Das Restless Legs Syndrom (RLS), auch bekannt als Syndrom der ruhelosen Beine, ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen und betrifft schätzungsweise 3 bis 10 % der Bevölkerung. Es handelt sich um eine chronische Erkrankung des Nervensystems, die durch einen unkontrollierbaren Bewegungsdrang der Beine, oft begleitet von unangenehmen Empfindungen, gekennzeichnet ist. Diese Symptome treten typischerweise in Ruhephasen auf, insbesondere abends und nachts, was zu Schlafstörungen und einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität führt.
Einführung in das Restless Legs Syndrom
Das Restless Legs Syndrom (RLS) ist eine neurologische Erkrankung, die den Schlafstörungen zugeordnet wird. Thomas Willis beschrieb bereits 1672 die Symptomatik des Restless Legs Syndroms. Der schwedische Neurologe Karl-Axel Ekbom erkannte 1945, dass es sich beim Restless Legs Syndrom um eine eigenständige Erkrankung handelt.
Symptome des Restless Legs Syndroms
Namensgebend für das RLS ist der zwanghafte Bewegungsdrang der Beine, manchmal auch der Arme und anderer Körperteile. Begleitet wird der Bewegungsdrang meist von Parästhesien. RLS-Patienten beschreiben Missempfindungen wie:
- Kribbeln
- Brennen
- Stechen
- Klopfen
- Brodeln
- Spannungs- oder Druckgefühl
- Schmerzen
Typisch ist, dass sich die Symptomatik in Ruhephasen vor allem nachts vor dem Einschlafen oder während des Schlafs auftritt. Bewegung oder geistige Aktivität lindern die Symptome kurzfristig. Bei einem hochgradigen RLS wird ruhiges Sitzen, Liegen oder Schlafen für den Patienten fast unmöglich. Patienten mit hochgradigem RLS meiden Situationen, die ein langes Stillsitzen erfordern, wie beispielsweise Theaterbesuche, lange Bus- oder Flugreisen, Versammlungen oder Sitzungen. Bei reger geistiger Aktivität, z. B. konzentriertem Arbeiten oder Ansehen eines spannenden Films, wird der Bewegungsdrang als nicht so belastend wahrgenommen.
Die Symptome des RLS treten typischerweise in Ruhephasen (längeres Sitzen oder Liegen), vor allem jedoch nachts und im Schlaf in Erscheinung. Die Patienten leiden infolgedessen unter Ein- und Durchschlafstörungen, die zu Tagesmüdigkeit, Konzentrationsstörungen, Leistungseinbußen, einem erhöhten Unfallrisiko und einer eingeschränkten Lebensqualität führen.
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Ursachen des Restless Legs Syndroms
Die Ursachen für das RLS sind vielfältig und nicht vollständig geklärt. Man unterscheidet zwischen dem idiopathischen (primären) und dem sekundären RLS.
Idiopathisches RLS
Die Ursachen für das idiopathische Restless Legs Syndrom sind nicht zufriedenstellend geklärt. Aufgrund des Ansprechens der Patienten auf dopaminerge und opioderge Substanzen geht man davon aus, dass die entsprechenden Neurotransmittersysteme an dem Krankheitsbild beteiligt sind. Möglicherweise liegt dem idiopathischen RLS eine komplexe Störung des zerebralen Eisenspeichers zugrunde, der zu einer Dysregulation des dopaminergen Systems führt. Über 50% der Patienten mit einem idiopathischen RLS haben eine positive Familienanamnese. Aufgrund der familiären Häufung wurden genomweite Assoziationsstudien durchgeführt. Dabei wurden genetische Risikovarianten in genomischen Regionen identifiziert, in denen die Gene MEIS1, BTBD9, LBXCOR1, SCOR1/MAP2K5, PTPRD und TOX3 zu finden sind. Bei diesen Genen handelt es sich um häufige genetische Varianten mit Allelfrequenzen bei >10 % der Allgemeinbevölkerung. Ob und welche Funktionen diese annotierten Gene im Zusammenhang mit dem RLS tatsächlich haben, ist bislang unbekannt.
Sekundäres RLS
Die häufigste Ursache für ein sekundäres RLS ist die dialysepflichtige Niereninsuffizienz. An zweiter Stelle stehen Eisenmangel mit oder ohne Anämie (Ferritin Wert < 50 µg/l) und Schwangerschaft. Etwa 50% der Schlafstörungen in der Schwangerschaft sollen auf ein RLS zurückzuführen sein. Dopaminantagonisten (z. B. Neuroleptika, Antidepressiva) können ein RLS hervorrufen.
