Die Parkinson-Krankheit, eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem durch Bewegungsstörungen gekennzeichnet ist, betrifft weltweit Millionen von Menschen. Während die Forschung traditionell auf männliche Patienten ausgerichtet war, rückt zunehmend die Bedeutung von Geschlechtsunterschieden in den Fokus. Insbesondere der Zusammenhang zwischen Parkinson und den Wechseljahren, einer Phase hormoneller Umstellung im Leben einer Frau, gewinnt an Bedeutung. Dieser Artikel beleuchtet die komplexen Zusammenhänge zwischen diesen beiden Phänomenen und untersucht, wie sich hormonelle Veränderungen auf das Parkinson-Risiko und den Krankheitsverlauf auswirken können.
Die Rolle von Östrogen
Östrogene scheinen eine schützende Wirkung auf bestimmte Hirnregionen, insbesondere die Bahnen, die das Striatum und die Substantia nigra verbinden, auszuüben. Die Substantia nigra ist eine Hirnregion, die für die Produktion von Dopamin, einem wichtigen Neurotransmitter, verantwortlich ist. Bei Parkinson-Patienten sterben die dopaminproduzierenden Zellen in dieser Region ab, was zu einem Dopaminmangel führt.
Eine Studie aus den USA untersuchte den Einfluss einer Ovarektomie (Entfernung der Eierstöcke) vor der Menopause auf das Parkinson-Risiko. Die Studie verglich 1252 Frauen mit einseitiger und 1075 Frauen mit beidseitiger Ovarektomie mit 2368 Kontrollpersonen aus derselben Region. Die Ergebnisse zeigten, dass Frauen, bei denen vor der Menopause eine Ovarektomie durchgeführt wurde, ein erhöhtes Parkinson-Risiko hatten (Hazard Ratio 1,68). Das Risiko war umso höher, je jünger die Frauen bei dem Eingriff waren. Die Autoren schlossen daraus, dass es ein kritisches Zeitfenster für den neuroprotektiven Effekt von Östrogenen gibt.
Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein Östrogenmangel, wie er beispielsweise nach einer Ovarektomie oder in den Wechseljahren auftritt, das Risiko für die Entwicklung von Parkinson erhöhen könnte.
Wechseljahre und Parkinson-Risiko
Eine weitere Studie untersuchte die mögliche Assoziation zwischen dem Alter bei Eintritt in die Wechseljahre und dem Risiko einer Parkinson-Erkrankung. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein späterer Eintritt in die Wechseljahre mit einem geringeren Parkinson-Risiko verbunden sein könnte. Dies könnte darauf hindeuten, dass eine längere Exposition gegenüber Östrogenen einen schützenden Effekt haben könnte. Eine Studie kam zu dem Ergebnis, dass eine frühe Menopause (Alter <= 44 Jahre) das Parkinson-Risiko um 50% senkte.
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Zyklische Symptommuster bei Frauen mit Parkinson
Einige Frauen mit Parkinson berichten über zyklische Schwankungen ihrer Symptome, die mit ihrem Menstruationszyklus zusammenhängen. Diese Frauen leiden um ihre Periode herum unter mehr Parkinson-Symptomen und bemerken einen geringeren Nutzen ihrer Parkinson-Medikamente. Die Theorie besagt, dass der Östrogenabfall, der nach dem Eisprung und vor der nächsten Periode auftritt, dafür verantwortlich ist. Östrogen würde eine schützende Wirkung auf das Gehirn haben.
Annelien Oosterbaan, eine junge Frau mit Parkinson und Gynäkologin, bemerkte dieses zyklische Muster bei sich selbst und anderen Frauen mit Parkinson. Sie stellte fest, dass es kaum Forschung zu diesem Thema gab und startete daher eine Umfrage unter Frauen mit Parkinson in den Niederlanden. Die Ergebnisse bestätigten, dass viele Frauen unter einem hormonellen Einfluss auf ihre Parkinson-Symptome leiden und dass dieses zyklische Muster erhebliche Auswirkungen auf ihr Leben hat.
Schwangerschaft und Parkinson
Auch im Zusammenhang mit Schwangerschaft gibt es nur wenige Forschungsergebnisse bei Frauen mit Parkinson. Es ist nicht bekannt, ob sich die Parkinson-Krankheit durch eine Schwangerschaft dauerhaft verschlimmert oder ob es sich nur um eine vorübergehende Verschlechterung handelt. In der aktuellen Literatur finden sich vor allem Fallberichte und Fallserien, aber weder eine große Anzahl von Schwangerschaften beschrieben noch medizinische Protokolle, wie man die Frauen anleiten kann.
Um diese Wissenslücke zu schließen, wurde das internationale Schwangerschafts- und Parkinson-Register www.pregspark.com ins Leben gerufen. Dieses Register sammelt Daten von Frauen mit Parkinson auf der ganzen Welt, um den Verlauf der Schwangerschaft in Kombination mit Parkinson besser zu verstehen und medizinische Leitlinien für diese Frauen zu entwickeln.
