Neurologische Erkrankungen stellen eine besondere Herausforderung an die Pflege dar. Viele Patient:innen benötigen eine umfassende Betreuung, die auf ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnitten ist. Dieser Artikel bietet einen Überblick über die verschiedenen Aspekte der pflegerischen Maßnahmen bei neurologischen Erkrankungen, von den spezialisierten Pflegekräften über die unterschiedlichen Therapieformen bis hin zu den Konzepten, die in der neurologischen Pflege Anwendung finden.
Die Rolle der neurologischen Pflegekräfte
Die Pflege eines neurologisch erkrankten Menschen ist vielschichtig und komplex. Erkrankungen wie der Schlaganfall können nahezu alle Funktionen des Bewegens, Denkens, Sprechens und Schluckens beeinträchtigen. Dies erfordert hochqualifizierte Pflegekräfte, die dieser Komplexität gerecht werden können.
Neurologische Pflegekräfte verstehen sich als Partner der Patient:innen und ihrer Angehörigen. Gemeinsam erarbeiten sie Lösungsstrategien, um die Patient:innen individuell zu fördern. Ein wichtiger Ansatz ist die aktivierend-therapeutische Pflege, die aus dem Bobath-Konzept hervorgeht. Dieses Konzept hat in der neurologischen Pflege höchste Priorität, da es speziell für neurologische Erkrankungen entwickelt wurde.
Neben dem Bobath-Konzept finden auch andere Wahrnehmungskonzepte Anwendung, wie Elemente der Basalen Stimulation, der Kinästhetik und des Affolter-Modells. Diese Konzepte werden im Aktivitas Pflege®-Konzept vereint, das durch speziell geschulte Trainerinnen vermittelt wird.
Um ein fachlich hohes Niveau zu gewährleisten, nehmen die Pflegekräfte regelmäßig an Fort- und Weiterbildungen teil. Dazu gehören Weiterbildungen zur Stroke Unit Nurse, zur Parkinson Nurse und Demenzweiterbildungen.
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Neurologische Therapie: Ein multidisziplinärer Ansatz
Bereits innerhalb der ersten 24 Stunden nach einem neurologischen Ereignis stehen Therapeut:innen den Patient:innen zur Seite. Auch in der Parkinson-Komplex-Behandlung ist die Therapie ein fester Bestandteil des Stationsablaufs.
Das Therapieangebot umfasst in enger multidisziplinärer Zusammenarbeit die Bereiche Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie. In täglichen Sitzungen werden die Therapieziele miteinander abgestimmt.
Neurologische Physiotherapie
Ziel der Physiotherapie in der Neurologie ist es, mit den Patient:innen ein größtmögliches Maß an Selbstständigkeit zu erarbeiten. Mit Hilfe der Therapeut:innen erlernen die Patient:innen gezielt Bewegungsabläufe, schulen ihre Körperwahrnehmung und verbessern ihre motorischen Fähigkeiten trotz krankheitsbedingter Einschränkungen.
Die Physiotherapie erfolgt in Einzeltherapie durch speziell geschulte Therapeut:innen. Je nach Indikation und Möglichkeiten des Patienten kommen verschiedene Behandlungskonzepte und -techniken zur Anwendung, wie beispielsweise Bobath und PNF („Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation“).
Neurologische Ergotherapie
Ziel der Ergotherapie ist der Erhalt bzw. die Wiedererlangung der bestmöglichen Selbstständigkeit in alltäglichen Handlungen, im Beruf und bei Freizeitaktivitäten. Neurologische Patient:innen können hierbei stark eingeschränkt sein. Die Ergotherapie unterstützt die Patienten beim Wiedererlernen von alltags- und handlungsorientierten Fähig- und Fertigkeiten oder erarbeitet Kompensationsstrategien durch:
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- Wahrnehmungsförderung zur Aufnahme und Verarbeitung von Sinnesreizen
- Sensomotorik zur Bewegungsausführung und Kompensation nicht wieder herstellbarer Funktionen
- Gleichgewichtstraining
- Schulung der Grob- und Feinmotorik sowie der Graphomotorik
- Schulung von Aktivitäten des täglichen Lebens („ADL“ - z.B. An-/Ausziehen, Toilettennutzung)
- Umgang mit mobilitätsfördernden Hilfsmitteln
- Hirnleistungstraining
Neurologische Logopädie
Der logopädische Fachbereich beschäftigt sich mit der Behandlung von neurogenen Schluck-, Sprach-, Sprech- und Stimmstörungen. Auch das Trachealkanülenmanagement gehört zu den Aufgaben der Logopädie.
