Sägebockstellung beim Pferd: Ursachen, Symptome und Behandlung

Die Sägebockstellung beim Pferd ist ein auffälliges und besorgniserregendes Symptom, das auf eine Vielzahl von zugrunde liegenden Gesundheitsproblemen hinweisen kann. Diese unnatürliche Haltung, bei der das Pferd seine Vorder- und Hinterbeine ungewöhnlich weit von sich wegstreckt, deutet oft auf erhebliche Schmerzen oder Unbehagen hin. Eine schnelle tierärztliche Untersuchung ist unerlässlich, um die Ursache zu ermitteln und eine geeignete Behandlung einzuleiten.

Was ist die Sägebockstellung?

Die Sägebockstellung ist eine krankheitsbedingte Körperhaltung, bei der das Pferd seine Vorder- und Hinterbeine schräg nach außen stellt, sodass sie eine A-Form bilden. Die Gliedmaßen sind weit gespreizt, und der Rücken kann durchhängen. Diese Position erinnert an einen Sägebock, eine Stützkonstruktion zum Sägen von Holz, oder an das Turngerät Pferd. Die Sägebockstellung deutet darauf hin, dass das Pferd unter Stress oder Schmerzen leidet und liefert wichtige Hinweise für die Diagnose.

Mögliche Ursachen der Sägebockstellung

Die Sägebockstellung kann ein Symptom verschiedener Erkrankungen sein, darunter:

Tetanus (Wundstarrkrampf)

Tetanus ist eine Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Clostridium tetani verursacht wird, dessen Sporen im Boden vorkommen und über Wunden in den Körper gelangen. Dort produzieren sie Toxine, insbesondere Tetanospasmin, das die muskelsteuernden Nervenzellen angreift. Dies führt zu spastischen Lähmungen und Muskelkrämpfen, die sich in der Sägebockstellung äußern können. Unbehandelt kann Tetanus innerhalb weniger Tage bis zu zwei Wochen tödlich verlaufen.

Kreuzverschlag

Kreuzverschlag ist eine schmerzhafte Entzündung der Rückenmuskulatur, die durch eine Stoffwechselstörung nach körperlicher Belastung, insbesondere nach Ruhephasen, verursacht wird. Eine übermäßige Glykogeneinlagerung in den Muskeln führt zu einer unzureichenden Sauerstoffversorgung bei der Energiegewinnung, wodurch sich Laktat ansammelt und die Muskeln übersäuert. In schweren Fällen können Muskelzellen platzen und Myoglobin freisetzen, was zu einer dunklen Verfärbung des Urins führt. Die Sägebockstellung kann bei moderatem bis schwerem Kreuzverschlag auftreten.

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Koliken und Magengeschwüre

Die Sägebockstellung kann auch auf Koliken oder Magengeschwüre hindeuten. Pferde mit akuten Magen- und Bauchschmerzen strecken ihre Gliedmaßen oft weit von sich, um den Verdauungstrakt zu entlasten. Magengeschwüre entstehen häufig durch die Fütterung mit Kraftfutter, das die Magensäure nicht ausreichend aufnimmt und die Schleimhaut reizt. Koliken, die verschiedene Störungen des Verdauungssystems umfassen, können ebenfalls zu starken Bauchschmerzen führen. In schweren Fällen kann ein Darmverschluss lebensbedrohlich sein und eine Operation erfordern.

Hufrehe

Hufrehe ist eine Entzündung der Huflederhaut, die in schweren Fällen zum Ausschuhen führen kann. Pferde mit schmerzenden Hufen nehmen oft eine Schonhaltung ein, die sich als Sägebockstellung äußern kann. Dabei können entweder alle Beine oder nur die Vorderbeine schräg ausgestreckt sein, während die Hinterbeine unter den Körper gestellt werden.

Ataxie

Ataxie bezeichnet Koordinationsstörungen und ein unsauberes Gangbild aufgrund von Schädigungen des zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark). Es gibt verschiedene Formen, darunter die spinale Ataxie (Schädigung des Rückenmarks) und die zerebrale Ataxie (Störung der Gehirnfunktion). Eine Sonderform ist das Wobbler-Syndrom, bei dem eine Kompression des Rückenmarks im Bereich der Halswirbelsäule vorliegt.

Weitere Ursachen

Die Sägebockstellung kann auch bei Hunden auftreten und ähnliche Ursachen wie bei Pferden haben. In erster Linie ist sie ein Ausdruck von Schmerzen oder Unbehagen.

