Parkinson und Parkinson-Syndrom: Ein umfassender Überblick

Die Unterscheidung zwischen Parkinson und Parkinson-Syndrom ist für das Verständnis, die Diagnose und die Behandlung dieser neurologischen Erkrankungen von entscheidender Bedeutung. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Formen des Parkinson-Syndroms, ihre Ursachen, Diagnosemethoden und therapeutischen Ansätze.

Was ist das Parkinson-Syndrom?

Der Begriff Parkinson-Syndrom umfasst eine Gruppe von neurologischen Erkrankungen, die ähnliche motorische Symptome aufweisen. Diese Symptome, die unter dem Akronym TRAP zusammengefasst werden, umfassen:

  • Tremor: Zittern, meist in Ruhe.
  • Rigor: Muskelsteifheit.
  • Akinese/Bradykinese: Bewegungsverlangsamung oder -armut.
  • Posturale Instabilität: Gleichgewichtsstörungen.

Es ist wichtig zu beachten, dass das Vorhandensein dieser Symptome nicht automatisch bedeutet, dass eine Person an der Parkinson-Krankheit (Morbus Parkinson) leidet. Das Parkinson-Syndrom kann verschiedene Ursachen haben, die in drei Hauptkategorien eingeteilt werden:

  1. Primäres Parkinson-Syndrom (Morbus Parkinson, IPS): Die eigentliche Parkinson-Krankheit, auch idiopathisches Parkinson-Syndrom genannt, ist eine langsam fortschreitende neurodegenerative Erkrankung. Die Ursache ist in den meisten Fällen unbekannt. Je nach vorherrschender Symptomatik wird das IPS unterteilt in eine Form mit nur eingeschränkter Beweglichkeit (akinetisch-rigider Typ), eine Form mit vorherrschendem Zittern (tremor-dominanter Typ) und eine Form mit etwa gleich ausgeprägter Bewegungsstörung und Zittern (Äquivalenz-Typ).
  2. Sekundäre Parkinson-Syndrome (SPS): Diese Form wird durch äußere Faktoren verursacht, wie Medikamente, Toxine oder strukturelle Veränderungen im Gehirn.
  3. Atypische Parkinson-Syndrome (APS): Diese Gruppe umfasst neurodegenerative Erkrankungen, die neben den Parkinson-typischen Symptomen auch andere neurologische Anzeichen aufweisen und oft einen schnelleren Krankheitsverlauf haben.

Ursachen des Parkinson-Syndroms

Die Ursachen des Parkinson-Syndroms sind vielfältig und hängen von der jeweiligen Kategorie ab.

1. Idiopathisches Parkinson-Syndrom (IPS)

Die Ursachen des IPS sind bis heute nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung, Umwelteinflüssen und altersbedingten Veränderungen eine Rolle spielt. Im Gehirn von Parkinson-Patienten kommt es zu einem fortschreitenden Verlust von Dopamin-produzierenden Nervenzellen in der Substantia nigra, einer Hirnregion, die für die Bewegungssteuerung wichtig ist.

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Genetische Faktoren

Obwohl die meisten Fälle von IPS nicht direkt vererbt werden, gibt es genetische Faktoren, die das Risiko erhöhen können. Bei einem kleinen Prozentsatz der Patienten (5-15 %) sind Mutationen in bestimmten Genen (z.B. PARKIN, PINK1, DJ-1, LRRK2) nachweisbar. Diese Mutationen können zu einer Fehlfunktion von Proteinen führen, die für das Überleben und die Funktion der Nervenzellen wichtig sind.

Umweltfaktoren

Verschiedene Umweltfaktoren werden als mögliche Risikofaktoren für die Entwicklung von IPS diskutiert. Dazu gehören:

  • Pestizide: Exposition gegenüber bestimmten Pestiziden wie Lindan und Rotenon.
  • Lösungsmittel: Kontakt mit Lösungsmitteln auf Basis von Trichlorethylen, Tetrachlorkohlenstoff und Perchlorethylen.
  • Schwermetalle: Intoxikationen durch Kohlenmonoxid, Mangan oder Blei.