Die Sicherung der oralen Nahrungsaufnahme und der Schutz der oberen Atemwege beim Schlucken sowie die Behandlung von Kommunikationsstörungen sind alltägliche Arbeits- und Therapiebereiche.
Neben einer fundierten Anamnese und Diagnostik steht die Behandlung und Therapie im Vordergrund. Es wird nach verschiedenen Behandlungskonzepten im interdisziplinären Austausch gearbeitet. Für einen effektiven Therapieerfolg ist die Aufklärung, Beratung und Betreuung der Angehörigen fester Bestandteil der Arbeit.
Neurologische ambulante Therapien
Gerade bei neurologischen Patient:innen ist im Anschluss an den stationären Klinikaufenthalt und die darauffolgende Reha häufig eine ambulante Weiterbehandlung nötig, um die Genesung und Wiedereingliederung im Alltag zu unterstützen.
Die Bedeutung der Pflege in der Neurologie
Pflegekräfte im Bereich der Neurologie leisten einen entscheidenden Beitrag zum Behandlungs- und Genesungserfolg von Patient:innen mit akuten oder chronischen Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems.
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Gemeinsam mit einem interprofessionellen Behandlungsteam aus Ärzten, Ergotherapeuten, Logopäden und Physiotherapeuten begleiten die Pflegefachpersonen die Patient:innen mit ihren häufig anzutreffenden neurodegenerativen Erkrankungen und den daraus resultierenden Einschränkungen durch den gesamten Behandlungsprozess. Diese multifaktoriellen Einschränkungen wie Wahrnehmungsstörungen, Kommunikationsstörungen, Bewegungs- und Koordinationsstörungen, Schluckstörungen und Beeinträchtigungen der Kontinenz stellen erhebliche Anforderungen an eine adäquate und patientenorientierte pflegerische Versorgung.
Die Pflege in der Neurologie erfordert umfassende Kenntnisse zu neurologischen Krankheitsbildern sowie spezielles pflegerisches Wissen, um betroffene Menschen umfassend versorgen und fördern zu können. Viele Krankenhausstationen und ihre dort arbeitenden Pflegefachkräfte sind auf bestimmte Krankheitsbilder der Patienten, wie orthopädische, onkologische oder kardiologische, spezialisiert. So können spezifische Kompetenzen gezielt zur Genesung beitragen und eingesetzt werden. So auch auf neurologischen Stationen.
In Krankenhäusern werden eine Vielzahl von neurologischen Erkrankungen behandelt, die das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark), das periphere Nervensystem und die Muskulatur betreffen. Das können konkret Schlaganfälle, Epilepsie, Multiple Sklerose (MS), Parkinson, neuromuskuläre Erkrankungen, Schädel-Hirn-Traumata oder Autoimmunerkrankungen sein. Diese Erkrankungen erfordern spezialisierte Diagnoseverfahren, Behandlungsansätze und oft eine multidisziplinäre Betreuung durch Neurologen, Neurochirurgen, Neuropathologen, Radiologen und spezialisiertes Pflegepersonal.
Der Umgang mit schwerstbetroffenen Patienten nach Schlaganfällen, die den Rest ihres Lebens pflegebedürftig sein werden, oder Menschen, die trotz langjähriger MS gut mit der Erkrankung leben können, ist für das Pflegepersonal meist der Alltag. Für spezialisierte Pflegekräfte ist es von entscheidender Bedeutung, die individuellen Bedürfnisse und Herausforderungen der Patienten zu verstehen, einzuschätzen und entsprechend reagieren zu können. Dies gilt insbesondere in der Neurologie, einem Bereich, der sich mit den komplexen Erkrankungen des Nervensystems befasst.
