Die Entdeckung der Parkinson-Krankheit: Eine historische Reise

Die Parkinson-Krankheit, auch bekannt als Morbus Parkinson oder Schüttellähmung, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft. Obwohl die Krankheit erst im 19. Jahrhundert detailliert beschrieben wurde, reichen Hinweise auf Parkinson-ähnliche Symptome bis in die Antike zurück. Dieser Artikel beleuchtet die historische Entwicklung der Erkenntnisse über die Parkinson-Krankheit, von den ersten Beschreibungen bis zu den modernen Therapieansätzen.

Frühe Hinweise und Vorläufer

Die ersten Beschreibungen von Menschen mit Symptomen, die auf die Parkinson-Krankheit hindeuten, lassen sich bis ins alte Ägypten zurückverfolgen. Auch in der Bibel und in den Schriften von Claudius Galenus finden sich Hinweise auf ähnliche Zustände. Bis zum 17. Jahrhundert gab es jedoch kaum spezifische Erwähnungen der Krankheit in der medizinischen Literatur.

Im 17. und 18. Jahrhundert beschrieben verschiedene Ärzte und Wissenschaftler, darunter Auguste François Chomel, John Hunter, Hieronymus David Gaubius und Franciscus Sylvius, Symptome, die denen der Parkinson-Krankheit ähnelten. Diese frühen Beobachtungen legten den Grundstein für ein besseres Verständnis der Krankheit.

James Parkinson und die Erstbeschreibung

Ein entscheidender Moment in der Geschichte der Parkinson-Krankheit war das Jahr 1817, als der britische Arzt James Parkinson (1755-1824) seine Monographie "An Essay on the Shaking Palsy" veröffentlichte. In dieser Arbeit beschrieb er detailliert die Symptome der "Schüttellähmung", wie er die Krankheit nannte. Parkinson erkannte, dass die Krankheit schleichend beginnt und sich langsam fortschreitend entwickelt.

Parkinson stützte seine Beobachtungen auf nur sechs Fälle, darunter drei eigene Patienten. Trotz der geringen Fallzahl gelang es ihm, die wichtigsten Symptome der Krankheit präzise zu beschreiben:

Lesen Sie auch: Parkinson-Medikamente: Was Sie beachten müssen

  • Tremor: Zittern in Ruhe, das sich bei Bewegung bessert.
  • Akinese: Bewegungsarmut oder -verlangsamung.

James Parkinson beobachtete und beschrieb zwei der typischen sogenannten Kardinalsymptome von Parkinson, nämlich das Zittern (Tremor) und die Bewegungsarmut (Akinese).

Obwohl Parkinson die Krankheit als "Schüttellähmung" bezeichnete, erkannte er, dass es sich nicht um eine Lähmung im eigentlichen Sinne handelte. Er vermutete, dass die Ursache der Symptome in einer Veränderung des Rückenmarks liegt.

Charcot und die Benennung der Krankheit

Fünf Jahrzehnte nach Parkinsons Veröffentlichung wies der französische Neurologe Jean-Martin Charcot auf die Bedeutung von Parkinsons Arbeit hin. Charcot erkannte, dass Tremor und Bewegungsstörungen zu einem einzigen neurologischen Krankheitsbild gehören. Er war jedoch der Ansicht, dass die Bezeichnung "Schüttellähmung" irreführend ist, da sie den Eindruck einer Lähmung erweckt.

Im Jahr 1876 schlug Charcot vor, die Krankheit stattdessen "Morbus Parkinson" zu nennen, um James Parkinsons Verdienste zu würdigen. Diese Bezeichnung setzte sich international durch und ist bis heute gebräuchlich. Das dritte wichtige Kardinalsymptom der Parkinson Krankheit wurde erst etwas später, etwa 1867, von dem französischen Neurologen Jean M. Charot identifiziert. Er beschrieb die Muskelstarre, auch Rigor genannt, und erkannte damals schon, dass sich hinter dem Rigor keine echte Lähmung verbirgt, sondern es sich vielmehr um eine spezielle Steifigkeit handelt.

Weitere wichtige Entdeckungen

Nach der Erstbeschreibung durch Parkinson und der Benennung durch Charcot folgten weitere wichtige Entdeckungen, die das Verständnis der Parkinson-Krankheit vertieften.

Lesen Sie auch: Die Stadien der Parkinson-Krankheit erklärt

Konstantin Nikolaevitch Tretiakoff

Konstantin Nikolaevitch Tretiakoff (1892-1958), ein russischer Neuropathologe, beschrieb während seiner Dissertation in Paris die Degeneration der Substantia nigra. Er war der Erste, der die anatomische Struktur der Nigra mit der Parkinson-Krankheit in Verbindung brachte. Von C. Tretjakow wurde bereits 1819 und später Anfang des 20. Jahrhunderts eine Veränderung im Gehirn bei verstorbenen Parkinson-Patienten gefunden. Es fiel die helle Färbung eines bei Gesunden normalerweise schwarzen Zellgebiet (Substantia nigra) auf.

Frederic Lewy

Frederic Lewy (1885-1950), ein deutsch-amerikanischer Neurologe, entdeckte in den Gehirnen von Parkinson-Patienten abnormale Proteinablagerungen, die später als Lewy-Körperchen bekannt wurden. Diese Lewy-Körperchen spielen eine wichtige Rolle bei der Pathogenese der Parkinson-Krankheit.

