Parkinson Selbsthilfegruppe Solingen: Unterstützung und Gemeinschaft für Betroffene

Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die das zentrale Nervensystem betrifft. Sie manifestiert sich durch eine Vielzahl von Symptomen, darunter Zittern, Muskelsteifheit, verlangsamte Bewegungen und Gleichgewichtsprobleme. Die Diagnose Parkinson kann das Leben der Betroffenen und ihrer Familien erheblich beeinträchtigen. Selbsthilfegruppen spielen eine wichtige Rolle bei der Bewältigung der Krankheit, indem sie Betroffenen eine Plattform bieten, sich auszutauschen, gegenseitig zu unterstützen und Informationen zu erhalten. In Solingen und Umgebung gibt es verschiedene Parkinson-Selbsthilfegruppen, die ein breites Spektrum an Aktivitäten und Unterstützung anbieten.

Treff Parkinson NRW: Unabhängige Unterstützung für jüngere Erkrankte

Der Treff Parkinson NRW hat sich als unabhängige Selbsthilfevereinigung neu aufgestellt. Gegründet wurde die Gruppe von Biggy Hoebel-Nöckel, die selbst in ihren frühen 40ern die Diagnose Parkinson erhielt. Da sie in bestehenden Selbsthilfegruppen vor allem ältere Menschen antraf, initiierte sie mit anderen Betroffenen eine eigene Gruppe für jüngere Erkrankte. Zuvor war die Gruppe lange Zeit der Langenfelder Gruppe der Deutschen Parkinson Vereinigung zugehörig, hat sich aber in diesem Jahr unabhängig gemacht. „Wir sind neutral und erheben keine Mitgliedsbeiträge. Wir wollen einfach für Parkinson-Erkrankte da sein“, so Hoebel-Nöckel.

Biggy Hoebel-Nöckel erhielt die Diagnose Parkinson mitten in ihrem aktiven Leben. Sie beschreibt sich selbst als topfit und beruflich sehr engagiert. Zum Zeitpunkt der Diagnose hatte sie zwei Töchter im Alter von 12 und 15 Jahren. Erste Anzeichen der Erkrankung bemerkte sie, als ihr kleiner Finger der rechten Hand plötzlich zu zittern begann. Nach nur drei Monaten erhielt sie die Diagnose. Trotz der Erkrankung arbeitete Hoebel-Nöckel weiterhin als selbstständige Verlagsvertreterin, bis sie ihr Unternehmen vor fünf Jahren aufgab.

Die jüngsten Mitglieder des Treff Parkinson NRW sind Mitte 30, die ältesten Mitte 60. Die Gruppe pflegt einen engen Kontakt untereinander. Viele Mitglieder kommen aus Solingen, aber auch aus Wuppertal, Haan und vom Niederrhein. Neue Mitglieder werden persönlich kennengelernt, was aufgrund der Corona-Pandemie oft bei einem Spaziergang stattfindet. Regelmäßige Treffen werden derzeit als Videokonferenzen abgehalten. „Wir sind aber auch telefonisch immer erreichbar, wenn es dringenden Redebedarf gibt“, betont Hoebel-Nöckel. Das ehrenamtliche Engagement der Gruppe wurde 2016 mit dem Solinger Selbsthilfepreis belohnt.

Wenn sich die Corona-Situation normalisiert, sollen auch wieder gemeinsame Ausflüge und Reha-Sportangebote beim WMTV stattfinden. Die Treffen sind dann wieder in der Gaststätte des Vereins geplant.

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Hoebel-Nöckel betont, dass die Diagnose Parkinson nicht bedeutet, dass man nicht mehr arbeiten kann. Bei guter medikamentöser Einstellung sei auch die Lebenserwartung nicht eingeschränkt. Der Treff Parkinson unterstützt die Erkrankten gegenseitig. „Über vieles kann man nun mal nicht mit den Angehörigen reden, die selbst nicht erkrankt sind.“ In der Gruppe sind auch Mitglieder, die ihre Diagnose nicht öffentlich gemacht haben.

Parkinson-Selbsthilfegruppe unter der Leitung von Uwe und Karin Brehm

Das Solinger Ehepaar Uwe und Karin Brehm engagiert sich seit 2016 für Menschen mit Parkinson. Uwe Brehm übernahm die Leitung der 1983 gegründeten Selbsthilfegruppe aufgrund der Erkrankung seines Schwiegervaters, der rund 25 Jahre mit Parkinson lebte. Karin Brehm ergänzt: „Dadurch, dass wir nicht selbst erkrankt sind, fehlen uns zwar einige Erfahrungen. Aber dafür holen wir uns ja Experten zu unseren Treffen.“

