Die Parkinson-Krankheit, eine der häufigsten Erkrankungen des zentralen Nervensystems, betrifft in Deutschland mehr als 250.000 Menschen. Sie ist durch Bewegungsstörungen gekennzeichnet, die auf den allmählichen Untergang bestimmter Nervenzellen im Gehirn zurückzuführen sind, was zu einem Mangel an Dopamin führt. Neben medikamentösen Behandlungen spielen Sport, Bewegung und alternative Therapien wie Yoga eine entscheidende Rolle bei der Verbesserung der Lebensqualität und der Verlangsamung des Krankheitsverlaufs.
Gute Gründe für regelmäßiges Training bei Parkinson
Regelmäßiges Training ist für Menschen mit Parkinson mehr als nur gesundheitsfördernd; es ist eine essenzielle Langzeittherapie. Bewegung kann den Krankheitsverlauf verlangsamen, die Muskulatur kräftigen, die Ausdauer stärken und Muskelsteifigkeit sowie Bewegungsverarmung entgegenwirken. Studien belegen, dass Bewegung die Motorik und die Lebensqualität verbessert.
Bewegung als Medizin
Bewegung bei Parkinson ist "reinste Medizin", da sie den Krankheitsverlauf verlangsamen kann. Wandern, Radfahren und Tanzen kräftigen die Muskulatur, stärken die Ausdauer und wirken Muskelsteifigkeit und Bewegungsverarmung entgegen. Besonders im Frühstadium gibt es kaum Einschränkungen bei der Wahl der Sportart.
Sportarten zur Linderung spezifischer Beschwerden
Sportarten können bewusst eingesetzt werden, um bestimmte Beschwerden zu lindern. Nordic Walking trainiert das flüssige Laufen, Radfahren verbessert Gleichgewicht und Koordination, und Yoga kann den Bewegungsradius vergrößern. In fortgeschrittenen Stadien ist es wichtig, Stürze zu minimieren. Wandern auf ebenem Gelände, Schwimmen, leichtes Krafttraining, Wassergymnastik und Übungen aus dem Thai Chi eignen sich gut zur Sturzprophylaxe und zur Stärkung der körperlichen Leistungsfähigkeit.
Tango: Therapie für Körper und Seele
Tango ist nicht nur eine Therapie, die die Seele befreit, sondern verbessert auch die Bewegungsfähigkeit, das Gleichgewicht und die Gehstrecke um 30 bis 40 Prozent. Tanzen setzt Glückshormone frei, wirkt stimmungsaufhellend und antriebssteigernd. Ein bis zwei Trainingseinheiten pro Woche zeigen bereits nach kurzer Zeit anhaltende Effekte. Auch Walzer oder Foxtrott sind Therapie im Takt, wobei die Freude an der Bewegung im Vordergrund steht.
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Freizeitsport für einen selbstständigen Alltag
Freizeitsport trainiert alle körperlichen Fähigkeiten, die einen selbstständigen Alltag ermöglichen, wie einen sicheren Gang, gutes Koordinationsvermögen sowie Rumpf- und Bein-Beweglichkeit. Diese Fähigkeiten sind für alltägliche Aufgaben wie Einkaufen, Wohnungsputz, An- und Auskleiden, Körperpflege, Gartenarbeit und das Spielen mit Enkeln unerlässlich.
Ergotherapie und Sprachtherapie
Neben Medikamenten sind Bewegungsübungen und Sprachtherapie wichtige Bestandteile einer Parkinson-Behandlung. Ergotherapie zielt darauf ab, die Selbstständigkeit im Alltag zu erhalten, während Sprachtherapie (Logopädie) bei zunehmenden Schwierigkeiten beim Sprechen sinnvoll ist. Entspannungsübungen, Wärmebehandlungen oder Massagen können ebenfalls eingesetzt werden, um Beschwerden zu lindern, die sich durch Medikamente nicht ausreichend behandeln lassen.
Psychologische Unterstützung
Psychologische Unterstützung und Begleitung können sowohl für Betroffene als auch für Angehörige sinnvoll sein, insbesondere angesichts der psychischen Belastungen, die mit der Parkinson-Krankheit einhergehen können.
Studienlage zu Ergo- und Sprachtherapie
Obwohl Ergo- und Sprachtherapie häufig zur Linderung von Parkinson-Beschwerden eingesetzt werden, gibt es bisher nur wenige verlässliche wissenschaftliche Studien zu ihrer Wirkung. Der Einfluss regelmäßiger Bewegungs- und Koordinationsübungen ist besser untersucht, zumindest für einen kurzen Zeitraum von bis zu einem Jahr.
