Künstliche Ernährung und Medikamentöse Behandlung bei Parkinson: Ein umfassender Überblick

Wenn die natürliche Nahrungsaufnahme bei Parkinson-Patienten nicht mehr ausreichend möglich ist, kann eine künstliche Ernährung notwendig werden. Parallel dazu spielt die medikamentöse Therapie eine zentrale Rolle bei der Linderung der Parkinson-Beschwerden. Dieser Artikel beleuchtet beide Aspekte umfassend und bietet einen strukturierten Überblick über die verschiedenen Optionen und Herausforderungen.

Künstliche Ernährung bei Parkinson

Indikation und Entscheidung

Die Entscheidung für eine künstliche Ernährung ist niemals leicht und erfordert immer eine medizinische Indikation. Sie wird von einem Arzt angeordnet, wenn Betroffene nicht mehr in der Lage sind, ausreichend Flüssigkeit und Nährstoffe über den Mund oder den Verdauungstrakt aufzunehmen. Dabei wird stets der Wille des Patienten berücksichtigt. Grundsätzlich darf niemand gegen seinen Willen künstlich ernährt werden, es sei denn, es liegen Ausnahmen vor, wie z.B. eine psychische Störung, die zur Nahrungsverweigerung führt. Ist der Patient nicht mehr entscheidungsfähig, ist eine Patientenverfügung bindend oder der mutmaßliche Wille zu ermitteln.

Formen der Künstlichen Ernährung

Es gibt zwei Hauptformen der künstlichen Ernährung:

  • Enterale Ernährung: Hierbei wird die Nahrung über eine Sonde in den Magen oder Dünndarm verabreicht. Dies ist möglich, wenn der Magen-Darm-Trakt noch funktionsfähig ist, der Patient aber nicht mehr essen kann oder darf (z.B. aufgrund von Schluckstörungen).
    • Nasensonde: Eine Sonde wird durch die Nase in den Magen oder Dünndarm eingeführt.
    • PEG-Sonde (Perkutane Endoskopische Gastrostomie): Ein direkter Zugang zum Magen wird durch einen kleinen Schnitt in der Bauchdecke geschaffen. Diese Methode ist für die Langzeiternährung geeignet.
    • JET-PEG-Sonde: Hierbei wird eine dauerhaft anliegende Jejunum-Sonde (JET-PEG-Sonde) perkutan durch einen operativ endoskopischen Eingriff eingeführt, um die Wirkstoffkombination Levodopa/Carbidopa kontinuierlich freizusetzen
  • Parenterale Ernährung: Bei dieser Form wird der gesamte Verdauungstrakt umgangen, indem Nährstofflösungen direkt in die Blutbahn geleitet werden.
    • Intravenöser Port: Ein Zugang wird chirurgisch unter die Haut gelegt, meist im Brustbereich.
    • ZVK (Zentralvenöser Venenkatheter): Ein dünner Katheter wird in eine der großen Venen gelegt.
    • Venenverweilkanüle: Kleinere Katheter werden in Venen, z.B. am Arm, platziert.

Vor- und Nachteile der Enteralen und Parenteralen Ernährung

Enterale Ernährung:

  • Vorteile: Die Sondennahrung enthält alle erforderlichen Nährstoffe und kann vom Darm gut verwertet werden. Die Nahrungsaufnahme kann portionsweise zu den normalen Essenszeiten erfolgen, was dem natürlichen Rhythmus entspricht.
  • Nachteile: Die Sonde muss regelmäßig auf Dichtigkeit und Durchgängigkeit geprüft werden. Bei PEG-Sonden ist eine tägliche Reinigung der Einstichstelle erforderlich.

Parenterale Ernährung:

  • Vorteile: Umgehung des gesamten Verdauungstrakts. Die Nährlösung enthält alle lebensnotwendigen Nährstoffe in individuell abgestimmter Menge und Zusammensetzung.
  • Nachteile: Hoher Hygienestandard erforderlich, um Infektionen zu vermeiden. Regelmäßige Reinigung des Systems notwendig.