Die Selbsthilfegruppe trifft sich jeden zweiten und vierten Freitag im Monat im Gemeindezentrum in Sonnborn. Im Schnitt nehmen rund 60 Betroffene und Angehörige an den Treffen teil. Insgesamt hat die Gruppe 145 Mitglieder im Alter von 61 bis 96 Jahren. „Was bei den Treffen ganz wichtig ist: Wir sind unter uns“, betont Karin Brehm. Die Treffen dienen nicht nur dem Austausch von Informationen und Erfahrungen, sondern auch der Förderung des sozialen Miteinanders und des Spaßes. So werden beispielsweise medizinische Fachvorträge, Gymnastik und die Präsentation von Hilfsmitteln angeboten. Darüber hinaus gibt es auch Unterhaltungsprogramme, beispielsweise Auftritte von Entertainern und Kabarettisten. „Bei derartigen Terminen bekommen selbst diejenigen, die sich kaum noch bewegen können, das Gefühl: Ich muss tanzen“, berichtet Uwe Brehm. „Kurz gesagt: Wir geben Dopamin ohne Medikamente.“

Ein besonderes Highlight im Jahresprogramm ist eine zehntägige Tour nach Ruhpolding mit Ausflügen an den Bodensee und den Chiemsee, auf die Winkelmoos Alm sowie zum Adelholzener Wasserwerk, einem Bayerischen Abend und Kaffeetrinken bei der „Windbeutelgräfin“. „Alle Touren, die wir anbieten, haben wir vorher ausprobiert“, sagen die Brehms.

Die Brehms sehen sich als Bindeglied zwischen den Mitgliedern und möchten, dass diese auch außerhalb der Treffen Kontakte knüpfen. Wer möchte, kann sich in eine Telefonliste eintragen lassen und beispielsweise Fahrgemeinschaften bilden.

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Uwe Brehm ist gebürtiger Solinger, seine Frau wurde in Wuppertal geboren. Seit 2002 wohnen sie in Solingen. Uwe Brehm ist seit März im Ruhestand, Karin Brehm folgte im September. „Bisher haben wir unseren Urlaub immer für die Parkinsongruppe investiert“, erzählen die beiden.

Neue Mitglieder werden mit einem Begrüßungsgeschenk überrascht, und Geburtstags„kinder“ mit einer Null oder einer Fünf am Ende werden mit einer extra für die Parkinsongruppe gestalteten Flasche Wein oder Saft bedacht. Die Brehms haben ein großes Netzwerk aufgebaut und arbeiten unter anderem mit Ärzten der Stiftung Tannenhof in Remscheid, den Cellitinnen (Petrus-Krankenhaus) in Wuppertal, den Alltagsbegleitern sowie Gesundheitsdienstleistern zusammen.

Die Finanzierung der Selbsthilfegruppe erfolgt über Mitgliedsbeiträge an den Bundesverband der Deutschen Parkinson Vereinigung (dPV) sowie über Fördermittel von den Krankenkassen, die über die Barmer beantragt werden. „Am Jahresende nach der Weihnachtsfeier ist unser Konto dann leer“, blickt Uwe Brehm voraus. Die Planungen für das Folgejahr sind zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen, wobei die im Herbst eingesammelten Vorschläge der Mitglieder berücksichtigt werden. „Das ist eine gegenseitige Befruchtung“, beschreibt es Karin Brehm. „Wir reagieren auf Wünsche.“ Deshalb sei die Zufriedenheit bei den Treffen auch hoch.

Die Bedeutung von Selbsthilfegruppen für Parkinson-Patienten

Parkinson-Selbsthilfegruppen bieten eine wertvolle Unterstützung für Menschen mit Parkinson und ihre Angehörigen. Sie ermöglichen den Austausch von Erfahrungen, Informationen und Bewältigungsstrategien. Durch den Kontakt mit anderen Betroffenen können sich die Mitglieder gegenseitig ermutigen und motivieren. Die Gruppen bieten auch eine Plattform für soziale Aktivitäten und die Förderung des Gemeinschaftsgefühls. Darüber hinaus können Selbsthilfegruppen dazu beitragen, das Verständnis für die Krankheit in der Öffentlichkeit zu verbessern und die Interessen der Betroffenen zu vertreten.

Angebote der Parkinson Selbsthilfegruppen in Solingen und Umgebung

Die Parkinson Selbsthilfegruppen in Solingen und Umgebung bieten ein breites Spektrum an Angeboten, darunter:

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  • Regelmäßige Treffen: Die Treffen dienen dem Austausch von Erfahrungen, Informationen und der gegenseitigen Unterstützung.
  • Fachvorträge: Experten informieren über verschiedene Aspekte der Parkinson-Krankheit, wie z.B. medikamentöse Behandlung, Physiotherapie, Ergotherapie und Ernährung.
  • Bewegungsangebote: Gymnastik, Tanztherapie und andere Bewegungsangebote helfen, die Beweglichkeit zu erhalten und die Symptome zu lindern.
  • Soziale Aktivitäten: Ausflüge, Kaffeetrinken, Weihnachtsfeiern und andere soziale Aktivitäten fördern das Gemeinschaftsgefühl und die Lebensqualität.
  • Beratung und Unterstützung: Die Gruppen bieten Beratung und Unterstützung für Betroffene und ihre Angehörigen.
  • Reha-Sportangebote: In Zusammenarbeit mit Sportvereinen werden Reha-Sportangebote speziell für Parkinson-Patienten angeboten.

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