Die neurologische Fachpflege ist darauf ausgerichtet, Patienten mit diversen neurologischen Erkrankungen zu behandeln und zu unterstützen. Dies schließt auch schwerstbetroffene, pflegebedürftige Patienten ein. In diesem Bereich kann das Pflegepersonal besonders ihre Kompetenzen unter Beweis stellen, da pflegerische Therapieansätze stets darauf abzielen, die Eigenständigkeit der Patienten zu stärken. Die Pflege nimmt eine bedeutende Rolle in der Therapie und Begleitung der Patienten ein und leistet so einen bedeutenden Beitrag zur Genesung und Rehabilitation. Die sichtbaren Fortschritte der Patienten wirken sich dabei motivierend aus.
Ein wesentlicher Bestandteil der Pflege in der Neurologie ist darüber hinaus die enge Zusammenarbeit mit Fachexperten anderer Disziplinen. Es wird in multiprofessionellen Teams gearbeitet. Neben dem ärztlichen Dienst gehören hierzu Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden, der Sozialdienst sowie therapeutische Begleitteams. Neben der Grund- und Behandlungspflege umfasst die therapeutisch-aktivierende Pflege auch die Beobachtung der Patienten sowie spezielle therapeutische Maßnahmen, wie Schlucktraining, Selbstständigkeitstraining, die Förderung der Mobilität und Kontinenztraining.
Für angehende Pflegekräfte ist die Neurologie ein optimaler Einsatzort, um alle Aspekte des Pflegeprozesses kennenzulernen und anzuwenden. Hier können sie vieles über die Koordination von Maßnahmen, die Zusammenarbeit im Team und die speziellen Bedürfnisse von Patienten mit neurologischen Erkrankungen erlernen. Jeder Patient bedarf einer individuellen Einschätzung des Pflegebedarfs mit anschließender Durchführung der geeigneten Intervention.
Bei einer neurologischen Erkrankung kann es sich um eine Erkrankung des Rückenmarks, der Sinnesorgane, des Gehirns, der Nervenwurzeln und/oder der peripheren Nerven handeln. Auch Erkrankungen der Hirnhäute und des Hormon- und Immunsystems fallen unter die Kategorie „neurologische Erkrankung“. Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jede neurologische Erkrankung bei älteren Menschen sofort eine Einweisung in die Psychiatrie erforderlich macht.
Es ist wichtig, dass die Pflegekraft dem Betroffenen vermittelt, dass sie ihn trotz neurologischer Einschränkungen ernst nimmt, um ihm das Schamgefühl bezüglich seiner Erkrankung gegenüber Ärzten, Freunden und Familie zu nehmen.
Zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen gehören:
- Durchblutungsstörungen im Gehirn
- Entzündliche Erkrankungen des zentralen Nervensystems (z.B. Multiple Sklerose)
- Neuroimmunologische Erkrankungen des zentralen Nervensystems
- Degenerative Erkrankungen (z.B. Alzheimer, Parkinson)
- Nervenkompressionen
- Sehstörungen
- Demenz: Hierbei gehen die kognitiven Fähigkeiten eines Menschen verloren.
- Atypischer Gesichtsschmerz/anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerz: Ein Dauerschmerz, der in wechselnder oder gleichbleibender Intensität in der Regel einseitig auftritt.
- Epilepsie: Eine Entladungsstörung der Gehirnneutronen.
- Speicherkrankheiten
- Schwindel
Wenn eine Pflegekraft den Verdacht hat, dass ein Patient von einer neurologischen Erkrankung oder Störung betroffen ist, sollte sie dies beim Besuch des Hausarztes ansprechen.
Beim ersten Besuch beim Neurologen muss der Patient einen Patientenerfassungsbogen ausfüllen und bezüglich des Datenschutzes einige Papiere unterschreiben. Nach der Erhebung der Anamnese erfolgt die neurologische Untersuchung. Bei der Inspektion wird der Neurologe den Patienten genau betrachten, um herauszufinden, ob sich bei ihm schon die typischen Symptome einer neurologischen Erkrankung oder Störung zeigen, wie z.B. ein verändertes Gangbild, Haltungsstörungen, Gleichgewichtsstörungen, Hautveränderungen usw. Bei der internistischen Untersuchung wird z.B. der Blutdruck gemessen und das Herz abgehört.
