Genickblockaden sind ein weit verbreitetes Problem bei Pferden, das verschiedene Ursachen haben kann. Ein umfassendes Verständnis der Anatomie der Halswirbelsäule, der beteiligten Nerven und der potenziellen Auswirkungen von Blockaden ist entscheidend für die Gesundheit und das Wohlbefinden des Pferdes.
Anatomie des Genicks beim Pferd
Die Anatomie des Genicks beim Pferd umfasst eine komplexe Struktur aus Knochen, Muskeln, Sehnen und Bändern. Die Halswirbelsäule besteht aus sieben Halswirbeln, die durch Bandscheiben, Facettengelenke und Bänder miteinander verbunden sind.
- Atlas (1. Halswirbel): Der erste Halswirbel, auch Atlas genannt, ist direkt mit dem Hinterhauptbein des Schädels verbunden. Er ist gut fühlbar, da er große seitliche Flügel hat und einen knöchernen Ring darstellt. Steht man neben dem Pferd und fühlt hinter den Ohren in den Hals hinunter, kann man die Atlasflügel gut fühlen. Diese Verbindung ermöglicht dem Pferd, den Kopf zu nicken ("Ja-Sagen").
- Axis (2. Halswirbel): Der zweite Halswirbel, Axis genannt, ist anders aufgebaut. Er ist der längste Wirbel des Körpers, der mit einem Zahn (Dens) in den knöchernen Ring des ersten Halswirbels hineinragt. Diese Wirbelverbindung C1 auf C2 ist für die Drehbewegung im Hals zuständig. Bricht dieser Zahn ab, spricht man von einem Genickbruch. Deshalb wird das Gelenk vom ersten auf den zweiten Halswirbel auch als Nein-Sager-Gelenk bezeichnet.
- Weitere Halswirbel (C3-C7): Die weiteren Halswirbel tragen zur Flexibilität und Beweglichkeit des Halses bei. Der 7. Halswirbel bildet das Bindeglied zwischen den weniger beweglichen, weil den Rumpf stabilisierenden, Brustwirbelgelenken, und den freier beweglichen Wirbelgelenken des flexiblen Pferdehalses.
Viele von den langen Halsmuskeln haben ihren Ansatz am Kopf oder Genick und nehmen deshalb Einfluss auf dessen Bewegung, sind für das Gleichgewicht und die gesamte Körperbewegung verantwortlich. Viele kleine, kurze Muskeln sind zudem für die „Feinstellung“ am Kopf zuständig. Wichtige Muskeln sind die Mm. Splenii, die Mm. Scaleni, der M. brachiocephalicus, der M. rectus capitis dorsalis und der M.
Das Nackenband ist ein starkes Band, das vom Hinterhauptbein bis zum Widerrist verläuft und dem Nacken Stabilität verleiht. Am Widerrist setzt es dann an die Dornfortsätze an und wird zum Oberdornfortsatzband.
Die Bedeutung des Nackenrückenbandes
Das Nackenrückenband ist eine für das Pferd enorm wichtige Konstruktion, denn die Natur hat dem Pferd damit eine effiziente Energiesparkonstruktion spendiert. Das Nackenrückenband besteht aus 2 Teilen: Dem Nackenstrang, einem sehnigen Band (Funiculus nuchae) und der Nackenplatte (Lamina nuchae). Der Nackenstrang (Funiculus nuchae) ist das stärkste und längste Band im Pferdekörper. Dieser sehnige Strang setzt am Hinterhaupt an und verläuft über die Nackenplatte hinweg zu den Brustwirbeln des Widerristes (genauer gesagt setzt es am Dornfortsatz (Processus spinosus) des 3. - 4.en Brustwirbels an und bildet dort die Widerristkappe. Von dort aus verläuft es über die gesamte Brustwirbelsäule hinweg bis hin zum Kreuzbein. Diesen Teil des Nackenbandes nennt man auch Rückenband (Ligamentum supraspinale). Konkret kann man sagen, dass der Verlauf des Nackenstrangs das beschreibt, was wir Reiter als die “Oberlinie des Pferdes” bezeichnen. Die Nackenplatte (Lamina nuchae) ist eine Konstruktion aus paarigen Elementen, die wie ein Fächer von den Halswirbeln 2. bis 7. (C2 bis C5) ausgehend zum kaudalen Drittel des Nackenbandes verläuft.