Die möglichen Ursachen im Überblick:
- Niereninsuffizienz (dialysepflichtig)
- Eisenmangel
- Schwangerschaft
- Dopaminantagonisten
- Polyneuropathien
- Radikulo- und Myelopathien
- Syringomyelie
- Parkinson-Syndrom
- Vitamin-B12-Mangel
- Folsäuremangel
- Zöliakie
- Friedreich-Ataxie (Morbus Friedreich)
- Rheumatoide Arthritis
- Hyper- oder Hypothyreose
- seltene Erkrankungen (z. B.
Chronische Krankheiten wie Arthritis, Niereninsuffizienz, Bluthochdruck, Bandscheibenleiden, Diabetes, Polyneuropathien, Zöliakie oder auch die Parkinson Krankheit führen häufig zu einem Restless Legs Syndrom bzw. treten gemeinsam mit dem RLS auf. Behandelt man diese Krankheiten, dann wird auch nicht selten das Restless Legs Syndrom gelindert.
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Dopamin und RLS
Ausserdem vermutet man, dass beim Restless Legs Syndrom eine Störung im Gehirn vorliegt, nämlich im Bereich des Dopaminstoffwechsels. Dopamin ist ein Neurotransmitter (Botenstoff der Nervenzellen), der u. a. für eine gute und richtige Muskelaktivität und eine koordinierte Bewegung verantwortlich ist. Die Parkinson Krankheit - bei der oft ebenfalls ein Restless Legs Syndrom vorliegt - ist ein weiteres Beispiel für eine Störung im Dopaminstoffwechsel bzw.
Diagnose des Restless Legs Syndroms
Die Diagnose Restless Legs Syndrom (RLS) wird anhand der klinischen Symptome gestellt. Vier essenzielle Kriterien müssen für die Diagnose RLS erfüllt sein.
Essenzielle Kriterien
Vier essenzielle Kriterien des RLS:
- Bewegungsdrang der Beine (u. U. auch der Arme), meist verbunden mit unangenehmen Parästhesien oder Schmerzen
- Auftreten oder Verstärkung des Bewegungsdrangs in Ruhe und Entspannung
- Besserung oder Aufhören der Symptomatik bei Bewegung (weitere Strategien zur Linderung Massagen, kalte Duschen, Bürsten oder Reiben)
- Überwiegen der Beschwerden am Abend und in der Nacht (Differenzialdiagnostisch wichtig zur Abgrenzung des idiopathischen RLS zu sekundären Formen durch Medikamente oder Polyneuropathien)
Die klinische Diagnose RLS basiert dabei auf einer ausführlichen und gezielten Anamnese, die aus mehreren Gründen eine Herausforderung sein kann. So werten Patienten, die das Restless Legs Syndrom nicht kennen, das Symptom Bewegungsdrang häufig nicht als Zeichen einer Erkrankung, sondern als Ausdruck einer persönlichen Eigenart oder allgemeiner Nervosität. Die Patienten beschreiben bei der Erstkonsultation von sich aus häufig nur die Parästhesien und die Schlafstörungen, die aufgrund ihrer Folgeerscheinungen als besonders belastend empfunden werden. Dazu kommt, dass Parästhesien wie Schmerzen für den Patienten im Vordergrund stehen, weil sie für ihn besonders quälend oder beängstigend sind. Bei der Schilderung von Schlafstörungen oder Parästhesien sollte daher aktiv nach Bewegungsdrang nachgefragt werden.
Darüber hinaus ist es für viele Patienten sehr schwierig, die Symptome des RLS zu beschreiben, weil sie keine vergleichbaren Beschwerden kennen. Es besteht hier die Möglichkeit, dass RLS ähnliche Symptome („RLS Mimics“) z. B. durch Muskelkrämpfe, venöse Insuffizienz, Beinödeme, Arthritis, lagebedingte Dysästhesien, für Symptome der RLS gehalten werden.