Braak-Hypothese

Eine interessante Theorie zur Entstehung von Parkinson ist die Braak-Hypothese. Diese Hypothese besagt, dass die Erkrankung im Darm oder im Bulbus olfactorius beginnt und sich von dort über Nervenbahnen ins Gehirn ausbreitet. Fehlgefaltete Alpha-Synuclein-Proteine sollen dabei eine zentrale Rolle spielen.

2. Sekundäre Parkinson-Syndrome (SPS)

SPS werden durch äußere Faktoren verursacht, die die Dopamin-produzierenden Nervenzellen schädigen oder deren Funktion beeinträchtigen. Zu den häufigsten Ursachen gehören:

  • Medikamente: Bestimmte Medikamente, insbesondere Neuroleptika (Antipsychotika), Antiemetika (z.B. Metoclopramid), Lithium, Valproinsäure, Reserpin und Calciumkanalantagonisten (Cinnarizin, Flunarizin), können ein Parkinson-Syndrom auslösen.
  • Toxine: Exposition gegenüber bestimmten Toxinen wie Kohlenmonoxid, Mangan oder MPTP.
  • Strukturelle Hirnschäden: Durchblutungsstörungen, Hydrozephalus internus (Störung des Hirnwasserabflusses), Tumore, Entzündungen oder Verletzungen in den für die Bewegung zuständigen Hirngebieten können ebenfalls zu einem SPS führen.
  • Psychostimulanzien: Der Konsum von Amphetaminen, insbesondere Methamphetamin (Crystal Meth), erhöht das Parkinson-Risiko.

3. Atypische Parkinson-Syndrome (APS)

APS sind neurodegenerative Erkrankungen, die neben den Parkinson-typischen Symptomen auch andere neurologische Anzeichen aufweisen. Zu den wichtigsten APS gehören:

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  • Multisystematrophie (MSA): Eine seltene, fortschreitende neurologische Erkrankung, die das autonome Nervensystem, das Kleinhirn und die Basalganglien betrifft.
  • Progressive supranukleäre Paralyse (PSP): Eine seltene Hirnerkrankung, die zu Problemen mit Gleichgewicht, Bewegung, Blickrichtung und Denken führt.
  • Kortikobasale Degeneration (CBD): Eine seltene neurologische Erkrankung, die durch eine Kombination von kortikalen und basalganglionären Symptomen gekennzeichnet ist.
  • Demenz mit Lewy-Körperchen (DLB): Eine Form der Demenz, die mit Parkinson-Symptomen, optischen Halluzinationen und starken Schwankungen der Aufmerksamkeit einhergeht.

Diagnostik des Parkinson-Syndroms

Die Diagnose des Parkinson-Syndroms basiert auf einer Kombination aus Anamnese, neurologischer Untersuchung und verschiedenen diagnostischen Tests.

Anamnese

Der Arzt wird zunächst eine ausführliche Anamnese erheben, um die Symptome, den zeitlichen Verlauf und mögliche Risikofaktoren zu erfassen. Wichtige Fragen sind:

  • Welche Symptome treten auf?
  • Seit wann bestehen die Symptome?
  • Gibt es Risikofaktoren wie Medikamenteneinnahme, Exposition gegenüber Toxinen oder Kopfverletzungen?
  • Gibt es Fälle von Parkinson in der Familie?

Neurologische Untersuchung

Die neurologische Untersuchung umfasst eine Beurteilung der motorischen Fähigkeiten, der Reflexe, der Koordination und des Gleichgewichts. Der Arzt achtet dabei besonders auf die typischen Parkinson-Symptome wie Tremor, Rigor, Bradykinese und posturale Instabilität.

Zusätzliche diagnostische Tests

Um die Diagnose zu sichern und andere Ursachen auszuschließen, können verschiedene zusätzliche Tests durchgeführt werden:

  • Kernspintomographie (MRT) des Gehirns: Um strukturelle Veränderungen im Gehirn auszuschließen, wie z.B. Tumore, Durchblutungsstörungen oder Hydrozephalus.
  • Nuklearmedizinische Untersuchungen (SPECT, DaTscan): Um die Funktion der Dopamin-produzierenden Nervenzellen zu beurteilen.
  • L-Dopa-Test: Um zu überprüfen, ob die Symptome auf die Gabe von L-Dopa, einem Medikament zur Behandlung von Parkinson, ansprechen.
  • Weitere Tests: In speziellen Fällen können weitere Tests erforderlich sein, wie z.B. eine Nervenwasseruntersuchung, kardiovaskuläre Funktionstests oder eine MIBG-Szintigraphie.