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Das Nackenrückenband dient dem Pferd vor allem dabei, Energie und Muskelkraft zu sparen. Es ermöglicht dem Pferd zum Beispiel, das Tragen des Kopfes in waagerechter Position, ohne dabei viel Muskelkraft aufzuwenden. Die Nackenplatte, mit ihrer “Anbringung” an insgesamt 4 der 7 Halswirbel, ermöglicht diese kraftsparende Aufhängung des Kopfes und der Halswirbelsäule. So ein Pferdekopf wiegt schnell mal ca. 30kg und dazu kommt das Gewicht der Halswirbelsäule mit dem dazugehörigen nicht zu verachtenden Gewicht der Muskeln. Kopf und Hals des Pferdes nehmen übrigens bereits etwa ein Drittel des Körpergewichtes ein und sind damit verhältnismäßig schwer. Die gesamte Konstruktion erinnert auch an einen Lastenkran. Übrigens unterstützt die elastische Energie die in der Nackenplatte gespeichert ist, über 50% der Bewegung des Kopfes im Schritt, und über 30% im Trab und im Galopp. Das bedeutet leider auch, stört die Reiterhand durch Festhalten oder gar „Festsetzen“ dieser Bewegungsfreiheit den Kopf und Hals des Pferdes, dann müssen die Muskeln die Arbeit „gegen“ die Hand übernehmen. Wir alle kennen auch den Ausspruch „Druck erzeugt Gegendruck“ - dieser hat auch für die Kopf-Hals-Achse Anspruch auf Richtigkeit.
Die zweite wichtige Funktion des Nackenbandes, ist die Unterstützung beim Tragen des Gewichts des Brustkorbs. Dieser Brustkorb mit den inneren Organen hat ein Gesamtgewicht von ca. 250 - 300kg. Da das Pferd in der Natur normalerweise etwa 18-20 Stunden am Tag mit Nahrungsaufnahme beschäftigt ist, und somit die Kopf-Hals-Achse tief trägt, hilft das Nackenband dabei die Muskulatur der Brustwirbelsäule zu entlasten. Dehnt das Pferd den Hals nach vorne unten, übt das Nackenband eine entsprechende Zugwirkung auf die vorderen Wirbel der Brustwirbelsäule aus. Dabei werden die Dornfortsätze des Widerristes aufgerichtet und gleichzeitig wird die Zugwirkung auf das sehnige Rückenband, das als direkte Fortsetzung des Nackenstrangs an den Dornfortsätzen der Brustwirbelsäule befestigt ist, auf den Rücken übertragen. Je nach Pferdetyp, Alter etc. wird die Oberlinie dabei leicht angehoben. Das Anheben der Rückenpartie ist dabei zweitrangig - wichtiger ist für das Pferd in der Natur die “Aufhängung” der Brustwirbelsäule entlang dem gespannten Band. Die Konstruktion der “oberen Verspannung” funktioniert ähnlich dem Prinzip von Umlenkrollen oder auch Zahnrädern. Vor allem der Widerrist mit seinen langen Dornfortsätzen und die Kruppe können den Zug des Nackenbandes entsprechend “Umlenken” und die Kraft des jeweiligen Hebels so bestmöglich übertragen. Senkt das Pferd den Kopf zum Grasen, dann ist übrigens die gesamte Konstruktion des Nackenrückenbandes bereits in einer maximalen Dehnung.
Nerven in der Halswirbelsäule
Die Halswirbelsäule ist ein wichtiger Durchgangspunkt für Nerven, die das Gehirn mit dem Rest des Körpers verbinden. Die Spinalnerven treten durch Öffnungen zwischen den Wirbeln (Foramina intervertebralia) aus und versorgen die Muskeln, Haut und andere Gewebe im Hals-, Schulter- und Vorderbeinbereich.
