Hirntumor und langsamer Puls: Ursachen und Zusammenhänge

Ein langsamer Herzschlag, auch Bradykardie genannt, kann vielfältige Ursachen haben. In seltenen Fällen kann er im Zusammenhang mit einem Hirntumor auftreten. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für einen langsamen Puls und den Zusammenhang mit Hirntumoren.

Was ist ein langsamer Puls (Bradykardie)?

Von einem verlangsamten Herzschlag spricht man, wenn die Pulsfrequenz unter 60 Schlägen pro Minute liegt.

Ursachen eines langsamen Pulses

Der normale Herzrhythmus wird vom Sinusknoten gesteuert, dem natürlichen Schrittmacher des Herzens. Dieser gibt in regelmäßigen Abständen elektrische Impulse an den Herzmuskel ab, wodurch sich dieser geordnet zusammenzieht. Ein normaler Herzrhythmus liegt zwischen 60 und 80 Schlägen pro Minute.

Ein langsamer Puls kann verschiedene Ursachen haben:

  • Physiologische Ursachen: Im Schlaf ist ein langsamer Puls normal, da die Körperfunktionen reduziert sind. Auch bei trainierten Sportlern kann ein langsamer Puls auftreten, da ihr Herz kräftiger ist und mit weniger Schlägen ausreichend Blut in den Körper pumpen kann.
  • Erkrankungen des Herzens: Ein langsamer Herzrhythmus kann ein Zeichen für eine Störung im Erregungsleitungssystem des Herzens sein.
  • Schilddrüsenunterfunktion: Bei einer Unterfunktion der Schilddrüse arbeitet der Körper auf Sparflamme, was zu einem langsameren Puls führen kann.
  • Medikamente: Bestimmte Medikamente, insbesondere Herzmedikamente, können den Puls verlangsamen.
  • Störungen des Elektrolythaushaltes: Ein Ungleichgewicht der Blutsalze kann ebenfalls einen langsamen Puls verursachen.
  • Verminderte Durchblutung des Herzmuskels: Eine koronare Herzkrankheit kann zu einer verminderten Durchblutung des Herzmuskels führen, was einen langsamen Puls zur Folge haben kann.
  • Herzmuskelentzündung: Eine Entzündung des Herzmuskels kann ebenfalls den Herzrhythmus beeinträchtigen.
  • Erhöhter Hirndruck: Eine Steigerung des Drucks im Gehirn, beispielsweise als Folge eines Hirntumors, einer schweren Schädelverletzung oder eines Schlaganfalls, kann ebenfalls einen langsamen Puls verursachen.

Hirntumoren: Ein Überblick

Ein Hirntumor ist eine Geschwulst im Schädelinneren, die gutartig oder bösartig sein kann. Hirntumoren können sich direkt im Gehirngewebe oder den Hirnhäuten bilden (primäre Hirntumoren) oder als Metastasen von einem anderen Tumor im Körper entstehen (sekundäre Hirntumoren).

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Arten von Hirntumoren

Es gibt verschiedene Arten von Hirntumoren, die sich in ihrer Zellstruktur, Wachstumsgeschwindigkeit und Bösartigkeit unterscheiden. Einige häufige Arten sind:

  • Meningeome: Meist gutartige Tumoren der Hirnhäute.
  • Gliome: Tumoren, die von den Stützzellen des Gehirns (Gliazellen) ausgehen. Dazu gehören Astrozytome, Oligodendrogliome und Ependymome. Das Glioblastom ist ein besonders bösartiges Gliom.
  • Neurinome: Gutartige Tumoren der Nervenscheiden, meist des Hörnervs (Akustikusneurinom).
  • Hypophysenadenome: Tumoren der Hirnanhangdrüse (Hypophyse).
  • Medulloblastome: Häufige bösartige Hirntumoren im Kindesalter, die im Kleinhirn entstehen.
  • Lymphome: Tumoren, die aus Lymphzellen im Gehirn entstehen können.

Symptome von Hirntumoren

Die Symptome eines Hirntumors sind vielfältig und hängen von der Größe, Lage und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors ab. Einige häufige Symptome sind:

  • Kopfschmerzen: Oftmals morgens stärker und im Liegen zunehmend.
  • Übelkeit und Erbrechen: Besonders morgens.
  • Neurologische Ausfälle: Z.B. Lähmungen, Sensibilitätsstörungen, Sehstörungen, Sprachstörungen.
  • Epileptische Anfälle: Unwillkürliche Zuckungen oder Bewusstseinsverlust.
  • Persönlichkeitsveränderungen: Verhaltensauffälligkeiten, Reizbarkeit, Antriebslosigkeit.
  • Bewusstseinsstörungen: Benommenheit bis hin zum Koma.

