Pille und Schlaganfallrisiko: Erfahrungen und Fakten

Die Antibabypille ist für viele Frauen ein fester Bestandteil ihres Lebens. Sie ermöglicht eine unkomplizierte Verhütung und kann zusätzlich positive Nebeneffekte wie reine Haut und einen regelmäßigen Zyklus mit sich bringen. Doch die Einnahme der Pille ist nicht ohne Risiken. Ein Schlaganfall gehört zu den schwerwiegendsten Komplikationen, die im Zusammenhang mit der Pille auftreten können. Dieser Artikel beleuchtet das Thema "Pille und Schlaganfallrisiko" umfassend, indem er persönliche Erfahrungsberichte, medizinische Fakten und Präventionsmaßnahmen miteinander verbindet.

Persönliche Erfahrungen: Wenn die Pille zum Risikofaktor wird

Julia Baumgarten, die österreichische Bloggerin hinter "Missfinnland", teilt ihre persönliche Geschichte, um junge Frauen vor den Gefahren unbedachten Verhaltens zu warnen. Im Frühjahr 2011 erlitt sie im Alter von 25 Jahren einen Schlaganfall. Auslöser war laut Ärzten die Kombination aus Rauchen und der Einnahme der Antibabypille.

Ihr Tag begann wie gewohnt mit Kaffee und einer Zigarette, begleitet von leichten Kopfschmerzen. Auf dem Weg zur Arbeit in Wien verspürte sie in der U-Bahn plötzlich einen Stich im Hinterkopf und ihr wurde schwindlig. Eine Kollegin rief einen Krankenwagen. Während der Wartezeit bemerkte Julia Koordinationsprobleme. Im Krankenhaus wurde sie zunächst mit einer Infusion versorgt und entlassen, doch in der Nacht wachte sie mit starken Kopfschmerzen auf und konnte kaum noch gehen. Erst als das Schwindelgefühl anhielt, rief sie erneut einen Krankenwagen. Nach eingehender Untersuchung wurde ein Schlaganfall diagnostiziert.

Julia Baumgarten musste neun Tage im Krankenhaus verbringen und Physiotherapie machen. Sie gab das Rauchen auf und musste vier Wochen zu Hause bleiben. Glücklicherweise trug sie keine bleibenden Schäden davon, muss aber seitdem Blutverdünner einnehmen.

Dijana, eine Künstlerin aus Stuttgart, erlitt mit 33 Jahren einen Schlaganfall. Auch bei ihr stand die Pille im Verdacht, eine Rolle gespielt zu haben. Nach dem Absetzen der Pille verbesserten sich ihre Blutwerte innerhalb von zwei Tagen deutlich. Viele Frauenärzte hätten ihre Beschwerden abgetan und ihr gesagt, sie solle sich nicht so anstellen. Dijana wünscht sich mehr Aufklärung über die Risiken der Pille und fordert, dass Präparate mit besonders hohen Risiken aus dem Verkehr gezogen werden.

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Sandra erlitt mit 30 Jahren einen Schlaganfall während einer Wanderung in den italienischen Alpen. Die Ärzte konnten keine eindeutige Ursache finden, vermuteten aber, dass die Pille in Kombination mit Anstrengung und Aufenthalt in großer Höhe eine Rolle gespielt haben könnte. Seitdem verhütet sie nicht mehr hormonell und setzt sich für eine bessere Aufklärung über das Schlaganfallrisiko durch die Pille ein.

Medizinische Fakten: Wie die Pille das Schlaganfallrisiko beeinflusst

Prof. Dr. Krämer, ein Experte für Schlaganfälle bei jungen Menschen, betont, dass Schlaganfälle in jungen Jahren keine Seltenheit sind. Etwa 15 Prozent aller Schlaganfälle treten bei Menschen unter 55 Jahren auf. Bei den unter 45-Jährigen sind Frauen häufiger betroffen als Männer, was unter anderem auf hormonelle Faktoren zurückzuführen ist. Raucherinnen, die die Pille nehmen, haben ein erhöhtes Schlaganfallrisiko, das durch Migräne noch weiter verstärkt wird.

Die Pille erhöht das Risiko für ischämische Schlaganfälle und Hirnvenenthrombosen (HVT), insbesondere bei Frauen mit zusätzlichen Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck, Übergewicht oder Migräne mit Aura. Östrogenhaltige Pillen erhöhen das Schlaganfallrisiko um ein Vielfaches, wobei das Risiko mit höherem Östrogengehalt steigt. Eine Studie zeigte, dass das Risiko vornehmlich auf das erste Jahr der Einnahme beschränkt ist.