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Unterstützende Kriterien
Die aufgrund der Symptomatik gestellte Diagnose RLS wird durch folgende Kriterien unterstützt:
- positiver L-Dopa-Test
- positive Familienanamnese
- periodische Beinbewegungen (PLM) im Schlaf (PLMS) und im Wachen (PLMW)
Die unterstützenden Kriterien müssen nicht zwingend bei jedem RLS-Patienten vorhanden sein. Der L-Dopa-Test zeigt an, ob das Beschwerdebild des Patienten auf dopaminerge Substanzen anspricht. Er hat eine hohe Sensitivität von 80-88% und eine 100%ige Spezifität. Eine positive Familienanamnese besteht je nach Untersuchung bei bis zu zwei Drittel der Patienten.
Diagnostik bei PLM
Da viele Patienten mit RLS auch unter PLM leiden, sollte auch diese Erkrankung diagnostisch abgeklärt werden. Folgende Diagnosekriterien sprechen für ein PLM:
- Im Polysomnogramm sind periodische Beinbewegungen im Schlaf aufgezeichnet
- Der PLMS-Index (Anzahl der PLM pro Stunde Schlafzeit) beträgt > 5/h bei Kindern und > 15/h bei Erwachsenen
- Der Patient hat Schlafstörungen und leidet unter Tagesschläfrigkeit
- Die PLM können nicht durch andere Erkrankungen, Medikamente oder Substanzmissbrauch erklärt werden
Klinische Untersuchung
Der klinisch-neurologische Befund ist bei Patienten mit idiopathischem RLS meist unauffällig. Differenzialdiagnostisch müssen im Rahmen der neurologischen Untersuchung Polyneuropathien und Radikulopathien ausschieden werden. Es gibt Studien, die bei RLS-Patienten von einem erhöhten Neurotizismus-Score, Ängstlichkeit und Depression berichten. Es ist unklar, ob diese Beschwerden direkt auf das RLS oder eher auf die Schlafstörungen zurückzuführen sind. Der psychopathologische Befund ist bei Patienten mit einem RLS in der Regel unauffällig.
Restless-Legs-Diagnose-Index
Der Restless-Legs-Diagnose-Index (RLS-DI) enthält zehn Kriterien und eignet sich, um die Diagnose eines RLS zu stellen und um Differenzialdiagnosen auszuschließen. Der RLS-DI beruht auf der gezielten Anamnese und objektiven Informationen wie dem Ansprechen auf dopaminerge Therapien (L-Dopa-Test oder Vorbehandlungen), einer Untersuchung im Schlaflabor sowie den Befunde einer neurologischen Untersuchung zum Ausschluss anderer Erkrankungen.
Schweregrad Bestimmung
Der Schweregrad des RLS kann anhand der International RLS Severity Scale (IRLS) quantifiziert werden. Diese Schweregrad-Skala wurde von der International Restless Legs Syndrome Study Group validiert. Der IRLS-Beurteilungsbogen ist verschiedenen Sprachen verfasst. Darüber hinaus gibt es auch noch das Restless Legs Syndrome-6 Scale (RLS-6) zur Beurteilung des RLS Schweregrads und ein Messverfahren zur Messung der Lebensqualität von RLS-Patienten (QoL-RLS).
Zusatzuntersuchungen
Zusatzuntersuchungen dienen dem Ausschluss von Differenzialdiagnosen, RLS-Mimics, der Diagnose der Ursachen für einen sekundären RLS (s. o.) und von Begleiterkrankungen. Folgende Untersuchungen sollten im Verdachtsfall durchgeführt werden:
- Elektromyografie und Elektroneurografie (z. B. Ausschluss von Polyneuropathien)
- Labordiagnostische Abklärung von Polyneuropathien
- Bestimmung von Ferritin (Eisenmangel)
- Nierenwerte zur Feststellung einer Urämie
- Abklärung von Hyperthyreose und Hypothyreose
- Polysomnografie zur Feststellung der Schlafstörungen bzw. zur Abklärung weiterer Ursachen für die Schlafstörung
- Fuß-Aktigrafie erfasst die Beinbewegungen aber nicht ihren Bezug zum Schlaf
- Immobilisationstests
- L-Dopa-Test sensitiver und spezifischer Test, ein negativer Testbefund schließt das RLS aber nicht aus
Differenzialdiagnosen
Zu den wichtigsten Differenzialdiagnosen zählen die Polyneuropathien, die jedoch auch selbst RLS hervorrufen können. Darüber hinaus müssen die Ursachen (s.
