Physiotherapie bei lumbaler Spinalkanalstenose: Behandlung, Übungen und mehr

Die lumbale Spinalkanalstenose, eine Verengung des Wirbelkanals im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS), ist eine häufige Erkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft. Sie kann zu erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität führen, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten der lumbalen Spinalkanalstenose, wobei der Fokus auf der Physiotherapie liegt.

Was ist eine lumbale Spinalkanalstenose?

Die Spinalkanalstenose ist eine Erkrankung der Wirbelsäule, bei der sich der Wirbelkanal (Spinalkanal), der das Rückenmark und die Nervenwurzeln schützt, verengt. Diese Verengung kann Druck auf die Nervenstrukturen ausüben, was zu Beschwerden wie Rückenschmerzen, ausstrahlenden Schmerzen, Sensibilitätsstörungen oder Muskelschwäche führen kann. Am häufigsten tritt die Stenose im Bereich der Lendenwirbelsäule (lumbale Spinalkanalstenose) oder der Halswirbelsäule (zervikale Spinalkanalstenose) auf, während die Brustwirbelsäule (thorakale Spinalkanalstenose) eher seltener betroffen ist.

Ursachen der lumbalen Spinalkanalstenose

Die Ursachen für eine Spinalkanalstenose können vielfältig sein und hängen oft mit degenerativen, strukturellen Veränderungen der Wirbelsäule zusammen, die mit dem Alterungsprozess einhergehen. Zu den häufigsten Ursachen zählen:

  • Degenerative Faktoren: Degenerative Veränderungen an der Wirbelsäule entwickeln sich bei den meisten Menschen im fortgeschrittenen Lebensalter und sind wichtigste Ursache für die Entstehung einer lumbalen Spinalkanalstenose.
  • Bandscheibenverschleiß: Die Abnutzung der Bandscheiben führt zu einem Höhenverlust und möglichen Vorwölbungen in den Wirbelkanal. Mit zunehmendem Lebensalter kommt es zu einer fortschreitenden Dehydrierung der Bandscheibe eines Bewegungssegments. Dadurch können die Belastungen der Wirbelsäule nicht mehr ausreichend abgefedert werden. Die Bandscheibe verliert an Höhe und wölbt sich nach hinten in den Spinalkanal.
  • Arthrose der Wirbelgelenke: Der Verschleiß der kleinen Wirbelgelenke kann zu knöchernen Anbauten (Osteophyten) führen, die den Wirbelkanal einengen. Der Höhenverlust der Bandscheibe und die damit veränderte Biomechanik führen dazu, dass die paarig angelegten Facettengelenke ineinander gleiten wie ein Teleskop. Die Belastung der Wirbelgelenke erhöht sich und die Gelenkkapseln verlieren ihre Spannung. Gleichzeitig nimmt die Querschnittsfläche der Neuroforamen ab, sodass die abgehende Nervenwurzel eingeengt wird.
  • Verdickungen der Bänder: Das Ligamentum flavum, ein Band an der Wirbelsäule, kann sich verdicken und den Raum im Wirbelkanal einengen. Schreitet der Höhenverlust der Bandscheibe weiter fort, erschlaffen auch die stabilisierenden Bänder der Wirbelsäule. Durch die Annäherung der benachbarten Wirbelbögen wölbt sich das gelbe Band in den Wirbelkanal vor und engt ihn weiter ein.
  • Angeborene Fehlbildungen: Manche Menschen haben von Geburt an einen engen Wirbelkanal (kongenitale Spinalkanalstenose).
  • Wirbelgleiten (Spondylolisthese): Durch eine Verschiebung der Wirbelkörper gegeneinander kann der Wirbelkanal eingeengt werden. Gelingt es nicht, mithilfe der knöchernen Anbauten das Segment zu stabilisieren, können die Bandscheibendegeneration und der Spannungsverlust von Kapseln und Bändern weiter fortschreiten und in eine manifeste Makroinstabilität (Spondylolisthesis) münden.
  • Verletzungen oder Operationen: Verletzungen oder Frakturen der Wirbelsäule können den Wirbelkanal verengen. Auch Narbenbildung nach einer Operationen kann zu einer Einengung führen.
  • Andere Ursachen: Neben den degenerativ bedingten Verschleißerscheinungen an der Wirbelsäule gibt es weitere angeborene und erworbene Faktoren für die Entstehung einer Spinalkanalstenose. Hierzu gehören beispielsweise der anlagebedingt enge Wirbelkanal oder ein angeborenes Wirbelgleiten (isthmische Spondylolisthese). Genauso sind Operationen oder Verletzungen der Wirbelsäule mögliche erworbene Ursachen für die Entstehung einer Spinalkanalstenose.