Diagnose von Hirntumoren

Zur Diagnose eines Hirntumors werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt:

  • Neurologische Untersuchung: Prüfung der Nervenfunktionen, Reflexe, Koordination etc.
  • Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomografie (MRT) und Computertomografie (CT) zur Darstellung des Gehirns und des Tumors.
  • Angiografie: Röntgenuntersuchung der Blutgefäße im Gehirn.
  • Liquoruntersuchung: Analyse des Nervenwassers auf Tumorzellen.
  • Biopsie: Entnahme einer Gewebeprobe zur mikroskopischen Untersuchung.

Behandlung von Hirntumoren

Die Behandlung eines Hirntumors ist individuell und hängt von der Art, Größe, Lage und Bösartigkeit des Tumors ab. Mögliche Behandlungen sind:

  • Operation: Entfernung des Tumors, wenn möglich vollständig.
  • Strahlentherapie: Zerstörung von Tumorzellen durch Bestrahlung.
  • Chemotherapie: Behandlung mit Medikamenten, die das Wachstum von Tumorzellen hemmen.
  • Supportive Therapie: Behandlung von Begleiterscheinungen wie Kopfschmerzen, Übelkeit etc.

Hirntumor und langsamer Puls: Der Zusammenhang

Ein langsamer Puls kann in seltenen Fällen durch einen Hirntumor verursacht werden. Dies geschieht, wenn der Tumor auf bestimmte Bereiche des Gehirns drückt, die den Herzschlag regulieren. Insbesondere Tumoren im Bereich des Hirnstamms können den Herzrhythmus beeinflussen.

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Mechanismus

Eine Steigerung des Drucks im Gehirn, zum Beispiel als Folge eines Hirntumors, einer schweren Schädelverletzung oder eines Schlaganfalles, kann ebenfalls einen langsamen Puls verursachen.

Weitere Ursachen für einen langsamen Puls bei Hirntumorpatienten

Es ist wichtig zu beachten, dass ein langsamer Puls bei Patienten mit Hirntumoren auch andere Ursachen haben kann, die nicht direkt mit dem Tumor zusammenhängen. Dazu gehören:

  • Medikamente: Einige Medikamente, die zur Behandlung von Hirntumoren eingesetzt werden, können den Herzschlag verlangsamen.
  • Begleiterkrankungen: Patienten mit Hirntumoren können auch andere Erkrankungen haben, die einen langsamen Puls verursachen, wie z.B. eine Schilddrüsenunterfunktion oder Herzerkrankungen.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Bei anhaltender Leistungsschwäche oder Müdigkeit ohne erkennbare Ursache sollte ein Arzt aufgesucht werden. Insbesondere bei Schwindel- oder Ohnmachtsanfällen ist eine ärztliche Untersuchung dringend erforderlich. Auch bei neu auftretenden oder sich verstärkenden Kopfschmerzen, neurologischen Ausfällen oder Persönlichkeitsveränderungen sollte ein Arzt konsultiert werden, um die Ursache abzuklären.

Krebs und Nervensystem: Neue Erkenntnisse

Die Krebs-Neurowissenschaft ist ein junges Fachgebiet, das sich mit dem Zusammenspiel von Nervensystem und Krebszellen beschäftigt. Es hat sich gezeigt, dass das Nervensystem das Wachstum, die Metastasierung und die Resistenz von Tumoren beeinflussen kann. Tumorzellen kommunizieren mit dem Gehirn und tauschen Informationen aus. Diese Erkenntnisse eröffnen neue Behandlungsansätze für Krebserkrankungen.

Kommunikation zwischen Tumorzellen und Nervenzellen

Nervenzellen und Tumorzellen können Synapsen bilden, über die sie Signale austauschen. Der Tumor empfängt Impulse der Nervenzellen, die das Wachstum und die Ausbreitung der Tumorzellen anregen können. Diese Verbindungen können dem Tumor auch helfen, sich Krebstherapien zu widersetzen.

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Stress und Krebswachstum

Es gibt Anzeichen dafür, dass Stress das Wachstum von Tumorzellen fördern kann. Der Sympathikus, ein Teil des vegetativen Nervensystems, wird bei Stress aktiviert und kann in den meisten Fällen das Tumorwachstum stimulieren.

Neue Therapieansätze

Die Krebs-Neurowissenschaft bietet neue Möglichkeiten zur Behandlung von Krebserkrankungen. Es werden Medikamente erforscht, die das Nervensystem beeinflussen und das Tumorwachstum hemmen können. Beispielsweise können Betablocker das sympathische Nervensystem hemmen und das Wachstum von Tumoren außerhalb des Gehirns verlangsamen. Auch andere neuroaktive Medikamente, die in der Neurologie, Psychiatrie oder Inneren Medizin eingesetzt werden, könnten zur Behandlung von Krebserkrankungen eingesetzt werden.

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