Die Ursachen der altersbedingten Demenz sind noch immer weitgehend unbekannt und Gegenstand aktueller Forschung. Schätzungsweise 6,9 Millionen US-Amerikaner im Alter von 65 Jahren und älter leben nach Angaben der Alzheimer's Association mit der Alzheimer-Krankheit. In Deutschland sind die Zahlen ähnlich hoch. Hier leben rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz, die meisten davon mit Alzheimer. Starkes Übergewicht erhöht nicht nur das Risiko, an Diabetes mellitus, Herzinsuffizienz oder Arteriosklerose zu erkranken, sondern gefährdet auch das Gehirn und seine geistigen Fähigkeiten.
Übergewicht als Risikofaktor für Demenz
Übergewicht, insbesondere im mittleren Lebensalter, erhöht das Risiko, später an einer Demenz zu erkranken. Dies gilt nicht nur für Alzheimer, sondern auch für vaskuläre Demenz. Besonders problematisch ist Bauchfett, also das Fettgewebe um die Organe im Bauchbereich. Seine Botenstoffe fördern hohen Blutdruck, entzündliche Erkrankungen und belasten die Gefäße. Die Hauptursache für die Entstehung von zu großen Fettspeichern im Bauchraum sind ungesunde Essgewohnheiten und zu wenig Bewegung.
Eine schwedische Forschungsgruppe von der Universitätsklinik in Göteborg hat vor kurzem die Ergebnisse einer großen Studie veröffentlicht, in der untersucht wurde, ob ein Zusammenhang zwischen dem Gewicht einer Person und dem Risiko für eine spätere Demenz besteht. Von 1970 bis 1998 beobachteten die Wissenschaftler für ihre Studie insgesamt 7.402 Männer. Alle Teilnehmer waren zu Beginn der Untersuchung (1970 bis 1973) zwischen 47 und 55 Jahre alt. Die Wissenschaftler verglichen die BMI-Werte der Demenz-Betroffenen mit denen der gesunden Männer. Der BMI (Body Mass Index) gibt das Verhältnis von Körpergewicht zu Körpergröße wieder und dient der Einschätzung von Normal-, Unter- oder Übergewicht. In die Kategorie normalgewichtig fallen BMI-Werte zwischen 18,5 und 25 kg/m2. Alles, was über 25 liegt, gilt als übergewichtig. Das Ergebnis der schwedischen Studie: Männer mit einem BMI zwischen 22,5 und 25 (also im normalgewichtigen Bereich) entwickelten am seltensten eine Demenz. Oberhalb dieser BMI-Werte stieg mit Zunahme des Gewichts auch das Demenz-Risiko deutlich an. Personen mit einem BMI größer als 30 (= starkes Übergewicht) waren im Beobachtungszeitraum 2,5 mal häufiger von einer Demenz betroffen. Offenbar gibt es einen Zusammenhang zwischen der Körperfülle und dem Demenz-Risiko. In der vorliegenden Studie wurde gezeigt, dass übergewichtige im Vergleich zu normalgewichtigen Männern deutlich häufiger eine Demenz entwickeln.
Stockholm - Wer im mittleren Alter übergewichtig oder adipös ist, erkrankt später häufiger an einer Demenz. Dies ergab eine Auswertung des Schwedischen Zwillingsregisters in Neurology (2011; 76: 1568-1574). Eine Demenz im Alter kann als Folge verschiedener Erkrankungen auftreten. Neben dem Morbus Alzheimer, an dessen Pathogenese das Übergewicht kaum beteiligt sein dürfte, zählt auch die vaskuläre Demenz dazu. Sie ist eine Folge der Atherosklerose in den zerebralen Arterien. Da Übergewicht zweifellos die Verkalkung der Blutgefäße begünstigt, sind die Ergebnisse von Weili Xu vom Karolinska Institut in Stockholm biologisch plausibel. Bereits für den Übergewichtsbereich (BMI 25 bis 30) ermittelte die Forscherin ein um 71 Prozent erhöhtes Risiko (Odds Ratio 1,71; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,30-2,25). Adipöse Personen (BMI >30) hatten ein fast vierfach erhöhtes Risiko (Odds Ratio 3,88; 2,12-7,11). Insgesamt waren 39 Prozent aller Demenzpatienten im mittleren Alter übergewichtig gewesen. Unter den Personen ohne Demenz lag der Anteil nur bei 26 Prozent. Laut Xu sind derzeit weltweit 1,6 Milliarden Menschen übergewichtig.