Bei der Untersuchung der Hirnnerven wird der Facharzt für Neurologie darauf achten, ob die Grundfunktionen intakt sind. Es gibt insgesamt 12 Hirnnerven, von denen jeder ein bestimmtes Aufgabengebiet hat.
Die Reflexe werden untersucht, um festzustellen, ob neurologische Schäden vorliegen. Als Nächstes wird der Neurologe den Bewegungsapparat des Patienten untersuchen. Dabei wird der Arzt sich nicht nur den Zustand der Gliedmaßen und Gelenke ansehen, sondern auch die Wirbelsäule auf ihren Verschleiß untersuchen. Bei den nächsten Untersuchungen geht es darum, die Koordination des Patienten zu überprüfen - Stichwort: Finger-Nase-Versuch. Natürlich wird bei dieser Untersuchung darauf geachtet, wie der Betroffene gehen und stehen kann (mit offenen und geschlossenen Augen). Natürlich spielt dabei auch eine Rolle, wie rasch die Bewegungsabläufe durchgeführt werden können.
Bei der Prüfung der Sensibilität werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt, die darüber Auskunft geben sollen, wie es um die Berührungs- und Druckwahrnehmung und das Temperatur- und Schmerzempfinden des Patienten bestellt ist. Bei der Diagnostik von neurologischen Erkrankungen und Störungen werden auch die vegetativen Funktionen des Patienten (z.B. Schwitzen, Atmung, Puls, Verdauung usw.) näher betrachtet. Für die Diagnostik spielen auch die vorhandenen kognitiven Fähigkeiten des Patienten eine wichtige Rolle. Zu den kognitiven Fähigkeiten eines Menschen gehören z.B. die Aufmerksamkeit, das Gedächtnis und die Sprache.
Eine neurologische Erkrankung kann immer Einfluss auf die Psyche des Patienten haben. Abhängig vom Beschwerdebild des Patienten kann der Arzt noch weitere Untersuchungen anordnen.
Es gibt eine Vielzahl verschiedener neurologischer Erkrankungen und Störungen, die eine Vielzahl an Symptomen auslösen können. Eben diese Komplexität und Vielfalt ist der Grund, warum hier keine allgemeinen Aussagen zur Behandlung bzw. zur Therapie getroffen werden können.
Bei der neurologischen Pflege steht neben der Behandlung und Betreuung des chronisch Erkrankten auch die Begleitung des Patienten im Alltag im Vordergrund. Die Pflege von Patienten mit neurologischen Erkrankungen ist sehr anspruchsvoll, da die Symptomatiken äußerst komplex sein können. So kann es bei Betroffenen zu psychoreaktiven/psychischen Veränderungen kommen, genauso auch zu Schmerzen, starken Erschöpfungszuständen, Müdigkeit, neurologischen Störungen, kurzfristigen oder dauerhaften Lähmungserscheinungen, Koordinationsstörungen usw. Das bedeutet, dass sich die Pflegekraft konsequent neuen Herausforderungen stellen muss. Die Bedeutung der neurologischen Pflege wird oft unterschätzt.
In Deutschland hat die Pflegekraft verschiedene Möglichkeiten, ihre Weiterbildung bezuschussen zu lassen, entweder über diverse Förderprogramme von staatlicher Seite oder einen direkten Zuschuss von ihrem Arbeitgeber. Bei der primären Pflege von Patienten mit neurologischen Erkrankungen geht es hauptsächlich darum, den Betroffenen bei seinen Aktivitäten des täglichen Lebens zu unterstützen und ihn soweit anzuleiten, um eine größtmögliche Selbstständigkeit zu erhalten. Pflegekonzepte und Therapien werden bei der neurologischen Pflege individuell auf die Bedürfnisse des pflegebedürftigen Patienten abgestimmt.
Die Betreuung von Patienten mit neurologischen Erkrankungen stellt auch an die Pflege ganz besondere Anforderungen. Die Pflege orientiert sich in allen Bereichen an den Fähigkeiten und Zielen des Patienten und bezieht auch seine Angehörigen in den Genesungsprozess mit ein. Die Pflege im Bereich der Neurologie ist charakterisiert durch eine hohe Qualität der Versorgung und eine individuelle Betreuung. Viele neurologische Krankheiten erfordern multidisziplinäre Pflegefachkompetenz.
