Parkinson-Schule und Mediathek: Aktuelle Entwicklungen und Therapieansätze bei Parkinson

Die Parkinson-Krankheit ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die Millionen von Menschen weltweit betrifft. Obwohl eine Heilung bisher nicht möglich ist, gibt es eine Vielzahl von Therapieansätzen und Forschungsbemühungen, die darauf abzielen, die Symptome zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen. Die Parkinson-Schule und zugehörige Mediatheken spielen eine wichtige Rolle bei der Vermittlung von Wissen und neuesten Erkenntnissen an Betroffene, Angehörige und Fachpersonal.

Einführung in die Parkinson-Krankheit

Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die vor allem motorische Fähigkeiten beeinträchtigt. Typische Symptome sind Tremor (Zittern), Rigor (Muskelsteifheit), Bradykinese (Verlangsamung der Bewegungen) und posturale Instabilität (Gleichgewichtsstörungen). Die Ursache liegt in einer Veränderung im Nervengewebe, genauer gesagt im Absterben von Dopamin-produzierenden Zellen in den Basalganglien des Gehirns. Dopamin ist ein wichtiger Botenstoff, der für die Steuerung der Muskeln benötigt wird.

Neben den motorischen Symptomen können auch nicht-motorische Symptome auftreten, wie z.B. Schlafstörungen, Depressionen, Schmerzen, Blasen- und Verdauungsprobleme, kognitive Einschränkungen sowie Depression und Angst. Diese Begleiterscheinungen werden oft übersehen, sind aber für die Betroffenen sehr belastend.

Die Parkinson-Krankheit wird meistens bei Menschen ab 60 Jahren diagnostiziert, aber auch jüngere Menschen können betroffen sein. In einigen Fällen liegt ein genetischer Hintergrund vor.

Die Parkinson-Schule: Eine Plattform für Information und Austausch

Die Parkinson-Schule ist eine Veranstaltungsreihe, die sich an Parkinson-Patienten, ihre Angehörigen und medizinisches Fachpersonal richtet. Ziel ist es, umfassende Informationen über die Krankheit, ihre Behandlungsmöglichkeiten und den Umgang mit den Symptomen zu vermitteln. Experten aus verschiedenen Fachbereichen referieren zu unterschiedlichen Themen und beantworten Fragen der Teilnehmer.

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Einige Beispiele für Themen, die in der Parkinson-Schule behandelt werden, sind:

  • Motorische Symptome und deren Behandlung: Prof. Dr. Ceballos-Baumann referiert über die motorischen Symptome der Parkinson-Krankheit und deren Behandlungsmöglichkeiten.
  • Nicht-motorische Symptome: Dr. Rahel Müller beleuchtet die oft übersehenen Begleiterscheinungen wie Schlafstörungen, Depressionen, Schmerzen sowie Blasen- und Verdauungsprobleme.
  • Tiefe Hirnstimulation (THS): PD Dr. Thomas Köglsperger gibt Antworten auf zentrale Fragen zur Zeit nach der Tiefen Hirnstimulation, einschließlich Klinikaufenthalt, Risiken, Nachjustierung und Alltagsregeln.
  • Kortikobasales Syndrom (CBS): Dr. Carla Palleis sprach im Rahmen der Parkinson Schule in München über das Kortikobasale Syndrom (CBS) - ein seltenes, komplexes atypisches Parkinson-Syndrom.
  • Kognitive Interventionen: Prof. Dr. widmet sich kognitiven Interventionen für Menschen mit Parkinson, insbesondere zur Prävention, Verlangsamung oder teilweisen Rückbildung kognitiver Einschränkungen.
  • Fortgeschrittene Therapien: Frau Professor Dr. Die Veranstaltung behandelt fortschrittliche Therapien für Parkinson-Patienten, insbesondere Pumpensysteme, Tiefe Hirnstimulation (THS) und MRT-gesteuerten hochfokussierten Ultraschall.
  • Musiktherapie: Die vierte Veranstaltung der Parkinson-Schule widmet sich der Rolle der Musiktherapie bei Parkinson.
  • Bedarfsmedikation: Dr. Der Vortrag thematisiert neue Ansätze in der Bedarfsmedikation für Parkinson-Patienten, die unter einem Nachlassen der Levodopa-Wirkung leiden.
  • Progredienzangst: Dr. Ann-Kristin Folkerts beleuchtet die Angst vor dem Fortschreiten der Krankheit.