Behandlung des Restless Legs Syndroms
Beim RLS ist die Behandlung mit dopaminergen Substanzen die Therapie der ersten Wahl. Sie haben eine längere Halbwertszeit als das klassische Therapeutikum Levodopa. Levodopa kommt in der Kombination Benserazid bei der Behandlung des intermittierenden oder leichten RLS zum Einsatz. Folgende dopaminerge Wirkstoffe sind in Deutschland zugelassen:
- Pramipexol
- Ropinirol
- Rotigotin (transdermales Wirkstoffpflaster)
Die Dopaminagonisten werden bei RLS deutlich niedriger dosiert als zur Parkinsontherapie.
Augmentation
Die bedeutendste Nebenwirkung bei der RLS-Therapie mit Levodopa und Dopaminagonisten ist die Augmentation. Augmentation bedeutet eine Verschlimmerung des Krankheitsbildes im Verlauf der Therapie, z. B. ein früheres Auftreten der Symptome im Tagesverlauf oder eine Zunahme ihrer Intensität oder ihre Ausweitung auf andere Körperteile (Arme). Sie soll infolge der Überstimulation der Rezeptoren durch zu hohe Dosierungen auftreten. Das größte Risiko für eine Augmentation besteht für Levodopa in Dosierungen > 200 mg/d (30-60% der Patienten). In Langzeitstudien führten Pramipexol und Ropinirol in etwa 8% und das Rotigotin-Pflaster in etwa 5% der Fälle zur Augmentation. Bei einer Abschwächung der Wirksamkeit des Medikaments können Patienten dazu neigen selbstständig die Dosis zu erhöhen und verschlimmern dadurch die Augmentation. Daher müssen die Patienten sorgfältig über die Nebenwirkung-Augmentation aufgeklärt werden.
Beim Auftreten einer Augmentation muss die Dosis des eingesetzten Präparats reduziert werden. Levodopa sollte durch ein länger wirksames Präparat ersetzt werden. Auch bei den anderen Wirkstoffen kann ein Absetzen des ursprünglichen Präparats nötig werden.
Eisensubstitution
Bei Ferritinwerten unter 50 µg/l wird eine Eisensubstitution empfohlen, weil vermutet wir…
Medikamentöse Behandlung
Eine medikamentöse Behandlung ist erst dann sinnvoll, wenn der Patient sich durch die Symptome beeinträchtigt fühlt. Wenn man z.B. durch die damit verbundene Schlafstörung den Alltag nicht mehr meistern kann. Abhängig von der Schwere der Symptomatik, der zeitlichen Verteilung der Beschwerden und von vorbestehenden medikamentösen Nebenwirkungen ist zwischen einer Therapie mit Dopaminagonisten, Opioiden oder Medikamente zur Behandlung von neuropathischen Beschwerden wie Gabapentin oder Pregabalin abzuwägen. Die zur Behandlung von RLS in Deutschland zugelassenen Non-Ergot-Dopaminagonisten Pramipexol, Ropinirol und Rotigotin sind die Medikation erster Wahl. Die Behandlung mit L-DOPA ist wegen der hohen Augmentationsraten nicht mehr zeitgemäß. Augmentation bedeutet ein im Tagesverlauf früheres Auftreten der RLS-Symptome, eine Zunahme der Intensität der RLS-Symptome tagsüber oder eine Ausweitung der RLS-Symptome unter der Medikation.
Behandlung bei Schmerz
Schmerzen, die nicht frühzeitig mitbehandelt werden, können im Rahmen einer zunehmenden Sensibilisierung von am Schmerz beteiligten Nerven auch zu einer gesteigerten Schmerzempfindlichkeit (Herabsetzung der Schmerzschwelle) führen. Wichtig ist es daher, die Schmerztherapie frühzeitig einzusetzen, bevor es zur Ausbildung von chronifizierten Schmerzen kommt. Zu einer guten und wirksamen Schmerztherapie beim RLS gehört ein umfassendes Konzept, das neben Medikamenten auch nicht-medikamentöse Therapien berücksichtigt. Schmerzmediziner sprechen hier von einer „multimodalen“ Schmerztherapie.
Sollte es unter nicht-opiathaltigen Schmerzmitteln zu keiner deutlichen Linderung kommen, können bei einzelnen PatientINNen, nach strenger Abwägung, auch Opioide eingesetzt werden. Als Nebenwirkungen einer Opioidbehandlung sind ein Schlafapnoesyndrom (Atemaussetzer), Tagesschläfrigkeit, Entzugssymptome und eine sogenannte opioid-induzierte Schmerzüberempfindlichkeit (Hyperalgesie) möglich.