Fettleibigkeit im mittleren Lebensalter erhöht bei Frauen das Risiko, später an einer Demenz zu erkranken. Das Forscherteam um Sarah Floud von der Oxford-Universität wollte mit seiner Untersuchung auch Widersprüche klären, die sich aus vergangenen Studien ergeben haben. So zeigten einige Studien einen Zusammenhang zwischen einem niedrigem Body Mass Index (BMI) - also Untergewicht - und dem Demenzrisiko. Allerdings, so die Autor*innen der aktuellen Studie, könnten die genannten Punkte auch die Folge einer beginnenden Demenzerkrankung sein - und nicht die Ursache. Sie erläutern, dass bei Menschen, die an Demenz erkrankt sind, die Wahrnehmung früh zu verändern beginnt - in der Regel bereits zehn Jahre bevor eine formale Diagnose gestellt wird. Die Ergebnisse weisen auf ein erhöhtes Demenzrisiko bei Fettleibigkeit im mittleren Alter hin: Bei Frauen, die zu Beginn der Studie an Fettleibigkeit litten, war die Wahrscheinlichkeit, eine Demenz zu entwickeln, um 21 Prozent höher als bei Frauen, die einen „empfehlenswerten“ BMI hatten.
Lesen Sie auch: Informationen für Alzheimer-Patienten und Angehörige
Die Rolle von viszeralem Fett
Ein Forschungsteam hat nun eine bestimmte Art von Körperfett mit den abnormalen Proteinen im Gehirn entdeckt, die mit Alzheimer in Verbindung gebracht werden. Die Bildung des Fettes steht im Zusammenhang mit dem BMI (Body-Mass-Index). Vor allem viszerale Fette (tief verborgenes Fett, das die Organe umgibt) erklären die durch Fettleibigkeit bedingte erhöhte Alzheimer-Pathologie. Bei subkutanen Fetten (das Fett unter der Haut) konnte kein Zusammenhang hergestellt werden.
Auswirkungen von Übergewicht auf das Gehirn
Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig haben nun herausgefunden, dass bei Adipösen höheren Alters das sogenannte Default Mode Network schwächer vernetzt ist und dadurch Prozesse wie Erinnern und Planen schlechter funktionieren könnten. „Wir haben bereits lange vermutet, dass ein hoher Body Mass Index auch dem Gehirn schadet. Jetzt haben wir direkte Hinweise dafür gefunden“, so Veronica Witte, Leiterin der zugrundeliegenden Studie und der Forschungsgruppe Altern und Adipositas am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften. „Wir haben beobachtet, dass bei stark Übergewichtigen innerhalb eines bestimmten Netzwerks einige Regionen schwächer miteinander verbunden sind. Das DMN wird zum einen aktiv, wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf unseren inneren Zustand richten, unseren Gedanken freien Lauf lassen oder uns erinnern. Zum anderen scheint es aber auch jene Aufgaben zu unterstützen, die unmittelbar einer Handlung vorangehen oder sie begleiten, etwa wenn wir etwas gezielt planen, koordinieren, Hindernisse einplanen und unsere Impulse kontrollieren. Das Brisante dabei: Ein weniger vernetztes DMN ist auch ein frühes Signal für ein höheres Risiko, an Alzheimer-Demenz zu erkranken. Bisher war nicht klar, ob möglicherweise sogar das Gegenteil der Fall sein könnte: Dass also Übergewicht im höheren Alter sogar einen gewissen Schutz gegenüber Alzheimer bieten könnte - so, wie beispielsweise die Sterberate nach einem Schlaganfall oder einigen anderen Alterserkrankungen bei Übergewichtigen geringer ist“, so die Neurowissenschaftlerin. „In unserem Falle zeigte sich dieses als Adipositas-Paradoxon bezeichnete Phänomen nicht. Bisherige Studien zum Zusammenhang zwischen Adipositas und Hirnstruktur wurden vor allem an jüngeren Personen, mit geringer Teilnehmerzahl durchgeführt, sodass es teilweise zu widersprüchlichen Ergebnissen kam. Die gefunden Zusammenhänge waren somit nicht direkt auf ältere Menschen übertragbar. In dieser in Kooperation mit dem Leipziger Forschungszentrum für Zivilisationskrankheiten (LIFE) durchgeführten Studie waren hingegen über 700 gesunde 60- bis 80-jährige Studienteilnehmer ohne Vorbelastungen durch einen Schlaganfall oder Ähnliches untersucht worden. Dennoch sind ihre Ergebnisse nur Momentaufnahmen. „Interessant wäre es nun, in zukünftigen Studien zu beobachten, wie sich das DMN bei unseren Probanden in den nächsten Jahren entwickelt und welche Auswirkungen das wiederum auf die geistige Leistungsfähigkeit hat.
