing), Schwierigkeiten beim Sprechen und Schlucken, Störungen der vegetativen Funktionen sein.
Fortschritte in der Parkinson-Forschung: Ein positives Signal
Experten sehen nach jahrzehntelanger Forschung einen positiven Trend: „Zwar ist es immer noch eine ernste Erkrankung, aber sie führt in vielen Fällen nicht zu einer Einschränkung der Lebenserwartung", sagt der Direktor der Neurologischen Klinik des LMU Klinikums München. Ein Grund: das erheblich verbesserte Wissen zu Parkinson-Diagnostik und Behandlung.
Diabetes-Medikamente als Hoffnungsträger?
Die Wirksamkeit von Diabetes-Medikamenten bei Parkinson wird bereits seit einiger Zeit untersucht. Ein Medikament, das eigentlich bei Diabetes eingesetzt werden soll, macht jetzt Hoffnung. In letzter Zeit haben GLP-1-Rezeptoragonisten für Aufsehen gesorgt, da sie unter anderem in der "Abnehmspritze" (Wirkstoff Semaglutid) eingesetzt werden.
Studienergebnisse zu Lixisenatid
Eine Studie untersuchte die Wirkung des Wirkstoffs Lixisenatid, der zur Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen ist und ein GLP-1-Rezeptoragonist ist, bei Parkinson-Patienten. Die Studie wurde an 156 Personen mit leichten bis mittelschweren Parkinson-Symptomen durchgeführt. Alle Teilnehmenden nahmen bereits das Standard-Parkinson-Medikament Levodopa oder andere Arzneimittel ein. Nach zwölf Monaten zeigten die Teilnehmenden in der Placebo-Kontrollgruppe wie erwartet eine Verschlechterung ihrer Symptome. Auf einer Skala zur Bewertung des Schweregrads der Parkinson-Krankheit, die die Fähigkeit der Betroffenen, Aufgaben wie Sprechen, Essen und Gehen auszuführen, misst, stieg ihr Wert um drei Punkte. Bei den Personen, die das Medikament einnahmen, traten Nebenwirkungen wie Übelkeit bei fast der Hälfte und Erbrechen bei 13 Prozent auf. Laut Claßen, einem Experten auf dem Gebiet, ist das Ergebnis der Studie aufgrund ihres Studiendesigns interessant. Es ist jedoch zu beachten, dass eine Veränderung von drei Punkten in der Bewertung als gering angesehen wird. Die DPG-Experten sind sich noch nicht sicher, wie der positive Effekt des Diabetes-Medikaments bei Parkinson erklärt werden kann. Wenn sich Parkinson mit dieser Art von Medikamenten verlangsamen ließe, wäre das ein großer Erfolg, schließt Claßen.
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Künstliche Intelligenz (KI) in der Medikamentenentwicklung
Der deutsche Merck-Konzern will mit einer milliardenschweren Partnerschaft ein neues Medikament gegen Parkinson entwickeln und setzt dabei auf Künstliche Intelligenz (KI). Dazu hat das Dax-Unternehmen eine Vereinbarung mit dem US-Unternehmen Valo Health geschlossen. Sie umfasst eine Vorauszahlung und mögliche Meilensteinzahlungen von Merck von mehr als drei Milliarden Dollar, wie die Amerikaner mitteilten. Dazu kommen Lizenzgebühren und Forschungsgelder. Valo Health verweist auf seine KI-gestützte Forschungsplattform und einen Datenpool von mehr als 17 Millionen anonymisierten Patientenakten. Dadurch lasse sich die Arzneientwicklung optimieren, „sodass wir die vielversprechendsten Kandidaten schneller vorantreiben können“, wird Amy Kao, weltweite Leiterin von Mercks Forschungsabteilung für Neurologie und Immunologie, zitiert.