Medikamentöse Einschränkungen
Medikamente wie Antidepressiva, Neuroleptika, Antihistaminika und Metoclopramid (Magenmittel) müssen, sofern medizinisch vertretbar, abgesetzt werden, da diese ggf. ein RLS auslösen oder verstärken können. Gerade weil in der Schmerztherapie häufig zur Schmerzdistanzierung Antidepressiva eingesetzt werden, sollte dies mit dem behandelnden Arzt vorher geklärt werden.
Ergänzende Therapiemöglichkeiten
Als nicht-medikamentöse Optionen für die RLS-Behandlung ist zunächst die Einhaltung einer guten Schlafhygiene mit regelmäßigen Bettzeiten und das Vermeiden von Schlafentzug durch Nachtschichtarbeiten wichtig. Zur unmittelbaren Symptomlinderung können physikalische Maßnahmen wie Massage, kühlende Gele oder Bäder angewendet werden. Auch eine regelmäßige moderate körperliche Aktivität kann sich positiv auswirken, sportliche Aktivität mit Beinarbeit sollte jedoch in den Morgenstunden erfolgen, da viele PatientINNen nach Joggen oder ausgedehntem Wandern sowie nach Gartenarbeit am Nachmittag oder Abend dann nachts verstärkte RLS-Beschwerden haben. Auch eine gedankliche Ablenkung durch geliebte Hobbys wie z.B. Bastelarbeiten, Spielen, Lesen kann die Symptome erträglicher machen.
Selbsthilfe
Viele RLS-PatientINNen haben einen langen Leidensweg hinter sich, deshalb bilden gerade die heimatnahen Selbsthilfegruppen von der Deutschen Restless Legs Vereinigung (RLS e.V.) ein gutes Forum, um sich mit anderen Betroffenen auszutauschen.
Naturheilkundliche Therapieansätze
Aus ganzheitlicher Sicht handelt es sich bei den folgenden vier Faktoren um die wichtigsten Mit-Ursachen des Restless Legs Syndroms. Daher sollten diese vier Punkte im Mittelpunkt einer naturheilkundlichen Restless Legs Syndrom-Therapie stehen (sie führt nicht einfach nur Dopamin zu, sondern behebt die Ursachen der Störungen im Dopaminhaushalt).
Vitamin-D-Mangel
Beim Restless Legs Syndrom wird überdurchschnittlich häufig ein Vitamin-D-Mangel festgestellt. Optimiert man den eigenen Vitamin-D-Wert, erhöht dies den Dopaminspiegel im Gehirn.
Chronische Entzündungen
Das Restless Legs Syndrom wird inzwischen - wie schon oben erwähnt - mit einer Vielzahl von Krankheiten in Zusammenhang gebracht, die auf eine chronische Entzündung schliessen lassen. In einem Review aus 2012 fand man beispielsweise heraus, dass in 95 Prozent der 38 Krankheiten, von denen man glaubt, dass sie Restless Legs Syndrom auslösen oder verschlimmern, chronische Entzündungen oder Immunreaktionen eine Rolle spielen. Ein weiterer Hinweis ist, dass ein Restless Legs Syndrom umso schwerwiegender verläuft, je höher der CRP-Wert im Blut steigt, ein Wert, der auf eine systemische Entzündung hinweist. Cortison wirkt u. a. Bei chronisch entzündlichen Erkrankungen jedweder Art ist in jedem Fall eine entzündungshemmende Lebensweise erforderlich. Dazu gehören eine entzündungshemmende Ernährung (basenüberschüssig, nährstoffreich, giftarm, vollwertig, antioxidantienreich, reichliche Omega-3-Fettsäuren und weniger Omega-6-Fettsäuren), ein wirksames Stressmanagement, regelmässige Bewegung sowie die Einnahme von Antioxidantien als Nahrungsergänzung, wie z. B. Curcumin, Astaxanthin, OPC o. ä.