Diagnose

Wenn ein Pferd die Sägebockstellung zeigt, ist eine sofortige tierärztliche Untersuchung unerlässlich. Der Tierarzt wird eine gründliche klinische Untersuchung durchführen, um die mögliche Ursache zu ermitteln. Dazu können gehören:

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  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und der aktuellen Symptome
  • Körperliche Untersuchung: Beurteilung des Allgemeinzustands, der Haltung und der Gliedmaßen
  • Neurologische Untersuchung: Überprüfung der Reflexe und der Koordination
  • Blutuntersuchung: Überprüfung der Entzündungswerte und anderer relevanter Parameter
  • Bildgebende Verfahren: Röntgenaufnahmen, Ultraschalluntersuchungen oder andere bildgebende Verfahren zur Beurteilung der inneren Organe und der Knochenstruktur
  • Spezifische Tests: Je nach Verdacht können weitere Tests erforderlich sein, z. B. eine Kotuntersuchung auf Parasiten, eine Muskelbiopsie bei Verdacht auf Kreuzverschlag oder eine Endoskopie zur Untersuchung des Magens.

Behandlung

Die Behandlung der Sägebockstellung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Es ist wichtig, das Problem an der Wurzel zu packen und die entsprechenden Therapiemaßnahmen einzuleiten. Einige Beispiele für Behandlungen sind:

  • Tetanus: Antitoxin-Injektionen, Antibiotika und symptomatische Behandlung
  • Kreuzverschlag: Schmerzmittel, Entzündungshemmer, Muskelrelaxantien und Anpassung der Fütterung
  • Koliken: Schmerzmittel, Krampflöser, Flüssigkeitstherapie und in schweren Fällen eine Operation
  • Magengeschwüre: Medikamente zur Reduzierung der Magensäureproduktion und Anpassung der Fütterung
  • Hufrehe: Schmerzmittel, Entzündungshemmer, Hufpflege und Anpassung der Fütterung
  • Ataxie: Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und kann von Medikamenten über Physiotherapie bis hin zu Operationen reichen.

Zusätzliche Behandlungsansätze

Neben der Behandlung der Grunderkrankung können unterstützende Maßnahmen helfen, die Symptome zu lindern und die Genesung zu fördern:

  • Schmerzlinderung: Schmerzmittel können helfen, die Schmerzen zu lindern und das Wohlbefinden des Pferdes zu verbessern.
  • Entzündungshemmung: Entzündungshemmer können helfen, Entzündungen zu reduzieren und die Heilung zu fördern.
  • Ruhe: Das Pferd sollte ausreichend Ruhe bekommen, um sich zu erholen.
  • Angepasste Bewegung: Leichte Bewegung kann helfen, die Durchblutung zu fördern und die Muskeln zu stärken.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskeln zu entspannen und die Beweglichkeit zu verbessern.
  • Fütterungsmanagement: Eine angepasste Fütterung kann helfen, den Stoffwechsel zu unterstützen und die Heilung zu fördern.

COB (Chronisch obstruktive Bronchitis)

COB, auch bekannt als Equines Asthma, ist eine häufige Atemwegserkrankung bei Pferden, die durch eine Verengung der Atemwege und eine Überempfindlichkeit der Schleimhäute gekennzeichnet ist. Symptome können Husten, Nasenausfluss und Atembeschwerden sein. Die Diagnose wird in der Regel durch eine klinische Untersuchung, eine Lungenuntersuchung und gegebenenfalls weitere Tests wie Röntgenaufnahmen oder eine Endoskopie gestellt.

Behandlung von COB

Die Behandlung von COB zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität des Pferdes zu verbessern. Dazu gehören:

  • Haltungsoptimierung: Eine staubarme Haltung mit guter Belüftung ist entscheidend.
  • Staubfreies Raufutter: Nasses oder bedampftes Heu, Heulage oder Heucobs können helfen, die Staubbelastung zu reduzieren.
  • Medikamente: Bronchienerweiterer, Schleimlöser und Kortikosteroide können helfen, die Atemwege zu öffnen und Entzündungen zu reduzieren.
  • Inhalation: Die Inhalation von Salzlösungen oder Medikamenten kann helfen, den Schleim zu lösen und die Atemwege zu befeuchten.
  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann helfen, die Lunge zu reinigen und die Atemmuskulatur zu stärken.

Prävention

Einige Ursachen der Sägebockstellung lassen sich durch vorbeugende Maßnahmen vermeiden:

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  • Tetanus: Regelmäßige Impfungen gegen Tetanus sind unerlässlich.
  • Kreuzverschlag: Eine angepasste Fütterung mit reduziertem Kohlenhydratanteil und ausreichend Bewegung kann das Risiko eines Kreuzverschlags verringern.
  • Koliken: Eine ausgewogene Fütterung, ausreichend Bewegung und Stressvermeidung können helfen, Koliken vorzubeugen.
  • Magengeschwüre: Die Fütterung von ausreichend Raufutter vor Kraftfutter kann die Magenschleimhaut schützen.
  • Hufrehe: Eine angepasste Fütterung, regelmäßige Hufpflege und die Vermeidung von Übergewicht können das Risiko einer Hufrehe verringern.
  • COB: Eine staubarme Haltung, die Fütterung von staubfreiem Raufutter und die Vermeidung von Stress können helfen, COB vorzubeugen.

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