Verräterische Spuren im Blut: Fettleibigkeit könnte Alzheimer beschleunigen
Laut einer neuen Studie entwickeln Menschen mit starkem Übergewicht deutlich schneller im Blut nachweisbare Anzeichen einer beginnenden Alzheimer-Erkrankung. Das zeigt eine neue Langzeitstudie eines US-Forscherteams von der Washington University School of Medicine in St. Louis. In den vergangenen Jahren hatten bereits andere Studien ein erhöhtes Alzheimer-Risiko durch Fettleibigkeit nahegelegt. Die Forschenden der aktuellen Studie konzentrierten sich auf sogenannte Blutbiomarker, also Eiweiße im Blut, die Hinweise auf Veränderungen im Nervengewebe und Eiweißablagerungen im Gehirn geben. Zudem führte das Team Gehirnscans bei den Teilnehmenden durch, um mögliche Ablagerungen des Eiweißes Amyloid sichtbar zu machen. Amyloid ist ein Protein, das bei der Alzheimer-Krankheit verklumpt und sogenannte Plaques bildet.
Zu Beginn der mehrjährigen Untersuchung sah es paradoxerweise so aus, als seien fettleibige Menschen besser geschützt: Sie hatten im Durchschnitt niedrigere Blutwerte und weniger Amyloid-Ablagerungen. Im Verlauf der Jahre zeigte sich aber das Gegenteil. Bei Menschen mit starkem Übergewicht nahmen die krankhaften Veränderungen im Blut und im Gehirn deutlich schneller zu als bei nicht fettleibigen Teilnehmenden. Die Autoren glauben, dass die anfangs niedrigen Werte bei fettleibigen Menschen auf deren höheres Blutvolumen zurückzuführen sind.
Für die Studie wertete das Team Fünfjahresdaten von rund 400 Frauen und Männern aus. Anhand des Body-Mass-Index (BMI) teilten die Forschenden die Teilnehmenden in fettleibige und nicht fettleibige Gruppen ein. Mit Gehirnscans wurden sie auf gefährliche Proteinablagerungen im Gehirn untersucht. Zudem wurde den Probanden regelmäßig Blut abgenommen, das auf bestimmte Alzheimer-Marker analysiert wurde. Das Ergebnis: Bei fettleibigen Personen stieg der Wert eines bestimmten Markers um bis zu 95 Prozent schneller an. Auch die Amyloid-Ablagerungen im Gehirn nahmen messbar schneller zu. "Dies ist das erste Mal, dass wir den Zusammenhang zwischen Adipositas und Alzheimer anhand von Blutbiomarker-Tests nachgewiesen haben", sagte Cyrus Raji, leitender Autor der Studie, laut einer Mitteilung. "Dies ist derzeit ein sehr vielversprechender Forschungsbereich, da wir über Medikamente verfügen, die Fettleibigkeit sehr wirksam behandeln können", meint Raji. Dies bedeute, dass "wir in zukünftigen Studien die Wirkung von Medikamenten zur Gewichtsreduktion auf Alzheimer-Biomarker verfolgen könnten".
Lesen Sie auch: Kinder-Alzheimer: Ein umfassender Überblick
Weitere Risikofaktoren für Demenz
Neben Übergewicht gibt es noch weitere Risikofaktoren, die das Demenzrisiko erhöhen können:
- Erhöhtes Cholesterin: Fördert die Ablagerung von schädlichen Proteinen wie Amyloid-beta und verändertem Tau im Gehirn, beides typische Merkmale der Alzheimer-Krankheit. Zudem belastet zu viel Cholesterin die Blutgefäße, was das Risiko für Schlaganfälle und damit auch für eine vaskuläre Demenz steigert.