Therapie des Parkinson-Syndroms

Die Therapie des Parkinson-Syndroms zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Da es sich um eine fortschreitende Erkrankung handelt, ist die Behandlung in der Regel langfristig und muss im Laufe der Zeit angepasst werden.

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Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Therapie ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung des Parkinson-Syndroms. Die wichtigsten Medikamentengruppen sind:

  • Levodopa: Ein Medikament, das im Gehirn in Dopamin umgewandelt wird und den Dopaminmangel ausgleicht.
  • Dopaminagonisten: Medikamente, die an den Dopaminrezeptoren im Gehirn wirken und die Wirkung von Dopamin imitieren.
  • MAO-B-Hemmer: Medikamente, die den Abbau von Dopamin im Gehirn verlangsamen und so die Dopaminmenge erhöhen.
  • COMT-Hemmer: Medikamente, die den Abbau von Levodopa im Körper verlangsamen und so die Wirkung von Levodopa verlängern.
  • Amantadin: Ein Medikament, das die Dopaminfreisetzung im Gehirn erhöht und auch gegen Dyskinesien (unwillkürliche Bewegungen) wirksam sein kann.
  • Anticholinergika: Medikamente, die die Wirkung von Acetylcholin im Gehirn blockieren und so Tremor und Rigor lindern können.

Nicht-medikamentöse Therapie

Neben der medikamentösen Therapie spielen auch nicht-medikamentöse Maßnahmen eine wichtige Rolle bei der Behandlung des Parkinson-Syndroms. Dazu gehören:

  • Physiotherapie: Um die Beweglichkeit, Kraft und Koordination zu verbessern.
  • Ergotherapie: Um die Alltagskompetenzen zu erhalten und zu verbessern.
  • Logopädie: Um Sprach- und Schluckstörungen zu behandeln.
  • Psychotherapie: Um psychische Probleme wie Depressionen und Angstzustände zu bewältigen.
  • Ernährungstherapie: Um eine ausgewogene Ernährung sicherzustellen und Verdauungsprobleme zu behandeln.
  • Selbsthilfegruppen: Um sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und Unterstützung zu finden.

Tiefe Hirnstimulation (THS)

In bestimmten Fällen kann eine tiefe Hirnstimulation in Betracht gezogen werden. Bei diesem Verfahren werden Elektroden in bestimmte Hirnregionen implantiert, um die Aktivität der Nervenzellen zu modulieren. Die THS kann die Symptome von Parkinson deutlich verbessern, insbesondere Tremor, Rigor und Bradykinese.

Spezifische Therapien für atypische Parkinson-Syndrome

Die Behandlung von APS ist oft schwieriger als die Behandlung des IPS, da die Symptome oft schlechter auf die Standardmedikamente ansprechen. Die Therapie zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. In einigen Fällen können spezifische Medikamente oder Therapien eingesetzt werden, um die zugrunde liegende Erkrankung zu behandeln.

Frühsymptome und Prodromalphase

Den motorischen Kardinalsymptomen geht meist eine - oft jahrelange - Prodromalphase mit unklaren Beschwerden voraus. Typische Frühsymptome von Parkinson sind:

  • REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD)
  • Riechstörungen
  • Stimmungsschwankungen
  • Obstipation

Leben mit Parkinson

Die Diagnose Parkinson kann das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen stark beeinflussen. Es ist wichtig, sich frühzeitig mit der Erkrankung auseinanderzusetzen und sich professionelle Hilfe und Unterstützung zu suchen. Eine positive Einstellung, regelmäßige Bewegung und soziale Kontakte können dazu beitragen, die Lebensqualität trotz der Erkrankung zu erhalten.

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