Ebenso können durch verspannte Muskulatur und nicht bewegliche Wirbel die Zwischenwirbellöcher verengt sein, die die Nerven durchlassen. Somit kann die Versorgung verschiedener Gebiete eingeschränkt sein.
Genickblockaden: Ursachen und Auswirkungen
Genickblockaden sind ein weit verbreitetes Problem bei Pferden. Die Blockaden können verschiedene Ursachen haben, angefangen von falscher Ausrüstung bis hin zu Fehlern beim Reiten und im Umgang. Ein nicht optimal sitzender Sattel, eine unpassende Trense, eine harte Reiterhand oder eine unausgewogene Belastung können zu Verspannungen im Genick führen. Auch Zahnprobleme oder muskuläre Dysbalancen können Genickblockaden begünstigen. Nicht zuletzt sind auch akute Traumata zu nennen (z.B., wenn sich das angebundene Pferd in den Strick bzw.
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Blockaden des Genicks können zahlreiche sekundäre Auswirkungen im ganzen Körper haben. Die Symptome Beschränken sich also nicht nur auf den Bereich des Halses, sondern zeigen sich häufig auch in der Hinterhand. Die Blockaden können zudem Auswirkungen auf die Sinnesorgane des Kopfes haben. Die Symptome von Genickblockaden können also vielfältig sein und reichen von leichten Anzeichen bis hin zu ernsthaften Beschwerden. Unbehandelte Genickblockaden können zu langfristigen Gesundheitsproblemen führen. Die Verspannungen im Genick beeinträchtigen nicht nur die Beweglichkeit des Pferdes, sondern können auch zu muskulären Dysbalancen im gesamten Körper führen. Probleme in diesem Bereich haben aber nicht nur physische, sondern auch psychische Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit des Pferdes. Ein Pferd mit Genickproblemen wird oft gestresst und unwillig sein.
Cervikothorakaler Übergang (CTÜ)
Häufige Blockaden sind häufig - seltene Blockaden sind selten. Und zu den wirklich häufigen gehört ganz sicher der Übergang der Halswirbelsäule zur Brustwirbelsäule, gebildet durch die Verbindung von 7. Halswirbel und 1. Brustwirbel. Dort findet die Wirbelsäule des Pferdes ihren tiefsten Punkt, den sogenannten "Cervikothorakalen Übergang". Davor, kopfwärts, und danach, schweifwärts, steigt die Wirbelsäule jeweils wieder auf. Der 7. Halswirbel bildet das Bindeglied zwischen den weniger beweglichen, weil den Rumpf stabilisierenden, Brustwirbelgelenken, und den freier beweglichen Wirbelgelenken des flexiblen Pferdehalses.
Der Cervikothorakale Übergang (CTÜ) federt bei Lastaufnahme durch Auffußen des Pferdes noch weiter nach unten und ist so ständig der Gefahr von Stauchung und Kompression ausgesetzt. Der 7. Halswirbel ist durch seine Lage zwischen Brustwirbelsäule und der viel beweglicheren Halswirbelsäule großen Scherkräften ausgesetzt. Der tiefste Punkt der Pferdewirbelsäule ist also auch ihr wunder Punkt.
Eine Blockade ist vorhanden, wenn sich ein Gelenk oder eine Struktur nicht mehr so bewegt, wie sie es physiologischer Weise sollte. Natürlich gibt es auch Fehlstellungen in Gelenken durch Geburt oder auch Verknöcherungen durch Arthrosen. Primär sind jedoch immer muskuläre Fehlspannungen für eine Blockade verantwortlich. Die Halsmuskulatur, die den CTÜ in Seitneigung bewegt, ist paarig angelegt. Zieht sie links an, muss sie rechts nachgeben. Ist die Bewegung in eine Richtung für das Pferd unangenehmer, zB weil der Reiter schief sitzt und sein Gewicht ungleich einwirkt, wird es diese nicht mehr endgradig ausführen wollen. Erfolgt das abwechselnde Anspannen und Nachgeben der paarigen Muskeln nicht mehr ausgewogen, sondern z.B. nach rechts vermehrt, dann zieht es auch den CTÜ in Fehlspannung nach rechts.