Prof. Frank Erbguth, Präsident der Deutschen Hirnstiftung, empfiehlt, die individuellen Risiken einer oralen Kontrazeption mit dem Gynäkologen und gegebenenfalls weiteren Fachdisziplinen zu besprechen. Eine Thromboseneigung kann vorab mit Laboruntersuchungen ausgeschlossen werden, und bei Migräne-Verdacht sollte eine neurologische Mitbehandlung erfolgen.

Ursachen und Risikofaktoren für Schlaganfälle bei jungen Menschen

Im Gegensatz zu älteren Menschen, bei denen Schlaganfälle meist durch Gerinnsel aufgrund von Herzrhythmusstörungen oder Arteriosklerose verursacht werden, haben jüngere Menschen oft andere Ursachen. Dazu gehören:

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  • Einrisse in der Gefäßwand (Dissektionen): Diese können zur Gerinnselbildung führen, die ins Gehirn gelangen und dort eine Arterie verschließen.
  • Löcher im Herzen (PFO): Durch diese können Gerinnsel ins Gehirn gelangen.
  • Hormonelle Faktoren: Rauchen und die Einnahme der Pille erhöhen das Schlaganfallrisiko, insbesondere bei Frauen unter 45 Jahren.
  • Migräne: Insbesondere Migräne mit Aura kann das Risiko für ischämische Schlaganfälle erhöhen.
  • Seltene Ursachen: Es gibt viele seltene Ursachen für Schlaganfälle bei jungen Menschen, nach denen gesucht werden sollte.

Prävention und Minimierung des Risikos

Um das Schlaganfallrisiko im Zusammenhang mit der Pille zu minimieren, sollten folgende Maßnahmen beachtet werden:

  • Gesunde Lebensweise: Nichtrauchen, regelmäßige Bewegung und eine gesunde mediterrane Ernährung sind wichtige Präventionsmaßnahmen.
  • Risikofaktoren reduzieren: Übergewicht reduzieren, Bluthochdruck und Diabetes behandeln lassen.
  • Individuelle Beratung: Die individuellen Risiken einer oralen Kontrazeption mit dem Arzt besprechen.
  • Alternativen zur Pille: Bei Vorliegen von Risikofaktoren alternative Verhütungsmethoden in Betracht ziehen.
  • Aufklärung: Frauen müssen besser über das Schlaganfallrisiko durch die Pille aufgeklärt werden.

Menstruelle Migräne und hormonelle Einflüsse

Migräne ist ein Risikofaktor für Schlaganfall und andere vaskuläre Ereignisse. Es besteht umfangreiche Evidenz, dass ein erhöhtes Risiko für ischämische Schlaganfälle sowohl mit der Migräne ohne Aura als auch mit der Migräne mit Aura assoziiert ist. Viele für die Pathophysiologie der Migräne relevante Gehirnareale, das kraniale Gefäßsystem, die Dura mater sowie das Hinterhorn des Rückenmarks exprimieren Estrogen-Rezeptoren. Dadurch können schmerzhafte Reize moduliert werden. Migräneattacken können in zeitlicher Relation zum menstruellen Fenster auftreten.

Mehr als 50 % der Frauen mit Migräne berichten über einen Zusammenhang zwischen Menstruation und Migräne. Die Prävalenz der reinen menstruellen Migräne ohne Aura schwankt zwischen 7 % und 14 % bei Migränepatientinnen, während die Prävalenz der menstruationsbedingten Migräne ohne Aura zwischen 10 % und 71 % bei Migränepatientinnen variiert. Etwa eine von drei bis fünf Migränepatientinnen hat im Zusammenhang mit der Menstruation eine Migräneattacke ohne Aura.

Die Rolle von Hormonen bei Migräne

Die Mechanismen der Migräne unterscheiden sich möglicherweise in Abhängigkeit davon, ob die endometriale Blutung als Folge des normalen endogenen Menstruationszyklusses oder eines Entzuges von externen Gestagenen (wie bei kombinierten oralen Kontrazeptiva und einer zyklischen Hormonersatztherapie) auftritt. Es gibt Hinweise, dass zumindest bei einigen Frauen menstruelle Migräneattacken durch einen Estrogenentzug ausgelöst werden können, auch wenn möglicherweise andere hormonelle oder biochemische Veränderungen zu diesem Zeitpunkt des Zyklus ebenfalls relevant sein können.

Estrogene entwickeln ihre biologische Wirkung im zentralen Nervensystem durch genomische oder nichtgenomische zelluläre Mechanismen. Dadurch können die Neurotransmission und die Zellfunktion verändert werden. Zahlreiche Gehirnareale, die in der Pathophysiologie der Migräne involviert sind, exprimieren Estrogenrezeptoren. Dies trifft insbesondere für den Hypothalamus, das Kleinhirn, das limbische System, Brückenkerne sowie das periaquäduktale Grau (Substantia grisea periaquaeductalis) zu.

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