Einleitung
Im Laufe der Jahre gab es immer wieder Spekulationen über den Gesundheitszustand von Päpsten. Im Herbst 2015 wurde Papst Franziskus Gegenstand solcher Spekulationen, als die italienische Tageszeitung "Quotidiano Nazionale" berichtete, dass bei ihm ein gutartiger Hirntumor festgestellt worden sei. Diese Nachricht löste eine Welle von Dementis, Anschuldigungen und Verschwörungstheorien aus, die die Medienlandschaft und den Vatikan selbst erschütterten. Dieser Artikel untersucht die Ereignisse im Zusammenhang mit den Hirntumor-Gerüchten um Papst Franziskus und beleuchtet die verschiedenen Perspektiven und Reaktionen auf diese brisante Nachricht.
Die Ursprüngliche Meldung
Am Mittwoch, dem [Datum nicht im Text genannt], veröffentlichte die italienische Tageszeitung "Quotidiano Nazionale" (QN) in ihrer toskanischen Regionalausgabe einen Artikel mit der Schlagzeile: "Papst Franziskus ist krank." Der Artikel behauptete, dass bei dem 78-jährigen Papst ein "kleiner, dunkler Fleck im Gehirn" diagnostiziert worden sei. Laut der Zeitung handelte es sich um einen gutartigen Tumor, der behandelt werden könne und keiner Operation bedürfe. Die Zeitung berichtete weiter, dass sich der Papst von einem japanischen Spezialisten namens Takanori Fukushima habe untersuchen lassen. Die Nachricht beruhte angeblich auf Aussagen einer Krankenschwester der italienischen Klinik San Rossore, die das Krankenblatt gelesen und von der Diagnose berichtet haben soll. Darüber hinaus sollen auch Vatikanmitarbeiter von der Visite des japanischen Spezialisten gewusst haben.
Umgehendes Dementi des Vatikans
Der Vatikan reagierte prompt und wies die Meldung entschieden zurück. Vatikansprecher Federico Lombardi bezeichnete die Nachricht als "völlig unbegründet" und "verantwortungslos". Er betonte, dass der Papst ohne Unterbrechung seinen sehr intensiven Aktivitäten nachgehe und dass die Verbreitung derartiger Falschmeldungen höchst unverantwortlich sei und keine Aufmerksamkeit verdiene. Lombardi fügte hinzu, dass der Papst ihm persönlich bestätigt habe, dass er mit keinem japanischen Tumorexperten zusammengetroffen sei und keine der behaupteten Untersuchungen stattgefunden hätten. Er wies auch die Behauptung zurück, dass im fraglichen Monat Januar auswärtige Hubschrauber im Vatikan gelandet seien.
Reaktion der Zeitung und des Chefredakteurs
Trotz des Dementis des Vatikans blieb der Chefredakteur der "Quotidiano Nazionale", Andrea Cangini, bei seiner Darstellung. Er erklärte, dass die Zeitung die Nachricht lange zurückgehalten habe, um den Fall nach allen Seiten zu überprüfen, und dass man nicht den geringsten Zweifel an der Stichhaltigkeit der Informationen habe. Cangini sagte, er habe mit dem Dementi des Vatikans gerechnet, da dies "verständlich und zu erwarten gewesen" sei. Er betonte jedoch, dass die Zeitung die Nachricht erst nach sorgfältiger Prüfung ihrer Informationen veröffentlicht habe und über dokumentarische Beweise verfüge.
Dementi des angeblichen Arztes
Auch der angebliche Arzt des Papstes, Takanori Fukushima, dementierte die Behandlung von Papst Franziskus. Laut der US-Nachrichtenagentur Reuters veröffentlichte sein Büro in den USA eine Erklärung, wonach er den Papst nie medizinisch untersucht habe und diese Geschichten "komplett falsch" seien. Fukushima bestätigte lediglich, dass er den Papst Ende vergangenen Jahres anlässlich einer Generalaudienz auf dem Petersplatz einmalig persönlich getroffen habe.
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Verschwörungstheorien und Spekulationen
Trotz der Dementis aus dem Vatikan und von Fukushima selbst kursierten in den italienischen Medien weiterhin Verschwörungstheorien und Spekulationen über die angebliche Erkrankung von Papst Franziskus. Einige Medien fragten sich, wer sich den Papst tot wünsche und ob es eine versteckte Intrige gegen ihn gebe. Viele Zeitungen vermuteten eine konservative Opposition gegen Franziskus als Rädelsführer der angeblichen Verschwörung.
Die Tageszeitung "La Repubblica" zog sogar einen Vergleich zum "Vatileaks"-Skandal von 2012, bei dem vertrauliche Papiere aus dem Vatikan an die Öffentlichkeit gelangten und eine Spaltung in der Kurie deutlich machten. Monsignore Gianfranco Girotti, der frühere Chef der apostolischen Pönitentiarie, sprach von einer "Aktion des Teufels" und verwies auf weitere beunruhigende Momente, wie das Outing des schwulen polnischen Priesters Krzysztof Charamsa.
Der deutsche Kardinal Walter Kasper vermutete ein "Störmanöver" für die laufende Bischofssynode im Vatikan und schloss eine nervöse Reaktion von Personen nicht aus, die mit Sorge auf den Ausgang der Synode blickten. Er wies darauf hin, dass einige Personen mit dem Kurs des Papstes nicht einverstanden seien.
Der Kontext der Bischofssynode
Die Nachricht über die angebliche Erkrankung des Papstes fiel in die Zeit der dreiwöchigen Bischofssynode zu Ehe und Familie im Vatikan. Bei diesem Treffen gab es heftigen Widerstand gegen Reformen. Konservative Kirchenfürsten hatten einen Brandbrief an den Papst geschrieben, in dem sie forderten, dass die Synode nicht von der Frage des Umgangs der katholischen Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen dominiert werden dürfe.
Einige Beobachter sahen in der Veröffentlichung der Nachricht über den angeblichen Hirntumor einen Versuch, die Autorität des Papstes zu untergraben und die laufende Synode zu beeinflussen. Die Tageszeitung "Il Giornale" fragte sogar: "Kirche im Chaos: Wer wünscht sich den Papst tot?"
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Gesundheitliche Vorgeschichte von Papst Franziskus
Es ist bekannt, dass Papst Franziskus in seiner Jugend nach einer Lungenentzündung ein Teil seiner Lunge entfernt wurde. Zudem leidet er an Entzündungen des Ischiasnervs, was seinen manchmal leicht humpelnden Gang erklärt. Auch ein Problem mit dem rechten Hüftgelenk trägt dazu bei. In Interviews hatte der Papst angedeutet, dass er glaube, nur noch ein paar Jahre zu leben zu haben.
Gesundheit der Päpste als Thema
Die Gesundheit der Päpste war schon oft Gegenstand von Spekulationen. Lange galten Krankheiten oder medizinische Eingriffe des jeweiligen Pontifex als Geheimsache im Vatikan. Dies änderte sich erst, als Johannes Paul II. in den 90er-Jahren an Parkinson erkrankte und trotz seines erkennbar immer schlechteren Gesundheitszustandes sein Amt ausfüllte und öffentliche Termine wahrnahm. Sein Nachfolger, Papst Benedikt XVI., begründete seinen Rücktritt im Februar 2013 ausdrücklich mit seiner Gesundheit und dem vorgerückten Alter.
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