Die Krankenpflege wird auf der Basis des Bereichspflegemodells durchgeführt, da dieses Modell das Vertrauensverhältnis zwischen dem Patienten und seiner Bezugsperson fördert. Sie orientiert sich an den vorhandenen Fähigkeiten des Patienten und bezieht Angehörige soweit wie möglich in die tägliche Arbeit ein. Darüber hinaus stehen das Bobath-Konzept (ein therapeutisches Verfahren zur Verhinderung bzw. Abschwächung spastischer Lähmungserscheinungen) und das kinästhetische Konzept (Unterstützung der Patienten in allen Bewegungsaktivitäten mit dem Ziel der größtmöglichen Eigenbeteiligung) im Vordergrund des neurologischen Pflegebewusstseins.
Da in den verschiedenen Rehabilitationsphasen unterschiedliche Ansprüche und Anforderungen an die therapeutische Pflege gestellt werden, wird direkt bei der Aufnahme eine Pflegeanamnese nach den Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL) erhoben. Die neurologische Krankenpflege ist somit Bestandteil einer ganzheitlich gesehenen Therapie mit dem Ziel, den Patienten in seiner Entwicklung pflegetherapeutisch zu fördern und die medizinische Behandlung zu unterstützen.
Unter dem Titel „Pflege zu Hause“ wird ein regelmäßiges kostenloses Trainingsangebot für (aktive und werdende) pflegende Angehörige angeboten. Hier werden grundlegende praktische Pflegetechniken und Hintergründe zu den Leistungen der Versicherung vermittelt.
Das Bobath-Konzept: Förderung der Selbstständigkeit
Das Bobath-Konzept ist ein umfassendes Bewegungskonzept zur Rehabilitation von Patienten mit Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Auf diese Weise übernehmen intakte Hirnareale die Funktionen der geschädigten Bereiche. Die betroffene Person gewinnt motorische Fähigkeiten zurück und wird wieder selbstständiger in ihrem Alltag.
Das Gehirn des Menschen ist ein Leben lang lernfähig. Das geschieht beim Bobath-Konzept durch immer wiederkehrende Bewegungsmuster. Dabei berücksichtigt es stets die individuellen Möglichkeiten und Grenzen jedes einzelnen Patienten, fordert aber auch seine aktive Mitarbeit. Die Anwendungen sind nicht auf die Therapiestunden begrenzt. Diese stetigen Wiederholungen programmieren die Nervenbahnen um. Der Patient studiert Bewegungen neu ein und wird wieder mobiler.
Das Bobath-Konzept kann nicht die Ursachen der neurologischen Erkrankungen beheben. Es setzt ausschließlich darauf, neue Bewegungsmuster zu erlernen, damit der Patient seine Mobilität und damit Selbstständigkeit zurückgewinnt. Übergeordnetes Ziel des Bobath-Konzepts ist, dass die betroffenen Personen die Beweglichkeit der beeinträchtigten Körperregionen verbessern und damit ihre Unabhängigkeit wieder erlangen.
Das Bobath-Konzept sieht keine strikten Therapievorgaben und starren Übungsabläufe vor. Alle Übungen werden in den Tagesablauf integriert. So lernen die Patienten, die versehrten Körperteile wieder in alltäglichen Situationen wie Körperpflege, Essen sowie das An- und Ausziehen mit einzubeziehen.
Ist die pflegebedürftige Person halbseitig gelähmt, empfiehlt sich die sogenannte Lagerung nach Bobath. Das Bobath-Konzept sieht verschiedene Lagerungen vor. Bei der Lagerung auf der betroffenen Seite stimuliert der Auflagedruck die beeinträchtigten Körperpartien. Die nicht betroffene Seite kann aktiv benutzt werden. Bei der Lagerung auf der nicht betroffenen Seite kann sich der Muskeltonus entspannen. Die betroffenen Personen fühlen sich meist wohler, weil sie ihre Lage aktiv mitgestalten können. Das stabile Sitzen im Bett hilft Menschen mit geringer Rumpfstabilität, wieder ein Gefühl für den eigenen Körper zu bekommen und den Kreislauf zu trainieren. Das Sitzen im Stuhl am Tisch stabilisiert Muskeltonus und Kreislauf. Außerdem ist es ein wichtiger Schritt zurück in ein soziales Leben. Bei jeder Lagerung sollte die Unterlage relativ hart sein, weil dann der Auflagedruck stärker stimuliert. Für Ihre Angehörigen ist es außerdem wichtig, dass sie möglichst stabil liegen oder sitzen.