Neben den Vorträgen bietet die Parkinson-Schule auch die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen und Angehörigen. Dies kann sehr hilfreich sein, um mit der Krankheit besser umzugehen und neue Strategien zur Bewältigung der Symptome zu entwickeln.

Mediathek: Wissen rund um Parkinson online verfügbar

Viele Parkinson-Schulen verfügen über eine Mediathek, in der Vorträge, Präsentationen und andere Materialien online verfügbar sind. Dies ermöglicht es Betroffenen und Interessierten, sich jederzeit und von überall aus über die Parkinson-Krankheit zu informieren.

Einige Beispiele für Inhalte, die in einer Parkinson-Mediathek zu finden sind:

  • PowerPoint-Präsentationen: Die PowerPoint-Präsentation „Medizinische Grundlagen der Parkinson-Krankheit“ von Prof. Dr. Georg Ebersbach bietet einen umfassenden Überblick zu Diagnose, Symptomen und Therapieansätzen.
  • Vorträge: Vorträge von Experten zu verschiedenen Themen rund um Parkinson.
  • Podcasts und Videos: Podcasts, Videos und TextmaterialOrts- und zeitunabhängig können Pflegekräfte sich über die „Online Pflegeschule - Parkinson“ ein breites Wissen zum Thema Parkinson aneignen.
  • Lernprogramme für Pflegefachpersonen: Lernprogramm für PflegefachpersonenDas Programm gibt die Möglichkeit, sich auf einfachem Wege ein breites Wissen über die besonderen Aspekte der Parkinson-Krankheit anzueignen. Das „Online Pflegeschule - Parkinson“ wurde für Pflegefachpersonen bei ambulanten Pflegediensten, in Pflegeheimen oder in Akut- oder Rehabilitationskliniken erstellt, ist aber auch geeignet für pflegende Angehörige und weitere Interessenten.

Therapieansätze bei Parkinson

Die Behandlung der Parkinson-Krankheit zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Es gibt verschiedene Therapieansätze, die je nach Stadium der Erkrankung und individuellen Bedürfnissen eingesetzt werden.

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Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Therapie ist die Basisbehandlung der Parkinson-Krankheit. Ziel ist es, den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen oder die Wirkung von Dopamin zu verstärken. Es gibt verschiedene Medikamente, die hierfür eingesetzt werden, z.B. Levodopa, Dopaminagonisten und MAO-B-Hemmer. Die Pharmakotherapie sollte rechtzeitig und an die Bedürfnisse der Patienten angepasst gestartet werden. Neben Bewegungsstörungen sollten auch autonome und psychische Symptome berücksichtigt werden.

Ein wichtiger Aspekt der medikamentösen Therapie ist die Bedarfsmedikation, insbesondere bei Patienten, die unter einem Nachlassen der Levodopa-Wirkung leiden. Hier gibt es neue Ansätze, die in der Parkinson-Schule thematisiert werden.

Tiefe Hirnstimulation (THS)

Die Tiefe Hirnstimulation (THS) ist eine operative Behandlungsmethode, die bei fortgeschrittenem Parkinson eingesetzt wird, wenn die medikamentöse Therapie nicht mehr ausreichend wirkt. Bei der THS werden Elektroden in bestimmte Hirnregionen implantiert, die durch elektrische Impulse stimuliert werden. Dies kann die Symptome deutlich reduzieren und die Lebensqualität verbessern.

PD Dr. Thomas Köglsperger gibt Antworten auf zentrale Fragen zur Zeit nach der Tiefen Hirnstimulation, einschließlich Klinikaufenthalt, Risiken, Nachjustierung und Alltagsregeln. Mit der neuen „Feedback-Software“ wird die Stimulation erstmals an die Gehirnaktivität angepasst.

Fokussierter Ultraschall

Der MRT-gesteuerte hochfokussierte Ultraschall ist eine weitere operative Behandlungsmethode, die insbesondere bei Tremor eingesetzt wird. Dabei werden Ultraschallwellen auf einen kleinen Bereich im Gehirn fokussiert, um die Nervenzellen zu zerstören, die für das Zittern verantwortlich sind. Ein Vorteil dieser Methode ist, dass die Schädeldecke nicht geöffnet werden muss.

