Fokussierter Ultraschall bei Parkinson: Eine innovative Therapie gegen Tremor

Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem durch motorische Symptome wie Tremor (Zittern), Rigor (Muskelsteifheit), Bradykinese (Verlangsamung der Bewegungen) und posturale Instabilität (Gleichgewichtsstörungen) gekennzeichnet ist. Obwohl Medikamente und die tiefe Hirnstimulation (THS) etablierte Behandlungsmethoden sind, suchen viele Patienten nach zusätzlichen oder alternativen Optionen, um ihre Symptome zu lindern. Der fokussierte Ultraschall (HIFU) hat sich als vielversprechende nicht-invasive Therapieoption für Parkinson-Patienten, insbesondere bei Tremor, herauskristallisiert.

Das Prinzip des fokussierten Ultraschalls

Der fokussierte Ultraschall ist eine innovative Methode, bei der hochfrequente Schallwellen gebündelt und präzise auf einen kleinen Zielbereich im Gehirn gerichtet werden. Die Schallenergie erzeugt Wärme, die gezielt Nervenzellen in diesem Bereich zerstört oder deaktiviert. Bei der Behandlung von Parkinson-Tremor wird der Ultraschall in der Regel auf den Subthalamus (STN) oder den Nucleus ventralis intermedius thalami (Vim) gerichtet, beides Hirnregionen, die eine wichtige Rolle bei der Steuerung von Bewegungen spielen. Durch die Ausschaltung der überaktiven Nervenzellen in diesen Bereichen kann der Tremor reduziert werden.

Der Behandlungsablauf

Die Behandlung mit fokussiertem Ultraschall erfordert eine sorgfältige Planung und Durchführung. Im Folgenden wird der typische Ablauf beschrieben:

  1. Vorbereitung: Zunächst wird der Kopf des Patienten kahl rasiert und lokal betäubt. Anschließend wird ein spezieller Helm mit über 1.000 kleinen Ultraschallsendern um den Kopf positioniert.
  2. MRT-gesteuerte Zielfindung: Mithilfe eines Magnetresonanztomografen (MRT) erstellen die behandelnden Ärzte eine hochauflösende dreidimensionale Karte des betroffenen Bereichs im Gehirn, insbesondere des Subthalamus. Dieser Bereich ist nur etwa zwei Millimeter groß.
  3. Testphase: In einer ersten Phase wird der fokussierte Ultraschall mit niedriger Intensität eingesetzt, um die genaue Zielstelle zu lokalisieren. Der Patient gibt währenddessen Rückmeldung, ob das Zittern nachlässt, indem er Bewegungen ausführt, die normalerweise den Tremor auslösen. Diese Phase dient dazu, die optimale Position für die Behandlung zu finden, ohne Nervenzellen zu zerstören.
  4. Ablation: Sobald die richtige Stelle gefunden ist, wird die Intensität des Ultraschalls erhöht, um die betroffenen Nervenzellen gezielt zu zerstören. Die Temperatur wird dabei auf 57 bis 60 Grad Celsius erhöht. Dieser Vorgang wird in mehreren Intervallen durchgeführt, während das MRT kontinuierlich Bilder zur Kontrolle liefert.
  5. Nachsorge: Nach der Behandlung können die Patienten in der Regel nach zwei bis drei Tagen das Krankenhaus verlassen. Zunächst wird nur eine Körperseite behandelt, um mögliche Nebenwirkungen zu minimieren. Einige Monate später kann bei Bedarf die andere Seite behandelt werden. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind wichtig, um den langfristigen Erfolg der Behandlung zu überwachen.

Klinische Studien und Ergebnisse

Mehrere Studien haben die Wirksamkeit und Sicherheit des fokussierten Ultraschalls bei der Behandlung von Parkinson-Tremor untersucht. Eine viel beachtete Studie, die im Jahr 2020 im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht wurde, zeigte vielversprechende Ergebnisse. In dieser Studie erhielten 27 Patienten mit Parkinson-Tremor eine Behandlung mit fokussiertem Ultraschall, während 13 Patienten eine Scheinbehandlung erhielten. Die Ergebnisse zeigten, dass sich der Tremor bei den mit Ultraschall behandelten Patienten deutlich verbesserte.

Eine aktuelle Studie - in der Zeitschrift „Neurology“ erschienen - belegt, dass das Zittern bei den Teilnehmern auch drei Jahre nach dem Eingriff noch deutlich verbessert war. Forscher um Dr. Casey H. Halpern von der Stanford-Universität haben das moderne Ultraschallverfahren bei 76 Patienten mit therapieresistentem essentiellem Tremor angewendet. Selbst drei Jahre nach der Behandlung war das Zittern bei der Hälfte der Studienteilnehmer noch deutlich verbessert. Auch Behinderungen und die Lebensqualität, die durch die chronische Bewegungsstörung vor dem Eingriff stark eingeschränkt war, hatten sich bei vielen Patienten noch gebessert (56 und 42 Prozent).