- Anhaltende Niedergeschlagenheit, sozialer Rückzug und mangelnde Selbstfürsorge: Belasten nicht nur die Seele - sondern auch das Gehirn.
- Schwere oder wiederholte Kopfverletzungen: Erhöhen das Risiko für Demenzerkrankungen wie Alzheimer und die chronisch-traumatische Enzephalopathie (CTE).
- Bewegungsmangel: Beeinträchtigt die Durchblutung des Gehirns, schwächt Nervenzellen und begünstigt den geistigen Abbau.
- Typ-2-Diabetes: Zählt zu den am besten belegten Risikofaktoren für Demenz.
- Rauchen: Erhöht das Risiko für Alzheimer und vaskuläre Demenz - vor allem durch die negativen Auswirkungen auf Herz, Gefäße und Gehirn.
- Bluthochdruck: Im mittleren Lebensalter erhöht das Risiko für alle Demenzformen, insbesondere für die vaskuläre Demenz.
- Regelmäßiger Alkoholkonsum: Schon mehr als drei Liter Bier oder zwei Liter Wein pro Woche führt zum Verlust der grauen Masse im Gehirn und damit zu einem höheren Risiko für alle Formen der Demenz.
- Soziale Isolation: Kann das Risiko erhöhen, an Demenz zu erkranken, da das Gehirn Anregung braucht: Gespräche, Begegnungen und gemeinsame Aktivitäten halten es wach und leistungsfähig.
- Luftverschmutzung: Feine Partikel aus Abgasen, Industrie, Holz- und Kohleöfen können Entzündungen auslösen, die Gefäße schädigen und langfristig die geistige Gesundheit beeinträchtigen.
- Sehschwäche: Wenn das Sehvermögen nachlässt und nicht ausgeglichen wird, gehen dem Gehirn wichtige Reize verloren.
Übergewicht als protektiver Faktor? Das Adipositas-Paradoxon
Übergewicht ist ungesund. Doch in bestimmten Konstellationen können sich einige Pfunde mehr als günstig erweisen. So tragen Menschen mit einem niedrigeren Body Mass Index (BMI) ein höheres Risiko für das Fortschreiten einer im Alter häufig vorkommenden leichten Demenz zu Morbus Alzheimer oder anderen Formen hochgradiger Demenz. Die Wissenschaftler beobachteten insgesamt 245 Patient/-innen mit geringfügiger kognitiver Beeinträchtigung im Durchschnittsalter von 74 Jahren über rund zweieinhalb Jahre. In dieser Zeitspanne blieben die geistigen Fähigkeiten von rund der Hälfte der Patient/-innen stabil. Rund zwei Drittel der Personen deren Zustand sich verschlechterte, entwickelten Morbus Alzheimer, das restliche Drittel eine andere Form von Demenz. Diejenigen, deren kognitive Störungen sich verschlechterten, hatten einen deutlich niedrigeren BMI (im Mittel 23,81) als jene, deren Zustand unverändert blieb (im Mittel 25,47). „Der Schluss, dass nun Übergewicht plötzlich empfohlen werden könne, ist allerdings falsch“, warnt die Neurologin Dr. „Einerseits bleibt das erhöhte kardio-vaskuläre Risiko bei Übergewicht eine unveränderte Tatsache. Und zweitens zeigt unsere Beobachtungsstudie zwar einen statistischen, aber noch keinen kausalen Zusammenhang.
Benzodiazepine und Demenzrisiko
Einen weiteren Grund, Auslöser für Demenzen nicht ausschließlich bei Fettleibigen zu suchen, liefern Ergebnisse einer INSERM-Gruppe um S. Bilioti de Gage. Sie schildert im British Medical Journal, dass die unkontrollierte Langzeiteinnahme von Benzodiazepinen das Risiko, an Demenz zu erkranken, für über 65jährige um 50 % erhöht.2 Benzodiazepine werden vor allem als sog.
Lesen Sie auch: Alzheimer und Demenz im Vergleich
tags: #alzheimer #ubergewicht #waage #witz