Wann kann die Künstliche Ernährung Beendet Werden?

Die künstliche Ernährung kann beendet werden, wenn sie nicht mehr erforderlich ist, z.B. wenn der Patient nach einem Schlaganfall wieder sicher schlucken kann oder Hindernisse im Verdauungstrakt beseitigt wurden.

Kostenübernahme

Bei einer ärztlich verordneten Indikation übernimmt die Krankenkasse in der Regel die meisten Kosten für die künstliche Ernährung.

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Medikamentöse Behandlung bei Parkinson

Grundlagen der Medikamentösen Therapie

Die medikamentöse Behandlung ist ein wichtiger Bestandteil der Parkinson-Therapie. Sie kann die Beschwerden lindern, aber die Krankheit nicht heilen. Ziel ist es, den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen und dadurch die Symptome zu verbessern. Die medikamentöse Behandlung ist sehr individuell und muss häufig angepasst werden.

Medikamentengruppen

  • Levodopa (L-Dopa): Wird im Gehirn zu Dopamin umgewandelt und gleicht so den Dopaminmangel aus. Gilt als das wirksamste Medikament gegen Parkinson.
  • Dopaminagonisten: Regen Bindungsstellen in den Nervenzellen an, die für die Aufnahme von Dopamin zuständig sind.
  • MAO-B-Hemmer (Monoaminooxidase-B-Hemmer): Blockieren den Abbau von Dopamin im Gehirn.
  • COMT-Hemmer: Verlängern die Wirkung von Levodopa, indem sie den Abbau von Dopamin im Körper verlangsamen.
  • NMDA-Antagonisten: Können bei Dyskinesien (unwillkürlichen Bewegungen) eingesetzt werden.
  • Anticholinergika: Können bei Zittern helfen, werden aber aufgrund von Nebenwirkungen selten eingesetzt.

Einnahme und Wirkung

Die Medikamente werden meist in Tablettenform eingenommen. Bestimmte Dopaminagonisten gibt es auch als Pflaster. Die Einnahme sollte zu festen Uhrzeiten erfolgen, um eine gleichmäßige Wirkung zu erzielen. Erinnerungshilfen können dabei helfen. L-Dopa sollte nicht zusammen mit eiweißreichen Mahlzeiten eingenommen werden, da dies die Aufnahme ins Blut stören kann. Eine spürbare Wirkung setzt meist innerhalb von 1 bis 2 Wochen nach Beginn der Behandlung ein.

Nebenwirkungen und Herausforderungen

Mit fortschreitender Erkrankung lässt die Wirkung der Medikamente nach und die Nebenwirkungen werden belastender. Häufige Nebenwirkungen sind:

  • Levodopa: Übelkeit, Appetitlosigkeit, Schwindel, gesteigerter Antrieb, Depression, Verwirrtheit, Bewegungsstörungen (bei hohen Dosen)
  • Dopaminagonisten: Wassereinlagerungen, Schläfrigkeit, Verstopfung, Schwindel, Halluzinationen, Übelkeit, impulsives/zwanghaftes Verhalten

Um eine möglichst gleichmäßige Wirkung zu erzielen und Nebenwirkungen zu minimieren, können folgende Maßnahmen ergriffen werden:

  • Änderung der Einnahmezeiten und -häufigkeit
  • Einnahme von Retard-Tabletten
  • Änderung der Dosierungen
  • Einnahme zusätzlicher Medikamente (COMT-Hemmer, NMDA-Antagonisten, Anticholinergika, MAO-B-Hemmer)
  • Kombination von Levodopa und Dopaminagonisten
  • Einsatz einer Medikamentenpumpe (subkutan oder über PEG-Sonde)

Medikamentenpumpe

Eine Medikamentenpumpe kann eingesetzt werden, um den Wirkstoff kontinuierlich unter die Haut oder direkt in den Dünndarm abzugeben. Dies ermöglicht eine gleichmäßigere Wirkung und kann Schwankungen in der Beweglichkeit reduzieren.