Symptome einer lumbalen Spinalkanalstenose

Die Symptome einer Spinalkanalstenose können je nach Lokalisation und Schweregrad unterschiedlich sein. Typische Beschwerden sind z.B.:

  • Rückenschmerzen, die sich oft bei Bewegung und Belastung verstärken und bei nach vorn gebeugter Haltung (Sitzen, Fahrrad fahren) besser werden (Wirbelkanal wird "aufgeweitet")
  • ausstrahlende Schmerzen in Gesäß, Beine oder Arme (je nach Lokalisation der Stenose)
  • Kribbeln oder Taubheitsgefühle, vor allem in den Extremitäten (Sensibilitätsstörungen)
  • Schwächegefühl in den Beinen, das die Gehfähigkeit & Gangsicherheit einschränken kann
  • Claudicatio spinalis: Betroffene müssen häufig Pausen einlegen, da längeres Gehen oder Stehen die Beschwerden verstärkt (Gehstrecke ist deutlich reduziert). Leitsymptom der lumbalen Spinalkanalstenose ist fast immer ein schleichend progredienter Rückenschmerz, der in die Beine ausstrahlt. Der typische Beinschmerz (Claudicatio spinalis) führt unweigerlich zu einer Verkürzung der Gehstrecke. Die Patienten berichten, dass sie beim Gehen immer öfter eine Pause einlegen müssen, da die Beine schwer, schmerzhaft oder taub werden. Eine Entlastung der Beschwerden erreichen die Betroffenen durch eine nach vorne geneigte Haltung, beispielsweise durch das Aufstützen auf den Einkaufswagen. Dadurch kommt es zu einer Kyphosierung des betroffenen Bewegungssegments, einer Straffung des Ligamentum flavum und damit zu einer Erweiterung des Spinalkanals. In den meisten Fällen ist das Fahrradfahren unbeeinträchtigt, da der Oberkörper dabei üblicherweise leicht nach vorne gebeugt ist. Liegt außerdem eine durch den Verschleißprozess entstandene Instabilität vor, kommt es zu einem ausgeprägten belastungsabhängigen Rückenschmerz. Vor allem der Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und Gehen wird als sehr schmerzhaft empfunden.
  • Blasen- und Darmprobleme (selten, bei fortgeschrittener Stenose)
  • Wenn es zu Entzündungen in den Nerven kommt, können die Symptome auch sehr scharf, brennend und stechend sein. Beschwerden treten sowohl nur auf einer Seite als auch auf beiden Seiten (Beinen) auf. Die Schmerzen bzw. die Symptome treten vor allem beim Stehen und Gehen auf, da sich in diesen Positionen der Spinalkanal natürlicherweise verengt. Typischerweise verbessern sich die Symptome beim Sitzen oder in anderen Ruhepositionen, weil sich dadurch der Durchmesser des Spinalkanals vergrößert. Radfahren verursacht für gewöhnlich keine Symptome. Auf ebenen Strecken zu gehen, ist besser, als abwärts zu gehen.

