Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die von vielen Betroffenen als eine belastende und einschränkende Erfahrung wahrgenommen wird. Die Suche nach wirksamen Behandlungsmethoden, die sowohl die Häufigkeit als auch die Intensität der Migräneattacken reduzieren, ist daher von großer Bedeutung. Neben konventionellen Medikamenten rücken auch natürliche Heilmittel wie Johanniskrauttee immer wieder in den Fokus. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkung von Johanniskrauttee bei Migräne, gibt Hinweise zur richtigen Anwendung und erklärt, worauf Sie bei der Einnahme achten sollten.
Was ist Migräne?
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch wiederkehrende, pulsierende Kopfschmerzen äußert. Diese Kopfschmerzen treten vielfach „aus dem Nichts“ auf und geben den Betroffenen das Gefühl, dieser peinigenden Form des Kopfschmerzes hilflos ausgeliefert zu sein. Aufgrund ihrer Intensität kommen dann noch Nebenwirkungen hinzu wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit oder sogar Sehstörungen. Das typische Muster eines Migräneanfalls umfasst fünf Phasen, die durch jeweils individuelle Symptome und Ausprägungen gekennzeichnet sind. Migräne gehört zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen.
Ein wesentliches Kennzeichen der Migräne ist ihr selbstverstärkender Verlauf: Für viele Betroffene ist die Angst vor der nächsten Attacke ein wesentlicher Auslöser dafür, dass die Attacke auftritt. Zusammen mit den tatsächlichen Beschwerden entsteht so eine Schmerz-Spirale, aus der es nahezu kein Entkommen gibt.
Johanniskraut: Ein Überblick
Seit mehr als 2000 Jahren wird die Johanniskrautpflanze als Arzneimittel verwendet. In der Antike wurde vor allem das Johanniskrautöl zum äußerlichen Einsatz bei der Wundheilung eingesetzt. Im Mittelalter galt es als mystisches Apotropaikum (unheilabwehrendes Mittel). Besonders am Johannitag, dem Tag der Sommersonnwende, sollte das Johanniskraut über eine besondere Kraft verfügen: der lebensspendenden Kraft der Sonne, so glaubte man.
Seinen festen Platz als Heilmittel gegen Schwermut bekam das Johanniskraut im 16. Jahrhundert. Durch die Einnahme von Johanniskraut wird im Organismus die Lichtaufnahme verbessert. Es wirkt dadurch stimmungsaufhellend. Johanniskraut zählt zu jenen Arzneipflanzen, bei denen die Gesamtheit ihrer Inhaltsstoffe für die positive Wirkung der Heilpflanze verantwortlich ist.
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Das echte Johanniskraut verfügt über zahlreiche wertvolle Inhaltsstoffe:
- Hypericine: Sie verleihen dem Extrakt des Johannisöles seine rote Färbung. Ihre Wirkung ist antiviral und photosensibilisierend, d. h. sie können eine Überempfindlichkeit gegen Licht auslösen.
- Hyperforine: Die zu den Phloroglucinderivaten gehörenden Hyperforine sind für die antidepressiven, antibakteriellen sowie entzündungshemmenden Eigenschaften von großer Wichtigkeit.
- Flavonoide: Diese sekundären Pflanzenstoffe wirken entzündungshemmend.
- Gerbstoffe: Die schnellere Wundheilung bei Verwendung von Johannisöl wird vor allem auf die in ihm enthaltenen Gerbstoffe zurückgeführt. Sie verdichten die Oberfläche des Gewebes.
Johanniskraut bei Migräne: Wie kann es helfen?
Johanniskraut reguliert die Blutgefäße im Kopf. Das Johanniskraut hat nicht nur eine starke antidepressive Wirkung. Es lindert auch Nervenschmerzen und unterdrückt die Freisetzung von Stickstoffmonoxid (NO) in Blutgefäßen. Stickstoffmonoxid stellt die Gefäße im Kopf weit und spielt bei der Entstehung von Migräneattacken eine wichtige Rolle.
