Die Windpocken, auch Varizellen genannt, sind eine hochansteckende Viruserkrankung, die vor allem Kinder betrifft. Verursacht wird sie durch das Varicella-Zoster-Virus (VZV), das zur Familie der Herpesviren gehört. Obwohl die Windpocken in der Regel einen milden Verlauf nehmen, können in seltenen Fällen Komplikationen auftreten. Eine davon ist die Meningitis, eine Entzündung der Hirnhäute.
Was sind Windpocken?
Windpocken sind eine Infektionskrankheit, die durch das Varicella-Zoster-Virus (VZV) verursacht wird. Sie äußern sich durch einen juckenden Hautausschlag mit Bläschenbildung, begleitet von Fieber und allgemeinem Krankheitsgefühl. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich aerogen durch virushaltige Tröpfchenkerne, die beim Atmen oder Husten ausgeschieden werden, oder durch direkten Kontakt mit dem Bläscheninhalt. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel 14 bis 16 Tage.
Vor der Einführung der allgemeinen Impfempfehlung im Jahr 2004 waren in Deutschland durchschnittlich etwa 750.000 Erkrankungen pro Jahr zu erwarten. Nach Einführung der Impfempfehlung wurde bereits in den ersten 8 Jahren ein Rückgang der Erkrankungshäufigkeit um insgesamt etwa 85% beobachtet.
Was ist Meningitis?
Meningitis ist eine Entzündung der Hirnhäute, die das Gehirn und das Rückenmark umgeben. Sie kann durch verschiedene Erreger verursacht werden, darunter Viren, Bakterien und Pilze. Die Symptome einer Meningitis sind vielfältig und können von starken Kopfschmerzen, Fieber und Nackensteifigkeit bis hin zu Bewusstseinsstörungen und Krampfanfällen reichen. Eine Meningitis ist ein medizinischer Notfall, der sofort behandelt werden muss, um schwerwiegende Komplikationen zu vermeiden.
Virale Meningitis
Eine virale Meningitis ist eine Entzündung der Hirnhäute, die durch Viren ausgelöst wird. Verschiedene Erreger können eine virale Meningitis verursachen, zum Beispiel Herpes- oder FSME-Viren. Typische Symptome sind starke Kopfschmerzen, Fieber, Nackensteifigkeit sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit. Bei Säuglingen zeigen sich oft unspezifische Beschwerden. Die Behandlung besteht meist aus Bettruhe und Schmerzmitteln.
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Verschiedene Viren können eine Meningitis verursachen. Die Häufigkeit variiert je nach Jahreszeit und geografischer Lage. Mögliche Auslöser sind zum Beispiel:
- Enteroviren: Sie sind die weltweit häufigsten Verursacher einer viralen Meningitis. Zu dieser Gruppe gehören unter anderem Coxsackie- und Echoviren.
- Herpesviren: Das Herpes-simplex-Virus Typ 2 (HSV-2), das zum Beispiel Genitalherpes verursacht, ist auch ein möglicher Auslöser für eine Meningitis bei Erwachsenen. Auch das Windpocken-Virus (Varizella-Zoster-Virus), das bei einer Reaktivierung Gürtelrose auslöst, sowie weitere Herpesviren können eine Hirnhautentzündung verursachen.
- FSME-Virus: Das FSME-Virus wird durch Zeckenstiche übertragen und verursacht die Frühsommer-Meningoenzephalitis.
- Andere Viren wie Mumps, Masern oder Röteln können ebenfalls ursächlich für eine Meningitis sein. Aufgrund der hohen Impfrate sind sie heute aber deutlich selten als früher Auslöser.
Der Zusammenhang zwischen Windpocken und Meningitis
In seltenen Fällen kann das Varicella-Zoster-Virus (VZV), das die Windpocken verursacht, auch eine Meningitis auslösen. Dies geschieht, wenn das Virus sich über das Blut oder die Nervenbahnen zu den Hirnhäuten ausbreitet und dort eine Entzündung verursacht. Die VZV-Meningitis ist in der Regel eine milde Form der Meningitis, die meist ohne bleibende Schäden ausheilt. ZNS-Manifestationen sind in etwa 0,1% der Erkrankungen zu verzeichnen und äußern sich in meningealer Reizung und akuter zerebellärer Ataxie, die jedoch eine günstige Prognose besitzt.
Risikofaktoren
Bestimmte Faktoren können das Risiko einer VZV-Meningitis erhöhen:
- Geschwächtes Immunsystem: Personen mit einem geschwächten Immunsystem, beispielsweise aufgrund einer HIV-Infektion, einer Krebserkrankung oder einer immunsuppressiven Therapie, haben ein höheres Risiko für Komplikationen bei Windpocken, einschließlich Meningitis.
- Schwangere Frauen: Schwangere Frauen, die an Windpocken erkranken, haben ein erhöhtes Risiko für Komplikationen, sowohl für sich selbst als auch für ihr ungeborenes Kind.