Differentialdiagnosen

Es ist wichtig, die lumbale Spinalkanalstenose von anderen Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen abzugrenzen. Häufige Differentialdiagnosen sind:

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  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
  • Lumbaler Bandscheibenvorfall
  • Arthrose des Hüftgelenks
  • Fraktur durch Osteoporose
  • Spinale Infektionen oder Tumoren
  • Metabolische oder inflammatorische Neuropathien

Im Unterschied zu Patienten, die an einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) leiden, können Betroffene mit einer Einengung des Wirbelkanals zwar nur kurze Strecken gehen, aber längere Strecken mit dem Fahrrad zurücklegen. Die Schmerzen in den Beinen verbessern sich erst, wenn sich der Betroffene hinsetzt oder sich nach vorne überbeugt, um eine Entlordosierung der Wirbelsäule zu erreichen. Bei der pAVK hingegen reichen bereits kurze Pausen im Stehen, um eine deutliche Beschwerdelinderung zu erreichen.

Diagnose der lumbalen Spinalkanalstenose

Der Weg zur sicheren Diagnose umfasst mehrere Schritte:

  • Anamnese: Die ausführliche Befragung des Patienten lässt häufig schon erste Rückschlüsse auf das Vorliegen einer lumbalen Spinalkanalstenose zu. Hierbei fragt der Arzt nach Beginn, Dauer und Lokalisation der Schmerzen, nach Abhängigkeit der Beschwerden von der Art der Belastung sowie nach einer möglichen Beeinträchtigung der Gehstrecke. Angaben zu Lähmungen und Sensibilitätsstörungen oder vegetativen Symptomen (v. a. Blasen- und Mastdarmstörungen) führen zum Verdacht einer Wirbelkanaleinengung. Gerade bei älteren Patienten müssen zusätzlich Vorerkrankungen wie Tumoren, Gefäßleiden, Diabetes und Osteoporose abgeklärt werden, um eine andere Erkrankung mit ähnlicher Symptomatik auszuschließen.
  • Körperliche Untersuchung: Die körperliche Untersuchung schließt sowohl eine generelle Untersuchung u. a. mit Prüfung des Gangbildes, der Hüftgelenksbeweglichkeit, des Lasègue-Zeichens sowie des Zehenspitzen- und Fersenstands als auch eine ausführliche neurologische Untersuchung ein. Gerade im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung geben außerdem elektrophysiologische Untersuchungen Aufschluss über das Vorliegen einer Nervenwurzelkompression.
  • Bildgebende Verfahren: Um die Verdachtsdiagnose zu bestätigen und eine gezielte Therapie einzuleiten, sind Bildaufnahmen der Wirbelsäule unverzichtbar. Goldstandard ist dabei die Magnet-Resonanz- Tomografie (MRT), deren Sensitivität bei bis zu 96 Prozent liegt und es ermöglicht, den Spinalkanal und die darin verlaufenden Neurostrukturen wie Rückenmark und Nervenwurzeln hervorragend darzustellen. Bei Patienten, die einen Herzschrittmacher tragen oder an Platzangst leiden, kann alternativ die Computer-Tomografie (CT) eingesetzt werden. Besteht der Verdacht auf eine zusätzliche Instabilität des Bewegungssegments im Sinne eines Wirbelgleitens, ist außerdem eine seitliche Röntgenfunktionsaufnahme in Flexion und Extension indiziert. Im Fall einer angestrebten Operation ist in Einzelfällen ergänzend die lumbale Myelografie sinnvoll, um eine exakte Aussage über das Ausmaß der Stenose zu treffen.

Behandlungsmöglichkeiten bei lumbaler Spinalkanalstenose

Die Entscheidung, ob operativ oder konservativ behandelt wird, hängt immer von der Ausprägung der Verengung und den auftretenden Beschwerden ab.

Konservative Therapie

Sofern keine akuten sensomotorischen Defizite bzw. neurologischen Ausfälle vorliegen, kann die Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule wie viele andere Wirbelsäulenerkrankungen zunächst konservativ behandelt werden. Insbesondere stellt bei geringer oder moderater Symptomatik die konservative Therapie durchaus eine sinnvolle Option dar. Die konservative Behandlung sollte eine Kombination aus medikamentöser Therapie mit dem Einsatz schmerzlindernder und entzündungshemmender Präparate, Krankengymnastik zur Stärkung der stabilisierenden Muskulatur sowie physikalischer Anwendungen enthalten.