Als Schutzreaktion entsteht so eine einseitige Muskelverspannung, die die gelenkige Verbindung in einer Bewegungsrichtung mehr fixiert, als in der anderen. Die Blockade ist jetzt manifestiert - sie blockiert die freie und gleichmäßige Gelenkbewegung. In der Folge entstehen Entzündungen durch Reibung im Gelenk, bis hin zu Knorpelschwund und Arthrosebildung. Bei einer Blockade des 7. Halswirbels rotiert dieser entweder nach rechts oder links zu rotieren. Die Richtung, in die er rotiert, ist die Richtung der Blockade. Die weiteren Halswirbel rotieren mit in dieselbe Richtung. Oft ändert sich die Richtung der Rotation ab dem 3. Halswirbel wieder, da so eine neue Schutzspannung angestrebt wird. Auch in diesem Bereich, bis weiter oben zum Atlas, können sich in der Folge weitere Blockaden einstellen. Die obere Halsmuskulatur, die den CTÜ von oben "anheben" kann und damit wichtig ist, um Kompression zu vermeiden, wird sich mit der Zeit ebenfalls in die blockierte Seite verkürzen und immer weniger ihrer wichtigen Tragefunktion des Halses nachkommen können. Damit wird nicht nur die Rotation des 7. Halswirbels immer weiter fixiert, sondern auch die Gefahr der Verletzungen durch Stauchungen des CTÜ immer größer.
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Als Reiter kannst du auf folgende Anzeichen achten, um der Kette von Blockaden zuvorzukommen:
- Dein Pferd hat Schwierigkeiten, den Hals ab dem Wiederrist fallen zu lassen.
- Es schiebt über eine Schulter nach außen, über die andere fällt es nach innen
- Dein Pferd verwirft sich im Genick, besonders gut zu merken in Seitengängen
- Dein Pferd lässt sich nicht mehr gut stellen und biegen, es sucht zur Seite der Blockade hin vermehrt die Reiterhand, auf der anderen fällt der Zügel durch
- Dein Pferd verliert die Elastizität beim Abfußen, da es den CTÜ festhält, um weiteren Stauchungen zu entgehen
- Dein Pferd lässt sich zu einer Seite nicht mehr gut abwenden
- Dein Pferde zeigt eine ungewohnte Taktunreinheit, indem es auf ein Vorderbein "fällt", ggf. sogar eine stoßartige Nickbewegung nach unten macht
- Besteht die Ursache-/Folgekette schon lang, macht sich das auch optisch durch starke Unterhals- und schwache Oberhalsmuskulatur bemerkbar. Die gewünschte "C-förmige" Halsung mit aufgewölbter Oberlinie wird quasi umgekehrt.
Wenn du einige der oben genannten Anzeichen bemerkst, solltest du dein Pferd von einer erfahrenen Physiotherapeutin oder Osteopathin auf eine Blockade 7. Halswirbels hin checken lassen. Parallel solltest du die eigene Balance beim Reiten immer wieder von deiner Trainierin/deinem Trainer überprüfen lassen.
ECVM: Equine Complex Vertebral Malformation
Hinter dem Kürzel ECVM verbirgt sich der Begriff Equine Complex Vertebral Malformation. Die Definition steht für angeborene Formveränderungen im Bereich der letzten beiden Halswirbel sowie der ersten und zweiten Rippen.
