Partner hat Migräne: Was tun? Ein umfassender Leitfaden für den Umgang mit Migräne in Beziehungen

Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die weit mehr als nur Kopfschmerzen verursacht. Sie kann das Leben der Betroffenen und ihrer Partner erheblich beeinträchtigen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick darüber, wie man als Partner mit Migräne umgehen kann, von der Bewältigung des Alltags bis hin zur Stärkung der Beziehung.

Einführung

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Die Erkrankung kann das tägliche Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen und auch die Beziehungen zu ihren Partnern belasten. Es ist wichtig, sich über die Erkrankung zu informieren und Strategien zu entwickeln, um den Alltag gemeinsam zu bewältigen und die Partnerschaft zu stärken.

Der Migräne-Alltag zu zweit

Migräne ist mehr als nur Kopfschmerzen. Zu den Symptomen gehören Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Übelkeit, Erbrechen, Schwäche und Wortfindungsstörungen. Die Kopfschmerzen können so stark sein, dass sie den Alltag kurzzeitig unmöglich machen. Betroffene können oft mehrere Tage im Monat ausfallen, was zu Stress, Frust und Unsicherheit beim Partner führen kann.

Anpassungen im Alltag

Um mit diesen Herausforderungen umzugehen, können Paare folgende Anpassungen vornehmen:

  • Flexible Tagesabläufe: Gemeinsame Aktivitäten und Verabredungen können möglicherweise nicht eingehalten werden. Ein flexibler Tagesablauf mit genügend zeitlichen Puffern kann helfen, Ausfälle zu kompensieren.
  • Unterstützung bei der Vermeidung von Auslösern: Partner können Betroffene dabei unterstützen, Migräneauslöser zu vermeiden, wie Alkohol, Nikotin und unregelmäßige Schlafgewohnheiten. Ein geregelter Alltag mit ausreichend Schlaf, Stressmanagement und Entspannungstechniken kann ebenfalls helfen.
  • Blutzuckerstabile Ernährung: Die Unterstützung bei einer blutzuckerstabilen Ernährung kann ebenfalls helfen, Migräne vorzubeugen. Die App sinCephalea kann hierbei unterstützen, indem sie den Zusammenhang zwischen Blutzucker und Migräne aufzeigt und hilft, Lebensmittel zu vermeiden, die den Blutzucker in die Höhe schnellen lassen.
  • Offene Kommunikation: Eine offene und ehrliche Kommunikation über die Herausforderungen und Gefühle ist essenziell, um die Beziehung zu stärken.

Sex und Migräne: Gemeinsam Intimität erleben

Sex kann sich unterschiedlich auf Migräne-Betroffene auswirken. Bei manchen kann er einen Anfall auslösen, besonders bei intensiver körperlicher Aktivität. Bei anderen kann sexuelle Aktivität die Beschwerden lindern, da beim Orgasmus Endorphine freigesetzt werden. Während einer Attacke ist für die meisten Betroffenen jedoch nicht an Sex zu denken.

Lesen Sie auch: Wie man Partner von Menschen mit Parkinson unterstützt

Umgang mit den Auswirkungen auf das Sexualleben

  • Ehrliche Kommunikation: Es ist wichtig, offen und ehrlich über die Auswirkungen der Migräne auf das Sexualleben zu sprechen.
  • Alternative Möglichkeiten der Intimität: Körperliche Nähe, sanfte Berührungen oder Massagen können alternative Möglichkeiten sein, intim zu sein, ohne den Betroffenen zu überfordern.
  • Geduld und Verständnis: Geduld und Verständnis füreinander können die Beziehung stärken.

Eine Studie deutet darauf hin, dass Sex mitunter gegen Migräne und Kopfschmerzen helfen kann, während er in anderen Fällen die Beschwerden auslösen kann. Laut einer Studie verzichten rund zwei Drittel der Migränepatienten während einer Attacke auf Sex. Überraschenderweise verspürten 60 Prozent derjenigen, die es ausprobierten, eine Verbesserung ihrer Beschwerden. Dies könnte daran liegen, dass die Betroffenen abgelenkt sind und vermehrt Endorphine ausschütten, welche Schmerzen unterdrücken und ein Hochgefühl auslösen können. Bei 33 Prozent der Studienteilnehmer half Sex jedoch nicht gegen die Kopfschmerzen. Bei Patienten mit Cluster-Kopfschmerzen verspüren nur 37 Prozent eine schmerzlindernde Wirkung durch Sex. Im Gegensatz dazu kann Sex auch ein Auslöser von Migräne oder Kopfschmerzen sein, was als Sexualkopfschmerz bezeichnet wird. Experten vermuten als Ursache eine plötzliche Blutdruckveränderung im Gehirn, die zu einer Fehlversorgung führen kann.