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Bewegungstherapie

Bewegung spielt eine entscheidende Rolle bei der Behandlung von Parkinson. Regelmäßige körperliche Aktivität kann die motorischen Fähigkeiten verbessern, die Muskelkraft erhalten und die Lebensqualität steigern. Es gibt verschiedene Formen der Bewegungstherapie, die für Parkinson-Patienten geeignet sind, z.B. Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Tanztherapie und Sport.

Die Parkinson-Schule betont die Bedeutung der körperlichen Aktivität bei Parkinson. Karl Walter trifft sich zweimal pro Woche mit Betroffenen und Angehörigen in Dachau zum Tischtennis. Die weltweite Initiative „Ping Pong Parkinson“ kommt aus New York. In Japan haben Forscher nachgewiesen, dass Tischtennis bei Parkinson die Sprache verbessert und die Konzentration fördert. Außerdem bietet die Selbsthilfegruppe Nordic Walking, Ergotherapie und einen Tanzkurs an. Beim Neurotango schulen Patienten ihr Gleichgewicht, das fließende Gehen sowie die Schrittlänge.

Musiktherapie

Die vierte Veranstaltung der Parkinson-Schule widmet sich der Rolle der Musiktherapie bei Parkinson. Musiktherapie kann helfen, die motorischen Fähigkeiten, die Stimmung und die Lebensqualität zu verbessern.

Logopädie

Schluckstörungen betreffen bis zu 80 % aller Parkinson-Patienten im Verlauf. Symptome wie Speichelansammlungen, häufiges Husten oder das Steckenbleiben von Nahrung können erste Hinweise sein. Logopädie kann helfen, die Schluckfunktion zu verbessern und Komplikationen wie Lungenentzündungen zu vermeiden.

Psychologische Betreuung

Depressionen und Angststörungen sind bei Parkinson-Patienten weit verbreitet - bis zu 50% sind betroffen. Eine psychologische Betreuung kann helfen, diese psychischen Probleme zu bewältigen und die Lebensqualität zu verbessern. Auch die Angst vor dem Fortschreiten der Krankheit (Progredienzangst) ist ein häufiges und relevantes Thema, das in der Parkinson-Schule behandelt wird.

Forschung und Zukunftsperspektiven

Die Parkinson-Krankheit ist Gegenstand intensiver Forschung. Ziel ist es, die Ursachen der Krankheit besser zu verstehen, neue Therapieansätze zu entwickeln und das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen oder sogar zu stoppen.

Einige aktuelle Forschungsschwerpunkte sind:

  • Stammzelltherapie: Stammzelltherapien bringen Hoffnung auf Heilung.
  • Genetische Ursachen: Die Erforschung der genetischen Ursachen der Parkinson-Krankheit.
  • Neuroprotektive Therapien: Die Entwicklung von Therapien, die das Absterben von Nervenzellen verhindern sollen.
  • Künstliche Intelligenz (KI): Der Einsatz von KI zur Feinjustierung der Tiefen Hirnstimulation.

Leben mit Parkinson: Tipps und Strategien

Das Leben mit Parkinson kann eine Herausforderung sein. Es gibt jedoch viele Dinge, die Betroffene tun können, um ihre Lebensqualität zu verbessern und mit den Symptomen besser umzugehen:

  • Information: Informieren Sie sich umfassend über die Parkinson-Krankheit und ihre Behandlungsmöglichkeiten. Nutzen Sie die Angebote der Parkinson-Schule und der Mediathek.
  • Bewegung: Bleiben Sie aktiv und bewegen Sie sich regelmäßig. Suchen Sie sich eine Form der Bewegung, die Ihnen Spaß macht.
  • Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung.
  • Soziale Kontakte: Pflegen Sie soziale Kontakte und tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen aus.
  • Selbsthilfegruppen: Treten Sie einer Selbsthilfegruppe bei.
  • Psychologische Unterstützung: Nehmen Sie psychologische Unterstützung in Anspruch, wenn Sie unter Depressionen, Angststörungen oder anderen psychischen Problemen leiden.
  • Hilfsmittel: Nutzen Sie Hilfsmittel, die Ihnen den Alltag erleichtern können.
  • Akzeptanz: Akzeptieren Sie die Krankheit und lernen Sie, mit ihr zu leben.

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