Die Tierneurologie ist ein spezialisierter Bereich der Veterinärmedizin, der sich mit Erkrankungen des Nervensystems von Tieren befasst. Dies umfasst Erkrankungen des Gehirns, des Rückenmarks, der Nerven und der Muskeln. In Hessen gibt es spezialisierte Tierärzte, sogenannte Fachtierärzte für Neurologie, die sich eingehend mit der Diagnostik und Therapie dieser Erkrankungen beschäftigen.
Was ist Tierneurologie?
Die Tierneurologie konzentriert sich auf die Diagnose und Behandlung von neurologischen Erkrankungen bei Tieren. Zu den häufigsten Erkrankungen gehören:
- Erkrankungen des Gehirns: Epilepsie, Hirn- und Hirnhautentzündungen, Hirntumoren
- Erkrankungen der Wirbelsäule und des Rückenmarks: Bandscheibenvorfälle (auch bekannt als "Dackellähme")
- Erkrankungen der Nerven und Muskeln: Nervenerkrankungen, Muskelkrankheiten, Bewegungsstörungen
Der Fachtierarzt für Neurologie: Ein Spezialist für neurologische Erkrankungen
Ein Fachtierarzt für Neurologie, oft auch als Diplomate ECVN (European College of Veterinary Neurology) bezeichnet, ist ein Tierarzt, der eine umfassende Zusatzausbildung in der Tierneurologie absolviert hat. Diese Ausbildung umfasst in der Regel mindestens drei Jahre Spezialisierung nach dem Studium der Tiermedizin. Um als Fachtierarzt anerkannt zu werden, muss der Tierarzt eine anspruchsvolle, dreitägige Prüfung vor einem internationalen Prüfungsgremium bestehen.
Bedeutung der neurologischen Untersuchung
Eine gründliche neurologische Untersuchung ist entscheidend, um die Ursache von neurologischen Problemen zu identifizieren. Diese Untersuchung umfasst:
- Verhaltensbeurteilung: Beurteilung des Verhaltens, des Bewusstseins und der Orientierung des Tieres.
- Ganganalyse: Untersuchung des Gangbildes des Tieres.
- Funktionsprüfung der Gliedmaßen: Beurteilung der neurologischen Funktionen einzelner Gliedmaßen.
- Funktionsprüfung des Kopfes: Beurteilung der neurologischen Funktionen des Kopfes, einschließlich der Hirnnerven.
Durch die Kombination dieser Beobachtungen kann der Tierarzt die neurologische Störung lokalisieren und weitere diagnostische Schritte planen.
Lesen Sie auch: Neurologie vs. Psychiatrie
Diagnostische Verfahren in der Tierneurologie
Zur Diagnostik neurologischer Erkrankungen stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung:
- Allgemeine Untersuchung: Eine gründliche allgemeine Untersuchung des Tieres ist der erste Schritt.
- Klinisch-neurologische Untersuchung: Diese spezielle Untersuchung konzentriert sich auf das Nervensystem.
- Blut- und Harnuntersuchungen: Diese Untersuchungen können Hinweise auf zugrunde liegende Erkrankungen liefern. Ein Blutbild gibt Auskunft über die Anzahl roter und weißer Blutkörperchen. Die Blutchemie gibt Auskunft über Funktion und mögliche Erkrankung von Organen.
- Untersuchung des Hirnwassers (Liquoruntersuchung): Diese Untersuchung kann Entzündungen oder Infektionen des Gehirns und der Hirnhäute aufdecken.
- Bildgebende Verfahren:
- Röntgen: Eine Standardmethode zur Darstellung von Knochen und Gelenken.
- Computertomographie (CT): Bietet eine detailliertere Darstellung von Knochen, Gelenken und Weichteilen, insbesondere im Bereich der Brusthöhle.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Ermöglicht eine sehr detaillierte Darstellung des Gehirns und des Rückenmarks.
- Elektrodiagnostik: Elektromyographie (EMG) und Nervenleitgeschwindigkeitsmessungen können zur Diagnose von Nerven- und Muskelerkrankungen eingesetzt werden.
Epilepsie beim Tier: Eine häufige neurologische Erkrankung
Epilepsie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen bei Tieren, insbesondere bei Hunden. Sie ist gekennzeichnet durch wiederholte Anfälle, die durch unkontrollierte elektrische Entladungen im Gehirn verursacht werden.
Ursachen von Epilepsie
Die Ursachen von Epilepsie können vielfältig sein:
- Erbliche Epilepsie (idiopathische Epilepsie): Bei mehr als der Hälfte der epileptischen Patienten liegt eine genetische Veranlagung vor. In diesem Fall sind alle Untersuchungsverfahren unauffällig (Ausschlussdiagnostik).
- Reaktive Epilepsie: Ausgelöst durch äußere Faktoren wie Vergiftungen (z.B. durch Insektenvernichtungsmittel oder Schneckenkorn) oder Stoffwechselstörungen.
- Symptomatische Epilepsie: Verursacht durch strukturelle Veränderungen im Gehirn, wie Tumore, Entzündungen oder Verletzungen.