Migräne, Schwangerschaft und Kindererziehung

Migräne kann Schwangerschaft, Stillzeit und Kindererziehung vor zusätzliche Herausforderungen stellen. Hormonelle Schwankungen und veränderte Medikation können die Häufigkeit und Schwere der Migräne beeinflussen. Auch die Kindererziehung kann eine zusätzliche Belastung darstellen, da der Ausfall eines Elternteils zu außerordentlichen Belastungen des anderen führen kann.

Strategien für Familien mit Migräne

  • Information: Informieren Sie sich gut über wirksame Behandlungsmöglichkeiten während der Schwangerschaft und Stillzeit.
  • Flexible Erziehungsarbeit: Entwickeln Sie ein flexibles Konzept für die gemeinsame Erziehungsarbeit, einschließlich Notfallpläne für die Kinderbetreuung und alltägliche Aufgaben.
  • Netzwerk: Bauen Sie ein gutes Netzwerk aus Familie, Nachbarschaft und Freunden auf, die im Notfall einbezogen werden können.

Herausforderungen für Partner

Partner von Migräne-Betroffenen können sich hilf- und machtlos fühlen und den Schmerz des Partners nicht lindern können. Ständige Absagen oder Verschiebungen von Plänen sowie die Übernahme von mehr Verantwortung im Haushalt können zu Frust und Ärger führen und die Beziehung belasten. Untersuchungen haben gezeigt, dass Partner von Migräne-Betroffenen aufgrund der Unvorhersehbarkeit der Attacken vermehrt Stress und Ängste entwickeln können.

Umgang mit den eigenen Gefühlen

  • Ansprechen der Gefühle: Es ist wichtig, diese Gefühle anzusprechen und mit Bekannten, Familienmitgliedern oder Therapeuten darüber zu sprechen.
  • Anpassung an die Realität: Passen Sie sich an die Realität des Lebens mit Migräne an und bleiben Sie dennoch für Ihren Partner da.

Tipps zur Unterstützung von Migräne-Betroffenen

  1. Information: Informieren Sie sich gut über die Erkrankung, ihre Auswirkungen und Behandlungsmöglichkeiten. Befragen Sie Betroffene über individuelle Auslöser, Symptome und was ihnen im Akutfall oder auch prophylaktisch hilft.
  2. Flexibler Tagesablauf und Notfallplan: Schaffen Sie einen flexiblen Tagesablauf und erarbeiten Sie einen Notfallplan, um Frust und Stress zu reduzieren.
  3. Unterstützung: Bieten Sie Unterstützung bei der Prophylaxe und im Akutfall an. Fragen Sie: "Wie kann ich dich jetzt unterstützen?"
  4. Kommunikation: Sprechen Sie über die Herausforderungen und Gefühle und finden Sie gemeinsam Lösungen.
  5. Akzeptanz: Akzeptieren Sie die Erkrankung als Teil der Beziehung.
  6. Selbstfürsorge: Kümmern Sie sich gut um sich selbst, nehmen Sie Ihre Bedürfnisse und Grenzen wahr und kommunizieren Sie diese offen und ehrlich.

Was kann man bei einer Migräneattacke tun?

Zunächst können allgemeine Maßnahmen versucht werden, um den Migränekopfschmerz zu lindern. Es kann ausreichend sein, körperliche Arbeit zu unterbrechen, sich hinzulegen und sich mit Verdunkelung oder Abstellen des Radios eine Reizabschirmung zu verschaffen. Hilfreich kann eine selbst durchgeführte Akupressur mit Druck auf die Schläfen- und Nackenmuskulatur sein. Bewährt hat sich eine Kühlung der Stirn und/oder des Nackens, z. B. mit einem „Coldpack“ aus dem Eisschrank oder durch Auftragen von Pfefferminzöl auf die Stirn und den Nacken beidseits, das durch Verdunstung ebenfalls kühlt.