Die Arzneipflanze ist vor allem für ihre antidepressive Wirkung bekannt, kann aber auch gegen Migräne genutzt werden. Basilikum enthält wertvolle ätherische Öle, die sich am besten beim Kauen der frischen Blätter entfalten. Koffein hat einen erweiternden Effekt auf die Blutgefäße.
Zubereitung und Anwendung von Johanniskrauttee
Für die Verwendung als Arzneimittel wird das ganze Kraut, also alle Pflanzenteile außer der Wurzel, verwendet. Der Hypericingehalt und damit verbunden der Hyperformingehalt ist in den Blüten am höchsten und nimmt über die Blätter zum Stängel hin ab.
Die Anwendung eines eigenständig hergestellten Johanniskraut-Tees wird nicht empfohlen. Für die Herstellung der Johanniskraut-Präparate werden die getrockneten blühenden Zweigspitzen mit Blüten, Blättern und Stängeln (Hyperici herba) verwendet. Vor allem für die Anwendung als pflanzliches Antidepressivum sollten standardisierte Fertigarzneimittel verwendet werden. Die Dosierung, Art und Dauer der Anwendung erfahren Sie aus den jeweiligen Packungsbeilagen sowie vom Arzt oder Apotheker.
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Teerezeptur gegen Migräne
Das folgende Teerezept stammt aus meiner Praxis. Wenn Du unter Migräne leidest, könntest Du es einmal kurmäßig damit 6 Wochen lang versuchen.
Hinweis! Sprich auf jeden Fall erst einmal mit Deinem behandelnden Heilpraktiker oder Arzt bzw. Deiner Dich behandelnden Heilpraktikerin oder Ärztin darüber und wende den Tee nicht ohne deren Einverständnis an! Das Rezept sollte auch nur angewendet werden, wenn ein Arzt oder eine Ärztin die Migräne diagnostiziert haben und andere Ursachen für die Kopfschmerzen ausschließen konnten.
Notiere Dir am besten, ob sich die Häufigkeit und die Art Deiner Migräneanfälle in der Zeit, in der Du den Tee trinkst, verändert. Wenn Dir das Teerezept hilft, dann kannst Du seine Einnahme nach einer 2-wöchigen Pause und nach Rücksprache mit Heilpraktikerin/Heilpraktiker bzw. Arzt/Ärztin wiederholen - wieder für 6 Wochen. Eine regelmäßige 2-wöchige Pause ist bei schmerzstillenden Teemischungen meist hilfreich, sonst tritt bisweilen ein Gewöhnungseffekt ein und der Tee wirkt mit der Zeit weniger gut.
Im Teerezept findest Du das bereits erwähnte Johanniskraut und Mutterkraut und auch noch andere Pflanzen, die sich bei Migräne bewähren könnten, z. B. die Rinde der Silber-Weide (Salix alba). Sie enthält das schmerzstillende Salicin, eine Vorstufe der Salicylsäure. Eine französische Studie lässt vermuten, dass die Kombination von Mutterkraut und Silber-Weide die Häufigkeit, Schwere und Dauer von Migräneanfällen reduzieren könnte [5]. Die Zugabe von Kraut des Hafers (Avena sativa) und der Schafgarbe (Achillea millefolium) geht auf die Erfahrungsheilkunde zurück. Möglicherweise wirken sich ihre beruhigenden Aspekte positiv bei Migräne aus. Auch die Blüten des Jasmins (Jasminum grandiflorum) haben sich bei der Behandlung der Migräne bewährt - wahrscheinlich aufgrund ihrer Alkaloide. Diese sollen entspannend auf die Muskulatur von Gefäßen wirken.
Teemischung bei Migräne
Zutaten
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- 15 g Jasminblüten (Jasmini flores)
- 40 g Johanniskraut (Hyperici herba)
- 40 g Mutterkraut (Tanaceti parthenii herba)
- 40 g Schafgarbe (Millefolii herba)
- 45 g Haferkraut (Avenae herba)
- 55 g Weidenrinde (Salicis cortex)
Zubereitung/Dosierung
3-mal täglich 1 Esslöffel der Mischung mit 250 ml siedendem Wasser zugedeckt 15 Minuten ziehen lassen und trinken.