Virulenzblocker gegen Krankenhauskeime: Ein neuer Therapieansatz
Infiziert der Krankenhauskeim Pseudomonas aeruginosa den Menschen, nutzt er das zuckerbindende Protein LecA, um sich an menschliche Zellen anzuheften, diese zu befallen und sogenannte Biofilme zu bilden. Forschende des Helmholtz-Instituts für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) haben nun herausgefunden, dass der zugelassene Parkinson-Wirkstoff Tolcapon dazu in der Lage ist, die Aktivität von LecA gezielt zu hemmen. Pseudomonas aeruginosa verfügt über ausgefeilte Mechanismen, um den menschlichen Körper effizient zu befallen und einer Bekämpfung durch das Immunsystem oder Antibiotika zu entgehen. Mithilfe des Proteins LecA kann er an komplexe Zuckerstrukturen auf menschlichen Zellen andocken und diese anschließend infizieren. Gleichzeitig spielt das Zucker-bindende Lektin eine zentrale Rolle bei der Bildung von Gel-artigen Biofilmen, in denen der Erreger für Immunzellen und Antibiotika nur schwer zugänglich und dadurch resistent ist. Gelingt es, etwa durch einen pharmazeutischen Wirkstoff, die Aktivität von LecA einzuschränken, verliert der Erreger seine krankmachenden Eigenschaften und kann leichter durch vorhandene Antibiotika abgetötet werden. Einen neuen Ansatzpunkt für die Entwicklung solcher Virulenzblocker hat nun ein Team um HIPS-Gruppenleiter Alexander Titz im bereits zugelassenen Parkinson-Wirkstoff Tolcapon identifiziert.
Die Rolle von Tolcapon und Catechol-Verbindungen
Ausgangspunkt der Arbeit war die Beobachtung, dass bestimmte Catechol-Verbindungen schwach an LecA binden können. Insbesondere Tolcapon, ein bereits seit Jahren zur Behandlung von Morbus Parkinson zugelassener COMT-Hemmer, war dazu in der Lage, die Aktivität von LecA zu blockieren. Durch Analysen der Kristallstruktur von LecA zusammen mit Tolcapon konnte das Team in Zusammenarbeit zeigen, dass der Parkinson-Wirkstoff an derselben Stelle des Proteins bindet wie natürliche Zuckerstrukturen. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen prüfte das Team über 3200 Substanzen aus einer Wirkstoffbibliothek des Pharmaunternehmens Roche auf ihre Fähigkeit, LecA zu binden. Dabei identifizierten die Forschenden mehrere Derivate, die LecA deutlich stärker hemmen als Tolcapon. Einige davon sind sogar ähnlich effektiv wie klassische Zuckerliganden, die bislang der Goldstandard in der LecA-Forschung sind. In zukünftigen Studien sollen die vielversprechendsten Kandidaten für eine Verwendung als Virulenzblocker gegen Infektionen mit P. aeruginosa optimiert werden. Da die im durchgeführten Screening identifizierten Moleküle bislang nicht für eine solche Anwendung in Betracht gezogen wurden, sehen die Forschenden großes Potenzial für weitere Verbesserungen.
Kontinuierliche L-Dopa-Therapie: Verbesserung der Symptome
Real-World-Daten aus Deutschland zeigen nach 6 Monaten unter kontinuierlicher subkutaner Therapie mit Foslevodopa/Foscarbidopa deutliche Verbesserungen motorischer und nichtmotorischer Symptome bei Menschen mit Morbus Parkinson. Das berichtete die deutsche Forschungsgruppe der laufenden ROSSINI-Studie auf dem 98. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Berlin.
Die Bedeutung der Früherkennung und optimierten Behandlung
Tatsächlich können jedoch einige Jahre und sogar Jahrzehnte vergehen, bis erste Beschwerden auftreten und erkannt werden. Umso wichtiger ist es, die Krankheit frühzeitig zu erkennen und die Behandlung zu optimieren.
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Klassische Behandlungsmethoden bei Parkinson
Die primäre Behandlung von Parkinson besteht in erster Linie aus der Verabreichung von Medikamenten. Durch die Zugabe von Dopamin, zum Beispiel in Form von L-Dopa, oder durch die Hemmung des Dopaminabbaus mit Hilfe von MAO-B-Hemmern oder COMT-Hemmern, können die Symptome von Parkinson gelindert werden. In einigen Fällen kann auch ein hirnchirurgischer Eingriff namens Tiefe Hirnstimulation (THS) sinnvoll sein.
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