  • Medikamentöse Therapie: Je nach Stärke der Beschwerden kommen nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac, ggf. in Kombination mit Muskelrelaxantien zum Einsatz. Sie zielen darauf ab, mögliche Entzündungen zu lindern und die verkrampfte Muskulatur zu entspannen. Dabei sollte auf einen ausreichenden Schutz der Magenschleimhaut durch die zusätzliche Gabe eines Protonenpumpenhemmers geachtet werden. Je nach klinischem Bild werden auch niedrig dosierte Antidepressiva zur Unterstützung der Schmerzmittel gegeben. Rückenschmerzen oder in die Beine ausstrahlende Schmerzen (Ischiasbeschwerden) lassen sich mit Medikamenten behandeln. Meist werden entzündungshemmende Schmerzmittel wie Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen empfohlen - sogenannte nicht steroidale Antirheumatika (NSAR). Medikamente werden am besten ergänzend zu anderen Behandlungen eingesetzt. In niedriger Dosierung sind entzündungshemmende Schmerzmittel in der Apotheke rezeptfrei erhältlich. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Magenbeschwerden wie Bauchschmerzen. Paracetamol ist ebenfalls rezeptfrei erhältlich, hilft bei Rückenbeschwerden aber nicht. Darüber hinaus gibt es verschreibungspflichtige Arzneimittel, die nur auf Rezept erhältlich sind. Opioide wie Fentanyl, Morphin, Oxycodon und Tramadol sollten sehr zurückhaltend, nur kurzzeitig und unter sorgfältiger ärztlicher Kontrolle eingesetzt werden. Eine längere Einnahme kann zu Gewöhnung und körperlicher Abhängigkeit führen. Außerdem wirken Opioide bei Rückenschmerzen nicht besser als entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen. Mögliche Nebenwirkungen reichen von Übelkeit, Erbrechen und Verstopfung bis hin zu Schwindel, Atemproblemen und Blutdruckschwankungen. Auch von Medikamenten zur Muskelentspannung (Muskelrelaxantien) wird wegen Nebenwirkungen wie Benommenheit, Magen-Darm-Problemen, Schwindel und einem erhöhten Sturzrisiko abgeraten. Außerdem können solche Mittel die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Man sollte sie nicht länger als zwei Wochen einnehmen. Antiepileptika wie Pregabalin werden normalerweise bei Epilepsie angewendet, sollen aber auch Nervenschmerzen (Neuralgien) lindern. Ob sie bei Ischiasbeschwerden wirken, ist jedoch nicht ausreichend untersucht, und es kommt oft zu Nebenwirkungen wie Benommenheit und Müdigkeit. Auch diese Mittel können die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Antidepressiva werden normalerweise gegen Depressionen eingenommen. Einige dieser Mittel sind auch zur Behandlung von chronischen Schmerzen zugelassen. Entzündungshemmende Medikamente wie Kortison und / oder örtliche Betäubungsmittel können auch in die unmittelbare Umgebung der Verengung gespritzt werden, um eine Nervenreizung zu lindern. Bei der lumbalen Spinalnervenanalgesie (LSPA), auch Wurzelblockade genannt, wird das Medikament direkt an die Austrittsstelle der Nervenwurzel aus dem Wirbelkanal gespritzt. Dadurch wird die gereizte Nervenwurzel betäubt. Bei der lumbalen Periduralanalgesie werden die Medikamente in den sogenannten Periduralraum gespritzt („peridurale Injektion“). Der Periduralraum umgibt das Rückenmark und die Rückenmarksflüssigkeit im Wirbelkanal. Hier liegen unter anderem die Nervenwurzeln. Es ist unklar, ob wirbelsäulennahe Spritzen helfen.
  • Physiotherapie: Prinzipiell zielt die physiotherapeutische Behandlung darauf ab, eine Entlastung und Stabilisierung der betroffenen Segmente zu erreichen und gleichzeitig die allgemeine körperliche Leistungsfähigkeit der Patienten zu fördern. Zu einer effektiven Physiotherapie gehören daher in erster Linie gezielte krankengymnastische Übungen zur Stärkung der stabilisierenden Bauch- und Rückenmuskulatur, Muskelaufbautraining am Gerät sowie Laufband- und Ergometertraining. Zudem empfiehlt sich ein spezielles Rückentraining, in dem die Betroffenen lernen, wie sie sich im Alltag, beispielsweise beim Sitzen und Heben, rückenfreundlich verhalten. Als passive Maßnahmen werden im individuellen Fall auch entlordosierende Orthesen verordnet. In einer Physiotherapie übt man unter Anleitung Haltungsübungen, um ein Hohlkreuz zu vermeiden. Beispielsweise lernt man, das Becken auch im Stehen aufzurichten, ähnlich wie es beim Sitzen passiert. Zudem werden die Muskeln im unteren Rücken mit verschiedenen Übungen entspannt und gedehnt, da Verkürzungen und Verspannungen ein Hohlkreuz verstärken können. Kräftigungsübungen können dazu beitragen, die Beweglichkeit und damit die Selbstständigkeit zu erhalten. Das Ziel ist, die Übungen so gut zu beherrschen, dass man sie in den Alltag einbauen kann.
  • Physikalische Therapie: Darüber hinaus dienen Wärme- und Kältebehandlungen und die Elektrotherapie wie die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) zur Schmerzreduktion, Entzündungshemmung und Entspannung der reflektorisch angespannten Muskulatur. Ergänzend kann auch die Ultraschalltherapie eingesetzt werden. Hierbei wird durch die Vibration der Schallwellen Wärme erzeugt und das Gewebe gelockert. Auch manuelle und physikalische Therapien können Teil einer Physiotherapie sein. Zu den manuellen Behandlungen gehören bestimmte Handgriffe, mit denen verspannte Muskeln oder blockierte Gelenke gelockert werden sollen. Massagen: Verschiedene Massagetechniken werden genutzt, um die Muskeln zu lockern und Verspannungen zu lösen. Wärme- und Kälteanwendungen: Hierzu gehören zum Beispiel Wärmepflaster oder -packungen, ein heißes Bad, ein Saunagang oder eine Infrarot-Bestrahlung. Wärme kann bei verspannten Muskeln guttun. Bei Nervenreizungen werden auch Kältepackungen eingesetzt, wie kalte Umschläge oder Gelkissen. Ultraschalltherapie: Hierbei wird der untere Rücken mit Schallwellen behandelt, die durch feine Vibrationen Wärme erzeugen und so das Gewebe lockern sollen. Akupunktur: Dabei werden an bestimmten Körperstellen feine Nadeln in die Haut gestochen, die Energiebahnen im Körper beeinflussen sollen. Es ist jedoch nicht wissenschaftlich nachgewiesen, dass solche Energiebahnen existieren.

