Parkinson, umgangssprachlich auch als Schüttellähmung bekannt, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, von der in Deutschland schätzungsweise 400.000 Menschen betroffen sind. Die Erkrankung manifestiert sich typischerweise im höheren Lebensalter, wobei die meisten Betroffenen über 60 Jahre alt sind. Allerdings können auch jüngere Menschen, bereits ab dem 20. Lebensjahr, an Parkinson erkranken. Kennzeichnend für die Erkrankung ist das Absterben von Nervenzellen im Gehirn, insbesondere in der Substantia nigra, was zu einem Mangel des Botenstoffs Dopamin führt. Dieser Dopaminmangel beeinträchtigt die Bewegungssteuerung und führt zu den charakteristischen Symptomen der Parkinson-Krankheit.
Was ist Parkinson?
Die Parkinson-Krankheit, auch Morbus Parkinson genannt, ist eine chronische und fortschreitende Erkrankung des Nervensystems. Sie betrifft vor allem den Teil des Gehirns, der für die Kontrolle der Bewegungen zuständig ist. Die betroffenen Nervenzellen produzieren den Botenstoff Dopamin, der für die Signalübertragung zur Bewegungskontrolle unerlässlich ist. Sterben diese Nervenzellen ab, sinkt der Dopaminspiegel, was zu Beeinträchtigungen der Koordination und Bewegungsfähigkeit führt.
Ursachen von Parkinson
Die genauen Ursachen für das Absterben der Nervenzellen im Gehirn bei Parkinson sind bis heute nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren die Entstehung der Erkrankung begünstigt.
Dopaminmangel
Im Gehirn von Parkinson-Patienten sterben Nervenzellen ab, was zu einem Mangel an Dopamin führt. Dieser Botenstoff wirkt auf bestimmte Hirngebiete und steuert so die Muskelfunktion und damit die Bewegungen. Fehlt es an Dopamin, werden Nervenzellen in diesen Hirngebieten überaktiv, was zur typischen Schüttellähmung führt.
Defekte Kernkörperchen
Wissenschaftler haben festgestellt, dass die Dopamin produzierenden Nervenzellen von Parkinson-Patienten häufig defekte Kernkörperchen enthalten. Kernkörperchen sind winzige Strukturen im Zellkern, die für die Proteinsynthese notwendig sind. Fehlerhafte Kernkörperchen können die molekularen Abläufe der Nervenzellen verändern und zu oxidativem Stress führen, was die Zellen schädigen und die typischen Nervenschäden bei Parkinson verursachen kann.
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Genetische Faktoren
In etwa 5 bis 10 % der Fälle ist Parkinson genetisch bedingt. Bei diesen erblichen Formen der Erkrankung liegt eine Veränderung in einem bestimmten Gen vor, die von den Eltern an die Kinder weitergegeben wird. Diese genetischen Defekte können dazu führen, dass sich Proteine falsch falten und in den Zellen ablagern, was deren Funktion beeinträchtigt und zum Zelltod führt.
Umweltfaktoren
Verschiedene Umweltfaktoren können das Risiko für eine Parkinson-Erkrankung erhöhen. Dazu zählen unter anderem:
- Pestizide: Studien haben gezeigt, dass Menschen, die Pestiziden ausgesetzt sind, ein erhöhtes Parkinson-Risiko haben.
- Lösungsmittel: Auch der Kontakt mit bestimmten Lösungsmitteln kann das Risiko für die Erkrankung erhöhen.
- Kopfverletzungen: Bestimmte Arten von Kopfverletzungen, wie sie beispielsweise beim Boxen vorkommen, können das Risiko für Parkinson erhöhen.
Weitere mögliche Ursachen
Neben den genannten Faktoren gibt es noch weitere mögliche Ursachen für Parkinson, darunter:
- Medikamente: Einige Medikamente, insbesondere Neuroleptika, können Parkinson-ähnliche Symptome verursachen.
- Andere Erkrankungen: In seltenen Fällen kann Parkinson auch durch andere Erkrankungen, wie beispielsweise Hirntumore oder Entzündungen des Gehirns, ausgelöst werden.