Rolf Hassler

Rolf Hassler (1914-1984), ein deutscher Pathologe, veröffentlichte 1938 Autopsieberichte von Parkinson-Patienten, die zeigten, dass die Substantia nigra pars pallidus der am stärksten betroffene Teil des Gehirns ist. Er stellte fest, dass dieser Teil viele Neuronen verloren hatte und eine reichliche Anhäufung von Lewy-Körperchen aufwies.

Arvid Carlsson

Arvid Carlsson (1923), ein schwedischer Wissenschaftler und Nobelpreisträger, leistete bahnbrechende Arbeiten auf dem Gebiet des Neurotransmitters Dopamin und dessen Auswirkungen auf die Parkinson-Krankheit. Im Jahr 1957 demonstrierte Carlsson, dass Dopamin ein Neurotransmitter ist, der sich im Gehirn befindet und Signale von einer Nervenzelle zur anderen überträgt.

Carlsson entwickelte eine Methode, um die Menge an Dopamin im Gehirngewebe zu messen. Er entdeckte, dass der Dopamingehalt der Basalganglien - der Abschnitt des Gehirns, der die Bewegungen steuert - sehr hoch war. Er fand weiterhin heraus, dass bei Tieren, denen der Arzneistoff Reserpin verabreicht wurde, der Dopamingehalt in den Basalganglien abnahm und weniger Kontrollen über ihre Bewegungen hatten. Diese Auswirkungen waren vergleichbar mit Menschen, die an der Parkinson-Krankheit litten.

Lesen Sie auch: Überblick zur Dopamin-Erhöhung bei Parkinson

Durch die Verabreichung von Levodopa (L-DOPA), einem Vorläufer von Dopamin, an dieselben Tiere konnte er die Auswirkungen wieder rückgängig machen. Diese Entdeckung führte dazu, dass Ärzte Patienten mit der Parkinson-Krankheit das Medikament Levodopa verabreichten, in der Hoffnung, dass die Symptome schwächer werden. Für seine Forschung erhielt Carlsson im Jahr 2000 den Nobelpreis für Medizin.

Anfang der 60er-Jahre konnten dann die Wissenschaftler Herbert Ehringer und Oleh Hornykiewicz als erste den verminderten Dopamingehalt im Hirnstamm bei verstorbenen Parkinson-Patienten nachweisen.

Casimir Funk

Casimir Funk (1884-1967), ein polnischer Biochemiker, synthetisierte Levodopa (L-DOPA) im Jahr 1911. Bis zum Aufkommen von Levodopa waren Anticholinergikum und Chirurgie die einzigen verfügbaren Behandlungen für Patienten mit Parkinson.

Die Entwicklung der Therapie

Die Entdeckung des Dopaminmangels als Ursache der Parkinson-Symptome in den 1960er Jahren war ein Meilenstein in der Therapie der Krankheit. Die Entwicklung von L-Dopa, einem Medikament, das im Gehirn in Dopamin umgewandelt wird, ermöglichte es, die Symptome der Krankheit deutlich zu lindern.

Nach einigen Jahren lässt die Wirkung jedoch nach; starke Nebenwirkungen stellen sich ein.

In den späten 1980er Jahren wurde die tiefe Hirnstimulation (THS) eingeführt, die die Lebensqualität vieler Betroffener verbesserte. Bei diesem Verfahren werden feine Elektroden ins Gehirn eingesetzt, die elektrische Impulse abgeben und die Wirkung des Dopamins nachahmen können.

Aktuell konzentriert sich die Forschung auf die Früherkennung und die Entwicklung von Therapien, die das Absterben von Nervenzellen im Gehirn verlangsamen oder sogar stoppen. Die Entdeckung genetischer Faktoren und Mutationen seit den 1990er-Jahren eröffnete neue therapeutische Ansatzpunkte. Auch Gen- und Stammzelltherapien werden intensiv erforscht.

Aktuelle Herausforderungen und zukünftige Perspektiven

Obwohl die Therapie der Parkinson-Krankheit in den letzten Jahrzehnten erhebliche Fortschritte gemacht hat, gibt es noch immer viele Herausforderungen. Die Ursache der Krankheit ist noch immer nicht vollständig geklärt, und es gibt keine Heilung.

Die Forschung konzentriert sich daher auf die Früherkennung der Krankheit, die Entwicklung von Therapien, die das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen oder stoppen können, und die Entwicklung neuer Medikamente, die die Symptome besser kontrollieren können.

Die Erkenntnisse der letzten Jahre haben uns einer kausalen Therapie so nahegebracht wie nie zuvor.

Parkinson in Zahlen

Parkinson ist die am schnellsten zunehmende Hirnerkrankung weltweit. In Deutschland gibt es nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) rund 400.000 Betroffene. Weltweit hat sich die Zahl der Parkinsonpatienten von 2,5 Millionen 1990 auf etwa 6,1 Millionen 2016 erhöht.

Nur zehn Prozent aller Parkinsonpatienten erkranken schon vor dem 50. Lebensjahr. Selbst junge Menschen im Alter von zwanzig Jahren können aber betroffen sein, wenn auch selten.

tags: #parkinson #wer #hat #es #gesagt