Operative Therapie

Da die meisten Patienten unter chronischen, stagnierenden oder langsam fortschreitenden Beschwerden leiden, die sich durch konservative Maßnahmen nur unbefriedigend kontrollieren lassen, ist oft eine kausale Therapie im Hinblick auf die Einengung des Spinalkanals erforderlich. Dabei gilt: Sprechen die Schmerzen auf die konservative Therapie in einem Zeitraum von zwölf Wochen nicht an, bei gleichzeitig progredienter Verkürzung der Gehstrecke und somit signifikant eingeschränkter Lebensqualität, ist eine operative Behandlung der Spinalkanalstenose unbedingt anzustreben. Eine Reihe internationaler Studien deutet auf eine Überlegenheit der OP bei lumbaler Spinalkanalstenose hin, insbesondere dann, wenn die Einengung des Wirbelkanals bereits weit fortgeschritten ist. Denn im Gegensatz zum Bandscheibenvorfall, der zur spontanen Rückbildung neigt, ist bei der Spinalkanalstenose eine chronische, langsame Progredienz der ursächlichen degenerativen Veränderungen zu erwarten. Wenn die Beschwerden bei einer Spinalkanalstenose länger andauern und nicht operative Behandlungen die Beschwerden nicht ausreichend lindern, kann eine Operation infrage kommen. Dabei wird der Spinalkanal erweitert, um die betroffenen Nerven zu entlasten. Ob eine Operation die Beschwerden besser lindert als eine konservative Behandlung, ist aber nicht durch Studien nachgewiesen. Wenn die Ärztin oder der Arzt zu einer Operation rät, ist es daher sinnvoll, sich eine zweite ärztliche Meinung einzuholen und erst danach die Entscheidung zu treffen. Sofortiger ärztlicher Rat ist nötig, wenn Lähmungserscheinungen an den Beinen auftreten oder die Blase oder der Darm nicht mehr richtig funktionieren. Letzteres sind Zeichen des sogenannten Kauda-Syndroms, bei dem Nervenwurzeln im Lendenwirbelbereich über längere Zeit stark gequetscht wurden.