Yoga als Therapieform bei Parkinson
Yoga, insbesondere in seiner modernen Form, die im 19. Jahrhundert entstand, bietet Parkinsonkranken vielfältige Vorteile. Es verbessert Kraft, Flexibilität, Gleichgewichtssinn und Muskelausdauer. Yogaübungen verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz, der Körper, Geist und Seele durch kontrollierte Atmung und Konzentration in Einklang bringen soll.
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Therapeutischer Effekt von Yoga
Studien belegen, dass das regelmäßige Praktizieren von Asanas (Yoga-Übungen) einen messbaren therapeutischen Effekt hat. Je nach Stil stehen meditative, gesundheitspflegende oder kraftbetonte Ausführungen im Fokus. Parkinsonkranke profitieren davon, dass bei den Übungen Kraft, Flexibilität, Gleichgewichtssinn und Muskelausdauer gleichzeitig trainiert werden. Dies verbessert das Aktivitätsniveau, die Funktions- und Widerstandsfähigkeit von Muskeln, Sehnen, Bändern sowie die Durchblutung von Blut- und Lymphgefäßen.
Bestandteile einer Yoga-Unterrichtseinheit
Eine Yoga-Unterrichtseinheit vereint Asanas, Phasen der Tiefenentspannung, Atem- sowie Meditationsübungen. Ziel ist es, mehr Lebensenergie zu sammeln und einen Zustand innerer Gelassenheit zu erreichen.
Therapeutisch ausgerichtetes Yoga
Bei der therapeutisch ausgerichteten Form, dem körperlich betonten, modernen Yoga, tritt der philosophische Aspekt in den Hintergrund. Stattdessen werden Übungen eingesetzt, die der Gesundheit nützen, und Konzepte aus der Psychosomatik werden hinzugezogen, um den Trainingseffekt zu verbessern.
Nutzen von Yoga bei verschiedenen Krankheitsbildern
Yoga kann physisch und psychisch bei verschiedenen Krankheitsbildern Linderung verschaffen, nicht nur bei Parkinson, sondern auch bei Durchblutungs- und Schlafstörungen, Angstattacken und Depression, chronischen Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen.
Kostenerstattung für Yogakurse
In Deutschland können Kosten für Yogakurse von den Krankenkassen im Rahmen des Präventionsprinzips erstattet werden, insbesondere zur Vermeidung spezifischer Risiken und stressabhängiger Krankheiten.
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Bewegung und Schlaf: Zentrale Bestandteile der Parkinson-Therapie
Viel Bewegung und guter Schlaf sind zentrale Bestandteile der Therapie für Menschen mit Parkinson. Regelmäßige körperliche Aktivität und gesunder Schlaf tragen wesentlich zur Lebensqualität von Betroffenen bei. Bewegung und Sport sind bisher die einzigen Strategien, um das Fortschreiten der neurodegenerativen Erkrankung abzumildern.
Bewegung als wirksamer Therapieansatz
Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Bewegung und Sport effektive Möglichkeiten sind, um den Verlauf der Parkinson-Krankheit positiv zu beeinflussen. Eine umfassende Meta-Studie wertete 156 Bewegungs- und Sportstudien mit insgesamt 7939 Personen aus und kam zu dem Ergebnis, dass Bewegungstherapie sowohl die Motorik als auch die Lebensqualität verbessert.
Empfehlungen zu Sportarten und Intensität
Eindeutige Empfehlungen, welche Sportart oder Intensität im Einzelfall am besten wirkt, lassen sich nicht ableiten, da die eingesetzten Trainingsformen stark variieren. Die genaue Art der Bewegung könnte aber zweitrangig sein: "Hauptsache Bewegung".
Hochintensives Training
Eine dänische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 unterstreicht, dass hochintensives Training motorische Symptome stärker verbessern kann als moderate Bewegung. Zudem kann körperliche Aktivität das Risiko senken, überhaupt an Parkinson zu erkranken.
Wissenschaftliches Interesse an Bewegungstherapie
Das wissenschaftliche Interesse an Bewegungstherapie bei Parkinson wächst stetig. Während um das Jahr 2000 jährlich rund 20 Studien zu diesem Thema erschienen, waren es 2024 bereits 563. Es besteht jedoch ein dringender Bedarf an großen Multicenter-Studien mit einheitlichem Design, um klare Empfehlungen ableiten zu können. Bis dahin gilt: Mindestens 3- bis 4-mal pro Woche intensiv bewegen ist besser als passiv zuschauen!
Beispiele für geeignete Sportarten
Prof. Claudia Trenkwalder nennt Beispiele für geeignete Sportarten:
- Ausdauertrainings und alltagsnahe Aktivitäten (Joggen, Radfahren, Spazierengehen, Wandern, Nordic Walking, Skilanglauf)
- Schwimmen (Aqua-Jogging, Aqua-Zumba, Aqua-Dancing, Aqua-Jumping)
- Ganzkörpertraining (Wassergymnastik, Gyrokinesis, Yoga, Tai-Chi, Qigong, Pilates, Feldenkrais, propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation, Bobath, Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen, Hora-Methode, Petö-Methode)
Häufigkeit des Trainings
Mindestens 3- bis 4-mal pro Woche.