Bei betroffenen Pferden kommt es an den letzten beiden Halswirbeln (C6 und C7) sowie an den ersten und zweiten Rippen zu anatomischen Abweichungen. Ein Teil der knöchernen Strukturen an den Halswirbeln ist missgebildet oder fehlt: "Die Lamina ventralis kann ein- oder beidseitig, teilweise oder vollständig fehlen, oder sie kann an C7 ‚übertragen’ werden", erklärt Dr. Katharina Ros. Diese Übertragung nennt man Transposition. Mitunter sind die Facettengelenke unterschiedlich groß. Auch die ersten Rippen können teilweise oder vollständig fehlen oder fehlgebildet sein. "Das ist fatal, weil die ersten vier Rippen Tragerippen sind. Dabei sind die ersten Rippen die stärksten und formen den Eingang in den Brustkorb", sagt die Tierärztin.
Die Abweichungen haben auch Folgen für Muskelgruppen an Hals und Vorhand, die nicht vollständig, gar nicht oder an ungewöhnlicher Stelle ansetzen. "Setzt der Musculus longus thoracis etwa an C7 an, dann bedeutet das, dass dessen Ansatzpunkt um etwa zwanzig Zentimeter verschoben ist", so Dr. Ros.
Die Anomalien wirken sich auch auf die Nerven aus. Durch die Zwischenwirbellöcher (Foramina intervertebralia) treten die Spinalnerven aus dem Rückenmark aus. Kommt es an den Wirbeln oder den Rippen zu anatomischen Abweichungen, werden die Nervenbahnen in ihrem Verlauf mitunter gestört. "Weil die Wirbelsäule durch die veränderte Muskulatur zudem nicht ausreichend stabilisiert ist, kann es zu Wirbelgleiten kommen. Die Folge sind Schädigungen von Rückenmark und Spinalnerven." Am Halswirbel C6 ist häufig das Eintrittsloch fürs Rückenmark zu eng. Die Folge: Dort kann es zu Quetschungen kommen.
Klinisch signifikante Symptome bei ECVM waren Ataxie, gefolgt von Halsschmerzen/-steifheit, Stolpern oder Vorhandlahmheiten. Pferde mit ECVM können plötzlich beginnen, sich gegen den Reiter zu wehren, etwa indem sie bocken oder steigen. Generell können die Symptome bei ECVM vielfältig sein. Einige Pferde stützen sich etwa auf die Reiterhand, zeigen Probleme mit Takt und Losgelassenheit. Manchen fällt es schwer, sich zu stellen oder biegen; sie können sich durch Stehenbleiben, Bocken oder Steigen entziehen. Häufig haben die Tiere Gleichgewichtsprobleme. "Manche stürzen völlig aus dem Nichts", berichtet Dr. Katharina Ros. Die Tiere fußen unkoordiniert und bewegen sich unsicher. Oft stehen sie vorne ungleich, setzen einen Fuß weiter nach vorne oder stehen deutlich bodenweit. Viele Pferde sind auffällig schief.
Die Diagnose wird durch spezielle Röntgenaufnahmen gestellt. "Die Halswirbelsäule wird zuerst seitlich geröntgt, sodass der Bereich von C5 bis T3, also dem dritten Brustwirbel, zu sehen ist", erklärt die Tierärztin. Dann fertigt sie noch Schrägaufnahmen an. Für die ersten Rippen gibt es ein spezifisches Röntgenprotokoll.
Gegen die angeborenen Anomalien lässt sich nur wenig ausrichten. "Hat ein Pferd Schmerzen, kann der Tierarzt es entsprechend schmerztherapeutisch behandeln, etwa durch Injektionen in die Facettengelenke", so Dr. Ros. Die Tierärztin arbeitet bei ECVM-Patienten gerne mit Pferde-Osteotherapeut Stefan Stammer zusammen: Er aktiviere in seinen Behandlungen die autochthone, also tieferliegende Muskulatur, erklärt Dr. Ros. "Dies gibt den Pferden die nötige Stabilität."