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Operative Techniken bei lumbaler Spinalkanalstenose

Die operative Therapie zielt darauf ab, die Einengung des Wirbelkanals dauerhaft zu beheben und die Beschwerden zu lindern bzw. zu beseitigen. Es gibt verschiedene Operationsmethoden, die individuell für jeden Patienten gewählt werden. Hierbei spielen das Ausmaß der Einengung, das Vorliegen eines zusätzlichen Wirbelgleitens und/oder einer Skoliose der Lendenwirbelsäule eine maßgebliche Rolle.

  • Spinale Dekompression: Goldstandard ist nach wie vor die operative Dekompression mit dem Ziel, den Wirbelkanal zu erweitern, die Nervenwurzeln zu entlasten und damit vor allem die Beinschmerzen zu lindern. Während dies früher oft eine aufwendige Operation am offenen Wirbelkanal (Laminektomie) bedeutete, bei der die Wirbelbögen und Wirbelgelenke im verengten Bereich großzügig entfernt wurden, erlauben heute moderne minimalinvasive Verfahren mithilfe eines Operationsmikroskops eine gezielte millimetergenaue Abtragung der für die Verengung verantwortliche knöchernen und ligamentären Strukturen.
  • Laminektomie: Die Laminektomie zur Dekompression des Spinalkanals wird heute glücklicherweise nur noch selten durchgeführt. Bei dieser „Entdachung“ des Spinalkanals werden Dornfortsätze, Wirbelbögen, gelbes Band und auch Anteile der Facettengelenke abgetragen. Häufig entwickeln Patienten nach dem Eingriff durch die Beschädigung der sogenannten „hinteren Zuggurtung“ (Dornfortsatz, inter- und supraspinöse Bänder, Lig. flavum und Wirbelgelenke) des Bewegungssegments eine postoperative Segmentinstabilität.
  • Mikrochirurgische Spinalkanaldekompression: Im Gegensatz zur Laminektomie bleiben bei der mikrochirurgischen Spinalkanaldekompression Dornfortsatz, interspinöse Bänder und das kontralaterale gelbe Band erhalten. Auf diese Weise lässt sich eine sehr effektive Entlastung der neuronalen Strukturen erreichen, ohne die physiologischen und biomechanischen Verhältnisse zu gefährden. Ein weiterer Vorteil des minimalinvasiven Verfahrens besteht darin, dass durch den einseitigen und extrem verkleinerten operativen Zugang das muskuläre Gewebe um den Wirbel weitgehend erhalten bleibt. Dadurch wird eine mögliche segmentale Gefügelockerung verhindert. Zudem sind bei der mikrochirurgischen Dekompression sowohl die Operationszeit als auch die Wundheilung deutlich kürzer als bei der konventionellen Laminektomie.

Die Rolle der Physiotherapie bei lumbaler Spinalkanalstenose

Bei der Behandlung der Spinalkanalstenose spielt die Physiotherapie eine entscheidende Rolle. Mit gezielten Übungen können Schmerzen reduziert, die Beweglichkeit verbessert und der Heilungsprozess gefördert werden.