Schlaf als Schlüssel zur Gehirngesundheit
Neben den motorischen Symptomen berichten viele Menschen mit Parkinson auch über gravierende Schlafprobleme. Ein erholsamer Schlaf ist nicht nur subjektiv wichtig, sondern auch für die neurobiologische Regeneration des Gehirns entscheidend.
Glymphatisches System
Besondere Aufmerksamkeit erfährt das glymphatische System, ein Netzwerk im Gehirn, das Stoffwechselabbauprodukte während des Schlafs aus dem zentralen Nervensystem "ausschwemmt". Funktioniert dieses Reinigungssystem nicht ausreichend, kann es zur Anhäufung schädlicher Proteine kommen, die an neurodegenerativen Erkrankungen beteiligt sind.
Weitere Therapieansätze und Bewegungsangebote
Neben den genannten Therapieansätzen gibt es weitere Bewegungsangebote, die Parkinsonerkrankten helfen können, ihre Lebensqualität zu verbessern.
Konventionelle-medikamentöse Therapie und ergänzende Behandlungen
Die konventionelle-medikamentöse Therapie, die den Dopaminmangel im Gehirn ausgleichen soll, wird durch ärztliche Verordnungen für Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Wassergymnastik unterstützt.
Bedeutung von Bewegungstraining
Der Bewegung und einem gezielten Bewegungstraining kommt bei der Parkinsonkrankheit eine sehr große Bedeutung zu. Selbsthilfegruppen fördern dies durch Bewegungsangebote wie Boulespiel, Tangotanzen, Lachyoga und Gymnastik mit Smovey-Ringen.
Trainieren mit Smovey-Ringen
Smovey-Ringe sind ein Trainingsgerät, das Vibrationen erzeugt, die die kleinen Skelettmuskeln stimulieren und die Wirbelsäule und Gelenke stabilisieren. Die Vibrationen wirken bis ins motorische Zentrum des Gehirns und sorgen für positive Effekte. Koordinationsübungen verbessern zusätzlich die körperliche und geistige Beweglichkeit.
Tischtennis für Parkinsonkranke
Tischtennis wird von Experten als eine ideale Sportart für Menschen mit Parkinson angesehen, da es Beweglichkeit, Reaktionsvermögen und Auge-Hand-Koordination fördert. Es kann auch dazu beitragen, die Muskelspannung zu verringern und möglicherweise die benötigte Medikamentendosis zu reduzieren.
Tipps für den Einstieg und die Motivation
Um trotz guter Vorsätze dranzubleiben, können folgende Tipps helfen:
- Feste Termine einplanen
- Für Abwechslung sorgen
- Sich über kleine Dinge freuen
Keep Moving: Tai Chi für Parkinson-Patienten
„Keep Moving ist eine spezielle Tai Chi-Methodik, die an die Gegebenheiten und Bedürfnisse von Parkinson-Patienten angepasst ist. Dadurch entsteht ein einfaches, aber sehr effektives Bewegungssystem, das sich an Menschen richtet, die von einem leichten bis mittelschweren Parkinsonsyndrom betroffen sind".
Cochrane Review: "Hauptsache Bewegung!"
Ein aktueller Cochrane Review, der die Wirksamkeit von Bewegungsangeboten für Menschen mit Morbus Parkinson untersucht, kommt zu dem Schluss: "Hauptsache Bewegung!". Die im Review ausgewertete Evidenz aus 156 randomisierten Studien spricht für günstige Auswirkungen solcher Angebote auf den Schweregrad von Bewegungssymptomen und die Lebensqualität. Die genaue Art der Bewegung könnte dabei zweitrangig sein.
Ergebnisse des Cochrane Reviews
Die Auswertung der verfügbaren Evidenz aus RCTs ergab, dass strukturierte Bewegungsangebote - von Tanzen, Bewegung im Wasser, Krafttraining und Ausdauertraining bis hin zu Tai Chi, Yoga und Physiotherapie - leichte bis starke Verbesserungen des Schweregrads von Bewegungssymptomen und der Lebensqualität bewirken.
Bedeutung der persönlichen Vorlieben
Die persönlichen Vorlieben von Menschen mit Parkinson sollten besonders berücksichtigt werden, um sie zu motivieren, überhaupt an einem Bewegungsprogramm teilzunehmen.
Einschränkungen der Evidenz
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler räumen ein, dass die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz für diese Ergebnisse in vielen Fällen nicht groß ist. Dies liegt vor allem daran, dass viele Studien sehr klein waren und häufig nicht alle Informationen über den Schweregrad motorischer Symptome und die Lebensqualität aller Teilnehmenden berichtet waren.