Mobilisation nach Bobath wird auch Transfer nach Bobath genannt. Danach sollen Sie Ihre Angehörigen aktiv in sämtliche Positionswechsel mit einbeziehen. Es beginnt mit einfachen unterstützenden Bewegungsabläufen, zum Beispiel dem Aufsetzen im Bett. Eine gute Möglichkeit, die Körperwahrnehmung von Patienten mit starken körperlichen Einschränkungen zu fördern, ist das Waschen nach Bobath. Beim Waschen nach Bobath arbeiten Sie stets von der gesunden zur kranken Seite hin.
Beim Bobath-Konzept kommt es auf die richtigen Handgriffe an - egal ob Sie Ihren Angehörigen sicher aus dem Bett in den Rollstuhl bewegen oder seinen Körper waschen wollen. Ziel eines jeden Bobath-Trainings ist, dass die Patienten trotz ihrer Erkrankung so viel Selbstständigkeit wie möglich zurückerlangen. Geeignet für die Gestaltung des ADL-Trainings sind neben der Körperpflege, das An- und Ausziehen, die Nahrungsaufnahme, aber je nach Mobilität auch der eigenständige Toilettengang.
In der Altenpflege kann die Krankengymnastik nach Vojta eine gute Ergänzung zum Bobath-Konzept sein. Hierbei aktivieren Physiotherapeuten die natürlichen menschlichen Bewegungsmuster über verschiedene Druckpunkte. Dadurch lassen sich Symptome wie beispielsweise Spastizität lindern und Bewegungsniveaus verbessern. Der Unterschied zu Bobath: Vojta soll angeborene Bewegungsmuster aktivieren, Bobath schafft neue Verknüpfungen im Gehirn.
Damit das Bobath-Konzept funktioniert, müssen alle an der Pflege beteiligten Personen an einem Strang ziehen. Zusammen müssen Sie Ihren pflegebedürftigen Angehörigen während des gesamten Tagesablaufs an die Übungen heranführen. Beraten Sie sich am besten mit einem Physiotherapeuten, der auf Bobath spezialisiert ist.
Die Grundannahme des Bobath-Konzepts ist, dass das Gehirn des Menschen lebenslang lernfähig ist. Das A und O aller Bewegungen nach Bobath sind die vielen Wiederholungen, die im Tagesablauf eingebaut werden. Bobath sieht keine starren Übungsabläufe vor. Die Therapie wird immer individuell auf jeden Patienten zugeschnitten, je nach dem Ausmaß seiner Bewegungseinschränkung und der betroffenen Körperteile.
Das Bobath-Konzept richtet sich an Menschen mit neurologischen Erkrankungen des zentralen Nervensystems, also mit Schädigungen am Gehirn und Rückenmark. Übergeordnetes Ziel des Bobath-Konzepts ist, dass die betroffenen Personen ihre Selbstständigkeit und damit Lebensqualität zurückgewinnen. Bobath-Therapie kann von Haus- oder Fachärzten verordnet werden. Die Kosten trägt in der Regel die Krankenkasse.
Die neurologische Intensivstation: Spezialisierte Versorgung
Die pflegerische Versorgung auf der neurologischen Intensivstation ist durch eine Reihe von Besonderheiten gekennzeichnet, die sie von anderen Bereichen der Intensivpflege unterscheidet.
Ein zentraler Aspekt ist die spezialisierte Überwachung und Pflege. Pflegekräfte müssen kontinuierlich Kreislauf, Atmung, Bewusstsein, Schmerzen, Motorik und Sensibilität der Patienten überwachen. Dabei liegt ein besonderer Schwerpunkt auf der Krankenbeobachtung bei neurologischen Defiziten. Zudem erfordert der Umgang mit speziellen Überwachungsgeräten wie Hirndrucksonden, externen Ventrikeldrainagen, Lumbaldrainagen und angelegtem EEG Monitoring besondere Fachkenntnisse.
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