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  • Subkutane Infusion: Der Wirkstoff wird über eine tragbare Pumpe kontinuierlich unter die Haut gespritzt.
  • Intestinale Infusion (Duodopa-Pumpe): Über eine PEG-Sonde wird der Wirkstoff direkt in den Dünndarm abgegeben. Die Duodopa-Pumpe ist kaum größer als ein Gameboy, wiegt etwa 500 Gramm. Mit einem Schlauch wird sie angedockt und der Körper so in passenden Portionen den ganzen Tag über mit dem Parkinson-Medikament versorgt. Mit einem Gurt trägt der Patient die Pumpe eng am Körper. Es ist eines der modernsten Therapieverfahren, die es aktuell in diesem Bereich gibt.

Ernährungstherapie

Menschen mit Parkinson haben aufgrund motorischer Symptome einen erhöhten Energiebedarf. Fehlende oder verminderte Nahrungsaufnahme können deshalb schnell zu Mangelernährung führen. Zudem leiden Betroffene häufig unter Verstopfung (Obstipation) oder Schluckstörungen (Dysphagie). Die Aufnahme von Eiweiß sollte mit der L-Dopa-Einnahme abgestimmt werden. Grundsätzlich gilt: Jeder Mensch benötigt eine gesunde und ausgewogene Ernährung.

  • Mangelernährung: Parkinson-Patienten besitzen ein erhöhtes Risiko für eine Mangelernährung. Später steigt das Risiko einer Mangelernährung wegen des gesteigerten Energieverbrauchs durch das Muskelzittern. Im fortgeschrittenen Krankheitsstadium kommt bei vielen Betroffenen noch eine Dysphagie (Schluckstörung) hinzu, die eine ausreichende Nahrungsaufnahme erschwert und eine bestehende Mangelernährung zusätzlich verschärft. Deshalb sollte eine regelmäßige Kontrolle des Ernährungszustandes bei Parkinson-Patienten zu den Routinemaßnahmen gehören.
  • Dysphagie (Schluckstörung): Mit fortschreitender Parkinsonerkrankung kann die Schluckstörung (Dysphagie) das Risiko für Mangelerscheinungen und Gewichtsverlust erhöhen. Der Ernährungsstatus sollte bei Menschen mit Parkinson frühzeitig nach Diagnose der Erkrankung regelmäßig überprüft werden.
  • Ernährungstherapie bei Schluckstörungen: Wenn eine passendere Einstellung der Medikamente, Schlucktraining oder die Anpassung der Nahrung (Eindicken von Flüssigkeiten, keine bröseligen Nahrungsbestandteile, usw.) nicht mehr ausreichen, um eine Mangelernährung zu verhindern oder zu bekämpfen, muss über eine künstliche enterale Ernährung mithilfe einer Ernährungssonde nachgedacht werden. Über diese Sonde kann der Parkinson-Patient dann spezielle Sondennahrung erhalten, die vom Energie- und Nährstoffgehalt genau auf seine Bedürfnisse abgestimmt ist.
  • PEG-Sonde: Ist absehbar, dass die Sondenernährung nicht länger als zwei Wochen andauern wird, kann die künstliche Ernährung über eine Magensonde, die über Nase, Rachen und Speiseröhre in den Magen vorgeschoben wird, erfolgen. Sie eignet sich jedoch nicht für eine längerfristige Sondenernährung. Ist diese notwendig, sollte eine PEG-Sonde angelegt werden, die in einem kleinen operativen Eingriff unter örtlicher Betäubung direkt über die Bauchdecke in den Magen vorgeschoben wird.

Begleitbeschwerden

Im Verlauf der Erkrankung können belastende Begleitbeschwerden wie Verdauungs- und Kreislaufprobleme, Schlafstörungen, Depressionen oder eine Demenz auftreten, die weitere Behandlungen erforderlich machen.

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