- Oxidativer Stress: Ein Ungleichgewicht zwischen Oxidantien und Antioxidantien im Körper kann zu oxidativem Stress führen, der die Nervenzellen schädigen und zum Zelltod beitragen kann.
- Darm-Hirn-Achse: Es gibt Hinweise darauf, dass eine gestörte Darmflora und Entzündungen im Darm eine Rolle bei der Entstehung von Parkinson spielen könnten.
- Autoimmunreaktion: Einige Experten vermuten, dass Parkinson zumindest teilweise eine Autoimmunerkrankung sein könnte, bei der das Immunsystem fälschlicherweise körpereigene Proteine angreift.
Parkinson-Syndrome
Das Parkinson-Syndrom umfasst verschiedene Erkrankungen, die ähnliche Symptome wie Bewegungsstörungen, Muskelsteifheit und Zittern aufweisen. Man unterscheidet zwischen:
- Idiopathisches Parkinson-Syndrom (IPS): Die häufigste Form, bei der die Ursachen unbekannt sind.
- Genetisch bedingtes Parkinson-Syndrom: Tritt gehäuft in Familien auf.
- Atypisches Parkinson-Syndrom: Tritt im Zusammenhang mit anderen neurologischen Erkrankungen auf.
- Symptomatisches Parkinson-Syndrom: Wird durch äußere Faktoren wie Medikamente oder Vergiftungen verursacht.
Symptome von Parkinson
Die Symptome von Parkinson können von Person zu Person variieren und sich im Laufe der Zeit verändern. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
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- Tremor: Zittern der Hände, Arme, Beine oder des Kiefers, meist im Ruhezustand.
- Rigor: Muskelsteifheit, die zu Bewegungseinschränkungen und Schmerzen führen kann.
- Bradykinese: Verlangsamung der Bewegungen, die sich in Schwierigkeiten beim Gehen, Schreiben oder Anziehen äußern kann.
- Posturale Instabilität: Gleichgewichtsstörungen, die zu Stürzen führen können.
- Weitere Symptome: Depressionen, Schlafstörungen, Verstopfung, Riechstörungen, kognitive Beeinträchtigungen.
Diagnose von Parkinson
Die Diagnose von Parkinson wird in der Regel durch eine neurologische Untersuchung und ein ausführliches Gespräch mit einem Neurologen gestellt. Dabei werden die Symptome des Patienten erfasst und verschiedene Tests durchgeführt, um die Beweglichkeit, Reflexe und Koordination zu überprüfen. In einigen Fällen können auch bildgebende Verfahren wie MRT oder CT eingesetzt werden, um andere Erkrankungen auszuschließen.
Behandlung von Parkinson
Parkinson ist derzeit nicht heilbar, aber es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die die Symptome lindern und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern können. Dazu gehören:
- Medikamentöse Therapie: Medikamente wie Levodopa, Dopaminagonisten und MAO-B-Hemmer können den Dopaminmangel im Gehirn ausgleichen und die Bewegungsstörungen reduzieren.
- Tiefe Hirnstimulation (THS): Ein chirurgischer Eingriff, bei dem Elektroden in bestimmte Hirnregionen implantiert werden, um die Nervenaktivität zu modulieren und die Symptome zu lindern.
- Physiotherapie: Übungen zur Verbesserung der Beweglichkeit, Koordination und des Gleichgewichts.
- Ergotherapie: Training von Alltagsbewegungen und -tätigkeiten.
- Logopädie: Behandlung von Sprach- und Schluckstörungen.
- Weitere Therapien: Psychotherapie, Ernährungstherapie, Selbsthilfegruppen.
Leben mit Parkinson
Die Parkinson-Krankheit kann das Leben der Betroffenen und ihrer Familien erheblich beeinträchtigen. Es ist wichtig, sich frühzeitig über die Erkrankung zu informieren und sich professionelle Hilfe zu suchen. Mit der richtigen Behandlung und Unterstützung können Menschen mit Parkinson ein aktives und erfülltes Leben führen.
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