Darmflorastörung (Dysbiose)
Gerade bei Autoimmunprozessen und chronischen Entzündungen ist ausserdem der Darm in der Entstehungsgeschichte der Krankheit sicher nicht unbeteiligt gewesen. Eine Studie fand heraus, dass 69 Prozent der Restless Legs Syndrom-Patienten auch an einer Darmflorastörung (Dysbiose) litten, hingegen nur 28 Prozent der gesunden Kontrollpersonen. Dabei stellte man zusätzlich fest, dass 28 Prozent der Restless Legs Syndrom-Patienten an einem Reizdarmsyndrom litten. Im oben genannten Review von 2012 zeigte man überdies, dass 32 Prozent der 38 Krankheiten, die mit dem RLS in Zusammenhang stehen, auch mit einer Dysbiose in Verbindung stehen. In einer kleinen Studie mit 7 Teilnehmern, die am Restless Legs Syndrom (RLS) litten, zeigte sich, dass bei RLS-Betroffenen auch eine Dünndarmfehlbesiedlung (DDFB) häufiger beobachtet (46) werden kann (46) als bei Menschen ohne dieses Syndrom (46). Bei der DDFB handelt es sich um eine Form der Darmflorastörung, die den Dünndarm betrifft. In o. g. Studie hatten sogar alle RLS-Patienten eine Dünndarmfehlbesiedlung. „Wenn wir die Details zum Zusammenhang zwischen RLS und DDFB erforschen, dann wird uns dies ganz neue Wege in Sachen Diagnose, Prävention und Therapie des RLS und anderer Schlafstörungen eröffnen“, sagte der Schlafpsychologe. In einer Studie der University of Athens vom Juni 2019 zeigte sich, dass bestimmte Probiotika bei einer DDFB hilfreich sein können. Alle Teilnehmer erhielten 30 Tage lang alle 12 Stunden je eine Kapsel mit einem Probiotikum aus Saccharomyces boulardii, Bifidobacterium lactis, Lactobacillus acidophilus und Lactobacillus plantarum.
Eisenmangel
Den Eisenmangel hatten wir bereits weiter oben erwähnt. Aufgrund seiner Wichtigkeit in Bezug auf das Restless Legs Syndrom gehen wir hier jedoch noch einmal auf diesen Aspekt ein. Jeder weiss, dass ein Eisenmangel zur Blutarmut (Anämie) führen kann. Weit weniger bekannt ist, dass Dopamin Eisen benötigt, damit es wie vorgesehen funktionieren kann. Das ist auch einer der Hauptgründe, warum das Restless Legs Syndrom so häufig bei Schwangeren entsteht, nach der Geburt aber langsam wieder verschwindet. Beim Restless Legs Syndrom führt daher eine Nahrungsergänzung mit Eisen sehr oft zu einer Besserung. In einer Studie beispielsweise zeigte sich spätestens nach 12 Wochen eine spürbare Linderung der Symptome. Ein Eisenmangel kann nun aber auch die Folge einer Dysbiose (Darmflorastörung), einer Darminfektion oder anderer chronisch entzündlicher Prozesse sein. Denn Entzündungen oder Dysbiosen lassen den Hepcidin-Spiegel steigen. Liegt nun eine Dysbiose vor, kann es sein, dass es zunächst nichts bringt, wenn man Eisen einnimmt. Daher müsste man sich in diesem Fall erst dem Aufbau der Darmflora widmen und anschliessend mit der Eisensupplementierung starten.
Weitere Maßnahmen
Neben dem oben beschriebenen Eisen muss insbesondere an Magnesium gedacht werden. Beinmassagen mit verdünntem ätherischen Kamillenöl oder Lavendelöl sind nützlich und lindern die Beschwerden. Akupunktur hilft vielen Menschen, genauso eine chiropraktische Untersuchung des unteren Rückens. In der Homöopathie werden beim Restless Legs Syndrom gewöhnlich die folgenden Mittel empfohlen, die jedoch idealerweise mit einem Homöopathen abgesprochen bzw. Hat man sich für ein Mittel entschieden, kann man davon 3 x täglich 5 Globuli in der D12 nehmen. Lässt die Wirkung nach, kann man in eine höhere Potenz wechseln, z. B. zur C30 (3 x 3 Globuli). Bis die höhere Potenz wirkt, soll man die niedere noch weiter nehmen. Der B-Vitamin-Komplex ist bekannt dafür, die Nerven zu schützen.
Parkinson-Erkrankung und RLS
Weltweit sind 6,1 Millionen Menschen von der Parkinson-Erkrankung betroffen, in Deutschland allein gibt es etwa 400.000 Parkinson-Patienten. Es gibt erbliche Formen der Parkinson-Erkrankung, diese treten jedoch häufig bei jüngeren Patienten auf und weitere Familienmitglieder sind betroffen. Diese Patienten sollten in Rücksprache mit ihrem Neurologen auch genetisch getestet werden oder sich in einer Spezialsprechstunde für Bewegungsstörungen vorstellen.