Ziele der Physiotherapie

  • Kräftigung der Rumpfmuskulatur: Eine starke Muskulatur (Bauch- und Rückenmuskulatur) entlastet die Wirbelsäule und sorgt für mehr Stabilität.
  • Verbesserung der Beweglichkeit: Mobilisations- und Dehnübungen helfen, die Beweglichkeit der Wirbelsäule zu erhöhen und Verspannungen zu lösen.
  • Schmerzlinderung: Durch Entlastungspostionen, manuelle Techniken und Wärmebehandlungen können Schmerzen effektiv gelindert werden.
  • Ergonomieberatung: Tipps zur rückenschonenden Haltung im Alltag.
  • Individuelle Trainingspläne: Gezielte Übungen unterstützen den langfristigen Erhalt der Rückengesundheit und beugen erneuten Beschwerden präventiv vor.

Geeignete Übungen bei lumbaler Spinalkanalstenose

Bewegung ist bei einer bestehenden Spinalkanalstenose sinnvoll, weil die Rücken- und Bauchmuskeln die Wirbelsäule stützen. Generell sind sanfte Sportarten wie Wassergymnastik, Radfahren oder Pilates empfehlenswert - vorausgesetzt, Betroffene können die Sportart schmerzfrei durchführen. Sanfte Sportarten wie Radfahren, Wassergymnastik, Nordic Walking, Rudern, Stretching, leichte Group Fitness oder Pilates sind gut geeignet bei einer Spinalkanalstenose, wenn diese beschwerdefrei möglich sind. Viel Bewegung wie Radfahren oder Spazierengehen zusammen mit einem auf dich und deine Bedürfnisse abgestimmten Übungsprogramm aus gezielten Dehnungen und Kräftigungsübungen können dir helfen, unerwünschte Folgen zu vermeiden und Schmerzen zu verringern.

Hier sind einige Übungen, die du selbst zu Hause machen kannst, um Spannungen rund um deine Wirbelsäule zu senken:

  • Übung 1: Beuge dich eingerollt nach vorne unten und versuche, deine Zehenspitzen zu umgreifen.
  • Übung 2: Beuge dich eingerollt nach vorne unten und umgreife deine Waden an dem für dich tiefstmöglichen Punkt.
  • Übung 3: In Rückenlage wird die Beckenkippbewegung durchgeführt.
  • Übung 4: Durch eine haltungskorrigierende Bewegung (Dorsalschub) kommt es zur Entlastung des betroffenen Halswirbelsäulenbereiches.
  • Übung 5: Die Arme sind nicht voll durchgestreckt. Nun werden die Hände ca.
  • Übung 6: Schiebe deine Leisten nach vorne und strecke deinen Oberkörper nach hinten. Versuche, diese Dehnung möglichst für zwei Minuten zu halten. Richte dich anschließend langsam wieder auf. Achte darauf, dass dein Oberkörper und deine Beine in einer geraden Linie sind. Beuge in der größtmöglichen Drehung deinen rechten Ellenbogen und ziehe deinen rechten Arm ebenfalls nach links.

Deine Übungen sollten möglichst intensiv, aber trotzdem gut zu ertragen sein.

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Weitere Tipps für den Alltag

  • Schlafposition: Schlafe am besten in der Position, in der Du die wenigsten oder keine Schmerzen hast. Generell solltest Du versuchen, die Wirbelsäule beim Schlafen in ihrer physiologischen Form zu unterstützen. In Seitenlage sollte die Wirbelsäule gerade sein, hier lohnt es sich eventuell, die Taille zu unterlagern oder eine Decke zwischen die Knie zu legen.
  • Vermeide längeres Liegen oder Sitzen: Längeres Liegen oder Sitzen schwächt Muskeln und Knochen und kann dadurch zu weiteren Problemen führen. Daher ist es sinnvoll, weiter den normalen Tätigkeiten nachzugehen, soweit es die Beschwerden erlauben oder es mit schmerzstillenden Medikamenten möglich ist.
  • Nutze Hilfsmittel: Verschiedene Hilfsmittel können den Alltag erleichtern. Dazu gehören zum Beispiel Anziehhilfen für Socken, Strümpfe und Hosen. Auf Gehhilfen wie Rollatoren kann man sich stützen und bei Bedarf setzen, wenn man bei einer längeren Gehstrecke eine Pause braucht.

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