Parkinson-schützende Faktoren: Aktuelle Forschung und Erkenntnisse

Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die Millionen von Menschen weltweit betrifft. Obwohl es keine Heilung gibt, können verschiedene Faktoren das Risiko, an Parkinson zu erkranken, beeinflussen. Dieser Artikel beleuchtet die neuesten Forschungsergebnisse zu genetischen und externen Risikofaktoren sowie schützenden Faktoren im Zusammenhang mit Parkinson.

Einführung

Morbus Parkinson, benannt nach dem englischen Arzt Dr. James Parkinson, der die Krankheit 1817 erstmals beschrieb, ist eine der häufigsten Erkrankungen des Nervensystems. Weltweit sind 6,1 Millionen Menschen betroffen, davon etwa 400.000 in Deutschland. Die Erkrankung ist durch den Verlust von Dopamin produzierenden Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet, was zu den charakteristischen motorischen Symptomen wie Zittern, Muskelsteifheit und Bewegungsverlangsamung führt.

Genetische Risikofaktoren

Tübinger Neurowissenschaftler haben in Zusammenarbeit mit internationalen Kollegen sechs bisher unbekannte genetische Risikofaktoren für die Parkinson-Erkrankung identifiziert. Die weltweit größte Meta-Analyse, veröffentlicht in „Nature Genetics“, untersuchte sieben Millionen genetische Variationen auf dem gesamten menschlichen Chromosomensatz. Die Forscher analysierten DNA-Proben von 19.061 Parkinson-Patienten und 100.833 gesunden Personen europäischer Abstammung, um festzustellen, ob bestimmte natürlich vorkommende Varianten bei Parkinson-Patienten häufiger vorkommen.

Die Ergebnisse zeigen, dass das Risiko, an Parkinson zu erkranken, bei Vorhandensein mehrerer ungünstiger Genvarianten bis auf das Dreifache ansteigen kann. Insgesamt identifizierten die Tübinger Forscher um Professor Thomas Gasser vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) der Universität Tübingen und dem Tübinger Standort des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) 28 Risikofaktoren in 24 verschiedenen Genen, darunter die sechs neuen Risikogene.

Eine der neu entdeckten Varianten beeinflusst vermutlich die Produktion wichtiger Botenstoffe im Gehirn, wie beispielsweise Dopamin. Bei Parkinson führt das Absterben der Dopamin produzierenden Nervenzellen in der Substantia nigra im Mittelhirn zu den typischen Bewegungsstörungen.

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Individuelles Risikoprofil

Die Neurowissenschaftler erstellten ein individuelles Risikoprofil für jeden Probanden. „Obwohl die Wirkung jedes einzelnen Gens gering war, zeigte unsere Risikoprofil-Analyse, dass ein wesentliches kumulatives Risiko besteht“, so Claudia Schulte vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) der Universität Tübingen und dem Tübinger Standort des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE). Personen mit der höchsten Anzahl an Risikofaktoren haben ein bis zu dreifach höheres Erkrankungsrisiko. Ein einzelnes Risikogen reicht jedoch nicht aus, um die Erkrankung definitiv vorherzusagen.

Die Tübinger Forscher untersuchen derzeit, ob die spezifische Zusammensetzung der entdeckten genetischen Risikofaktoren bei Parkinson-Patienten auch Auswirkungen auf den spezifischen Krankheitsverlauf hat.

Bekannte Risiko-Gene

Heute sind mehrere Gene bekannt, die das Risiko einer Parkinson-Erkrankung erhöhen. Zu diesen Risiko-Genen gehören beispielsweise GBA, LRRK2, PRKN (auch Parkin genannt) oder SNCA. Mutationen in diesen Genen erhöhen das Risiko, im Laufe des Lebens an Parkinson zu erkranken.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass solche Gen-Veränderungen zwar zu Parkinson führen können, es aber nicht zwangsläufig müssen. Zudem lässt sich die Krankheit nach heutigem Stand der Wissenschaft auch nicht verhindern, wenn man sie früher erkennt.

Externe Risikofaktoren

Neben genetischen Faktoren spielen auch Umwelt- und Lebensstilfaktoren eine Rolle bei der Entstehung von Parkinson.

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Pestizide und Lösungsmittel

Pestizide, Lösungsmittel und polychlorierte Biphenyle (PCB) scheinen einen Einfluss auf das Parkinson-Risiko zu haben. Auch häufige Kopftraumata können das Risiko erhöhen. Warum das so ist, ist noch nicht vollständig erforscht.

Pflanzenschutzmittel

Pflanzenschutzmittel wie Herbizide und Pestizide begünstigen die Parkinson-Erkrankung.

Schützende Faktoren

Es gibt auch Faktoren, die das Risiko, an Parkinson zu erkranken, senken können.

Sportliche Betätigung

Regelmäßige sportliche Betätigung kann das Erkrankungsrisiko senken. Bewegung und Sport wirken sich positiv auf den Krankheitsverlauf aus und können ihn verlangsamen.

Ernährung

Eine mediterrane Ernährung (auch Mittelmeer-Diät genannt) sowie eine ballaststoffreiche, gesunde Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Getreide können das Parkinsonrisiko reduzieren.

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Nikotin

Es ist schon lange bekannt, dass bei Rauchern das Parkinsonrisiko reduziert ist. Der Mechanismus dieser Assoziation ist nicht bekannt, ebensowenig, ob Nikotin eine zentrale Rolle spielt. Nikotinpatches scheinen jedenfalls bei Parkinsonpatienten die Krankheitsaktivität nicht zu beeinflussen.

Die Rolle von Alpha-Synuclein

Alpha-Synuclein spielt eine Schlüsselrolle bei der Krankheitsentstehung. Bei Parkinson-Patienten greifen die Abwehrzellen (T-Zellen) das Protein an, da das Immunsystem es fälschlicherweise als schädlichen Eindringling identifiziert.