Anfallsformen und Symptome
Die Anfälle können in ihrer Intensität variieren. Gemeinsame Symptome sind:
- Bewusstseinstrübung
- Speichelfluss
- Harn- oder Kotabsatz
- Ruderbewegungen
- Emotionale Ausbrüche (Angst oder Anhänglichkeit)
Serielle Anfälle sind definiert als mehr als ein Anfall innerhalb von 24 Stunden.
Lesen Sie auch: Expertise in Neurologie: Universitätsklinik Heidelberg
Diagnose von Epilepsie
Die Diagnose von Epilepsie basiert auf der Anamnese, der klinischen Untersuchung und dem Ausschluss anderer Ursachen für die Anfälle. Wichtige diagnostische Schritte sind:
- Gründliche Allgemeinuntersuchung
- Klinisch-neurologische Untersuchung
- Blut- und Harnuntersuchungen
- Bildgebende Verfahren (MRT, CT), um strukturelle Veränderungen im Gehirn auszuschließen
- Liquoruntersuchung, um Entzündungen auszuschließen
Behandlung von Epilepsie
Die Behandlung von Epilepsie zielt darauf ab, die Häufigkeit und Schwere der Anfälle zu reduzieren. Die Therapieoptionen umfassen:
- Medikamentöse Behandlung: Es gibt verschiedene Antiepileptika, die zur Dauertherapie eingesetzt werden können. In der Veterinärmedizin sind Imepitoin, Phenobarbital und Kaliumbromid zugelassen. Phenobarbital und Kaliumbromid erfordern regelmäßige Serumkontrollen und können Nebenwirkungen wie Gangunsicherheiten, Müdigkeit, Hunger und Durst verursachen. Bei unzureichender Anfallskontrolle können Antiepileptika auch kombiniert werden. In schwierigen Fällen können weitere Substanzen aus der Humanmedizin eingesetzt werden.
- Behandlung der Grunderkrankung: Bei reaktiver oder strukturell bedingter Epilepsie sollte die Ursache behandelt werden.
- Ernährungsumstellung: Studien deuten darauf hin, dass mittelkettige Triglyzeride, insbesondere Caprinsäure, sich günstig auf die Anfallskontrolle auswirken können.
- Akupunktur: Vereinzelt wird über positive Erfahrungen mit Akupunktur berichtet.
Es ist wichtig zu beachten, dass trotz umfassender Diagnostik und intensiver Betreuung nur etwa ein Drittel der Patienten anfallsfrei gestellt werden kann.
Weitere neurologische Erkrankungen
Neben Epilepsie gibt es viele andere neurologische Erkrankungen, die bei Tieren auftreten können. Dazu gehören:
- Bandscheibenvorfälle: Diese können zu Schmerzen, Lähmungen und anderen neurologischen Symptomen führen.
- Hirntumore: Tumore im Gehirn können verschiedene neurologische Symptome verursachen, abhängig von ihrer Lage und Größe.
- Entzündungen des Gehirns und der Hirnhäute (Meningoenzephalitis): Diese Entzündungen können durch Infektionen oder Autoimmunerkrankungen verursacht werden.
- Nerven- und Muskelerkrankungen: Diese Erkrankungen können zu Muskelschwäche, Lähmungen und anderen neurologischen Symptomen führen.
Die Rolle von Tierkliniken und Überweisungskliniken
Tierkliniken, insbesondere solche mit einem Schwerpunkt auf Neurologie, spielen eine wichtige Rolle bei der Diagnose und Behandlung von neurologischen Erkrankungen bei Tieren. Diese Kliniken verfügen über die notwendige Ausrüstung und das Fachwissen, um komplexe Fälle zu behandeln.
Lesen Sie auch: Aktuelle Informationen zur Neurologie in Salzgitter
Überweisungskliniken sind spezialisierte Kliniken, an die Tierärzte Patienten überweisen, die eine spezielle Behandlung benötigen. Diese Kliniken verfügen oft über ein breiteres Spektrum an diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten als allgemeine Tierarztpraxen.
Die AniCura Kleintierklinik Babenhausen: Ein Beispiel für eine spezialisierte Klinik in Hessen
Die AniCura Kleintierklinik Babenhausen ist eine der führenden Kleintierkliniken im deutschsprachigen Raum und bietet Tiermedizin auf höchstem medizinischem Niveau. Die Klinik verfügt über ein bestens ausgebildetes Team aus Diplomates und erfahrenen Tierärzten verschiedener Fachrichtungen, darunter auch Neurologie.
Die Klinik ist mit modernster Technik ausgestattet, darunter Röntgen, Ultraschall, Endoskopie, Computertomographie und Kernspintomographie. Dies ermöglicht eine umfassende Diagnostik und Behandlung von neurologischen Erkrankungen.
Die AniCura Kleintierklinik Babenhausen ist eine überregionale Überweisungsklinik mit einem hohen Anteil an neurologischen und orthopädischen Patienten. Die Klinik deckt das gesamte Spektrum der Kleintiermedizin ab und bietet eine umfassende Versorgung für Tiere mit neurologischen Problemen.
tags: #fachtierarzt #neurologie #hessen