Hormonersatztherapie und Parkinson
Die Auswirkungen einer Hormonersatztherapie (HRT) auf das Parkinson-Risiko sind noch nicht vollständig geklärt. Einige Studien deuten darauf hin, dass eine HRT das Parkinson-Risiko erhöhen könnte, während andere Studien keinen signifikanten Einfluss finden oder sogar eine Risikoreduktion beobachten.
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Eine Studie verglich 178 Parkinson-Patientinnen und 189 altersentsprechenden Frauen und fand heraus, dass das Erkrankungsrisiko hysterektomierter Frauen (mit oder ohne Oophorektomie) durch orale Östrogene um das 2,6-fache erhöht war. Dabei wirkte sich die Länge der Einnahme ungünstig aus. Bei den Frauen mit natürlicher einsetzender Menopause dagegen beeinflussten die Hormone das Parkinson-Risiko nicht signifikant. Bei einzelnen Subgruppen dieser Frauen (kombinierte Hormone, die lange und auch noch in letzter Zeit eingenommen) wurde das Erkrankungsrisiko sogar wesentlich reduziert (-70%), allerdings war die Patientengruppe zu klein, um verlässliche Aussagen zu treffen.
Eine andere Studie analysierte die medizinischen Daten von 379.352 Frauen im Alter von über 45 Jahren und fand heraus, dass eine Hormonersatztherapie das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer reduzieren kann. Nur Frauen, die mindestens ein bis drei Jahre hormonell behandelt wurden, erkrankten seltener an Alzheimer und ähnlichen Krankheiten. Frauen die sechs und mehr Jahre eine Hormonersatztherapie erhielten, hatten das geringste Erkrankungsrisiko. Zudem zeigte sich, dass eine orale Hormongabe besser schützt als eine transdermale und dass Medikamente mit natürlichen Östrogenen und Gestagenen den synthetischen Hormonen überlegen waren.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Ergebnisse dieser Studien widersprüchlich sind und dass weitere Forschung erforderlich ist, um die Auswirkungen einer HRT auf das Parkinson-Risiko und den Krankheitsverlauf vollständig zu verstehen.
Weitere Faktoren
Neben hormonellen Faktoren spielen auch andere Faktoren eine Rolle bei der Entwicklung von Parkinson. Dazu gehören genetische Faktoren, Umweltfaktoren und der Lebensstil.
Studien haben beispielsweise gezeigt, dass die Zusammensetzung des Darmmikrobioms über die Darm-Hirn-Achse Einfluss auf das zentrale Nervensystem nehmen und Erkrankungen wie Morbus Parkinson begünstigen kann. Eine ausgewogene Ernährung kann somit nicht nur zum Erhalt der Nervenzellen im Darm beitragen, sondern vermutlich ebenfalls eine Parkinson-Erkrankung um Jahre hinauszögern oder gar verhindern.
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Fazit
Der Zusammenhang zwischen Parkinson und den Wechseljahren ist komplex und noch nicht vollständig verstanden. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass hormonelle Veränderungen, insbesondere ein Östrogenmangel, das Parkinson-Risiko erhöhen und den Krankheitsverlauf beeinflussen können. Weitere Forschung ist erforderlich, um die genauen Mechanismen zu verstehen und gezielte Präventions- und Behandlungsstrategien für Frauen mit Parkinson zu entwickeln.
Es ist wichtig, dass Frauen mit Parkinson oder einem erhöhten Parkinson-Risiko ihren Arzt über ihre hormonelle Situation informieren und gemeinsam mit ihm die bestmögliche Behandlungsstrategie festlegen. Dazu gehören möglicherweise eine Hormonersatztherapie, eine Anpassung der Parkinson-Medikation und eine Lebensstiländerung mit einer ausgewogenen Ernährung und regelmäßiger Bewegung.
Annelien Oosterbaan betont, dass es wichtig ist, das Bewusstsein für die besonderen Bedürfnisse von Frauen mit Parkinson zu schärfen und die Forschung in diesem Bereich voranzutreiben. Sie hat es sich zur persönlichen Aufgabe gemacht, das Bewusstsein dafür zu schärfen und allen Menschen bewusst zu machen, dass die Parkinson-Krankheit auch bei Frauen und insbesondere bei jungen Frauen auftritt.
Die Bedeutung der Forschung
Die Forschung spielt eine entscheidende Rolle, um die komplexen Zusammenhänge zwischen Parkinson und den Wechseljahren besser zu verstehen. Durch weitere Studien können wir:
- Die genauen Mechanismen aufklären, wie hormonelle Veränderungen das Parkinson-Risiko und den Krankheitsverlauf beeinflussen.
- Gezielte Präventions- und Behandlungsstrategien für Frauen mit Parkinson entwickeln.
- Die Lebensqualität von Frauen mit Parkinson verbessern.
Es ist daher wichtig, dass die Forschung in diesem Bereich weiter gefördert wird.
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