- Neugeborene: Neugeborene, deren Mütter kurz vor der Geburt an Windpocken erkranken, können eine schwere Verlaufsform der Windpocken entwickeln, die mit einem hohen Risiko für Komplikationen, einschließlich Meningitis, verbunden ist. Schwer verlaufende neonatale Windpocken können bei einer Infektion der empfänglichen Mutter innerhalb von 5 Tagen vor der Geburt oder bis zu 48 Stunden danach entstehen. Da das Neugeborene in diesen Fällen transplazentar keine protektiven Antikörper erhält und ein unreifes Immunsystem hat, sind die Verläufe sehr schwer und mit einer Letalität bis zu 30% verbunden. Das größte Risiko haben Neugeborene, die zwischen dem 5. und 10. Lebenstag erkranken.
Symptome
Die Symptome einer VZV-Meningitis ähneln denen anderer Formen der Meningitis und können umfassen:
- Starke Kopfschmerzen
- Fieber
- Nackensteifigkeit
- Lichtempfindlichkeit
- Übelkeit und Erbrechen
- Benommenheit
- Krampfanfälle
Diagnose
Die Diagnose einer VZV-Meningitis wird in der Regel durch eine Lumbalpunktion gestellt. Dabei wird eine Probe der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor) entnommen und auf das Vorhandensein von VZV-DNA oder Antikörpern untersucht. Direkter Virusnachweis: Methode der Wahl ist der VZV-Nukleinsäurenachweis mit Hilfe der Polymerase-Kettenreaktion (PCR). Diese Methode ist besonders wichtig zur sicheren Klärung atypischer Krankheitsbilder, bei denen der Verdacht auf eine VZV-Infektion vorliegt sowie bei immundefizienten Personen. Weiterhin kommt für die Diagnostik der Antigennachweis durch den direkten Immunfluoreszenztest in Betracht. Der unmittelbare Erregernachweis kann durch Virusisolierung mittels Zellkulturen durchgeführt werden, ist aber aufwändig, langwierig und wenig sensitiv.
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Behandlung
Die Behandlung einer VZV-Meningitis zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Ausbreitung des Virus zu verhindern. In den meisten Fällen erfolgt die Behandlung mit antiviralen Medikamenten wie Aciclovir. Bei unkomplizierten Erkrankungen erfolgt die Behandlung rein symptomatisch. Bei immunkompetenten Patienten können so die Beschwerden und Begleiterscheinungen gelindert und zugleich Komplikationen verhindert werden. Insbesondere bakterielle Superinfektionen der Haut können durch sorgfältige Hautpflege, z.B. tägliches Baden, topische Verbände, Gabe von juckreizlindernden Medikamenten vermieden werden. Bei immundefizienten Erkrankten ist auch eine spezifische antivirale Behandlung, z.B. Bei immunkompetenten Patienten ist neben der sorgfältigen Hautpflege eine orale antivirale Therapie, z.B. mit Aciclovir indiziert. Bei Immungeschwächten mit Windpocken oder Herpes zoster muss Aciclovir parenteral verabreicht werden. Das gilt auch für die Behandlung von Komplikationen, wie z.B. der Varizellenpneumonie oder des Zoster ophthalmicus.
Vorbeugung
Die beste Vorbeugung gegen Windpocken und damit auch gegen eine mögliche VZV-Meningitis ist die Impfung. Seit August 2004 ist die Varizellen-Schutzimpfung von der Ständigen Impfkommission (STIKO) für alle Kinder und Jugendlichen empfohlen. Gemäß den aktuellen Empfehlungen der STIKO soll die 1. Dosis der Impfung im Alter von 11 Monaten erfolgen, und zwar entweder simultan mit der 1. MMR-Impfung oder frühestens 4 Wochen nach dieser. Die 2. Dosis Varizellenimpfstoff sollte im Alter von 15 Monaten gegeben werden, wobei auch ein MMR-Varizellen-(MMRV)-Kombinationsimpfstoff angewendet werden kann. Bei allen ungeimpften Kindern ohne Varizellen-Anamnese sollte die Varizellen-Impfung mit 2 Dosen möglichst bald nachgeholt werden und einmal geimpfte Kinder und Jugendliche sollen eine zweite Impfung bekommen, da eine Erkrankung bei älteren Kindern und Jugendlichen mit einer höheren Komplikationsrate einhergeht.
Auch für Erwachsene, die noch keine Windpocken hatten, wird die Impfung empfohlen, insbesondere für:
- seronegative Frauen mit Kinderwunsch
- seronegative Patienten vor geplanter immunsuppressiver Therapie oder Organtransplantation
- empfängliche Patienten mit schwerer Neurodermitis
- empfängliche Personen mit engem Kontakt zu den unter Punkt 2. und 3. genannten Personengruppen
Herpes Zoster und ZNS-Manifestationen
Das Varicella-Zoster-Virus (VZV) kann neben Varizellen (Windpocken) bei exogener Erstinfektion auch Herpes zoster (Gürtelrose) bei endogener Reaktivierung verursachen. Ebenso wie bei den Varizellen kann auch bei der Herpes-Zoster-Erkrankung das ZNS in Form einer meningealen Reizung oder Meningoenzephalitis betroffen sein. Seltene ZNS-Manifestationen sind die granulomatöse Angiitis mit kontralateraler Hemiplegie sowie die aufsteigende Myelitis.
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