Reichen diese Maßnahmen nicht aus, dann kann die Migräneattacke mit einem freiverkäuflichen Schmerzmittel oder einem speziellen Migränemedikament behandelt werden. Je früher das Medikament zu Beginn einer Migräneattacke eingenommen wird, umso wirksamer ist es. Werden Migränemittel zur akuten Attackenbehandlung häufiger als 10-mal im Monat eingenommen, kann paradoxerweise die Häufigkeit der Migräneattacken zunehmen und sich das Migräneleiden verschlimmern.

Lesen Sie auch: Lesen Sie mehr über die Initiative Demenz Partner

Treten Migräneattacken mehrmals im Monat auf oder halten Attacken sehr lange an und reagieren nicht ausreichend auf die medikamentöse Akuttherapie, dann kann eine Behandlung mit vorbeugend wirksamen Medikamenten erfolgen.

Akupunktur besitzt nur eine geringe Bedeutung in der Behandlung einer akuten Migräneattacke. Sie besitzt eine Wirksamkeit in der Vorsorgebehandlung der Migräne. Eine sichere Wirksamkeit homöopathischer Behandlungsansätze der Migräne ist nicht gegeben. Behandlungsversuche können mit der hochdosierten Einnahme von Vitamin B2 in Kombination mit Magnesium, Co-Enzym Q10 und Omega 3-Fettsäuren unternommen werden. Die Substanzen sind als diätetische Lebensmittel erhältlich.

Gegen den Spannungskopfschmerz und die Migräne hilft regelmäßiger, lockerer Ausdauersport an der frischen Luft, zum Beispiel abends. Das hat auch einen schlafanstoßenden Effekt. Ergänzend zum Sport kann auch ein geregelter Tagesablauf helfen. Man sollte immer zur gleichen Zeit aufstehen und zu Bett gehen, immer zur gleichen Zeit Mahlzeiten einnehmen und im Idealfall auf Fast Food, Cola und zu viel Kaffee verzichten.

Migräne-Mythen und Fakten

Es ist wichtig, mit einigen gängigen Missverständnissen aufzuräumen:

  • Migräne ist nicht nur ein stressiges Leben: Migräne ist eine neurologische Erkrankung.
  • Migräne ist kein simpler Kopfschmerz: Chronische Migräne ist einer der schlimmsten Schmerzzustände.
  • Migräne ist keine Einbildung: Betroffene sind weder arbeitsunwillig noch psychisch krank.
  • Migräne wird nicht durch Allergien verursacht: Diäten sind wirkungslos.
  • Migräne ist nicht heilbar: Es gibt jedoch viele Möglichkeiten, die Häufigkeit und Intensität der Attacken zu reduzieren.

Die Rolle der Selbsthilfegruppen

Selbsthilfegruppen bieten Betroffenen und ihren Angehörigen die Möglichkeit, sich auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen. In den Gruppen können persönliche Erfahrungen ausgetauscht, Kraft aus Gesprächen geschöpft und Informationen über neue Behandlungsmöglichkeiten erhalten werden.

Lesen Sie auch: Unterstützung für Partner von Parkinson-Patienten

Neue Therapieformen

Es gibt verschiedene neue Therapieformen zur Prophylaxe und Akutbehandlung von Migräne:

  • Botox®: Zugelassen zur Behandlung der chronischen Migräne.
  • CGRP-Antikörper: Spezifisch für die Migräne entwickelt und gut verträglich.
  • Lasmiditan: Ein spezifisches Akut-Medikament.

Geschenkideen für Menschen mit Migräne

Geschenke für Menschen mit Migräne zu finden, ist oft nicht leicht. Hier sind einige Ideen:

  • Gutscheine: Osteopathie, Massage, Akupunktur oder Fußreflexzonenmassage.
  • Gemeinsame Zeit: Entspannter Tag in der Natur oder Besuch eines Thermalbades.
  • Bewegung: Einzelstunde bei einem Personal Trainer oder Equipment für zu Hause.
  • Selbstfürsorge: Triggerpunkt-Geräte, Körperbürsten, hochwertige Haarbürste oder selbstgemachtes Öl.
  • Körper und Immunsystem: Regentonne zum Kaltbaden, basisches Badesalz oder ein hübsches Tagebuch.
  • Aufmerksamkeit: Selbstgestaltete Liste mit Wünschen während einer Migräneattacke oder ein Gutschein für eine Kopfmassage.
  • Kopfhörer: Um sich bei Lärm oder beim Einkaufen in die Ruhe zu bringen.

tags: #partner #hat #migrane