Seed Amplification Assay (SAA)

Mithilfe eines neuen sogenannten seed amplification assay (SAA) ist es erstmals möglich, das Vorhandensein von fehlgefaltetem Alpha-Synuclein individuell bei einem Patienten oder einer Patientin mit einer 95-%-Genauigkeit zu messen. Am besten gelingt dies aktuell im Hirnwasser, doch es werden auch Analysen in Blut, Haut und Schleimhaut versucht.

Interessanterweise zeigen sich dabei im Hirnwasser bei Patient:innen mit genetischen Veränderungen je nach betroffenem Gen ganz unterschiedliche Profile. So wiesen 93 % der Parkinson-Patient:innen mit Mutationen im GBA-Gen ein klares Alpha-Synuclein-Profil auf, während dies in nur 78 % der Patient:innen mit Mutation im LRRK2-Gen zu finden war und Patient:innen mit zwei Mutationen in den Genen Parkin oder PINK1 gar kein fehlgefaltetes Alpha-Synuclein im Nervenwasser aufwiesen [3].Somit eignet sich die (Nervenwasser-)Analyse mit diesem neuen SAA zur Identifizierung von Patient:innen mit besonders viel fehlgefaltetem Alpha-Synuclein.

Frühsymptome und Diagnose

Die ersten Anzeichen einer Parkinson-Erkrankung können oft sehr unspezifisch sein. Typische Frühsymptome sind:

  • Verlust und Störung des Geruchssinns
  • Schlafstörungen, geträumte Bewegungen werden ausgelebt
  • Schulterschmerzen / Gelenkschmerzen
  • Verstopfungen
  • Sehstörungen
  • Verkrampfte und verkleinerte Handschrift
  • Gesichtszüge verlieren an Ausdruck
  • Schwierigkeiten beim Gehen, allgemeine Verlangsamung
  • Verlangsamte Reaktionsfähigkeit
  • Müdigkeit
  • Halluzinationen, Angstzustände, Reizbarkeit, Apathie, Vitalitätsverluste

Die Diagnose wird meist durch einen Facharzt, also einem Neurologen, gestellt. Der Arzt untersucht den Patienten körperlich und achtet dabei besonders auf Parkinson-Symptome. Der Mediziner prüft beispielsweise, ob die Hände zittern, wenn sie ruhen, also nicht belastet werden. Außerdem schaut er, ob die Bewegungsabläufe verlangsamt sind und/oder die Arm-, Bein- und Rumpfmuskulatur versteift ist. Außerdem kann es sein, dass der Arzt einen Riechtest macht, eine Ultraschalluntersuchung einer bestimmten Hirnregion (Substantia nigra) oder ein MRTÖffnet in neuem Tab.

Therapie

Obwohl Parkinson nicht heilbar ist, gibt es verschiedene Therapieansätze, die die Symptome lindern und die Lebensqualität verbessern können.

Medikamentöse Therapie

Das älteste medikamentöse Therapieprinzip ist es, Dopamin zuzuführen - also den Botenstoff, der bei Parkinson-Betroffenen nicht mehr in ausreichender Menge vom Körper produziert wird. Das Mittel Levodopa ist bereits seit den frühen 70er Jahren zur Behandlung der Parkinson-Erkrankung zugelassen. Es verbessert die typischen Parkinson-Symptome wie das Zittern, die verlangsamten Bewegungen und die Steifheit der Muskeln.

Weitere Medikamente sind Dopaminagonisten, Monoaminooxidase-B-Hemmer (MAO-B-Hemmer), Adenosin-Rezeptor-Antagonisten und COMT-Inhibitoren.

Invasive Verfahren

Zu den invasiven therapeutischen Verfahren zählen die Behandlung mit einer Dopamin- oder Apomorphinpumpe oder eine tiefe Hirnstimulation. Bei der Dopaminpumpe wird flüssiges Medikament über eine Sonde durch die Bauchhaut hindurch in den oberen Dünndarm geleitet. Bei der Apomorphinpumpe wird das Medikament über die Bauchhaut in das Unterhautfettgewebe verabreicht. Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist die tiefe Hirnstimulation, also das Einsetzen eines Hirnschrittmachers.

Nicht-medikamentöse Therapien

Unterstützend werden sogenannte nicht medikamentöse Therapien eingesetzt, wie Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie. Einige Dinge können Patientinnen und Patienten auch selbst tun, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.

Körperliche Aktivität und psychisches Wohlbefinden

Regelmäßige körperliche Aktivität kann depressive Symptome vermindern, die kognitive Funktion fördern und die Schlafqualität verbessern. Ein Sozialleben mit vielen Kontakten, Gespräche und gemeinsame Aktivitäten wie z.B. Tanzen, können der Entwicklung einer Demenz entgegenwirken.

Forschung und Zukunftsperspektiven

Die Zukunft der Parkinson-Behandlung liegt in zielgerichteten Therapien, die an der Ursache ansetzen. Dabei wächst der Stellenwert von Genetik und Biomarkern in der Parkinson-Forschung. „Neue Biomarker zur Einordnung der vorherrschenden Pathologie und Stoffwechselwege sind zum Beispiel für klinische Studien im Bereich neuer Wirkstoffe sehr wichtig“, sagt PD Dr. Kathrin Brockmann, Oberärztin und Leiterin der Parkinson-Ambulanz am Universitätsklinikum Tübingen und 3. Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG).

Klinische Studien

Es laufen gerade vielversprechende klinische Studien, die am gestörten α-Synuclein ansetzen. Diese neuen Medikamente müssen sich aber noch bewähren.

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