Neurologische Erkrankungen der Halswirbelsäule
Neurologische Erkrankungen der Halswirbelsäule (HWS) kommen bei Pferden vieler verschiedener Rassen des Öfteren vor. Häufigste Ursache ist eine traumatisch bedingte Halswirbelfraktur oder eine Diskopathie. In Frankreich sind degenerative Erkrankungen der zervikalen Wirbel mit dynamischer oder auch stenotischer Myelopathie die zweithäufigste Ursache von neurologischen Erkrankungen des Pferdes. Bei jungen Pferden kann es infolge einer infektiösen Osteomyelitis der Halswirbel zu Abszessbildungen kommen. Gelegentlich sind Zysten für eine stenotische Myelopathie verantwortlich. Osteochondrotische Läsionen finden sich nachweislich auch in den Halswirbeln, eine Osteochondrosis dissecans könnte daher für die häufig diagnostizierte zervikale Osteoarthritis eine Rolle spielen.
Die klinischen Symptome sind ähnlich und werden als Balancestörung, untaktmäßiger Gang, Hyper-, Hypo- oder Dysmetrie, Zehenschleifen, Parese, Stolpern und Abduktion der äußeren Gliedmaße beim Gehen auf dem Zirkel beschrieben. In vielen Fällen ist eine lokale Muskelatrophie bei gleichzeitig erhöhtem Muskeltonus in der betroffenen Region zu beobachten. Anzeichen neurologischer Ausfälle treten häufig bilateral auf, die Symptome können sich jedoch auch asymmetrisch präsentieren. Bei durch Veränderungen im Bereich der Nervenwurzel verursachten Lahmheiten ist ein lokaler Nervenblock wirkungslos. Die Besitzer betroffener Pferde berichten über mangelnde Leistungsbereitschaft, Widersetzlichkeiten und eine verminderte Trainierbarkeit mit wenig oder gar keinen Fortschritten in der Ausbildung des Pferdes.
Die klinische Diagnose kann anhand von Röntgenaufnahmen der verdächtigen Region bestätigt werden. Eine Myelografie ermöglicht die Beurteilung von Verengungen des Wirbelkanals mit Kompression des Rückenmarks, die myelografischen Befunde sind jedoch nicht immer gut mit der histopathologischen Lokalisation der Läsion korreliert. Mittels sonografischer Untersuchung der Wirbelgelenke lassen sich ein Remodeling, synoviale Ergüsse sowie eine Verdickung der Synovialmembranen nachweisen. Lokale Injektionen können ultraschallgestützt erfolgen. Das quantitative EMG hat sich als sehr hilfreich für die Einschätzung der Ausdehnung und zur genauen Lokalisation von zervikalen Läsionen erwiesen und erlaubt ferner die Evaluierung der Signifikanz von Röntgenbefunden.
Behandlung von Genickblockaden und anderen Problemen der Halswirbelsäule
In erster Linie muss natürlich die Ursache gefunden und behoben werden. Weiter physikalische Therapien können zudem in Betracht gezogen werden, wie z.B. Auch mittels Kinesiologischem Vet-Taping kann die Therapie unterstützt werden. Zudem muss man individuell schauen, welche Fernpunkte durch die Blockaden betroffen sind.
Die Behandlung zielt darauf ab, Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu verbessern und die normale Funktion der Nerven wiederherzustellen. Zu den möglichen Behandlungsoptionen gehören:
- Manuelle Therapie: Chiropraktik, Osteopathie und Physiotherapie können helfen, Blockaden zu lösen, Muskelverspannungen zu reduzieren und die Beweglichkeit der Halswirbelsäule zu verbessern.
- Medikamentöse Therapie: Schmerzmittel, Entzündungshemmer und Muskelrelaxantien können zur Linderung von Schmerzen und Entzündungen eingesetzt werden.
- Akupunktur: Akupunktur kann helfen, Schmerzen zu lindern, Muskelverspannungen zu reduzieren und die Durchblutung zu verbessern.
- Bewegungstherapie: Gezielte Übungen können helfen, die Muskeln zu stärken, die Beweglichkeit zu verbessern und die Koordination zu fördern.
- Anpassung der Ausrüstung und des Trainings: Die Überprüfung und Anpassung von Sattel, Trense und anderen Ausrüstungsgegenständen sowie die Optimierung des Trainings können dazu beitragen, Fehlbelastungen zu vermeiden und die Entstehung von Blockaden zu verhindern.
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