Merke
In der Schwangerschaft oder Stillzeit die Rezeptur auf jeden Fall ohne Mutterkraut herstellen lassen und auch dann nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen!
Den Tee nicht einnehmen bei bekannter Salicylat-Unverträglichkeit oder Allergie gegenüber Korbblütlern!
Wer Medikamente einnimmt, sollte den Tee nur nach ärztlicher Rücksprache trinken, da das im Tee enthaltene Johanniskraut die Wirksamkeit verschiedener Medikamente beeinflussen kann!
Wenn der Tee Dir gar nicht hilft, könntest Du mit einer Ärztin oder einem Arzt mal einen Therapieversuch mit CBD oder CBD-reichem Cannabis besprechen.
Worauf Sie bei der Anwendung von Johanniskraut achten sollten
Ebenso wie chemische Antidepressiva kann Johanniskraut Nebenwirkungen hervorrufen, allerdings weniger häufig. Dennoch gibt es ernstzunehmende Warnhinweise, die Sie vor der Einnahme beachten sollten:
- Die Heilpflanze kann eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht verursachen (photosensibilierende Wirkung). Daher sollten besonders hellhäutige Personen auf die Anwendung von Johanniskraut verzichten beziehungsweise die Sonne meiden.
- Darüber hinaus sind für Johanniskraut Nebenwirkungen wie allergische Hautreaktionen, Müdigkeit, Unruhe und Magen-Darmbeschwerden beschrieben worden (allerdings selten).
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Beachten Sie mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. So verringert sich beispielsweise die Wirkung folgender Arzneien bei gleichzeitiger Anwendung mit Johanniskraut:
- Pille und andere hormonelle Verhütungsmittel
- Blutverdünner vom Cumarintyp
- Mittel gegen Asthma
- Mittel gegen Herzrhythmusstörungen
- Mittel gegen erhöhte Blutfettwerte (Lipidsenker)
- Herzmedikamente aus der Gruppe der Digitalispräparate
Keinesfalls darf die Heilpflanze aber angewendet werden, wenn Sie folgende Medikamente erhalten:
- das Immunsystem unterdrückende Substanzen (Immunsuppressiva wie Cyclosporin)
- Krebsmedikamente aus der Gruppe der Zytostatika
- bestimmte HIV-/Aids-Medikamente
Weitere Hausmittel und Tipps bei Migräne
Neben Johanniskrauttee gibt es weitere Hausmittel und Verhaltensweisen, die bei Migräne hilfreich sein können:
- Pfefferminzöl: Einige Tropfen auf Stirn, Schläfen und Nacken auftragen und sanft einmassieren.
- Lavendelöl: Kann Migräneschmerzen verringern.
- Koffein: Kann bei Migräne helfen, da es die Blutgefäße im Gehirn verengt.
- Magnesium: Eine ausreichende Zufuhr kann menstruationsbedingte Migräne lindern.
- Ruhe und Dunkelheit: Sich bei den ersten Anzeichen einer Attacke in einen dunklen, ruhigen Raum zurückziehen.
- Kühle Kompressen: Ein mit kaltem Wasser getränkter Waschlappen auf der Stirn kann Linderung verschaffen.
- Entspannungstechniken: Progressive Muskelentspannung, Yoga oder Meditation können helfen, Stress abzubauen und Migräne vorzubeugen.
- Regelmäßiger Tagesablauf: Feste Zeiten für Mahlzeiten und Bettruhe einhalten.
Wann Sie einen Arzt aufsuchen sollten
Hausmittel auf der Basis von Heilpflanzen haben ihre Grenzen. Wenn Ihre Beschwerden über einen längeren Zeitraum bestehen, trotz Behandlung nicht besser oder sogar schlimmer werden, sollten Sie immer einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen.
Auch bei schweren oder chronisch verlaufenden Depressionen sind keine positiven Effekte von Johanniskraut beschrieben. Eine Behandlung nur mit der Heilpflanze allein ist in solchen Fällen wegen erhöhter Suizidgefahr daher sehr gefährlich.
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