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Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) empfiehlt den Einsatz der neuen Methode, da sie schonend und präzise angewandt werden kann.

Vorteile des fokussierten Ultraschalls gegenüber anderen Therapien

Der fokussierte Ultraschall bietet gegenüber anderen Behandlungsmethoden für Parkinson-Tremor einige Vorteile:

  • Nicht-invasiv: Im Gegensatz zur tiefen Hirnstimulation (THS) ist der fokussierte Ultraschall ein nicht-invasives Verfahren, das keine Operation oder Implantation von Elektroden erfordert. Dies reduziert das Risiko von Komplikationen wie Infektionen oder Hirnblutungen.
  • Präzise: Der Ultraschall kann sehr präzise auf den Zielbereich im Gehirn fokussiert werden, wodurch umliegendes Gewebe geschont wird. Die MRT-gesteuerte Neuronavigation stellt dabei sicher, dass nur der gewünschte Bereich im Gehirn inaktiviert wird.
  • Echtzeit-Anpassung: Während der Behandlung können die Ärzte in Echtzeit die Wirkung des Ultraschalls auf den Tremor überwachen und die Behandlung entsprechend anpassen.
  • Schnelle Erholung: Patienten erholen sich in der Regel schnell von der Behandlung und können oft nach wenigen Tagen das Krankenhaus verlassen.

Mögliche Nachteile und Risiken

Wie bei jeder medizinischen Behandlung gibt es auch beim fokussierten Ultraschall mögliche Nachteile und Risiken:

  • Nebenwirkungen: Obwohl der fokussierte Ultraschall als sicher gilt, können Nebenwirkungen wie Gefühlsstörungen, Gangunsicherheiten oder Gleichgewichtsstörungen auftreten. Diese sind in der Regel jedoch gering im Vergleich zu den Nebenwirkungen eines operativen Eingriffs.
  • Nicht für alle Patienten geeignet: Der fokussierte Ultraschall ist nicht für alle Parkinson-Patienten geeignet. Insbesondere Patienten mit bestimmten Begleiterkrankungen oder Kontraindikationen für MRT-Untersuchungen können von der Behandlung ausgeschlossen sein.
  • Langzeitwirkung: Obwohl Studien positive Langzeitergebnisse gezeigt haben, ist die Langzeitwirkung des fokussierten Ultraschalls noch nicht vollständig geklärt. Bei einigen Patienten kann der Tremor im Laufe der Zeit wieder auftreten.
  • Kostenübernahme: Da der fokussierte Ultraschall noch als relativ neue Therapie gilt, ist die Kostenübernahme durch die Krankenkassen in Deutschland nicht immer gewährleistet. Patienten müssen in der Regel eine Kostenübernahme bei ihrer Krankenkasse beantragen und den medizinischen Bedarf nachweisen.

Fokussierter Ultraschall vs. Tiefe Hirnstimulation (THS)

Die tiefe Hirnstimulation (THS) ist eine etablierte operative Behandlungsmethode für Parkinson-Tremor. Dabei werden Elektroden in bestimmte Hirnregionen implantiert, die elektrische Impulse abgeben, um die überaktiven Nervenzellen zu modulieren. Obwohl die THS sehr wirksam sein kann, ist sie mit einem invasiven Eingriff verbunden, der Risiken wie Infektionen, Hirnblutungen oder Hardware-Komplikationen birgt.

Der fokussierte Ultraschall bietet eine nicht-invasive Alternative zur THS. Da keine Operation erforderlich ist, entfallen die damit verbundenen Risiken. Allerdings hat die THS den Vorteil, dass sie eine kontinuierliche Stimulation des Gehirns ermöglicht, während der fokussierte Ultraschall nur eine vorübergehende Wirkung haben kann. Zudem ist die THS breiter etabliert und es gibt eine längere Erfahrung mit dieser Methode.

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Die Wahl zwischen fokussiertem Ultraschall und THS hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Schwere der Symptome, das Vorliegen von Begleiterkrankungen, die Präferenzen des Patienten und die Empfehlungen des behandelnden Arztes.

Zentren in Deutschland, die fokussierten Ultraschall anbieten

In Deutschland bieten mehrere medizinische Zentren den fokussierten Ultraschall zur Behandlung von Parkinson an. Dazu gehören unter anderem:

  • Universitätsklinikum Freiburg
  • Universitätsklinikum Köln
  • Universitätsklinikum Frankfurt am Main
  • Universitätsklinikum Tübingen
  • Unikliniken Bonn und Kiel
  • LMU Klinikum München

Es ist ratsam, sich bei den jeweiligen Zentren über die genauen Behandlungsmöglichkeiten, Voraussetzungen und Kosten zu informieren.

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